Autor Thema: Verrücktes Gedicht  (Gelesen 491 mal)

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Offline Der Läuterer

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Verrücktes Gedicht
« am: 2.09.2019 | 20:34 »
Das Gedicht 'Dunkel war's, der Mond schien helle' ist mit seinen widersprüchlichen Aussagen bekannt.

Nun, meine grauen Zellen haben da etwas ähnliches ausgebrütet.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich möchte das nicht einfach so in die Tonne treten.

Zuerst dachte ich daran, das einfach nur als sinnfreies Handout irgendwo in einem Szenario auftauchen zu lassen...
... aber ich hätte jetzt doch gerne etwas Substanz für die Cthulhu-Suppe.

Vielleicht fällt Euch ja etwas zu dem Gedicht ein.
Ich lasse mich da mal überraschen.



Weisse Rappen vorwärts traben
Schweif voraus und im Galopp
Drunter thronend alte Knaben
Auf dem Schimmel schwarz gescheckt

Ringsherum beredtes Schweigen
Toter Vogel fliegt vorbei
Leichen tanzen einen Reigen
Silbrig Mond mit Blut befleckt

Blinde Augen wachsam schauen
Kiesel schwimmt den Fluss hinauf
In dem Lachen bares Grauen
Weisser Marmor Russ bedeckt
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Offline McMolle

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Re: Verrücktes Gedicht
« Antwort #1 am: 2.09.2019 | 20:44 »
Spontan fällt mir dazu eine Schnitzeljagd in einem alten Herrenhaus ein.

Gesucht werden muss - natürlich - ein Buch über den Mythos, das der Vorbesitzer - schon halb wahnsinnig ob des gelesenen Grauens - irgendwo in seinem Stammsitz versteckt hat, und nur mittels des Gedichtes kann der Ort gefunden werden.

So muss man den Schweifen der Rappenfiguren aus Marmor folgen ("Weisse Rappen vorwärts traben
Schweif voraus und im Galopp"), unter dem Ölschinken des ehemaligen Lords samt seiner Saufkumpane beim Jagdausflug ("Drunter thronend alte Knaben
Auf dem Schimmel schwarz gescheckt") weiterschauen usw.
« Letzte Änderung: 4.09.2019 | 20:59 von McMolle »
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Offline Roach

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Re: Verrücktes Gedicht
« Antwort #2 am: 3.09.2019 | 14:22 »
Zur zweiten Strophe fällt mir auch das eine oder andere ein:

Ringsherum beredtes Schweigen
Toter Vogel fliegt vorbei
Leichen tanzen einen Reigen
Silbrig Mond mit Blut befleckt

Am Gang, in dem das erwähnte Bild hängt, liegt die Bibliothek (Psst! still sein - die Bücher reden eben) des Hauses, in der in einem Käfig, an einer dünnen Kette an der Decke aufgehängt, ein ausgestopfte Papagei auf die Besucher schaut. Am Ende des Ganges, vor dem der Papagei hängt, hängt ein Kunstdruck des Gemäldes Totentanz von Max Slevogt. Außerdem findet man dort ein Mini-Planetarium, in dem die Planeten des Sonnensystems und ihre Monde auf Ringen um ein größeres Sonnenmodell angeordnet sind. Jeder Planet hat seine eigene Farbe, die auch von den Monden geteilt wird: Merkur silber, Venus gelb, Erde und Luna blau, Mars und seine zwei Trabanten rot, usw. Wichtig sind hier dann natürlich die beiden roten Monde, deren rote Emaillefarbe bereits vom stählernen Untergrund in Schuppen herabfällt... Inwiefern die Begriffe Furcht und Schrecken (Phobos und Deimos, die Namen der beiden Monde) jetzt weiterleiten in die dritte Strophe, überlasse ich dem, der die nächste Strophe bearbeitet …
« Letzte Änderung: 3.09.2019 | 14:28 von Roach »

Offline McMolle

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Re: Verrücktes Gedicht
« Antwort #3 am: 4.09.2019 | 20:52 »
"Furcht und Schrecken" ist in den alten, wuchtigen Ebenholzrahmen eingraviert, der - halb vergessen in einer dunklen Ecke im Eingangsbereich des Herrenhauses - einen alten, leicht milchig gewordenen Spiegel beinhaltet ("Blinde Augen wachsam schauen").

Nach etwas Säuberung kann man im Spiegel durch ein Fenster einen kleinen Gartenteich sehen, dessen Ausläufer von Kieselsteinen eingefasst ist. Folgt man diesem Ausläufer ("Kiesel schwimmt den Fluss hinauf") kommt man an eine alte, halb verfallene und dreckige Backsteinmauer, auf der ein altes Zirkusplakat klebt.

Auf diesem Plakat ist ein lachender Clown zu sehen, dessen Anblick aber eher unheimlig als fröhlich ist. Geht man nahe genug heran, kann man in seinem Mund ("In dem Lachen bares Grauen") einen kleinen, eingezeichneten Pfeil sowie die winzige Zahl 50 erkennen.

50 Schritte in diese Richtung steht ein weiterer Teil der eingefallenen Mauer. Ein genauer Blick verrät, dass einer der angeblichen Backsteine in Wirklichkeit ein gerußtes Stück Marmor ist, hinter dem sich das gesuchte Mythoswerk befindet ("Weisser Marmor Russ bedeckt")
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