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Autor Thema: [Film] Auslöschung / Annihilation  (Gelesen 350 mal)

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Online First Orko

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[Film] Auslöschung / Annihilation
« am: 3.04.2018 | 11:29 »
Auf Netflix wird derzeit der neue Film von Alex Garland (Dredd, Ex Machina) beworben. Zugrunde liegt das gleichnamige Buch welches ich noch nicht gelesen habe, ist aber wohl der erste Teil einer Trilogie(?). Ich beziehe mich nachfolgend daher ausschließlich auf den Film.

Zunächst mal hatte mich der Pitch auf Netflix überhaupt gar nicht angesprochen, so dass ich nicht mal nach dem Regisseur geschaut habe. Ohne Empfehlung eines Bekannten hätte ich den jedenfalls völlig zu Unrecht ignoriert!

Worum es geht: Etwas stürzt auf die Erde und erzeugt eine für jede Art von Sensorik undurchdringliche Zone (der "Shimmer" benant nach dem regenbogenartigen Glanz der Grenze), die sich langsam ausbreitet. Eine Sondereinheit aus Militär/Wissenschaftler schickt Drohnen und Soldaten rein, von denen nichts zurück kommt außer ein einzelner Soldat, der aber nachfolgend gezeichnet ist, sich an nichts erinnert und langsam stirbt. Seine Frau (Biologin) schließt sich daraufhin einer Gruppe Wissenschaftlerinnen an, von denen jede einen anderen Grund hat, sich auf das Himmelfahrtsunternehmen einzulassen. Ziel ist der Leuchtturm als vermutete Quelle der Zone um dort nach einer Möglichkeit zu forschen, den Shimmer am Ausbreiten zu hindern. Oder überhaupt mal herausfinden, was da so los ist.

Der Film fängt in meinen Augen äußerst schwach und klischeebeladen an (Hauptprotagonistin mit Lebensproblem weil Soldatenfreund seit 1 Jahr in Supergeheimauftrag verschollen ist), steigert sich aber ordentlich, sobald es in die Zone geht, wird dann nach und nach immer verstörender und verwirrender bis zu einem mindestens streitbaren Finale.

Mir wurde der Film mit einem Vergleich zu 2001 schmackhaft gemacht, auch wenn das nur in einem abstrakten Rahmen trifft - auch das wurde mir so gesagt und es stimmt. Annihilation schlägt den Bogen von extraterestrial-mystery-Horror (weiß nicht, wie ich das sonst nennen soll) zu einer waschechten SciFi-Thematik am Ende mit einer etwas verschlüsselten Aussage, die sich möglicherweise nicht jedem erschließt und die vielleicht auch gar nicht so eindeutig ist.
Ich habe zumindest eine Idee, worum es geht und zumindest die Art, wie hier _völlig_ fremdartiges Leben und das Zusammentreffen auf die terranische Fauna dargestellt wird, ist bisher einzigartig und ein für mich erfrischend neuer Ansatz.

Das Ende ist stellenweise artsy-fartsy mit einer gelungenen Remineszenz an
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aus 2001. Wie in der Vorlage steht die Szene sicher nicht allein für sich sondern hat eine Funktion, die über das Dargestellte hinaus geht und keine eindeutige Interpretation liefern will.

Das muss man mögen! Und das gilt auch für den Rest des Films. In der Zone gibt es ein paar gelungene wtf-Momente, Horrorszenen die mich völlig eiskalt erwischt haben und irgendwie deplatziert wirken und daneben einige sehr gelungene Bilder. Insgesamt wirkt der Shimmer dramaturgisch ebenso verwirrend auf den Zuschauer, wie auf die Protagonisten und ich wage die Behauptung (mit Hinblick auf die Historie des Regisseurs) dass das beabsichtigt ist.

Würde man mich zwingen zu vergleichen, dann wäre der Ansatz wohl: Ein Cocktail aus 20% Contact, 30% Alien, 30% Stalker, 20% 2001 und das Ganze abgerundet mit einer deutlichen B-Movie Note.

Ein guter SciFi-Film? Zeug zum Klassiker? Hm. Vermutlich ist er dafür zu unkonkret und unspektakulär. Aber für Genrefans durchaus zu empfehlen. Deutlich kantiger als der auf Hochglanz geschliffene Ex Machina, dabei wesentlich tiefer gehend in der Thematik.
« Letzte Änderung: 3.04.2018 | 11:33 von First Orko »
It's repetitive.
And redundant.

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Online Antariuk

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #1 am: 3.04.2018 | 13:38 »
Nachdem mich der Trailer so gar nicht abgeholt hatte, habe ich den Film mit einem Freund spontan geguckt und war überrascht, wie gut er mir doch gefallen hat.

Ich stimme allen deinen Punkten im Grunde zu, Annihilation pendelt irgendwie zwischen A-Movie und B-Movie. Ich glaube dass dem Film eine etwas unkonventionellere Strukur sehr gut getan hätte, was die zeitlichen Abläufe angeh, anstatt alles brav nacheinander aufzuschlüsseln. Die eine vorhandene, durch Rückblenden initiierte, Enthüllung fand ich ziemlich mager. Der Bizarro-Faktor innerhalb des Shimmers war aber wirklich genial, das war ein cinematisches Fest. Die besten Aspekte aus Numenera und STALKER, mit extra bunten Farben.

Wer mir (wieder mal) auf die Nerven ging war Oscar Isaac. Ich weiß nicht wieso der überall mitspielen muss... der ist gut, aber nicht so gut. Außer seinem Dackelblick hat der auch nichts gebracht. Ist irgendwie so der Jai Courtney für höhere Lohngruppen, habe ich das Gefühl. Da hätte es gerne jemand anderes sein können.
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Offline tartex

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #2 am: 3.04.2018 | 21:20 »
Fand den Film sehr gut. Hatte irgendwie auch eine Lovecraft-Note. Und Lovecraft-Vibe gibt es in Filmen ja eher selten. Ich hätte das jetzt auf keine bestimmte Geschichte bezogen, aber die Parallelen zu Die Farbe aus dem All sind schon deutlich, nachdem mich jemand darauf hingewiesen hat.

Dann hatte ich auch noch Assoziationen zu A Heart of Darkness. (Und Stalker. Aber das wurde ja schon genannt.)

Ein Film, den ich mir gerne ein zweites Mal anschauen werde, weil es für mich eher um Stimmung als um Plot geht.

Under the Skin mit Scarlett Johanson funktioniert ja irgendwie ähnlich von der Stimmung, auch wenn die Perspektive eine andere ist, aber ist natürlich noch 100x besser. (Für mich, weil mehr artsy und noch weniger plottig.)
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Offline Jedi_Master

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #3 am: 3.04.2018 | 21:39 »
Bin nicht richtig warm geworden mit dem Film. Das Setting und der Spannungsaufbau stimmen schon, aber ich steh einfach nicht auf Filme die keinen würdigen Abschluss haben (offenes Ende).

Offline Talwyn

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #4 am: 16.04.2018 | 09:28 »
Das mit dem offenen Ende mag halt daran liegen, dass es sich um die Verfilmung des ersten Bandes einer Trilogie handelt. Wobei ich persönlich finde, dass das Ende gar nicht so offen war bzw. zumindest kein richtiger Cliffhanger. Das kann man IMO auch eher im Sinne des typischen Horrorfilm-Tricks lesen, dass in der letzten Einstellung das scheinbare Happy End doch noch revidiert wird um zu zeigen, dass das Grauen eben doch nicht aufgehalten werden kann. Zwingend notwendig finde ich eine Fortsetzung hier nicht. Ganz im Gegenteil - Fortsetzungen versuchen dann oft die Fragen zu beantworten, die der/die Vorgänger offen gelassen haben. Aber gerade die unbeantworteten Fragen lassen doch Spielräume für eine eigene Interpretation, was gerade solche Mystery-Plots viel effektiver macht. Aus dem selben Grund ist es auch eine schlechte Idee, das Monster zu deutlich zu zeigen. Im Idealfall huscht es irgendwo abseits des Kamerafokus für eine halbe Sekunde durchs Bild und bleibt im Schatten. Full frontal monster footage ist einfach nicht wirklich gruselig. Aus den genannten Gründen habe ich mir z.B. Alien Covenant bis heute bewusst nicht angeschaut, weil ich gelesen habe, dass darin soviel erklärt wird, dass ich befürchte, dass dadurch für mich die ganze Franchise verlieren würde.

Bezogen auf Annihilation finde ich eigentlich, dass das Ende durchaus Fingerspitzengefühl bei der Produktion erkennen lässt. So wie es ist, kann man es stehen lassen, aber im Zweifelsfall bietet es auch einen guten Aufhänger für eine Fortsetzung - die, wenn man sich anschaut was der Film eingespielt und gekostet hat, wohl eher nicht kommen wird.

Online Rumpel

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #5 am: 16.04.2018 | 09:51 »
Das mit dem offenen Ende mag halt daran liegen, dass es sich um die Verfilmung des ersten Bandes einer Trilogie handelt.

Eigentlich nicht - der Film weicht so stark von dem Buch ab, dass er sich eigentlich jede Möglichkeit verbaut, die Folgebände zu verfilmen. Und Alex Garland hat m.E. auch irgendwo gesagt, dass er nur den ersten Band kannte, als er das Drehbuch geschrieben hat, und das Drehbuch als "Traum von dem Roman" verfassen wollte, d.h. als thematisch und atmosphärisch stark davon inspiriertes, eigenes und eigenständiges Werk.
Ich fand den Film auch sehr gelungen, besonders die tänzerische Finalsequenz, die mich rein visuell wirklich hat erschauern lassen ... thematisch ist der Roman mE. auch ganz gut getroffen, wobei der Film wesentlich mehr in Richtung Horror geht als das Buch und das Buch deutlich mehr skurrilen Humor zeigt - im Roman fehlt z.B. das ganze apokalyptische Bedrohungsszenario (zumindest zu Anfang), die Southern Reach gibt es da seit 30 und nicht 3 Jahren, und die Geheimbehörde ist auch irgendwie ein schrägerer und verrückterer Verein als im Film.

Ein bisschen schade finde ich es um die vielen fehlenden Aspekte des Romans, aber an sich fand ich den Film wirklich sehr gut!
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Offline Talwyn

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #6 am: 16.04.2018 | 10:09 »
Eigentlich nicht - der Film weicht so stark von dem Buch ab, dass er sich eigentlich jede Möglichkeit verbaut, die Folgebände zu verfilmen. Und Alex Garland hat m.E. auch irgendwo gesagt, dass er nur den ersten Band kannte, als er das Drehbuch geschrieben hat, und das Drehbuch als "Traum von dem Roman" verfassen wollte, d.h. als thematisch und atmosphärisch stark davon inspiriertes, eigenes und eigenständiges Werk.

Interessant, das wusste ich gar nicht. Die Bücher stehen bei mir noch auf der Lesen-Liste, bin sehr gespannt. Was deine Einschätzung des Films angeht schließe ich mich an, mir hat er auch sehr gut gefallen. Habe ihn um 3:30 Uhr morgens angemacht und ohne Problem bis zum Ende durchgeguckt, das will was heißen (unter anderem, dass ich gerade unter fiesen Schlafstörungen leide, aber nicht nur das!).

Online Rumpel

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #7 am: 16.04.2018 | 10:13 »
Interessant, das wusste ich gar nicht. Die Bücher stehen bei mir noch auf der Lesen-Liste, bin sehr gespannt.

Mach das unbedingt! Ich fand die Trilogie toll, besonders die ersten beiden Bände, und der Film ist so anders, dass er einen eigentlich überhaupt nicht spoilert ...
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Offline Pixellance

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Re: [Film] Auslöschung / Annihilation
« Antwort #8 am: 16.04.2018 | 12:50 »
Mach das unbedingt! Ich fand die Trilogie toll, besonders die ersten beiden Bände, und der Film ist so anders, dass er einen eigentlich überhaupt nicht spoilert ...

ja die Bücher sind nicht nur handlungstechnisch spitze. Im Original ist es eins der klarsten und elegantesten Verwendung der englischen Sprache die ich je gelesen habe.

Und der Anfang von Band 2 ist eine der besten sozialpsychologischen/orgasoziologischen Beschreibungen von
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