Autor Thema: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel  (Gelesen 1261 mal)

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Offline General Kong

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Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« am: 15.08.2019 | 17:39 »
Ich werde am Sonntag mein erstes Deadlands-Abenteuer nach der Urlaubspause fortsetzen und hatte schon beim letzten Mal vollmundig verkündet, dass mit "dreckigem Schaden" gespielt werde.

D.h. sollte eine Wunde (oder mehrere) genommen und nicht weggesteckt werden, so würfele man auf der Schadenstabelle und verliere bis zur Ausheilung der Wunde(n) einen Würfel Kon, die Nutzung von Hand, Arm, Auge oder sei lahm geschossen.

Hintergrund der Überlegung sind meine Westernkennnisse (Kino), z.B. in "El dOrado" mit dem Duke: mit andauernden Verletzungen schleppt sich John Wayne (und nicht nur der)  schtlich behindert durch den ganzen Film.

Außerdem kann man so durch einen glücklichen Treffer dem "Schnellen Tod östlich des Rio Grande" durch einen glücklichen rechten Armtreffer ein deutliches Handicap verpassen - oder sogar zur Aufgabe zwingen.

So weit, so gut. Aber kommt das auch im Spiel spaßig, schnell und furios oder ist das nur ein Klotz am Bein, wenn beispielsweise ein gegnerischer Wildcard ein Punkt Toughness verliert wegen eines Bauchschusses?
Für Gemüse-Gegner ist es ja eh wurscht.

Was ist mit dem Spielspaß der Spieler? Gibt das Pfeffer in die Suppe oder ist das Maggi in den Eisbecher?

Im ersten Teil des Abneteuers kam kein Wildcard zu Schaden, daher kann ich die Regel auf Grund dessen noch nicht selbst bewerten. Wie sind eure Erfahrungen mit "dreckigem Schaden" (bei Deadlands oder anderswo)? Wer kann etwas Erhellendes beitragen?

P.S.: Das es für die Sc dadurch z.T. etwas schwerer wird und man sich Dummfeuergefechte besser nochmals überlegt, ist beabsichtigt. Die Gegner "kennen" die Regel auch und handeln entsprechend.
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Online tartex

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #1 am: 15.08.2019 | 18:53 »
Persönlich finde ich, dass SaWo ja eh schon eine recht steile Todesspirale eingebaut hat, was es "anspruchsvoller" als D&D und somit den Mainstream macht.
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Offline Ham's the R

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #2 am: 15.08.2019 | 19:25 »
Prinzipiell bin ich ein echter Fan von zeitlich begrenzten Handicaps... wenn das Ganze im Rahmen bleibt.

Ich habe damit aber schlechte Erfahrungen gemacht.

Häufig wird nämlich von Seiten der Spieler vergessen, den Malus zu beachten. Das geschieht zumeist nicht einmal absichtlich.
Erinnert man einen Spieler in seiner Aktion daran, die dann aufgrund von Abzügen scheitert, ist der Frust gross.

Ein Spieler hat mir dazu gesagt (damals D&D bzw. Warhammer), dass es ihn ankäst aufzusteigen, um dann sämtliche Verbesserungen, aufgrund eines Zaubers oder einer Verletzung, gleich wieder zu verlieren und somit indirekt wieder runter gestuft zu werden.

Ein anderer Spieler meinte, wenn er Realität haben will, dann würde er kein Rollenspiel betreiben.
Ausserdem, so seine Ansicht (und da hatte er absolut Recht mit), betrifft die Regel eigentlich nur die Chars und nie die NSCs, da die Chars Kämpfe (fast immer) überleben und die NSCs eigentlich immer sterben würden.

Und einer meinte, eine solche Regel sei reine Gängelei. Es würde ihm keinen Spass machen, einen Char zu führen, der ständig auf dem Zahnfleisch kriechen würde.

Es war für mich somit klar, dass vielleicht Spieler die Gruppe verlassen könnten, wenn ich die Sache durchziehen würde. Also habe ich das gelassen.

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Ich weiss, dass Sie glauben, Sie verstünden, was ich geschrieben habe; aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie begreifen, dass das, was Sie gelesen haben, nicht das ist, was ich meine.

Offline nobody@home

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #3 am: 15.08.2019 | 19:45 »
Ausserdem, so seine Ansicht (und da hatte er absolut Recht mit), betrifft die Regel eigentlich nur die Chars und nie die NSCs, da die Chars Kämpfe (fast immer) überleben und die NSCs eigentlich immer sterben würden.

Das ist natürlich richtig. Abzüge o.ä. mit entsprechendem Dauereffekt wirken auf einen Charakter ja logischerweise nur, solange der überhaupt im Spiel ist -- und so ziemlich die einzigen Charaktere, die in so gut wie jeder Sitzung praktisch ständig im Spiel sind und nicht schnell mal eben bei Bedarf beiseitegelegt oder gegen Frischfleisch ausgewechselt werden können, sind in der typischen Rollenspielpraxis auch außerhalb von SaWo nun mal die SC. Probleme, die SC und NSC "fairerweise" gleichermaßen haben können sollen, wirken also normalerweise deutlich stärker zum Nachteil der Gruppe als zu dem von Fiesling Nummer Drei, der eh bloß in ein, zwei Szenen des laufenden Abenteuers mitspielt.

Offline Mocurion

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #4 am: 15.08.2019 | 19:54 »
In einer von den leider nur drei Sessions "Tour of Darkness" hat mein Sani-Char auf Patroullie in einem der ersten Gefechte direkt einen schweren Treffer in die Eingeweide erhalten und war damit ein Rettungsfall für den Rest des Teams.

Ich fand das ungeheuer stimmig für das Setting Vietnam und bildete für mich sehr gut den Eindruck der Filme ab, die man so kennt dazu, oder Band of Brothers o.ä.. Da war dann alles dabei, von Deckungsfeuer, einem herangerufenen Schützenpanzer als Deckung und zum Abtransport, die Hilflosigkeit der anderen Grunts, weil es ausgerechnet den Sani erwischt hatte und die von First Aid kaum einen Plan hatten, etc..

Ich würde sagen, es kommt durchaus aufs Setting an und welches Gefühl durch die dazu gehörigen Regeln transportiert werden soll und auf die Vorlieben der Spieler. Wenn die keinen Bock auf diese Art von Drama haben und sich da eher in der pulpigen Westernwelt sehen, dann macht es keinen Sinn in meinen Augen, dann wäre es eine absolute Bremse.

Wenn deine Spieler Lust auf die entstehenden Komplikationen haben und das für sie zum Spielgefühl dazugehören mag, dann kann das ungeheuer tolle Spielerfahrungen bedeuten.
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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #5 am: 15.08.2019 | 19:58 »
Bei Deadlands bekommt man schon durch die Furcht-Effekte genug auf die Mütze. "Dreckiger Schaden" sorgt dann dafür, dass die SC bis zu ihrem schnellen Ableben nur noch auf dem Zahnfleisch durch den Staub kriechen. Allgemein ist die Regel gut geeignet, um Kämpfe zu vermeiden. Musst du mit deiner Gruppe ausmachen ob sie einen Western spielen wollen, in dem man möglichst nicht schießt.
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Offline ManuFS

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #6 am: 20.08.2019 | 13:21 »
Das sind auch meine Erfahrungen. Gritty Damage sorgte immer sehr schnell dafür, dass die Spieler körperliche Konfliktsituationen wie die Pest gemieden haben. Das kann durchaus die gewünschte Richtung sein, wenn ein Szenario mehr Fokus auf Soziales und/oder "Hirn"-Rätsel legen will. :)
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Offline General Kong

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #7 am: 20.08.2019 | 18:43 »
Haben gestern gespilet und das vorher kurz besprochen: Alle (auch ich) waren der Meinung, dass "dreckiger Schaden" keine gute Idee ist. Auch mit "Blut und Eingeweide" (Schadenswürfe können ohne den Vorteil "Keine Gnade" von allen wiederholt werden) will man nicht spielen.

Aber war wieder gut. Und sie trotzdem überlegt gekämpft bzw. so agiert, dass die Gegner nur noch sagen konnten: "Ja, diesmal! Aber wir sehen uns wieder! Kein Knast kann mich halten!"

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Offline Vasant

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Re: Erfahrung mit "dreckigem Schaden" im Spiel
« Antwort #8 am: 21.08.2019 | 12:17 »
Auch mit "Blut und Eingeweide" (Schadenswürfe können ohne den Vorteil "Keine Gnade" von allen wiederholt werden) will man nicht spielen.
Dann seid ihr nicht savage genug für SWADE?  ~;D
Nur Spaß, klingt nach ner tollen Truppe.  :d