Autor Thema: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier  (Gelesen 417 mal)

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Offline Chiarina

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[Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« am: 17.02.2020 | 18:31 »
Nach dreieinhalb Jahren und 23 Sitzungen Zalozhniye Quartet haben wir nun mit dem Dracula Dossier begonnen. Ich wollte mit „The Harker Intrusion“ als Intro anfangen und dachte, auf diese Art und Weise würde ich vor der spielleiterischen Herausforderung des Dracula Dossier noch eine kleine Verschnaufpause bekommen, was da aber gestern geschehen ist, war dann doch gleich der Sprung ins kalte Wasser.

Am Start sind fünf Spieler mit ihren Agenten:
Vasily – Computerexperte, ehemaliger Agent des weißrussischen Geheimdienstes
Yuri – russischer Schmuggler und Fälscher
Cevas – ehemaliges (?) Mitglied der Kosher Nostra, einer jüdischen Mafiaorganisation in den Vereinigten Staaten
Kristina – Schwedische Scharfschützin, Security Freelancer
Samir – ehemaliges Mitglied des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6
Vasily und Yuri haben das gesamte, Cevas fast das gesamte Zalozhniye Quartet miterlebt. Kristina ist zu Beginn des letzten Abenteuers dazu gekommen, Samir ist ein Neueinsteiger.

Aufgrund ihrer Erfahrungen kennen die Agenten ein paar Stärken und Schwächen der tellurischen Vampire. In unserem Zalozhniye Quartet ging es darum, dass eine russische Mafiaorganisation – die „Lisky Bratva“, Handlanger der vampirischen Verschwörung – ein besonderes Vampirblut und einen bakteriellen Nährboden zusammenbringen wollten. Wäre das gelungen, hätte es einen alten Fluch ausgelöst, der sofort das gesamte saudische Königshaus zu Vampiren und damit zu Mitgliedern der Verschwörung gemacht hätte. Die Agenten konnten das verhindern, waren am Ende aber auf die Zusammenarbeit mit dem Sonderkommando des britischen Geheimdienstes „Operation Edom“ angewiesen. Auf Anweisung hochrangiger Mitglieder von Operation Edom bekam ein kleiner Trupp britischer NATO-Soldaten, die im Südosten der Türkei stationiert waren, den Befehl mit den Agenten zusammen einen Zug zu stoppen. Was auch immer dem Befehlshaber dieser Einheit als Grund für diesen Auftrag genannt wurde, es war sicherlich keine Rede von einem menschengroßen Fledermausmann, der mit einem Saugrüssel seinen Gegnern versuchen würde, die Gesichtshaut vom Schädel zu reißen. Es war auch kaum vorauszusehen, dass der Befehlshaber bei der Sicherstellung einer verdächtigen roten Flüssigkeit von den Agenten, die eben noch mit ihm zusammengearbeitet hatten, überraschend liquidiert wurde. Diesen Leuten konnte nach dem Einsatz kein persönliches Verschulden nachgewiesen werden, dennoch gingen beide Seiten nach dem Einsatz in gegenseitigem Misstrauen auseinander. Es geht los:

All Inclusive (1)



Zu Beginn der Sitzung befinden sich Vasily, Yuri, Cevas und Kristina in Antalya und machen nach dem ganzen vergangenen Stress eine Weile All Inclusive Urlaub um mal richtig ausspannen zu können. Ihre Vergangenheit holt sie allerdings schon bald wieder ein. Samir, ein MI6 Agent mit indischen Wurzeln, war bis vor kurzem ebenfalls in der Türkei im Einsatz. Er hat von dem Kampf um den Zug Wind bekommen, ein paar Nachforschungen angestellt und musste schließlich feststellen, dass er seinen Job beim MI6 verloren hatte. Offensichtlich war er zu neugierig gewesen. Da er nun ohnehin nichts mehr zu verlieren hat, verolgt er die Spur der Agenten einfach weiter und stößt so auf die Urlauber in ihrer Hotelanlage. Ein paar Strandspaziergänge später erzählt Samir seine Geschichte, was Vasily reichlich knapp mit dem Satz: „Yeah, I know that feeling!“ kommentiert. Dann geschehen zwei Dinge in kürzester Zeit:

Zunächst einmal erhält Samir eine verschlüsselte email. Sie enthält Informationen über Vampire. Samir ist irritiert. Wer schickt ihm solchen hanebüchenen Unsinn? Will sich da jemand über ihn lustig machen? Samir hat Vasily als Computerspezialisten kennengelernt. Aus diesem Grund zeigt er ihm die email und fragt ihn, ob er ihm mehr darüber sagen kann. Vasily startet mit einer kleinen Untersuchung und stellt fest, dass die Verschlüsselung aus zivilen Nutzungsbereichen stammt. Sie ist relativ gut, aber nicht phänomenal. Er kann außerdem noch ermitteln, dass die email aus London stammt. Die Informationen über Vampire sind Vasily zum größten Teil bekannt. Der Absender hat Informationen zusammengefasst und hat auch ein paar originäre Scans angefügt, insgesamt scheint das Vasily aber nicht viel mehr als Hühnerfutter zu sein: Hier will jemand zeigen, dass er weiß, wovon er spricht, ohne wirklich interessante Informationen auspacken zu müssen.

Ein paar Stunden später liegt Yuri faul am Pool und schlürft einen Cocktail. Sein Handy klingelt und zögerlich hebt er ab. Yuri ist allerdings zu langsam und kann sich nur noch anhören, was der Anrufer auf seine Mailbox gesprochen hat: „Yuri? Hier ist Agi! Agi Kozorus! Ich bin in Marrakesch. Es sieht so aus, als wäre ich in Schwierigkeiten. Wenn du die Chance hast, dann komm! Ich könnte Hilfe gebrauchen. Wenn du in Marrakesch bist, ruf mich unter dieser Telefonnummer wieder an!“

Agi Kozorus ist eine investigative Journalistin, mit der die Agenten schon einmal zusammengearbeitet haben. Damals ging es um die Veröffentlichung von Informationen über ein ungarisches Menschenhändlerlager, das die Lisky Bratva betrieben hatte. Yuri seufzt und informiert seine Freunde.

Es werden Pläne geschmiedet. Die email aus London ist interessant, der Anruf von Agi Kozorus scheint aber eine höhere Dringlichkeit zu besitzen. Also besticht Yuri den Kapitän eines Frachtschiffes, das von der Türkei aus Textilien durch das ganze Mittelmeer nach Lissabon bringen will. Gegen eine großzügige Zahlung nimmt der Mann die Agenten mit. Kurz vor der Abfahrt besorgen sich Yuri und Cevas noch ein großes Schlauchboot und einen dazu passenden Außenbordmotor, dann beginnt eine längere Fahrt durchs Mittelmeer.
« Letzte Änderung: 17.02.2020 | 18:48 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #1 am: 17.02.2020 | 18:35 »
Rettung in Marrakesch (1)



Ein paar Tage später hat das Schiff der Agenten die Straße von Gibraltar passiert. In einer Nacht und Nebel Aktion lassen die Agenten ihr Schlauchboot zu Wasser und schippern damit nach Casablanca. Noch vier Stunden später erreichen sie mit einem Expresszug am Nachmittag Marrakesch.

Die Agenten betreten ein paar enge, mittelalterliche Gassen und stehen dann auf einem überdachten Suk (Markt), auf dem von Berberteppichen und Gewürzen bis zu Computern und Elektrogeräten alles verkauft wird. Yuri ruft die Nummer von Agi Kozorus an und hat einen Mann am Apparat, dessen Englisch so schlecht ist, dass er lieber Arabisch mit ihm spricht. Es dauert eine Weile, bis sich der Mann davon überzeugt hat, dass Yuri der Anrufer ist, auf den er gewartet hat. Dann sagt er: „Agi hat ein Zimmer im Riad Rouge. Dieses Telephon wird nach diesem Anruf vernichtet.“ Dann legt er auf.

Auf ihrem weiteren Weg durch Marrakesch müssen sich die Agenten immer wieder vor Taxis und Lastwagen, die in halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Volksmengen rasen, in Sicherheit bringen. Schließlich stehen sie aber auf dem Jemaa el-Fnaa, dem großen Marktplatz im Herzen der Stadt. In der Gegend sind sowohl Einheimische als auch Touristen unterwegs und die Polizeipräsenz ist entsprechend hoch. Hier stehen viele billige Hotels und Pensionen. Auch das Riad Rouge ist nicht weit. Es ist ein großes Haus, das um einen Innenhof herum gebaut wurde.

Als die Agenten vor dem Hotel stehen, fallen Yuri zwei junge Marokkaner auf, die dem Hotel gegenüber auf einem Motorrad sitzen. Er hat den Eindruck, dass die beiden den Hoteleingang observieren. Neben den Fahrzeugen der beiden befindet sich noch ein drittes Motorrad. Yuri macht Cevas und Samir ein kleines Zeichen, dann betritt er mit Vasily zusammen das Hotel. Yuri und Vasily verlangen nach einer Unterkunft und bekommen zwei Einzelzimmer im zweiten Stock zugewiesen. Cevas, Kristina und Samir bleiben noch einen Moment auf der Straße und behalten die beiden Marokkaner im Auge, die aber schon bald ebenfalls ins Hotel gehen. Samir folgt ihnen heimlich und sieht, wie sie ebenfalls einen Gang im zweiten Stock ansteuern und sich dann auf einem gepolsterten Sitzgelegenheit niederlassen, die am Ende des Ganges in die Wand eingelassen wurde. Vor diesem Ort aus können sie alles beobachten, was auf dem Gang geschieht. Um nicht aufzufallen, steigt Samir weiter zum 3. Stockwerk hinauf. Er informiert Vasily und Yuri über seine Beobachtungen. Vasily hackt sich über WLAN in die Hoteldaten und erkennt, dass Agi Zimmer 213 gebucht hat… einmal schräg über den Gang zwei Räume weiter. Es ist inzwischen dunkel geworden und so klettert Vasily aus dem Fenster seines Zimmers und dann an der Fassade des Hauses aufs Dach und auf der anderen Seite wieder herunter, bis er sich vor dem Fenster des Zimmers von Agi Kozorus befindet. Unbemerkt beobachtet er, wie sich dort ein Eindringling an ihrem Eigentum zu schaffen macht. Agi selbst ist nicht zu sehen- Lautlos schiebt Vasily das Fenster auf und schießt dem Fremden mit einer Tranquilizerpistole in den Hals. Fast völlig geräuschlos stürzt der Mann zu Boden.

Schnell durchsucht Vasily das Hotelzimmer. In der Nähe der Wohnungstür findet er einen Notizzettel mit einer Adresse hier in Marrakesch und dem Namen Hasan Sefet. Es sieht aus, als seien die Informationen schnell aufgeschrieben worden, vielleicht hat sie jemand Agi Kozorus über das Telefon diktiert. Es sieht auch so aus, als sei der Zettel dann versehentlich fallengelassen worden – vielleicht beim fluchtartigen Verlassen des Zimmers? Vasily findet außerdem Agis Reisepapiere, Rezepte und ein paar entwertete Fahrkarten aus Rumänien. Auf dem Tisch ihres Zimmers liegen zwei Mappen. Vasily nimmt alles mit, lässt sich vom Fenster aus auf die Straße hinab, geht zu Cevas und informiert dann Yuri und Samir. Die Gruppe nimmt sich ein Taxi und lässt sich so nah wie möglich an die Adresse heranfahren, die auf dem Notizzettel notiert war. Auf der Fahrt blättern die Agenten schnell Agis Mappen durch. Die eine enthält Informationen über ein neues industrielles Bergbau Projekt in den Karpathen. Ein paar Photos zeigen etwas, das wie ein Baugrundstück aussieht. In der anderen Mappe befinden sich Ausdrucke von Dokumenten über vampirische Volkssagen, vergrabene Körper und wallachische Kriegsherren. Das Format der Dateien sieht vertraut aus – Samir fühlt sich an die verschlüsselte email erinnert, die er in der Türkei erhalten hat.

Schließlich hält das Taxi. Die Adresse befindet sich in einem Bereich der Altstadt, durch deren enge Gässchen kein Auto hindurchpasst. Die Agenten steigen aus. Es riecht nach Süßigkeiten, Haschisch und Fleisch von den Garküchen am Straßenrand. Schon bald wird den Agenten allerdings auch klar, dass das gesamte Viertel unter Beobachtung steht. An etlichen einschlägigen Nischen und Torbögen befinden sich Augen, die das Geschehen in den Straßen aufmerksam beobachten. Auch aus den hochgelegenen Fenstern zu den kleinen Straßen schauen Gesichter nach unten. Einige lachen, andere observieren mit finsteren Blicken das Treiben auf den Straßen. Samirs große Stunde ist gekommen. Während seine Kollegen noch mühsam versuchen, jede mögliche Deckung zu nutzen und von Schatten zu Schatten eilen, verschmilzt er quasi mit seiner Umgebung und wird schnell in der Menschenmenge unsichtbar. Nur wenig später erblickt er eine junge Frau mit stoppeligem Kurzhaarschnitt, Lederjacke und Springerstiefeln. Sie schaut sich unsicher um und scheint Angst zu haben. Samirs Freunde sind nicht zur Stelle, daher nähert er sich allein der Frau. Er spricht ein paar beruhigende Worte, richtet Grüße von Yuri, Vasily und Cevas aus und zieht Agi Kozorus dann in eine nahe Bäckerei im Souterrain eines Gebäudes, wo eine längere Schlange von Menschen auf den Verkauf von Fladenbroten wartet. Samir fasst Agi an der Hand und will mit ihr zu einem Hintereingang heraus die Bäckerei verlassen, aber da tritt ihm ein mächtiger Bäcker in den Weg, der ihm unmissverständlich verdeutlicht, dass sich hinter der Tür Privaträume befinden. Schon erscheinen vier oder fünf Männer im Eingang der Bäckerei, die aufgeregt in Richtung Samir und Agi Kozorus gestikulieren. Sekunden später blitzen einige Messer auf. Da drückt Samir dem mächtigen Bäcker ein großzügiges Bündel Dollarnoten in die Hand. Geschickt bedient der Bäcker einen Kunden, der Durchgang ist frei, Agi und Samir können passieren. Kurze Zeit später steht der Bäcker wieder im Durchgang und verstellt den Verfolgern von Agi und Samir den Weg.

Über ihre Handys halten sich die Agenten gegenseitig auf dem Laufenden. Vasily organisiert für die am nächsten gelegene Zufahrtstraße zwei Taxen. In das eine Taxi setzt er sich gemeinsam mit Cevas, Kristina und Yuri. Zwei Minuten später erreicht Samir mit Agi das zweite Taxi. Zum Gebetsruf eines Muezzin springen sie auf den Rücksitz und fahren ihren Verfolgern davon.

An einem leicht heruntergekommenen Hotel machen die Agenten Halt und nehmen sich ein neues Zimmer. Dort befragen sie Agi Kozorus nach ihren Erlebnissen. Sie offenbart ihnen, an einer Story über Korruption in Unternehmen gearbeitet hat. Anlass dafür waren Informationen über die rumänische Bergbauindustrie, die ihr vor einiger Zeit ein mysteriöser Absender zukommen lassen hatte. Zwischen den Informationen befanden sich auch immer wieder seltsame Schriften über Vampire. Die Informationen waren gut, daher überprüfte sie, wie von dem Absender vorgeschlagen, das Bergbauunternehmen. Sie suchte die neue Forschungsgrabung des Unternehmens in den Karpathen auf und entdeckte, dass das Unternehmen eine Tarnung für irgendetwas anderes ist – wonach dort tatsächlich gegraben wird, hat Kozorus allerdings nie erfahren. Stattdessen wurde sie am Grabungsort von Wachen entdeckt, die versucht haben auf sie zu schießen. Seitdem flieht sie vor ihren Gegnern und hat in jeder Nacht schreckliche Alpträume – Träume von einem blassen Gesicht mit rötlichen Augen verfolgen sie seitdem auf Schritt und Tritt. Wer die Männer sind, die hinter ihr her waren, weiß sie nicht.

Sie berichtet von einem Telefonat mit Hasan Safet, der ihr von irgendwelchen Geheimdienstaktionen auf dem britischen Außenposten Gibraltar erzählt hat. Ob das irgendetwas mit ihr zu tun hat, weiß sie auch nicht. Samir wird hellhörig und bestätigt den Anwesenden, dass auf Gibraltar der MI6 einen geheimen Stützpunkt mit Satellitenstation betreibt.

Die eine aus Agis Hotelzimmer entwendete Dokumentenmappe enthält die Ausdrucke dieser email. Agi Kozorus erzählt, dass es sich bei dem Bauwerk um das Kloster von Salard handelt. Es liegt abseits von größeren Straßen in den Bergen, die nächsten nennenswerten Siedlungen sind Cluj-Napoci und Targo Mures. Vasily versucht über das Internet noch mehr herauszufinden und erfährt, dass das Kloster Mitte des 11. Jahrhunderts von Zisterziensermönchen gegründet und im 13. Jahrhundert von den örtlichen Boyaren wieder aufgelöst wurde – und zwar mit unziemlicher, ja sogar alarmierender Eile. Das Kloster blieb einige Jahre verlassen, bis es in Folge eines Erdbebens von einem Erdrutsch verschüttet wurde. Jetzt wird es wieder ausgegraben. Cevas schaut sich ein Bild der Ausgrabungen an und runzelt mit der Stirn: die Überreste einer mittelalterlichen Festung in Transsylvanien und Berichte von Vampiren? Das klingt nicht gut. Die Ausgrabungsstätte erweckt in seinen Augen auch nicht den Anschein eines kompetenten archäologischen Vorgehens – die Grabungen nehmen keine Rücksicht auf die Ruinen, scheinen auf etwas unter ihnen Befindliches abzuzielen und werden eindeutig in Eile durchgeführt. Vasily versucht noch etwas mehr über die Ausgrabungen herauszufinden und erfährt, dass sie von einem Konsortium finanziert werden, dem das amerikanische in Houston ansässige Erdöl- und Gasunternehmen ConocoPhilipps und zwei Banken angehören: die Londoner Traditionsbank „Burdett´s Private Bankers“ und die den Agenten bereits aufgrund ihrer zwielichtigen Geschäfte mit „Lisky Bratva“ bekannten Bank „Klopstock & Billreuth“. Vasily erfährt außerdem, dass ConocoPhilipps einen Prospektor namens Martin Creasey beschäftigt, der für Projekte in Südosteuropa zuständig ist. Zuletzt findet Vasily noch heraus, dass der zuständige Archäologe Brooks Galbraith heißt. Als dieser Name fällt stöhnt Cevas laut. Der Mann ist ein Cambridge-Absolvent und bekannt für seine aufwändigen BBC Dokumentationen über die Antike. Sein Spezialgebiet ist die vorklassische Archäologie des Mittelmeerraumes: Gräber auf Malte, etruskische Tempel, hetitische Festungen in der Türkei. In Fachkreisen ist allerdings bekannt, dass seine wirkliche Stärke darin besteht, Grabungsanträge zu bewilligen und sich Teams herkömmlicherer Spezialisten anzuschließen, die dann die langweilige Grabungsarbeit durchführen, durch die er Geld verdient und seine Reputation verbessert. Cevas erklärt seinen Freunden, dass das in Archäologenkreisen nichts Besonderes sei. Von Galbraiths Grabungen in Rumänien hört er zum ersten Mal, offensichtlich setze sich aber die Glückssträhne des Mannes fort. Er hat in den letzten Jahren ein paar wirklich interessante Funde gemacht. Der skythischen Goldschatz in der Ukraine, das Grab eines Generals von Alexander dem Großen und der königlich epiräische Friedhof in Albanien haben ihm als Hauptverantwortlicher eine derart große Medienpräsenz beschert, dass ihm The Independent kürzlich den Beinamen „der Archäologe mit dem Midas-Händchen“ verlieh.

Zuletzt schaut sich Vasily auch noch einmal Agis email an und stellt fest, dass auch sie aus London stammt. Sie ist auf eine ähnliche Art und Weise verschlüsselt, wie die von Samir.

Nach einigen Überlegungen beschließen die Agenten, zunächst Gibraltar einen Besuch abzustatten. Vielleicht kann ihnen Samirs Vergangenheit dabei nützlich sein. Sie können auch Agi Kozorus bis dahn mitnehmen und dann in einen Zug zur Costa del Sol mitnehmen. Auch sie sollte sich ein paar Tage entspannen können.

Mit dem Zug fahren die Agenten am kommenden Tag nach Tanger und während Kleinkünstler in farbenfrohen Gewändern am Hafen vor Touristen ihr Können unter Beweis stellen, buchen sie eine Fähre nach Gibraltar, wo sie sich von Agi Kozorus verabschieden.
« Letzte Änderung: 17.02.2020 | 18:54 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #2 am: 17.02.2020 | 18:38 »
Überraschungen in Gibraltar (1)



In Gibraltar erwirbt Vasily zunächst eine kleine Drohne um den Zugang zu dem MI6 Stützpunkt auszuspionieren. Nach einigen Erkundungsflügen erkennt er, dass sich der Stützpunkt in einem alten Tunnel aus dem 2. Weltkrieg befindet. Der Tunnel wurde in eine Felsseite gebohrt und ist durch verrostete, heruntergekommene Stahltore verschlossen. Entweder ist hier schon längere Zeit niemand mehr gewesen, oder aber der Stützpunkt wurde nicht allzu gut gewartet.

Vorsichtig begeben sich die Agenten an Ort und Stelle. In einiger Entfernung richtet sich Kristina ein Snipernest ein, von dem aus sie den Eingang zu dem Stützpunkt ins Visier nimmt. Dann stoßen die übrigen Agenten die rostigen, kreischenden Tore auseinander und betreten ein Labyrinth gewundener Tunnel, an dessen geweißten Steinwänden entlang Elektrokabel und Versorgungsrohre verlaufen. Schnell wird den Eindringlingen bewusst, dass der Stützpunkt vor kurzem aufgegeben wurde. Die staubigen Glühbirnen, die hier von den Decken hängen, brennen nicht mehr. Die Agenten ziehen ihre Nachtsichtgeräte auf und rüsten sich mit Taschenlampen aus. Fast alle Einrichtungsgegenstände hier sind demontiert und weggebracht worden. Immerhin stoßen die Agenten nach einer Weile auf eine Kiste mit Ausdrucken, die nie ihren Weg in den Schredder fanden. Einige dieser Dokumente sind alt – was immer an diesem Stützpunkt gearbeitet wurde, er ist mehr als ein Jahrhundert alt. Die Agenten stoßen auch auf den Namen des Projekts: Operation Edom.

Seltsam ist allerdings, dass die Verkabelung auf altertümliche Monitore hindeutet. Yuri fragt: Warum musste das unterirdisch geschehen? Vasily überlegt: „Vielleicht wurden hier seismische Sensoren eingesetzt. Auf diese Weise kann man unterirdische Bombentests und ähnliches entdecken.

Während die Agenten noch die Dokumente durchsehen sind plötzlich Schüsse zu hören. Dann fällt das Stahltor der Anlage mit einem lauten Schlag ins Schloss. Über Funk sind laut Kristinas Flüche zu hören: „Der war zu schnell, verdammt! Passt auf euch auf, ihr habt einen Besucher!“ Cevas wirft daraufhin eine Rauchbombe in den Gang und versucht mit Yuri zusammen einen Raum auf der gegenüberliegenden Seite zu erreichen. Sofort fallen zwei Schüsse. Kugeln pfeifen haarscharf an ihren Köpfen vorbei, in leichter Panik erreichen Cevas und Yuri den angepeilten Raum. Dann ist wieder das Kreischen der rostigen Stahltore zu hören. Kurze Zeit später ertönt eine Salve Automatikfeuer und Kristina verkündet über Funk: „Gefahr gebannt. Euer Besucher liegt vor der Tür.“ Die Agenten schauen sich den Toten an. Es ist ein nicht genauer identifizierbarer Mann nordeuropäischen Typs mit einem großen Revolver. Cevas macht ein Bild von ihm, dann ziehen die Agenten die Leiche in den Stützpunkt, schnappen sich alle greifbaren Dokumente aus der Kiste und verschwinden.

In einem kleinen Hotel sichten die Agenten ihren Fund genauer. Die Dokumente deuten darauf hin, dass sie nur einen Bruchteil gefunden haben. Häufig werden Spezialagenten erwähnt, oft ist von Opfern die Rede, manchmal auch von Einsatz biologischer Spezialmittel. Dreimal stoßen die Agenten auf Hinweise, dass von Gibraltar aus Vampire als Einsatzkräfte eingesetzt oder zumindest getestet wurden. Ein paar neuer Dokumente wurden seitlich in die Kiste hineingequetscht. Auf den leicht zerknitterten Seiten finden sich auch Hinweise auf Ausgrabungen einer ruinierten Festung in den Karpathen, wofür angeblich eine Bergbaugesellschaft als Tarnung herhält.

Schließlich stoßen die Agenten noch auf eine Anweisung allerneuesten Datums: „Der Absender der verschlüsselten emails versucht derzeit mit gefährlichen Subjekten Kontakt aufzunehmen. Ein derartiges Treffen muss unter allen Umständen verhindert werden.“ Samir kratzt sich am Kopf und stottert: „Haben sie mich ausspioniert? Und Agi? Und wen noch? Und warum?“ Vasily antwortet: „Keine Ahnung. Für mich sieht das aber so aus, als sollten wir uns schleunigst auf dem Weg nach London machen.“

-

Für mich war der Abend aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen war im Spiel nicht viel Action zu holen. Die Agenten haben einfach optimal ihre hervorragend passenden MOS („Military Occupational Specialties“) eingesetzt. So wurde durch Vasilys Athletik-MOS eine Konfrontation mit den Marokkanern im Hotelzimmer verhindert, Samirs Beschatten-MOS hat Agi aus dem Netz ihrer Verfolger retten können und Kristinas Schießen-MOS hat dann auch noch den Elitekämpfer in Gibraltar ausgeschaltet - Würfeln unnötig. Ich glaube, es war trotzdem spannend genug. Wenn das jetzt aber so weiter geht, muss ich die Herausforderungen allerdings möglicherweise etwas steigern.

Extrem spannend war aber, was ich mir diesmal so zurechtimprovisiert habe (zunächst mal für mich selbst - hoffentlich auch für die anderen). Erstmal musste ich Samir irgendwie integrieren. Ich hatte die Figur einen Tag zuvor per email zugeschickt bekommen und keine Zeit für langes Grübeln gehabt. Dass ich aber mit dem MI6-Hintergrund des Mannes ein paar ganz interessante Optionen hatte, das war mir sofort klar. So ließ sich am Anfang der zurückliegende Showdown als Nachforschungsgebiet für den ehemaligen Agenten verankern... und dass er dann in Gibraltar auf Unterlagen stößt, die zeigen, dass er wahrscheinlich von seinen eigenen Leuten ausspioniert wurde, fand ich doch irgendwie eine sehr coole Angelegenheit. Sogar meine hartgesottenen, abgebrühten Spieler waren etwas verblüfft.

Bei den Hintergründen hinsichtlich der Ausgrabungsarbeiten bei dem rumänischen Kloster kam zum ersten Mal das Dracula Dossier als Improvisatonsgrundlage zum Einsatz. Es hat wirklich sehr gut funktioniert. Ich konnte irgendetwas aufschlagen und stellte fest: Es passt! Tolle Sache. Ich glaube, meinen Spielern hat´s trotz flott übersprungener Actionszenen auch gefallen.

Demnächst muss ich nochmal diese Art und Weise nachlesen, wie sich die Autoren des Dracula Dossiers dramatische Steigerungen vorstellen (Gegnerpyramide, Aktivitäten der Gegner, Legacies, und was es sonst noch so gibt). Das kommt jetzt doch früher auf mich zu als gedacht.
« Letzte Änderung: 18.02.2020 | 00:56 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #3 am: 10.03.2020 | 00:13 »
Schüsse in London (2)



Die Agenten nehmen den Zug in den Norden und fahren einen langen Tag lang durch Spanien, Frankreich und den Eurotunnel nach London. Auf ihrer Fahrt melden sie sich bei dem mysteriösen Absender, der Samir und wahrscheinlich auch Agi Kozorus verschlüsselte Nachrichten zukommen ließ. Wenig später erhält Vasily einen Anruf einer gewissen Carmilla Rojas, die ihm erzählt, sie besitze ein Dossier mit wichtigen Informationen über „Operation Edom“ und vermutet, dass die Agenten damit mehr anfangen können als sie selbst. Wenn die Agenten Interesse hätten, sollten sie doch anrufen, sobald sie in London seien. Die Angelegenheit sei etwas dringend.

Es folgt eine kurze Recherche. Carmilla Rojas ist Anfang 30 und scheint für ein Security-Unternehmen zu arbeiten. Gegenwärtig ist sie in London. Ihr Auftrag besteht darin, Mitglieder des argentinischen Ministeriums für staatliche Planung, öffentliche Investition und Dienstleistungen zu schützen, während sich diese mit Mitarbeitern von Ölfirmen treffen und über die Förderung des Schieferöls von Vaca Muerta verhandeln.

In London erfolgt zuerst die inzwischen eingespielte Routine: Die Agenten nehmen sich zwei Hotelzimmer und leihen zwei Autos. Dann rufen sie Carmilla Rojas an. Die Frau klingt nervös und kurz angebunden. Sie bestellt die Agenten zu „St. Mary the Virgin, im Osten der Stadt. Seien sie bitte in zwei Stunden da!“ Schon hat sie wieder aufgelegt.

Die Agenten nehmen an, dass es sich bei dem besagten Ort um eine Kirche handelt und schauen nach. Es gibt unzählige „St. Mary the Virgin“ in England, allein zwei im Osten Londons und eine nur knapp dahinter über das Stadtgebiet hinaus. Eine der Kirchen liegt in einem belebten Wohn- und Einkaufsbereich, die andere etwas abseits an einem kleinen Flüsschen, die dritte Kirche knapp außerhalb des Stadtgebietes in einem heruntergekommenen Industriegebiet.“ Die Agenten beschließen, sich erst einmal auf das Stadtgebiet zu beschränken und teilen sich auf. Yuri, Vasily und Katarina steuern die Einkaufszone an, Cevas und Samir fahren zu der Kirche am Flüsschen. Die beiden Kirchen liegen etwa 4 Kilometer voneinander entfernt.

Es ist schier unmöglich in dem Wohngebiet einen Parkplatz zu finden. Yuri lässt Vasily und Kristina vor der Kirche aus dem Auto und kurvt dann erstmal eine Weile um den Block. Vasily und Kristina betreten die Kirche, ein modernes Gebäude, vielleicht von 20 Jahren erbaut. Im Inneren sind einige Gälubige zu sehen, die in ein stilles Gebet versunken sind. Geistliche sind nicht zu sehen. Vasily und Kristina warten eine Weile, schauen sich um, können aber nichts Auffälliges entdecken.

Währenddessen überqueren Cevas und Samir eine kleine Brücke und parken auf dem Kiesparkplatz vor der Kirche. Neben ihnen steht ein einziges, weiteres Auto, ein rosa Mini mit silbernen Chromteilen. Cevas murmelt beim Aussteigen etwas von heiligem Boden, umgeben von Wasser und meint, Rojas wisse wohl schon ganz gut, vor wem sie auf der Flucht sei. Dann nähert er sich mit Samir zusammen der düster aussehenden Kirche, die im viktorianischen Stil erbaut wurde und mit einer Vielzahl schnörkeliger Türmchen und Wasserspeier ausgestattet wurde.

Die Tür zur Kirche ist nur angelehnt und durch den Spalt in der Tür fällt Licht auf den Kiesweg. Cevas und Samir betreten das Gebäude und befinden sich im leeren Kirchenschiff. Sie laufen zwischen den Bankreihen hindurch und entdecken schließlich im Chorraum einen Toten. Es trägt das Gewand eines Geistlichen en Leichnam des Priesters. Er liegt mit aufgerissener Kehle und zerschmettertem Rückgrat hinter dem Altar. Cevas ruft Vasily an und berichtet seinen Mitstreitern, dass sie sich zu ihm in Bewegung setzen sollen: „Hallo, ihr drei. Kommt her, es ist hier passiert!“

Samir hat indessen entdeckt, dass die Tür zum Glockenturm weit offen steht und im selben Moment erklingt von der Turmspitze ein lauter Schrei. Cevas und Samir eilen nach oben und sehen, dass eine Frau über die Brüstung nach unten gestürzt ist. Ihr Körper ist direkt in die Motorhaube und Windschutzscheibe von Cevas und Samirs Leihwagen gekracht. Das Glas der Scheibe ist zerschmettert. Samir entdeckt, dass die Frau wohl ihre Brieftasche verloren hat. Sie hat sich in einem der Wasserspeier verfangen. Samir schluckt einmal kurz, klettert dann vorsichtig das Dach der Kirche hinab und schnappt sich die Brieftasche. Mit Cevas zusammen steigt er die Treppe hinab und bekommt einen Anruf von Vasily.

Yuri, Vasily und Kristina sind in der Zwischenzeit auf die Kirche zugefahren. Plötzlich haben sich zwei schwarze Lieferwagen mit getönten Scheiben hinter ihnen eingefädelt. Yuri ist abgebogen um die Verfolger von der Kirche wegzulocken. Diese haben aber gar nicht vor, seinen Wagen zu verfolgen, sondern halten trotzdem auf die Kirche zu. Grund genug für Vasily, Cevas und Samir darüber zu informieren, dass sie sich auf Besuch einstellen müssen.

Cevas und Samir eilen zum Ausgang der Kirche und zurück zum Parkplatz. Ein kruzer Blick bestätigt, dass es sich bei der Frau um Carmilla Rojas handelt – sie ist tot. Cevas knurrt, knackt ihren rosa Mini und steigt ein. Da deutet Samir noch einmal in Richtung Kirchturm, wo ein Mann auf den Sims tritt. Er ist groß, trägt einen schwarzen Schnurrbart und besitzt rötliche Gesichtszüge. Eine hässliche Narbe leuchtet rot auf seiner Stirn – fast so rot wie seine Augen, die für einen Moment fast unirdisch leuchten. Dann löst sich seine Gestalt im dichten Nebel, der sich auf den Ort senkt, auf und der Mann ist verschwunden. Die Kirche ist in eine eisige Wolke gehüllt. Cevas fühlt sich gar nicht gut und gibt Gas. Was auch immer das war, es war absolut fremdartig und beunruhigend.

Yuri dreht in diesem Moment bei und hängt sich hinter den zweiten Lieferwagen. Kristina feuert mit ihrem Scharfschützengewehr auf die Reifen eines der Wagen. Die Reaktion erfolgt sofort. Der noch unbeschädigte Lieferwagen dreht sofort bei, die Fensterscheiben werden hinab gefahren, Waffen sind zu sehen. Yuri dreht ebenfalls und aus dem Verfolger wird ein Gejagter. Noch bevor die Gruppe aber den Ort verlassen hat, feuert Kristina ein zweites Mal auf den beschädigten Wagen. Sie zerstört auch den zweiten Reifen des Autos, dessen Besatzung nun zu Fuß weiter muss. Der unbeschädigte Lieferwagen hängt sich aber an Yuris Wagen. Die Orientierung ist schwierig und Yuri hat mit dem Eisnebel zu kämpfen, der sich weiträumig über den gesamten Stadtteil hinabsenkt. Schon kurze Zeit erfolgt die Reaktion ihrer Gegner und auch Yuris Wagen muss mit zwei zerschossenen Reifen seine Fahrt beenden. Er fährt auf einen Fischmarkt und knallt dort gegen einen kleinen Poller. Kristina springt aus dem Wagen und nimmt die Verfolger aufs Korn. Dem ersten Gegner, der aus dem Auto steigt, schießt sie ins Knie. Drei weitere Männer mit Sturmgewehren springen aus dem Auto und rennen auf Yuri, Vasily und Kristina zu. Die drei Agenten fliehen in unterschiedliche Richtungen.

Yuri geht hinter einer Litfaßsäule in der Nähe eines Wohnhauses in Deckung, lässt seinen Verfolger an sich herankommen und beschießt ihn aus nächster Nähe mit seiner Schrotflinte. Der Mann schießt zurück, es kommt zu einem Blutbad. Nach zwei Schusswechseln liegt der Gegner bewusstlos auf dem Boden. Passanten schreien, laufen panisch durch die Gegend und versuchen irgendwo Schutz zu finden. Yuri flieht.

Vasily läuft durch den viktorianischen Nebel und steuert ein Gebäude an, in dem er sich vor Jahren schon einmal aufgehalten hat. Ganz in der Nähe befindet sich ein kleines Museum für moderne Kunst. Sein Verfolger kommt ihm bedrohlich nahe, deshalb reißt Vasily eine Seitentür des Museums auf, betritt das Gebäude und springt dann hinter eine der Stellwände, an denen die Exponate aufgehängt sind. Vasilys Verfolger gelangt ebenfalls ins Museum, kann ihn aber nicht mehr entdecken und geht irgendwann wieder.

Kristina scheint zunächst ein wenig schneller als ihr Verfolger zu sein, der ihr aber trotzdem auf den Fersen bleibt. An einer Straßenecke schießt Kristina ihm seine Waffe aus der Hand. Der Mann zögert und bekommt dann doch schnell den Eindruck, dass er sich vielleicht besser um Verstärkung kümmern sollte. Er verschwindet.

Etwas später sind die drei Agenten wieder vereint und fahren in einem geknackten Auto zur Kirche, an der sich Cevas und Samir schon nicht mehr aufhalten.

Als diese in Carmilla Rojas rotem Mini über das vor der Kirche befindliche Brückchen fahren wollen geraten sie in einen Hinterhalt. Es sind die Männer des zweiten Lieferwagens, des Räder Kristina vor einigen Minuten zerschossen hatte. Die Männer revanchieren sich, indem sie den rosa Mini zerlegen. Cevas knallt heftig mit dem Auto gegen das Brückengeländer. Er stürzt mit Samir aus dem Auto und wird von einem Schuss getroffen. Die Männer spaßen nicht und lassen ihre Automatikgewehre sprechen. Cevas und Samir springen über die Brücke ins Wasser. Kugeln pfeifen an ihnen vorbei, aber sie legen einen Tauchgang ein um etwas Abstand zu gewinnen. Irgendwann erreichen sie ein am Fluss befindliches Hausboot, hinter dem sie vorläufig in Deckung gehen können. Unter Schmerzen kümmert sich Cevas um die Brieftasche, die Samir vom Kirchdach gepflückt hat. In ihr befindet sich ein Buch, das etwas nass geworden ist. Mit seinem archäologischen Wissen gibt Cevas sein Bestes, um die Seiten zu retten, was auch einigermaßen glückt.

Noch etwas später sitzen alle fünf Agenten in dem gestohlenen Auto und fahren zu einer ehemaligen Mitarbeiterin des schwedischen Geheimdienstes, die im Londoner Umland ihren Alterswohnsitz hat. Kristina kennt die alte Dame und erzählt ihr, dass sie Hilfe braucht. In ihrem Haus behandeln die Agenten ihre Wunden und werfen einen ersten Blick auf den Inhalt von Carmilla Rojas´ Brieftasche. Sie enthält ein Exemplar von Bram Stokers Dracula, eine alte Erstausgabe mit purpur gedrucktem Titel und grellem gelben Einband, in die Anmerkungen hineingekritzelt wurden. Außerdem sind noch einige weitere Papiere und in verschiedenen Währungen größere Bargeldsummen in der Brieftasche zu finden. Cevas wirft einen Blick in die Papiere, und erkennt, dass es sich um Informationen über die Ausgrabungen in den rumänischen Karpaten handelt, über die die Agenten auch schon einiges erfahren haben. Cevas meint, dass Carmilla Rojas mit Sicherheit mehr als eine Security Frau gewesen ist. Während die alte Dame den Agenten ein Abendessen serviert läuft der Fernseher, in dem von einem Überraschungsangriff der Polizei auf eine Terrorzelle jihadistischer Terroristen berichtet wird.

-

Insgesamt war´s ein relativ glatt gelaufener Abend mit ´ner Menge Action. Ein bisschen brenzlich war eigentlich nur der Automatikfeuerbeschuss von Cevas und Samir auf der Brücke. Das hätte auch ins Auge gehen können. Ansonsten war es ein leichtes Spiel für die Agenten.

Damit ist alles angerichtet. Ich habe meiner Gruppe das dickste Handout der Rollenspielgeschichte in die Hand gedrückt. Ob sie es lesen, weiß ich nicht. Beim nächsten Mal – das wurde schon ausgemacht – wollen sie sich zuallererst einmal diese rumänische Ausgrabung anschauen, und dann sehen wir mal, wohin das Dossier uns so führt.
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #4 am: 9.04.2020 | 01:48 »
Ausgrabungen in Rumänien (3)



Nach einem Tag Ruhe leihen die Agenten einen Wagen und fahren auf kleinen Nebenstraßen von London aus in den Norden nach Newcastle. Kristina kennt hier einen Fischer. Nach einigen Überredungsversuchen ist der Mann bereit, sie am nächsten Tag auf seinem Kutter mit nach Dänemark zu nehmen. Noch einen Tag später sitzen die Agenten im nächsten Leihwagen und fahren in Richtung Rumänien. Sie erstehen unterwegs ein Teleobjektiv und Richtmikrophone. Über Cluj-Napoca erreichen sie Targo Mures, dann sind die Ruinen des Klosters Salard nicht mehr fern.

Nach genauem Kartenstudium und vorsichtiger Annäherung finden die Agenten einen guten Beobachtungsstützpunkt. Das Kloster liegt auf halber Höhe am Rand eines Tals. Auf der anderen Talseite befindet sich ein eine Klippe, von deren Rand sich gut beobachten lässt, was in der Ausgrabungsstätte vor sich geht.

Das Unternehmen scheint bei seiner Arbeit wenig zimperlich gewesen zu sein. Durch Sprengstoffladungen wurden offensichtlich Erdrutsche verursacht und das Vorgehen hat dem Hügel eine große, schwarze Wunde zugefügt. Erkennbar sind insbesondere ein paar große Felsbrocken, die wie weiße Knochen aus dem Lehm ragen und sich bei genauerem Hinsehen als Gemäuerteile herausstellen. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihnen bereits um Überbleibsel des alten Klosters. Zwischen ihnen befinden sich drei Bereiche, die mit Plastikplanen vor Regen geschützt sind. Hinter ihnen stehen mehrere bewegliche Hütten und Zelte. Auf der anderen Seite stehen in einigem Abstand zueinander drei Räumfahrzeuge: zwei Bagger und ein LKW. Der einzige Weg zur Anlage ist ein schlammiger Pfad, der von der nahegelegensten Straße den Hügel hinauf führt. Am Ende des Pfades befindet sich eine weitere einzelne Hütte.

Mit Ferngläsern, Richtmikrophonen und ihrem neuen Teleobjektiv ausgerüstet beobachten die Agenten erstmal eine Weile lang das Geschehen. Neben den Baggern sind vor Ort noch etwa ein Dutzend Männer mit Schaufeln tätig. Es befinden sich ebenso viele Bewaffnete vor Ort. Diese Männer wirken wie Einheimische oder zumindest Osteuropäer. Vom Führungspersonal bekommen Samir und Cevas einige Male den Fernseharchäologen Brooks Galbraith zu Gesicht. Einmal unterhält er sich mit zwei anderen britisch aussehenden Männern. Später können sie eine seltsame Szene beobachten: Zwischen den Ausgrabungsorten stolziert eine Rumänin mit bedächtigem Schritten mal hierhin und mal dorthin. Sie trägt einen bunt bestickten Rock, ein Kopftuch, eine Menge Schmuck und hat einen Stab oder eine Rute in der Hand. Während ihres seltsamen Ganges durch die Anlage scheint sie sich mit dem Archäologen zu streiten. Über das Richtmikrophon ist zu hören, dass sie den Mann versucht dazu zu bewegen, die Anstrengungen der Arbeiter auf die hinterste der drei Ausgrabungsstellen zu konzentrieren. Galbraith scheint wenig überzeugt davon zu sein.

Etwas später kann Vasily für einen Moment einen Blick ins Innere einer der beweglichen Hütten werfen. Es scheint sich um die Hütte mit den Vorräten zu handeln. Vasily erkennt, dass direkt hinter dem Eingang eine größere Menge an Kühlbehältern abgestellt wurden. Es handelt sich um Kühlbehälter, wie sie öfter für den Transport von Blut verwendet werden.

Kristina versucht herauszubekommen, wie die Wachen organisiert sind. Viel lässt sich in dieser Hinsicht allerdings nicht feststellen. Die Bewaffneten schlendern ziemlich unorganisiert allein oder in kleineren Gruppen durch das Lager. Gegen Abend halten sie noch eine Weile lang die Stellung, dann gehen auch sie schlafen. Der einzige Ort, auf den einige Anstrengung verwendet wird, ist die kleine Hütte am Ende des schlammigen Pfades. Hier sind permanent zwei Männer stationiert, die auch etwas besser als die übrigen aufzupassen scheinen. Sie werden hin und wieder abgewechselt, ohne dass ein erkennbarer Rhythmus feststellbar wäre. Bei Einbruch der Dunkelheit schalten sie einen Flutlicht-Scheinwerfer an, der den Zufahrtsweg grell ausleuchtet.

Die Agenten warten bis tief in die Nacht, dann schleichen sie sich an die Ausgrabungsstätte heran. Eine erste Gruppe bilden Kristina, Cevas und Vasily. Samir und Yuri bleiben über Funk mit ihnen verbunden und beobachten mit ihren Nachtsichtgeräten weiter das Lager. Zunächst steuern die Eindringlinge die Vorratshütte an. Sie haben einen Cocktail aus Wildrosenöl und Blutverdünnungsmitteln dabei, den sie in die dort gelagerten Blutkonserven mischen wollen. Zwar fährt ihnen ein Schreck in die Glieder, als sie merken, dass direkt neben den Kühlbehältern auf einem Feldbett ein schlafender Mann liegt, sie sind bei ihrer Arbeit aber leise genug und wecken ihn nicht. Eilig verlassen sie die Hütte, nicht ohne noch den dort ebenfalls gelagerten Sprengstoff mitzunehmen.

Danach begeben sie sich zu der Plastikplane, von der die rumänische Frau gesprochen hat. Da es so aussieht, als könne es hier gefährlich werden, werden Samir und Yuri herbei geordert. Während sich die beiden Männer der Ausgrabungsstätte nähern, rollen ihre Kollegen die Abdeckung beiseite, legen einen Schacht frei und steigen in ein verzweigtes Kellergewölbe hinab. Da das Gebäude ein ehemaliges Zisterzienserkloster ist, geht Cevas aufgrund seiner archäologischen Kenntnisse davon aus, dass es als Tochterkloster von Clairvaux errichtet wurde und derselben Anlage folgt. So findet Cevas mit einiger Mühe von den Vorratslagern zum Kellerbereich des Gotteshauses und muss feststellen, dass genau hier – nicht weit vom Bereich der Krypta – die Räume verschüttet sind. An dieser Stelle sind offensichtlich bereits Ausgrabungsarbeiten durchgeführt worden. Noch endet der freigeräumte Bereich aber an einer Wand aus Geröll und Erde. Cevas untersucht die Stelle gründlich und entdeckt schließlich aufgrund kleiner Erdspalten, dass die Schuttschicht offensichtlich nicht mehr allzu massiv sein kann: der Durchbruch ist an dieser Stelle schon fast gelungen. Unverzüglich beginnt Cevas damit eine Sprengladung vorzubereiten.

In der Zwischenzeit bekommen allerdings Samir und Yuri Probleme. Sie können genau wie ihre Vorgänger ohne Schwierigkeiten in das Lager eindringen, aber auf ihrem Weg zu dem Kellergewölbe, in dem sich bereits ihre Mitstreiter befinden, fällt Samir unvermittelt zu Boden. Yuri schaut nach dem Rechten und bemerkt, dass er in einen tiefen Schlaf gefallen ist. Irritiert schaut Yuri sich um und erblickt gerade noch, wie eine Gestalt um die Ecke einer Ruinenwand verschwindet. Möglicherweise war es die Rumänin, aber Yuri ist sich nicht sicher. Er zieht den schlafenden Samir hinter einen in der Nähe befindlichen Bagger und gibt über Funk an seine Kollegen durch, dass es Schwierigkeiten gibt. Es müsse mit einer Entdeckung gerechnet werden. Dann verpasst er Samir ein paar wohlfeile Ohrfeigen, die den Mann allmählich wieder zur Besinnung kommen lassen.

Im Gewölbe entschließt sich Cevas zu einer schnellen Zündung. Er lässt seine vorbereitete Sprengung in die Luft gehen, aber die Eile hat der Sache nicht gutgetan. Längst nicht so sauber wie geplant verschüttet die Detonation einen großen Bereich des Raumes und Kristina, Vasily und Cevas können froh sein, dass sie nicht verschüttet wurden und lebendig aus dem Raum entkommen konnten. Als sie aus dem Schacht steigen, gehen in den Hütten und Zelten bereits einige Lichter an. Leute laufen zusammen und rufen sich Befehle zu.

Die Agenten entschließen sich gerade noch rechtzeitig zur Flucht und erreichen ihren Beobachtungsposten in der Morgendämmerung. Von hier aus beobachten sie das weitere Geschehen. Eine Weile lang wird die Anlage noch von den Wachen nach Eindringlingen durchsucht, dann wird es wieder still. Am Nachmittag des nächsten Tages scheint es im Lager Grund zu Aufregung zu geben. Ein Bagger mit einer Hebevorrichtung wird zum Kellergewölbe gefahren und beginnt einen schweren Gegenstand den Schacht hinauf zu ziehen. Kristinas Finger liegt auf dem Abzug ihres Scharfschützengewehres, aber die Gruppe ist unschlüssig. Sie greift nicht in das Geschehen ein. Stattdessen justiert Samir ihre Richtmikrophone. Im Folgenden müssen die Agenten mit ansehen, wie ein metallener Sarg ans Tageslicht gehoben wird. Mit vor Ort ist auch die rumänische Frau, die so aussieht, als würde sie dem Sarg eine fast schon religiöse Verehrung zukommen zu lassen. Sie verlangt, den Sarg sofort zu öffnen. Die britischen Ausgrabungsleiter scheinen anderer Ansicht zu sein. Wieder entbrennt ein Streit, in dem ein britischer Dolmetscher der Frau zu verstehen gibt, dass der Sarg erst am kommenden Tag geöffnet wird, weil für diesen Vorgang noch Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen. Galbraith und ein weiterer Brite nicken ernst und stehen ihrem Landsmann zur Seite. Ächzend und stöhnend ziehen die Arbeiter den Metallsarg auf Rollbrettern mit Seilen in die Vorratshütte.

Cevas schaut seine Kollegen an und sagt: „Wenn uns die Frau keinen Strich durch die Rechnung macht, haben wir noch eine Nacht. Wir müssen nochmal hin!“

-

Das war eine kürzere Sitzung, was hauptsächlich daran lag, dass wir erstmalig online gespielt haben und einige technische Probleme überwinden mussten.

Ich gehe sicher davon aus, dass es den Agenten beim nächsten Mal irgendwie gelingen wird, die Öffnung des Sarges zu verhindern. Mit dieser Aktion endet dann Einführungsabenteuer zum Dracula-Dossier und es geht richtig los. Ich muss die Aktionen Draculas und die von Operation Edom vorbereiten, mir noch irgendeinen Nachfahren der Bram Stoker Handlung ausgucken und zumindest noch ein wenig an der Verschwörung basteln. Dann kommt der kritische Moment, an dem der Plot endet und die Spieler auf eigene Faust weitermachen müssen... wahrscheinlich schon beim nächsten Mal. Ich bin sehr gespannt, wie das wird.
« Letzte Änderung: 25.04.2020 | 23:49 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #5 am: 25.04.2020 | 23:22 »
Recherche in Sibiu (4)



Für den zweiten Besuch der Ausgrabungsstätte werden Vorbereitungen getroffen. Samir richtet Überwachungskameras auf die wichtigen Punkte: Die Versorgungshütte, in der der Metallsarg untergebracht wurde und die Wachhütte am Ende des Weges, der zu den Ruinen hinauf führt. Wenn sie im Lager sind, werden sie diese Orte permanent überwachen können. Die Agenten beobachten, wie zwischenzeitlich vor der Versorgungshütte zwei Wachen Stellung bezogen haben. Auch die übrigen Wachen scheinen nach der vergangenen Nacht etwas aufmerksamer zu sein. Ansonsten hat sich das Verhalten der dort Anwesenden aber kaum verändert. In der Abenddämmerung kann Vasily entdecken, wie die rumänische Frau ein Zelt verlässt. Es steht nah an den Ausgrabungen. Zwischen ihrem Zelt und der Versorgungshütte stehen weitere zwei Zelte.

Nach Einbruch der Dunkelheit betreten die Agenten die Ausgrabungsstätte in zwei Gruppen. Samir, Cevas und Kristina schleichen sich an die Versorgungshütte heran. Während Samir wartet, machen Kristina und Cevas mit den dort postierten Wachen kurzen Prozess: Kristina stößt einem der Männer ihren Gewehrkolben ins Genick, Cevas ergreift den anderen von hinten, bedroht ihn mit dem Messer und drückt ihm dabei so den Hals zu, dass er wenige Augenblicke später ohnmächtig zu Boden sinkt. Die drei Agenten schlüpfen schnell in die Hütte, die Wachen ziehen sie hinter sich her.

Auf der anderen Seite des Lagers schleichen sich Yuri und Vasily an einen Bagger heran. Yuri befestigt eine Sperrvorrichtung am Lenkrad und arretiert das Gaspedal. Dann schließt er die Zündung kurz. Beide Männer verschwinden wieder, während der führerlose Bagger auf die Wachhütte zufährt und schließlich in sie hineinkracht. Die beiden dort stationierten Wachen rennen heraus, schreien und versuchen den Bagger zum Stehen zu bringen. Dabei laufen rund zwanzig Leute aus dem Lager zusammen.

Die Ablenkung nutzen Cevas, Vasily und Kristina um unter dem Metallsarg eine Sprengung vorzubereiten. Mühsam werden zwei Keile unter dem Metallsarg geschoben, im frei gewordenen Zwischenraum deponiert Cevas den gesamten Sprengstoff, den er noch besitzt. Kristina zieht die ohnmächtigen Wachen in eine Ecke des Raumes und legt ein paar Zementsäcke vor ihnen ab. Vielleicht überleben sie so die Detonation, so ihre Hoffnung. Schließlich bringt Cevas einen Zeitzünder an und die Agenten bringen sich in Sicherheit. Fünf Minuten später fliegt die gesamte Hütte in die Luft.

Zurück in ihrem Stützpunkt beobachten die Agenten das weitere Geschehen im Lager. Vor der zerstörten Hütte hat sich die rumänische Frau aufgebaut. Sie wedelt wild mit ihrem Stab herum und singt seltsame Melodien. Ihr gegenüber befinden sich in gebührendem Abstand einige Arbeiter und Wachen aus dem Lager. Cevas erinnert sich plötzlich an Passagen aus okkulten Werken, die er studiert hat: Das ist ein Beschwörungszauber – was die Frau herbeirufen will, weiß er aber nicht. Dafür kommt ihm der Name einer Roma Sippe in den Sinn, von der erzählt wird, dass sie derartige Praktiken pflegt: die Ruvari Szgani – Wolfszigeuner!

Als er seinen Mitstreitern erzählt, was dort unten im Lager vor sich geht, beschließen sie, nicht bis zum Ende des Rituals der rumänischen Frau zu warten. Kristina holt ihr Snipergewehr, legt an und erschießt die Frau. Im Lager macht sich daraufhin Panik breit. Männer rennen zu der Frau, schreien durch die Nacht, einige fliehen auch in die Dunkelheit. Schließlich tauchen die drei Briten auf, die die Ausgrabungen leiten. Sie informieren sich über die Vorfälle und begeben sich dann zu dritt in eine Hütte. Samir richtet die Richtmikrophone aus und versucht die Gespräche der Briten abzuhören. Das gelingt zumindest zum Teil. Aus den Unterhaltungen der Männer wird immerhin deutlich, dass sie ihr Unternehmen als gescheitert erachten. Sie unterhalten sich darüber, wie sie eine größere Blamage verhindern können, ob sie ein paar Fundstücke zumindest als Teilerfolg präsentieren können und wie sich das Lager möglichst schnell wieder auflösen lässt. Die Agenten sind zufrieden. Was auch immer sich in dem Metallsarg befunden haben mag – es sieht nicht so aus, als würde es zukünftig noch irgendein Unheil anrichten können.

Am nächsten Morgen planen die Agenten ihr weiteres Vorgehen. Im Internet suchen sie nach Informationen über die Roma Sippe der Ruvari Szgani. Viel findet sich nicht, immerhin aber wird die Sippe verdächtigt vor zwei Jahren einen Mordversuch auf die Menschenrechtsaktivistin Aishe Balan unternommen zu haben. Balan ist selbst Mitglied der Roma und setzt sich für die Interessen ihres Volkes ein. Warum versuchen Mitglieder ihres Volkes sie umzubringen? Die Neugier der Agenten ist entfacht. Balan wohnt in Bukarest. Früher oder später wollen die Agenten ihr einen Besuch abstatten. Vasily fällt auch sein Kontakt Dr. Ionescu an der Universität zu Karlstadt wieder ein. Auch ihm könnte er ein paar Fragen zu der Angelegenheit stellen.

Dann wird die kommentierte Dracula-Ausgabe, die die Agenten in London in ihren Besitz bringen konnten, genauer studiert. Sie ist mit Anmerkungen versehen, die auf drei unterschiedliche Kommentatoren schließen lassen: einer aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, einer aus den siebziger Jahren, einer aus der unmittelbaren Vergangenheit. Auf viele Details können sich die Agenten keinen Reim machen. Dennoch entdecken sie ein paar Überraschungen:

In einem Kommentar ist von einem gewissen Balan die Rede, der zur Zeit des zweiten Weltkriegs einen britischen Agenten vor dem Zugriff Draculas gerettet hat. Der Mann war offensichtlich ein Roma und gab zu, dass andere Roma für Dracula tätig seien. Handelt es sich um einen Vorfahr der Menschenrechtsaktivistin?

An einer Stelle heißt es, die Ruvari Szgani sei die berüchtigteste aller Roma Sippen. Vielleicht sind gerade ihre Angehörigen als Hilfstruppen für Graf Dracula tätig gewesen?

In einem Kommentar heißt es, dass sich in den Siebziger Jahren im Auftrag eines gewissen Dragos ein amerikanischer Geistlicher das rumänisch-orthodoxe Erzbistum von Sibiu aufgesucht hat. Dieser Geistliche sei aber eigentlich ein Agent gewesen, habe nach der Scholomance gesucht und sei deshalb in die umliegenden Berge aufgebrochen. Der Kommentator behauptet, er habe möglicherweise Schwierigkeiten mit einer Roma Sippe bekommen.

Was ist die Scholomance? Die Agenten recherchieren weiter. Es handelt sich angeblich um eine Schule der Magie, die vom Teufel selbst geleitet wird. Jeden zehnten Schüler nimmt er mit in die Hölle, den anderen bringt er schwarzmagische Künste bei. Angeblich hat Dracula selbst bei ihm Magie studiert.

Warum können amerikanische Geistliche in den Zeiten des Kommunismus in Rumänien Nachforschungen anstellen? Die Agenten stoßen auf Hinweise über weitere Informanten Großbritanniens. Das Ganze klingt danach, als seien britische Spione damals in Rumänien recht rege gewesen. Offenbar jagten sie einen Überläufer, der damals nach Rumänien geflüchtet ist. Was ist geschehen?

Die Agenten reisen nach Sibiu. Sie wollen der dortigen rumänisch-orthodoxen Gemeinde einen Besuch abstatten. In der Stadt angekommen nehmen sie sich ein Hotelzimmer, dann besuchen sie den Sitz des Erzbischofs. Sein Haus steht direkt gegenüber der eindrucksvollen barocken Dreifaltigkeitskathedrale im Stil der Istanbuler Hagia Sophia. Die Agenten betreten das Gebäude und folgen den Wegweisern zum Archiv. Dort werden sie von einer unsicheren Mitarbeiterin begrüßt, die nicht weiß, wie sie auf ihr unangekündigtes Auftauchen reagieren soll. Schließlich bittet sie die Agenten, doch zuerst einmal in der Anmeldung vorbeizuschauen. Die dort arbeitende Rita Silivasi begrüßt die Agenten streng. Ein paar höfliche Worte und besonders ein paar schmeichelnde Floskeln Samirs können aber das Eis brechen. Rita führt die Agenten in das Gemeindearchiv und verbringt mit ihnen dort einen Nachmittag. Die Ausbeute ist bescheiden. Es findet sich aber immerhin ein maschinengeschriebenen Brief, in dem der Primas der rumänisch-orthodoxen Kirche den damaligen Erzbischof von Sibiu anweist, den amerikanischen Geistlichen Andrew Rollet zu empfangen. Mit Rückfragen soll sich der Erzbischof an einen gewissen Eugene Dragos halten. Es folgt eine britische Telefonnummer. Handschriftlich wurde dem Brief das Wort „angekommen“ hinzugefügt, später noch die Worte „leider verschollen“.

Freundlich bedanken sich die Agenten bei Rita Silivasi und kehren in ihr Hotel zurück.

-

Im ersten Teil der Sitzung gab es keine Probleme. Die Spieler sind geschickt vorgegangen, haben gut gewürfelt und konnten deshalb ohne große Schwierigkeiten die Wiederbelebung des Vampirs aus den Ruinen des Klosters von Salard verhindern.

Allerdings haben wir eine interessante Regel des Burn-Modus´ eingeführt: Agenten, die Menschen umbringen, verlieren ein Punkt Maximalstabilität. Der kann durch Erfahrungspunkte wieder hinzugefügt werden, wer das allerdings nicht tut, entwickelt sich eben mit jedem Mord weiter zu einem Soziopaten. Kristina hat mit dem Auslöschen der rumänischen Zauberin heute einen Schritt in diese Richtung getan.

Im zweiten Teil hat mich die Recherche meiner Gruppe heute völlig überrollt. Fünf Leute, die gleichzeitig in ihren PDFs des Dracula-Dossiers mittels Volltextsuche irgendwelche Schlüsselbegriffe eingeben und zwischendurch von mir über Headphone irgendetwas wissen wollen, was sich möglicherweise irgendwo in diesen 350 Seiten des Dracula-Dossiers befindet, waren einfach zu viel für mich. Ich bin nicht mehr gut mitgekommen.

Eigentlich hatte ich schon ein paar erste Reaktionen Draculas und Operation Edoms auf die Aktivitäten der Agenten ausgearbeitet, aber ich kam gar nicht dazu, sie irgendwie einzubauen. Schon der Versuch auf alle aufkommenden Rückfragen der recherchierenden Spieler Antworten zu finden, war kaum machbar.

Jetzt habe ich einen Haufen Hausaufgaben. Immerhin weiß ich aber, was die Agenten beim nächsten Mal vorhaben. Sie wollen zuallererst die Scholomance suchen. Danach werden sie versuchen mit der Menschenrechtsaktivistin Aishe Balan Kontakt aufzunehmen. Das lässt sich vorbereiten.
« Letzte Änderung: 25.04.2020 | 23:40 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #6 am: 17.05.2020 | 02:32 »
Im Zibingebirge



Die Agenten versuchen herauszufinden, wo sich die Scholomance befindet. Der einzige Hinweis aus dem Dracula Dossier deutet auf einen Hermannstädter See irgendwo in den Bergen bei Sibiu hin. Hermannstadt ist der alte, deutsche Name für Sibiu. Einen Hermannstädter See gibt es aber nicht. Die Agenten überlegen, wo sich Informationen über diesen Ort befinden könnten und beschließen, die ASTRA National Museen in Sibiu zu besuchen. Zwar finden sich in diesen Museen auch ägyptische Mumien und Fundstücke aus aller Welt, sie wollen aber auch die rumänische Kultur bewahren, besitzen ein Freiluftmuseum mit einem wieder aufgebauten vorindustriellen rumänischen Dorf, transsylvanische Kirchenschätze und ähnliche Exponate.

Während eines Gesprächs mit der Museumsleitung kann sich Cevas als Kunstexperte ausgeben. Er darf sich mit seinen angeblichen Kollegen im Archiv des Museum umsehen. Die Agenten lesen ein paar Legenden über die Scholomance, die alle völlig märchenhaft wirken. Immerhin wird in einigen von ihnen unabhängig voneinander erwähnt, dass die dort praktizierte Magie in der Lage sei, dämonische Geister zu beschwören und in Gegenstände und Waffen zu bannen.

Beim Stöbern durch die Werke regionaler Künstler des 19. Jahrhunderts stoßen die Agenten auf eine Stadtansicht Sibius. Kristina erkennt die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit und die dahinter liegende Silhouette der Berge am Horizont, zu Füßen des Malers ist ein kleiner Bergsee eingezeichnet. Über dem See dräuen düstere und bizarre Wolkenformationen. Ist das der Hermannstädter See? Die Anhaltspunkte, die das Bild liefert, reichen aus, um den See in südöstlicher Richtung zu verorten. Nach einem Vergleich mit einer Landkarte ist relativ schnell der wahrscheinlichste Kandidat ausgemacht: „Iezerul Mare“ heißt der kleine Gletschersee heute. Sein Name ist etwas trügerisch und kann mit „großer See“ übersetzt werden. Er liegt in einem Nationalpark und einer Bergregion, die den Namen „Teufelshöhe“ trägt.

Die Agenten machen einen Einkaufsbummel und besorgen sich eine Taucherausrüstung. Dann fahren sie zu einem Hotel im Tal „Hohe Rinne“, das in Richtung des Sees gelegen ist. Am nächsten Morgen brechen sie mit dem Auto in Richtung des Sees auf.  Irgendwann ist die Straße zu Ende und den Agenten  steht ein dreistündiger Aufstieg bevor. Nach einer Stunde erreichen sie eine Försterhütte. Der Hausherr ist anwesend und zeigt ihnen den Weg. Noch während sich die Agenten aber von seiner Hütte entfernen schaut sich Kristina um und sieht, wie ihnen der Förster lange hinterherschaut.

Schließlich ist der See erreicht. Er ist einer der Vulkankrater des Zibingebirges und befindet in der Nähe von dessen höchstem Gipfel in mehr als 2200 Meter Höhe. Es ist empfindlich kalt. Die Agenten schauen sich um und entdecken am Hang über dem See einen Höhleneingang. Während sie sich vorsichtig nähern, ziehen über ihnen dunkle Wolken auf.

Schließlich betreten die Agenten die Höhle. Sie ist voller losem Geröll und im Schein ihrer Taschenlampen nicht ganz ungefährlich. In ihrem hinteren Bereich befinden sich einige Nischen, die aber nicht weiter in den Berg führen. Die Agenten leuchten die Höhle aus und scheuchen ein paar große Vögel auf, die den Ort wild flatternd verlassen. Dann stoßen sie auf eine zerklüftete Stelle, an der es so aussieht, als seien mehrere Gesteinsschichten aufeinander gestoßen. Schließlich entdeckt Cevas einen Felsbrocken, auf dem in altgriechischen Lettern jemand ein Wort eingeritzt hat: TARTARO. Cevas kann sich darauf keinen Reim machen: Tartarus, die antike Hölle der Folter und riesigen Monster? Ein Hinweis aus dem Mittelalter auf die die mongolischen Tartaren? Der Name eines räuberischen Höllenfürsten? Das lässt sich unmöglich sagen.

Noch während sich Cevas aber über den Stein beugt und versucht, in den Buchstaben einen Sinn zu erkennen, verliert er die Kontrolle über seinen Geist. Er fühlt sich für einen Moment, als befände er sich an einem anderen Ort. Cevas sieht in ein altmodisches, rumänisches Wohnzimmer. Die Vorhänge sind zugezogen und eine elektrische Lampe erleuchtet den Raum. Auf einem Tisch vor ihm liegt ein Häkeldeckchen, auf dem ein Handy liegt. Es ist ausgeschaltet. Er blickt an sich herunter und stellt fest, dass er sich im Körper einer Frau befindet. Die Frau hat runzlige Hände mit Altersflecken. Sie denkt: „Was wollt ihr wirklich?“ Cevas schwindelt und plötzlich ist er mit seinen Gedanken wieder bei seinem Kollegen in der Höhle.

Was war das? Cevas erzählt von seinem Eindruck und die Agenten rätseln, wie sich seine Vision erklären lassen könnte. Achselzuckend setzen sie ihre Arbeit fort. Da sie vor Ort zu keinen weiteren Erkenntnissen mehr kommen, dokumentieren sie ihre Entdeckungen so gut es geht. Sie fotografieren die prägnante Felsformation und das griechische Wort, dann steigen sie im Regen den Berg hinunter und erreichen bei Einbruch der Dämmerung ihr Hotel.

Am nächsten Tag wollen die Agenten eigentlich noch ein paar städtische Museen besuchen. Im Museum für Naturgeschichte erhoffen sie sich ein paar Informationen über geologische Besonderheiten der Region, das Museum für Jagdwaffen und Trophäen ist als reiner Freizeitausflug geplant.

In Sibiu angekommen stoßen sie aber auf eine merkwürdige Szene. Auf dem großen Platz vor dem Museum für Naturgeschichte kreuzt eine Pferdekutsche ihren Weg. Auf dem Kutschbock sitzt ein einzelner Fahrer, geladen hat er eine große Holzkiste in deren Holz die Worte „Sfânta Treime Zizin“ (Heilige Dreieinigkeit Zizin) eingebrannt sind. Neben dem Wagen läuft ein streunender Hund und bellt wie rasend. Da das Auto der Agenten drei Blocks entfernt abgestellt wurde, beschließen sie, der Kutsche zu Fuß zu folgen. Besonders schnell scheint sie nicht zu sein. Der Kutscher aber hält erst einmal. Er steigt von der Kutsche und versucht den Hund zu verscheuchen, was ihm irgendwann auch gelingt. Dann steigt der Kutscher wieder auf den Bock und fährt weiter. Die Agenten folgen ihm unauffällig und erreichen so irgendwann den Zentralfriedhof des Städtchens. Sie sehen, wie der Kutscher den Wagen abstellt und sich entfernt. Gern würden sie einen vorsichtigen Blick in die Kiste werfen, aber die zugenagelte Holzkiste aufzuhebeln ist ihnen doch zu auffällig. Immerhin sind einige Besucher auf dem Friedhof. Daher machen die Agenten einen kleinen Spaziergang in der Nähe oder setzen sich auf eine Bank und warten ab, was mit der Kutsche weiter geschieht. Hinter einer Hecke entdeckt Samir dann auch irgendwann den Hund wieder, der die Kutsche bereits vor dem Museum angebellt hat. Er bellt auch hier. Mal scheint er sich über die Kutsche aufzuregen, mal über Samir. Ein paar Besucher des Friedhofs sehen genervt zu den Agenten herüber. Kristina wirft dem Hund eine Wurst zu. Eine Weile ist das Tier beschäftigt.

Dann beschließen die Agenten doch zu handeln. Cevas zieht den Kaltblüter, der vor die Kutsche gespannt ist, hinter ein kleines Friedhofsgebäude. Dann hebelt er vorsichtig den Deckel auf. Die Kiste enthält einen halben Meter hoch Erde. Cevas will schon hineingreifen und schauen, ob dort etwas verborgen ist, da hält er schockiert inne. Er entdeckt einen kaum sichtbaren dünnen Draht, der aus der Erde herausragt und erkennt den Zündmechanismus einer Sprengladung. Als Experte auf dem Gebiet kann er daraufhin vorsichtig die Falle entschärfen. Die Sprengladung besaß die Stärke einer kräftigen Granate.

Nachdenklich schauen sich die Agenten um. Der Hund ist verschwunden. Hier hat jemand eine Falle gestellt. Galt sie ihnen?

Endlich besuchen sie das Museum für Naturgeschichte. Die Exponate sind langweilig, die Gespräche mit den Museumsmitarbeitern verlaufen  im Sande, immerhin aber lernt Vasily Francesca Collins, eine amerikanische Geologie-Studentin auf Studienreise, kennen, die sich im Museum ein paar Notizen in ihren Labtop einträgt. Jeder zweite Satz Francescas ist „I´m so excited!“, ansonsten ist sie aber hilfsbereit. Vasily zeigt ihr die Fotos aus der Höhle, die die seltsame Gesteinsformation zeigen. Francesca behauptet, dass sich an dieser Stelle offenbar einmal eine Erdspalte befunden hat, die aber wieder gründlich verschlossen wurde. Vasily bedankt sich hocherfreut und geht. Die Agenten fassen den Entschluss, irgendwann einmal mit guter Ausrüstung an den Ort zurückzukehren und Probebohrungen vorzunehmen.

Zuletzt besuchen die Gefährten das Museum für Jagdwaffen und Trophäen von Sibiu. Es stellt die Sammlung des königlichen Jagdmeisters Oberst August von Spiess (1864 – 1953) aus und enthält als wichtigstes Exponat den Prototypen von Conrad Haas´ Mehrstufenrakete aus dem 16. Jahrhundert. Abgesehen von diesem spektakulären Ausstellungsstück scheint das Museum aber weniger gut gepflegt zu sein. So entdecken die Agenten in der Nähe der Toiletten fast durch Zufall eine Glasvitrine in dem eine alte, lederne Arzttasche ausgestellt ist. An hellen Streifen ist zu erkennen, dass das Stück einst Schnallen besaß, die aber verschwunden sind. In das Leder sind die Initialen A. V. H. eingebrannt. Vor der Tasche ist ihr Inhalt ausgelegt: zwei Zündplättchenpistolen mit Zubehör und 6 Silberkugeln, ein Elfenbeinkruzifix, ein Rosenkranz mit schwarzen Steinen, ein silbernes Abzeichen mit dem heiligen Michael, eine braune Glasflasche mit eine gelblich-grauen Pulver und dem Etikett „Pulverisierte Knoblauchblüten“, eine größere braune Glasflasche mit klaren Wasser und dem Etikett „Weihwasser“, eine braune Glasflasche mit einer gräulichen Paste und dem Etikett „Blomberg Serum (J. S.)“, ein hölzerner Pflock und Hammer und ein schweres Bowiemesser mit der Gravur „In Memoriam Q. P. M. 1897“.

Die Agenten schauen sich an, einer nach dem anderen beginnt zu nicken. Schließlich schlendern sie ins Museumscafé und kaufen einen Katalog. Kopfschüttelnd müssen sie lesen, dass es sich bei der Tasche um die Ausrüstung eines Landarztes handeln soll, der im 19. Jahrhundert auch öfter durch gefährliches Gebiet zu reisen gezwungen war. Die Museumsmitarbeiter scheinen selbst nicht ganz zu wissen, was sie hier ausstellen. Vasily hackt sich in die Überwachungskameras des Museums und schaltet sie aus. Wenig später erscheint ein etwas verwirrt aussehender Mann, der der Bedienung im Café erzählt, es stimme etwas nicht. Dann verlassen beide Personen aufgeregt den Raum und die Agenten sind für einen Moment allein. „Jetzt oder nie!“, zischt Vasily seinen Kollegen zu. Samir knackt das Schloss an der Glasvitrine, löst dabei aber einen Alarm aus. Vasily bringt ihn relativ schnell wieder zum Verstummen, ein paarmal erklingt aber ein hässliches, lautes Piepen. Die Agenten raffen ihre Beute zusammen und eilen zum Ausgang. Dabei bekommen sie mit, wie der Alarm bereits einige Museumsmitarbeiter zusammengerufen hat, die sich aber zunächst aufgeregt darum sorgen, ob Conrad Haas´ Mehrstufenrakete beschädigt wurde. Mit der gestohlenen Arzttasche springen die Agenten in ihren Wagen und fahren nach Bukarest.

Mitten in der Nacht erreichen sie die Stadt, fahren über vielbefahrene Hauptverkehrsadern ins Stadtzentrum und nehmen sich Zimmer im Hilton Hotel. Bei der abendlichen Entspannung in der Hotelbar greift Yuri zur London Times und entdeckt einen interessanten Bericht:

Tote Leibwächterin als Spionin enttarnt.
Die Schießerei im Osten Londons wirft immer neue Rätsel auf. Bisher wurde bekannt, dass dort eine islamistische Terrorzelle mit britischen Sicherheitskräften aneinander geriet. Vor zwei Tage stellte sich heraus, dass wohl auch die Tote von St. Mary the Virgin in die Ereignisse verstrickt war. Carmilla Rojas war eine Argentinierin mit texanischen Wurzeln. Offiziell war sie für eine politische Gesandtschaft ihres Landes als Leibwächterin tätig. Nun wurde bekannt, dass sie möglicherweise in geheimem Auftrag gegen die Islamisten vorging und sie bei einem Anschlag auf die Kirche St. Mary the Virgin überraschte, bei dem der dort tätige Priester ermordet wurde. Rojas wurde offensichtlich in der darauffolgenden Auseinandersetzung auf den Kirchturm und von dort aus derart in die Enge getrieben, dass sie von dort in die Windschutzscheibe des Wagens stürzte, den sich die Terroristen geliehen hatten. Die argentinische Gesandtschaft gab vor, über die Aktivitäten ihrer Security Mitarbeiterin keine weiteren Informationen zu besitzen. Die Politiker sind inzwischen mit Rojas Leichnam in ihr Heimatland zurückgekehrt, wo die Verstorbene beerdigt werden soll.


„Was ist los mit dem MI5?“, fragt Yuri. „Entweder haben sie keine Ahnung oder sie haben etwas zu verbergen.“ Cevas meint: „In jedem Fall wollen sie uns etwas anhängen!“ Kristina behauptet trocken: „Glückwunsch jedenfalls: Wir sind berühmt!“ Einen Moment lang denken die Agenten über Argentinien nach. Die Rolle Carmilla Rojas´ wirft aber weiterhin Rätsel auf.

Am nächsten Morgen beschließen die Agenten, sich auf die Suche nach der Menschenrechtsaktivistin Aishe Balan zu machen. Sie finden im Netz einen nicht allzu gut gepflegten Blog von ihr, der den Titel „Geschichten aus Ferentari“ trägt. Hier erzählt Balan vom Alltag der Roma Bukarests in den zusammenfallenden Wohnblocks eines postindustriellen Slums. Vasily meint: „Das sieht nach einer Erkundungstour aus!“ und die Agenten machen sich auf den Weg.

Auf dem Weg nach Ferentari merken sie irgendwann, dass sie sich in einer fremden Umgebung befinden. Eine wunderbare Mischung aus Rauch, Fleisch und Senf steigt in ihre Nasen, dann sehen sie hinter der nächsten Ecke einen fetten Mann, der in einem Innenhof Hackfleischröllchen grillt. Yuri und Vasily scheint es fast so, als könne man schon von dem Geruch allein leben, so köstlich kommt er ihnen vor. Der Mann sieht sie, winkt und ruft: „Das Brot gibt es heute kostenlos dazu!“, aber Samir und Cevas stellen lediglich fest, dass Schweinefleisch gebraten wird und Kristina sagt: „Schade, kein Fisch!“ Nach dieser Szene tauchen die Agenten erst richtig in das Viertel ein und brauchen ihre gesamte Aufmerksamkeit für die Umgebung. An den Häuserecken werden Drogen verkauft, Prostituierte prägen das Bild der Straßen, Männer schaffen mit verstohlenen Blicken verdächtig wirkende Taschen oder Koffer in auseinanderfallende Autos und rasen davon. Die meisten Häuser machen nicht den Anschein, als würden in ihnen Menschen zur Miete leben. Die Menschen hier schlafen, wo sie einen Platz finden können. An vielen Orten sind mehr oder weniger offen Elektrizitätsverbindungen zu sehen, die von den Bewohnern Ferentaris unerlaubt angezapft werden. Noch häufiger zeigen sich bettelnde Straßenkinder, die sich nur schwer abschütteln lassen. Vasily schüttelt mit dem Kopf. Dann sagt er: „Wir suchen eine Menschenrechtsaktivistin, lasst uns bei möglichen Freunden fragen, zum Beispiel in einer Kirche.“

Drei Häuserzeilen weiter betreten die Agenten eine orthodoxe Kirche und begegnen Vater Alexandru, der gerade nach der Morgenandacht die Kerzen löscht. Yuri spricht den Mann auf Aishe Balan an und behauptet, die Agenten seien Journalisten, die über Ferentari eine Reportage machen wollten. Der ruhige Priester zeigt sich zunächst etwas zurückhaltend und will wissen, für was für eine Zeitung sie arbeiten. Kristina nennt eine schwedische Zeitung, die dem Mann unbekannt ist. Nach ein paar aufmunternden Worten Samirs zeigt er sich schließlich bereit ihnen zu helfen und sagt: „Es gibt nur wenige hier, denen der Name Aishe Balan nichts sagt. Sie gehört zu uns und wohnt in der Calea Moraru im 2. Stock. Ich vermute, dass ihr Name nicht an der Tür zu finden ist. Passt auf euch auf.“ Die Agenten verabschieden sich, bahnen sich ihren Weg durch Mengen von verarmten Roma und machen sich auf den Weg.

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Die Runde lief viel besser als die letzte. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich stärker die Initiative übernommen habe. Wenn dann doch noch etwas Unvorhergesehenes geschieht – wie zum Beispiel der Besuch des Museums für Jagdwaffen und Trophäen – dann geschieht das in einem begrenzten Rahmen, den ich überschauen kann.

Ich merke, wie ich die Spieler inzwischen zunehmend durch die Story statt durch spektakuläre Action bekomme. Das ist kein Wunder, denn sie haben so viele Punkte gesammelt, dass sie schon ziemlich fortgeschritten sind. Ein paar Dinge spielen wir gar nicht mehr aus, weil wir wissen, dass sie allermeistens sowieso funktionieren.

Was noch interessant werden kann, sind die gegnerischen Handlungen. Mir ist heute bewusst geworden, dass meine Spieler Edom und Dracula offensichtlich noch als denselben Gegner betrachten. Da warten vielleicht auch noch ein paar Überraschungen auf sie. Dracula hat sie jedenfalls durch seine Tierspione und fingierten Kisten heute ziemlich an der Nase herumgeführt. Edom hatte mit seinem Zeitungsartikel weniger Erfolg. Eine weitere Aktion habe ich mir noch für das nächste Mal aufgehoben, aber auch die ist hauptsächlich zum Warmwerden geeignet. Auch einen ersten „Erben“ habe ich vorbereitet – einen Nachfahren der Personen, die Ende des 19. Jahrhunderts gegen Dracula vorgegangen sind und in Stokers Romanbericht als Figuren auftauchen. Das kann ganz lustig werden.
« Letzte Änderung: 18.05.2020 | 22:34 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #7 am: 17.05.2020 | 08:25 »
Wieder ein super Bericht. Das macht so viel Spaß die zu lesen.  :d
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Spieler: Hollow Earth Expedition

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