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Autor Thema: Poutine / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 1787 mal)

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Offline Thallion

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Poutine / Bewertung & Rezensionen
« am: 6.09.2018 | 09:12 »
Hier könnt ihr eure Meinung zu Poutine abgeben und nach Punkten bewerten.

PDF-Seite
Poutine

Spielhilfen-Übersicht
Hier gelangt ihr zu der Auswertung und Übersicht bereits bewerteter Spielhilfen:
https://rollenspiel-bewertungen.de/tanelorn/spielhilfen/

Klappentext: 

This is a game about love, regret, and delicious, delicious poutine. In it, you will tell the stories of people living in a small town, their hardships, and their perseverance. It's designed for two (or more) players, and is heavily influenced by Avery Alder's A Place to Fuck Each Other, Jason Pitre's Spark, and D. Vincent Baker's Apocalypse World.

The game is centred around a small restaurant, and the people who frequent it. The restaurant is a place of confession, and perspective. Players will make, and play these people in scenes with other citizens of the town; but they will also be playing with a "third wheel", a player who represents the hardships these people face in their day to day life.

To play, you will need a print out of this document, some pencils (or pens), and a space to play.

Online Chiarina

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #1 am: 6.09.2018 | 23:13 »
Stellt euch einen Film über eine Kleinstadt in Quebec, Kanada vor. Die kleinen Leute dort haben alle ihre eigenen Probleme, Leiden oder unerfüllten Wünsche, sie sind zum größten Teil vom Schicksal geschlagen. Wenn sie sich aber in ihrer Misere dann doch ´mal etwas gönnen wollen, dann verabreden sie sich mit Freunden im leckersten Schnellimbiss am Ort um gemeinsam eine gute Portion Poutine (kanadisches Fastfood: Pommes mit Cheddarkäsestückchen und Bratensoße) zu essen, sich gegenseitig von ihrem Leben zu erzählen, sich zu trösten und sich übereinander aufzuregen. "Poutine" ist eine Art Kammerspiel und findet fast ausschließlich in besagtem Schnellimbiss statt. Vom Leben der Gäste erfährt man hauptsächlich durch ihre Gespräche.

Auf ein kurzes Setup folgt eine ebenso kurze Charaktererschaffung. Wichtigster Punkt dabei ist die Wahl eines "regret": eines Leidens, eines Bedauerns oder eines unerfüllten Wunsches des Charakters.

Die Szenen beginnen damit, dass Gäste das Restaurant betreten und ein Gericht wählen. Dann essen und unterhalten sie sich.

Ein Spieler, der keinen Gast spielt, kann die Rolle des "Kellners" übernehmen. Er soll die Konversation in Gang halten, aufpassen, dass die Gäste bei ihren Gesprächen beim Thema bleiben, hin und wieder Ratschläge geben und eventuell auch mal den Advokaten des Teufels spielen. Der "Kellner" kann wirklich ein Kellner sein, er kann aber auch in Form des Restaurantbesitzers oder des Kochs auftreten. Wenn eine Szene endet, geben die Gäste dem "Kellner" Trinkgeld. Die Höhe hängt davon ab, wie zufrieden sie mit ihm sind. Das Trinkgeld ist eine Ressource, die dem Spieler des "Kellners" später ermöglicht, für seinen Charakter besondere Szenen zu wählen.

Das Spiel verwendet metaphorisch Begriffe aus dem Restaurantwesen für Lebensabschnitte und -ereignisse der sich unterhaltenden Gäste. Die Gäste wählen ein Gericht, aber damit wählen die Spieler gleichzeitig einen bestimmten Verlauf, den das Leben ihres Charakters genommen hat. Was auch immer da geschehen ist wird natürlich das folgende Gespräch bestimmen.

Ein wichtiges Werkzeug des Spiels ist die Menükarte. Hier finden sich die einzelnen wählbaren "Gänge" und Beispiele dafür, was sie im übertragenen Sinne für die Charaktere bedeuten könnten. Wenn ich eine neue Figur einführen will, wähle ich wahrscheinlich erstmal einen Appetizer (etwa: "the chef who dreams big"). Um einen Story Arc in Gang zu bekommen, wähle ich ein All-Day Breakfast (vielleicht "a visitor from the past"), um vorhandene Probleme zu steigern braucht man "Lunch" (beispielsweise "Make them pay"). Ein paar Gänge kosten etwas. Diese Kosten müssen aus dem Trinkgeld bezahlt werden, das ein Spieler in seiner Rolle als Kellner verdient hat. Wer beispielsweise ein Thema möchte, das sich mal nicht um die eigene Misere dreht, der zahlt einen kleinen Betrag (und wählt dann vielleicht "Hobbies"), auch seine Mahlzeit mitzunehmen (und die Szene damit an einem anderen Ort stattfinden zu lassen) kostet ein wenig. Um einen Story Arc dem Ende zuzuführen braucht es ein "Dinner", das schon etwas teurer ist (vielleicht "an illness wins"). Am teuersten aber ist ein glückliches Ende eines Story Arcs, dies bedarf eines "Desserts" (das vielleicht "Freedom" heißt). Der "Kellner" kann noch ein paar Spezialitäten ("Tagesangebote") aus dem Ärmel ziehen (beispielsweise einen Bekannten auftauchen lassen, der die letzten Sätze der sich Unterhaltenden mitanhört).

Wenn eine Spielsitzung endet, wird ein Charakter zum "Angestellten der Woche" gewählt. Alle Nominierten bekommen noch ein wenig Trinkgeld, der Sieger beginnt in der nächsten Sitzung als erster Gast.

Wenn ein Charakter sein "Dinner" oder "Dessert" hatte, kann sein Spieler ihn zur Ruhe setzen oder mit einem "Breakfast" für ihn ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlagen.

Der Rest der Regeln enthält Beispiele und Spieltipps über das Framen von Szenen, Vergeben von Trinkgeld, Beenden von Szenen, Spielgeschwindigkeit und das Erfinden neuer Ereignisse, die sich nicht auf der Menükarte finden lassen ("Ordering Off-Menu"). Auch eine rudimentäre Karte von der Ortschaft, in der sich das Restaurant befindet, ein Cheat-Sheet für den "Kellner" und ein Sicherungspapier für das Festhalten der Story Arcs liegt bei.

Das Thema des Spiels ergibt sicher nicht unbedingt epische und lange Kampagnen. Die Regeln für den "Angestellten der Woche" und die Möglichkeit für mehrere Story Arcs hintereinander zeigen aber, dass zumindest mehr als ein OneShot angedacht ist. Ich finde eine Minikampagne von vielleicht drei oder vier Sitzungen für das Spiel am angemessensten.

Beim Lesen der Regeln fühlte ich mich irgendwie sehr an Jim Jarmusch Filme erinnert. Ich hatte gleich Bilder von dem Restaurant und dem großartigen Koch im Kopf, der nie bekannt wird, weil er in dieser hinterwäldlerischen Kleinstadt arbeitet. Ich stellte mir auch gleich vor, wie die Leute an ihren Tischen die Köpfe zusammenstecken und wie sich zwischen ihnen ein manchmal etwas aufdringlicher und extravaganter Kellner hindurchbewegt. Meine Phantasie ist jedenfalls angeregt. Ich würde das Spiel gern mal ausprobieren.

Der Autor schreibt, das Spiel sei "still in early playtest". Mag sein. Einige Aspekte sind nicht allzu penibel ausgearbeitet. Das Framing der Szenen ist beispielsweise kaum geregelt. Die Gruppe beschließt einfach, wer das Restaurant betritt und sich zu unterhalten beginnt. Auch wer Kellner ist, ist nicht so richtig klar. Die Spieler sollen sich abstimmen und darauf achten, dass jeder mal dran ist. Durch solche vagen Ansagen wackelt es an einigen Stellen ein wenig... aber auch wirklich nur ein wenig. Die offenen Fragen betreffen Dinge, die sich entweder ganz einfach regulieren lassen (beispielsweise durch das Wörtchen "reihum") oder die sich von selbst ergeben und gar keine Regel brauchen.

Wer sich mit mir auf eine Portion Poutine verabreden möchte, darf sich gerne melden.

Zuletzt zitiere ich die Widmung, die der Autor an den Schluss seines sympathischen Spiels gestellt hat:

"This game is dedicated to everyone who grew up in a small town, and never truly left. Where would we be without our trials and tribulations?"
« Letzte Änderung: 6.09.2018 | 23:30 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

Offline Grimtooth's Little Sister

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #2 am: 7.09.2018 | 00:15 »
Bei dieser Abstimmung fehlt die Option "sehr seltsam."  ;D
Fliegen bei einem Scientologen im Schampusglas - wenn Insekten in Sekten in Sekt enden.

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Offline felixs

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #3 am: 7.09.2018 | 16:55 »
Bei dieser Abstimmung fehlt die Option "sehr seltsam."  ;D

Das habe ich auch gedacht.

Ich kann nicht verstehen, warum man das spielen will. Völlig wertungsfrei. Ich halte auch niemanden für verrückt, der das mag. Ich kann es nur einfach nicht nachvollziehen.
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Ucalegon

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #4 am: 9.09.2018 | 14:45 »
Danke für den Eindruck zu Poutine.  :d

Die Idee der Takeout-Szene, die quasi die Einheit des Ortes bricht, finde ich interessant.

Listenwahl-Rollenspiele müsste man mal als eigene Designrichtung anschauen. Poutine erinnert mich an Alienòr, das ja auch um Themenlisten für mehr oder weniger vertraut-intensive Gespräche aufgebaut ist.

Offline Grimtooth's Little Sister

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #5 am: 15.10.2018 | 16:04 »
So, hatte das am Wochenende zwischen Umzugsgedöns mal mit den Umzugshelfernachbarn ausprobiert. War super. Vielleicht aber auch deswegen, weil die Leut normalerweise keine RPGs spielen sondern eher ähliche im Brettspielbereich angelegte Sozialspiele.
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Offline felixs

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #6 am: 15.10.2018 | 16:07 »
So, hatte das am Wochenende zwischen Umzugsgedöns mal mit den Umzugshelfernachbarn ausprobiert. War super. Vielleicht aber auch deswegen, weil die Leut normalerweise keine RPGs spielen sondern eher ähliche im Brettspielbereich angelegte Sozialspiele.

Hast Du das Setting angepasst?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Leute gibt, die mit "Poutine" überhaupt etwas anfangen können.
Wäre das deutsche Äquivalent nicht eher "Uschis Grillstube" mit der leckeren Currywurst-Pommes?
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Offline Grimtooth's Little Sister

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #7 am: 15.10.2018 | 16:29 »
Das Restaurant hab ich "Unterm Antonius" genannt, schon damit jeder fragt, warum das so heißt (weils unterhalb der Antoniuskirche liegt) und hier in Recklinghausen platziert. Sollten ja auch alle mit der Kleinstadt, aus der sie kommen, was anfangen können.  ;)

Als SCs hatten wir

-den pseudoschwulen Koch, der eigentlich hetero ist, aber schwul kommt bei den "Aktivisten," die hier so oft einkehren, eben besser. Deswegen denken manche, Antonius könnte auch der Liebhaber des Kochs sein.
-den Pfarrer der Antoniuskirche, der da hingeht, weil er da garantiert keine anderen Katholiken trifft. Irgendwann muss ja mal Feierabend sein. Eigentlich hat er längst den Glauben verloren.
-die grade verlassene Blumenladenbesitzerin, die alle mit einer Greenpeaceaktivistin verwechselt haben, und die zu schüchtern war, das Missverständnis aufzuklären.
-ihren 13-jährigen Sohn, der eigentlich mit seinen Kumpels online zocken wollte bis Mama ihn zum "ausgehen" aus dem Sessel zerrte. Die Verwechslung hat ihn amüsiert und er wünscht sich eigentlich, seine Mutter wäre wenigstens halb so cool.
-den heimwehkranken Iraner, der noch nicht richtig Deutsch kann und hier hauptsächlich deshalb hingeht, weil der Koch aus Prinzip kein Schweinefleisch verwendet und es deshalb egal ist, ob er die Karte richtig liest.
-die türkische Taxifahrerin, die eigentlich keine "Migranten" mag und das nicht im Widerspruch mit ihrer Nationalität sieht, denn sie ist ja schliesslich hier aufgewachsen. 
-den großmäuligen Fahrgast derselben (Taxi war kaputt und es regnete), der so tat als wäre er ein ganz großes Tier bei Opel, aber letztlich nur einsich als grad entlassener Fließbandarbeiter entpuppte.

Es war herrliches Chaos.
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Online Chiarina

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #8 am: 15.10.2018 | 19:10 »
Super! Freut mich sehr! Wart ihr wirklich sieben Spieler?
« Letzte Änderung: 5.12.2018 | 23:21 von Chiarina »
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Offline Schlawiner

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #9 am: 3.09.2019 | 20:14 »
Zu Poutine gibt es inzwischen auch eine deutsche (eigentlich sudhessische) Version, die als Grie Soß bei uns im Erzählspiel-Zine erschienen ist!

Online Flamebeard

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #10 am: 3.09.2019 | 20:39 »
Sehe ich das richtig, dass ihr bei 'Grie Soß' irgendwie alle Speisekarten-Preise genullt habt?
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Online Chiarina

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Re: Poutine / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #11 am: 3.09.2019 | 22:41 »
Ja, diese Trinkgeld-Regel fanden wir blöd. Niemand hatte Lust, die Kellner zu bewerten. Dafür gibt´s jetzt Bedingungen, die eingehalten werden müssen, um ein Gericht bestellen zu können.
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)