Autor Thema: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier  (Gelesen 1992 mal)

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Offline Chiarina

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[Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« am: 17.02.2020 | 18:31 »
Nach dreieinhalb Jahren und 23 Sitzungen Zalozhniye Quartet haben wir nun mit dem Dracula Dossier begonnen. Ich wollte mit „The Harker Intrusion“ als Intro anfangen und dachte, auf diese Art und Weise würde ich vor der spielleiterischen Herausforderung des Dracula Dossier noch eine kleine Verschnaufpause bekommen, was da aber gestern geschehen ist, war dann doch gleich der Sprung ins kalte Wasser.

Am Start sind fünf Spieler mit ihren Agenten:
Vasily – Computerexperte, ehemaliger Agent des weißrussischen Geheimdienstes
Yuri – russischer Schmuggler und Fälscher
Cevas – ehemaliges (?) Mitglied der Kosher Nostra, einer jüdischen Mafiaorganisation in den Vereinigten Staaten
Kristina – Schwedische Scharfschützin, Security Freelancer
Samir – ehemaliges Mitglied des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6
Vasily und Yuri haben das gesamte, Cevas fast das gesamte Zalozhniye Quartet miterlebt. Kristina ist zu Beginn des letzten Abenteuers dazu gekommen, Samir ist ein Neueinsteiger.

Aufgrund ihrer Erfahrungen kennen die Agenten ein paar Stärken und Schwächen der tellurischen Vampire. In unserem Zalozhniye Quartet ging es darum, dass eine russische Mafiaorganisation – die „Lisky Bratva“, Handlanger der vampirischen Verschwörung – ein besonderes Vampirblut und einen bakteriellen Nährboden zusammenbringen wollten. Wäre das gelungen, hätte es einen alten Fluch ausgelöst, der sofort das gesamte saudische Königshaus zu Vampiren und damit zu Mitgliedern der Verschwörung gemacht hätte. Die Agenten konnten das verhindern, waren am Ende aber auf die Zusammenarbeit mit dem Sonderkommando des britischen Geheimdienstes „Operation Edom“ angewiesen. Auf Anweisung hochrangiger Mitglieder von Operation Edom bekam ein kleiner Trupp britischer NATO-Soldaten, die im Südosten der Türkei stationiert waren, den Befehl mit den Agenten zusammen einen Zug zu stoppen. Was auch immer dem Befehlshaber dieser Einheit als Grund für diesen Auftrag genannt wurde, es war sicherlich keine Rede von einem menschengroßen Fledermausmann, der mit einem Saugrüssel seinen Gegnern versuchen würde, die Gesichtshaut vom Schädel zu reißen. Es war auch kaum vorauszusehen, dass der Befehlshaber bei der Sicherstellung einer verdächtigen roten Flüssigkeit von den Agenten, die eben noch mit ihm zusammengearbeitet hatten, überraschend liquidiert wurde. Diesen Leuten konnte nach dem Einsatz kein persönliches Verschulden nachgewiesen werden, dennoch gingen beide Seiten nach dem Einsatz in gegenseitigem Misstrauen auseinander. Es geht los:

All Inclusive (1)



Zu Beginn der Sitzung befinden sich Vasily, Yuri, Cevas und Kristina in Antalya und machen nach dem ganzen vergangenen Stress eine Weile All Inclusive Urlaub um mal richtig ausspannen zu können. Ihre Vergangenheit holt sie allerdings schon bald wieder ein. Samir, ein MI6 Agent mit indischen Wurzeln, war bis vor kurzem ebenfalls in der Türkei im Einsatz. Er hat von dem Kampf um den Zug Wind bekommen, ein paar Nachforschungen angestellt und musste schließlich feststellen, dass er seinen Job beim MI6 verloren hatte. Offensichtlich war er zu neugierig gewesen. Da er nun ohnehin nichts mehr zu verlieren hat, verolgt er die Spur der Agenten einfach weiter und stößt so auf die Urlauber in ihrer Hotelanlage. Ein paar Strandspaziergänge später erzählt Samir seine Geschichte, was Vasily reichlich knapp mit dem Satz: „Yeah, I know that feeling!“ kommentiert. Dann geschehen zwei Dinge in kürzester Zeit:

Zunächst einmal erhält Samir eine verschlüsselte email. Sie enthält Informationen über Vampire. Samir ist irritiert. Wer schickt ihm solchen hanebüchenen Unsinn? Will sich da jemand über ihn lustig machen? Samir hat Vasily als Computerspezialisten kennengelernt. Aus diesem Grund zeigt er ihm die email und fragt ihn, ob er ihm mehr darüber sagen kann. Vasily startet mit einer kleinen Untersuchung und stellt fest, dass die Verschlüsselung aus zivilen Nutzungsbereichen stammt. Sie ist relativ gut, aber nicht phänomenal. Er kann außerdem noch ermitteln, dass die email aus London stammt. Die Informationen über Vampire sind Vasily zum größten Teil bekannt. Der Absender hat Informationen zusammengefasst und hat auch ein paar originäre Scans angefügt, insgesamt scheint das Vasily aber nicht viel mehr als Hühnerfutter zu sein: Hier will jemand zeigen, dass er weiß, wovon er spricht, ohne wirklich interessante Informationen auspacken zu müssen.

Ein paar Stunden später liegt Yuri faul am Pool und schlürft einen Cocktail. Sein Handy klingelt und zögerlich hebt er ab. Yuri ist allerdings zu langsam und kann sich nur noch anhören, was der Anrufer auf seine Mailbox gesprochen hat: „Yuri? Hier ist Agi! Agi Kozorus! Ich bin in Marrakesch. Es sieht so aus, als wäre ich in Schwierigkeiten. Wenn du die Chance hast, dann komm! Ich könnte Hilfe gebrauchen. Wenn du in Marrakesch bist, ruf mich unter dieser Telefonnummer wieder an!“

Agi Kozorus ist eine investigative Journalistin, mit der die Agenten schon einmal zusammengearbeitet haben. Damals ging es um die Veröffentlichung von Informationen über ein ungarisches Menschenhändlerlager, das die Lisky Bratva betrieben hatte. Yuri seufzt und informiert seine Freunde.

Es werden Pläne geschmiedet. Die email aus London ist interessant, der Anruf von Agi Kozorus scheint aber eine höhere Dringlichkeit zu besitzen. Also besticht Yuri den Kapitän eines Frachtschiffes, das von der Türkei aus Textilien durch das ganze Mittelmeer nach Lissabon bringen will. Gegen eine großzügige Zahlung nimmt der Mann die Agenten mit. Kurz vor der Abfahrt besorgen sich Yuri und Cevas noch ein großes Schlauchboot und einen dazu passenden Außenbordmotor, dann beginnt eine längere Fahrt durchs Mittelmeer.
« Letzte Änderung: 17.02.2020 | 18:48 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #1 am: 17.02.2020 | 18:35 »
Rettung in Marrakesch (1)



Ein paar Tage später hat das Schiff der Agenten die Straße von Gibraltar passiert. In einer Nacht und Nebel Aktion lassen die Agenten ihr Schlauchboot zu Wasser und schippern damit nach Casablanca. Noch vier Stunden später erreichen sie mit einem Expresszug am Nachmittag Marrakesch.

Die Agenten betreten ein paar enge, mittelalterliche Gassen und stehen dann auf einem überdachten Suk (Markt), auf dem von Berberteppichen und Gewürzen bis zu Computern und Elektrogeräten alles verkauft wird. Yuri ruft die Nummer von Agi Kozorus an und hat einen Mann am Apparat, dessen Englisch so schlecht ist, dass er lieber Arabisch mit ihm spricht. Es dauert eine Weile, bis sich der Mann davon überzeugt hat, dass Yuri der Anrufer ist, auf den er gewartet hat. Dann sagt er: „Agi hat ein Zimmer im Riad Rouge. Dieses Telephon wird nach diesem Anruf vernichtet.“ Dann legt er auf.

Auf ihrem weiteren Weg durch Marrakesch müssen sich die Agenten immer wieder vor Taxis und Lastwagen, die in halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Volksmengen rasen, in Sicherheit bringen. Schließlich stehen sie aber auf dem Jemaa el-Fnaa, dem großen Marktplatz im Herzen der Stadt. In der Gegend sind sowohl Einheimische als auch Touristen unterwegs und die Polizeipräsenz ist entsprechend hoch. Hier stehen viele billige Hotels und Pensionen. Auch das Riad Rouge ist nicht weit. Es ist ein großes Haus, das um einen Innenhof herum gebaut wurde.

Als die Agenten vor dem Hotel stehen, fallen Yuri zwei junge Marokkaner auf, die dem Hotel gegenüber auf einem Motorrad sitzen. Er hat den Eindruck, dass die beiden den Hoteleingang observieren. Neben den Fahrzeugen der beiden befindet sich noch ein drittes Motorrad. Yuri macht Cevas und Samir ein kleines Zeichen, dann betritt er mit Vasily zusammen das Hotel. Yuri und Vasily verlangen nach einer Unterkunft und bekommen zwei Einzelzimmer im zweiten Stock zugewiesen. Cevas, Kristina und Samir bleiben noch einen Moment auf der Straße und behalten die beiden Marokkaner im Auge, die aber schon bald ebenfalls ins Hotel gehen. Samir folgt ihnen heimlich und sieht, wie sie ebenfalls einen Gang im zweiten Stock ansteuern und sich dann auf einem gepolsterten Sitzgelegenheit niederlassen, die am Ende des Ganges in die Wand eingelassen wurde. Vor diesem Ort aus können sie alles beobachten, was auf dem Gang geschieht. Um nicht aufzufallen, steigt Samir weiter zum 3. Stockwerk hinauf. Er informiert Vasily und Yuri über seine Beobachtungen. Vasily hackt sich über WLAN in die Hoteldaten und erkennt, dass Agi Zimmer 213 gebucht hat… einmal schräg über den Gang zwei Räume weiter. Es ist inzwischen dunkel geworden und so klettert Vasily aus dem Fenster seines Zimmers und dann an der Fassade des Hauses aufs Dach und auf der anderen Seite wieder herunter, bis er sich vor dem Fenster des Zimmers von Agi Kozorus befindet. Unbemerkt beobachtet er, wie sich dort ein Eindringling an ihrem Eigentum zu schaffen macht. Agi selbst ist nicht zu sehen- Lautlos schiebt Vasily das Fenster auf und schießt dem Fremden mit einer Tranquilizerpistole in den Hals. Fast völlig geräuschlos stürzt der Mann zu Boden.

Schnell durchsucht Vasily das Hotelzimmer. In der Nähe der Wohnungstür findet er einen Notizzettel mit einer Adresse hier in Marrakesch und dem Namen Hasan Sefet. Es sieht aus, als seien die Informationen schnell aufgeschrieben worden, vielleicht hat sie jemand Agi Kozorus über das Telefon diktiert. Es sieht auch so aus, als sei der Zettel dann versehentlich fallengelassen worden – vielleicht beim fluchtartigen Verlassen des Zimmers? Vasily findet außerdem Agis Reisepapiere, Rezepte und ein paar entwertete Fahrkarten aus Rumänien. Auf dem Tisch ihres Zimmers liegen zwei Mappen. Vasily nimmt alles mit, lässt sich vom Fenster aus auf die Straße hinab, geht zu Cevas und informiert dann Yuri und Samir. Die Gruppe nimmt sich ein Taxi und lässt sich so nah wie möglich an die Adresse heranfahren, die auf dem Notizzettel notiert war. Auf der Fahrt blättern die Agenten schnell Agis Mappen durch. Die eine enthält Informationen über ein neues industrielles Bergbau Projekt in den Karpathen. Ein paar Photos zeigen etwas, das wie ein Baugrundstück aussieht. In der anderen Mappe befinden sich Ausdrucke von Dokumenten über vampirische Volkssagen, vergrabene Körper und wallachische Kriegsherren. Das Format der Dateien sieht vertraut aus – Samir fühlt sich an die verschlüsselte email erinnert, die er in der Türkei erhalten hat.

Schließlich hält das Taxi. Die Adresse befindet sich in einem Bereich der Altstadt, durch deren enge Gässchen kein Auto hindurchpasst. Die Agenten steigen aus. Es riecht nach Süßigkeiten, Haschisch und Fleisch von den Garküchen am Straßenrand. Schon bald wird den Agenten allerdings auch klar, dass das gesamte Viertel unter Beobachtung steht. An etlichen einschlägigen Nischen und Torbögen befinden sich Augen, die das Geschehen in den Straßen aufmerksam beobachten. Auch aus den hochgelegenen Fenstern zu den kleinen Straßen schauen Gesichter nach unten. Einige lachen, andere observieren mit finsteren Blicken das Treiben auf den Straßen. Samirs große Stunde ist gekommen. Während seine Kollegen noch mühsam versuchen, jede mögliche Deckung zu nutzen und von Schatten zu Schatten eilen, verschmilzt er quasi mit seiner Umgebung und wird schnell in der Menschenmenge unsichtbar. Nur wenig später erblickt er eine junge Frau mit stoppeligem Kurzhaarschnitt, Lederjacke und Springerstiefeln. Sie schaut sich unsicher um und scheint Angst zu haben. Samirs Freunde sind nicht zur Stelle, daher nähert er sich allein der Frau. Er spricht ein paar beruhigende Worte, richtet Grüße von Yuri, Vasily und Cevas aus und zieht Agi Kozorus dann in eine nahe Bäckerei im Souterrain eines Gebäudes, wo eine längere Schlange von Menschen auf den Verkauf von Fladenbroten wartet. Samir fasst Agi an der Hand und will mit ihr zu einem Hintereingang heraus die Bäckerei verlassen, aber da tritt ihm ein mächtiger Bäcker in den Weg, der ihm unmissverständlich verdeutlicht, dass sich hinter der Tür Privaträume befinden. Schon erscheinen vier oder fünf Männer im Eingang der Bäckerei, die aufgeregt in Richtung Samir und Agi Kozorus gestikulieren. Sekunden später blitzen einige Messer auf. Da drückt Samir dem mächtigen Bäcker ein großzügiges Bündel Dollarnoten in die Hand. Geschickt bedient der Bäcker einen Kunden, der Durchgang ist frei, Agi und Samir können passieren. Kurze Zeit später steht der Bäcker wieder im Durchgang und verstellt den Verfolgern von Agi und Samir den Weg.

Über ihre Handys halten sich die Agenten gegenseitig auf dem Laufenden. Vasily organisiert für die am nächsten gelegene Zufahrtstraße zwei Taxen. In das eine Taxi setzt er sich gemeinsam mit Cevas, Kristina und Yuri. Zwei Minuten später erreicht Samir mit Agi das zweite Taxi. Zum Gebetsruf eines Muezzin springen sie auf den Rücksitz und fahren ihren Verfolgern davon.

An einem leicht heruntergekommenen Hotel machen die Agenten Halt und nehmen sich ein neues Zimmer. Dort befragen sie Agi Kozorus nach ihren Erlebnissen. Sie offenbart ihnen, an einer Story über Korruption in Unternehmen gearbeitet hat. Anlass dafür waren Informationen über die rumänische Bergbauindustrie, die ihr vor einiger Zeit ein mysteriöser Absender zukommen lassen hatte. Zwischen den Informationen befanden sich auch immer wieder seltsame Schriften über Vampire. Die Informationen waren gut, daher überprüfte sie, wie von dem Absender vorgeschlagen, das Bergbauunternehmen. Sie suchte die neue Forschungsgrabung des Unternehmens in den Karpathen auf und entdeckte, dass das Unternehmen eine Tarnung für irgendetwas anderes ist – wonach dort tatsächlich gegraben wird, hat Kozorus allerdings nie erfahren. Stattdessen wurde sie am Grabungsort von Wachen entdeckt, die versucht haben auf sie zu schießen. Seitdem flieht sie vor ihren Gegnern und hat in jeder Nacht schreckliche Alpträume – Träume von einem blassen Gesicht mit rötlichen Augen verfolgen sie seitdem auf Schritt und Tritt. Wer die Männer sind, die hinter ihr her waren, weiß sie nicht.

Sie berichtet von einem Telefonat mit Hasan Safet, der ihr von irgendwelchen Geheimdienstaktionen auf dem britischen Außenposten Gibraltar erzählt hat. Ob das irgendetwas mit ihr zu tun hat, weiß sie auch nicht. Samir wird hellhörig und bestätigt den Anwesenden, dass auf Gibraltar der MI6 einen geheimen Stützpunkt mit Satellitenstation betreibt.

Die eine aus Agis Hotelzimmer entwendete Dokumentenmappe enthält die Ausdrucke dieser email. Agi Kozorus erzählt, dass es sich bei dem Bauwerk um das Kloster von Salard handelt. Es liegt abseits von größeren Straßen in den Bergen, die nächsten nennenswerten Siedlungen sind Cluj-Napoci und Targo Mures. Vasily versucht über das Internet noch mehr herauszufinden und erfährt, dass das Kloster Mitte des 11. Jahrhunderts von Zisterziensermönchen gegründet und im 13. Jahrhundert von den örtlichen Boyaren wieder aufgelöst wurde – und zwar mit unziemlicher, ja sogar alarmierender Eile. Das Kloster blieb einige Jahre verlassen, bis es in Folge eines Erdbebens von einem Erdrutsch verschüttet wurde. Jetzt wird es wieder ausgegraben. Cevas schaut sich ein Bild der Ausgrabungen an und runzelt mit der Stirn: die Überreste einer mittelalterlichen Festung in Transsylvanien und Berichte von Vampiren? Das klingt nicht gut. Die Ausgrabungsstätte erweckt in seinen Augen auch nicht den Anschein eines kompetenten archäologischen Vorgehens – die Grabungen nehmen keine Rücksicht auf die Ruinen, scheinen auf etwas unter ihnen Befindliches abzuzielen und werden eindeutig in Eile durchgeführt. Vasily versucht noch etwas mehr über die Ausgrabungen herauszufinden und erfährt, dass sie von einem Konsortium finanziert werden, dem das amerikanische in Houston ansässige Erdöl- und Gasunternehmen ConocoPhilipps und zwei Banken angehören: die Londoner Traditionsbank „Burdett´s Private Bankers“ und die den Agenten bereits aufgrund ihrer zwielichtigen Geschäfte mit „Lisky Bratva“ bekannten Bank „Klopstock & Billreuth“. Vasily erfährt außerdem, dass ConocoPhilipps einen Prospektor namens Martin Creasey beschäftigt, der für Projekte in Südosteuropa zuständig ist. Zuletzt findet Vasily noch heraus, dass der zuständige Archäologe Brooks Galbraith heißt. Als dieser Name fällt stöhnt Cevas laut. Der Mann ist ein Cambridge-Absolvent und bekannt für seine aufwändigen BBC Dokumentationen über die Antike. Sein Spezialgebiet ist die vorklassische Archäologie des Mittelmeerraumes: Gräber auf Malte, etruskische Tempel, hetitische Festungen in der Türkei. In Fachkreisen ist allerdings bekannt, dass seine wirkliche Stärke darin besteht, Grabungsanträge zu bewilligen und sich Teams herkömmlicherer Spezialisten anzuschließen, die dann die langweilige Grabungsarbeit durchführen, durch die er Geld verdient und seine Reputation verbessert. Cevas erklärt seinen Freunden, dass das in Archäologenkreisen nichts Besonderes sei. Von Galbraiths Grabungen in Rumänien hört er zum ersten Mal, offensichtlich setze sich aber die Glückssträhne des Mannes fort. Er hat in den letzten Jahren ein paar wirklich interessante Funde gemacht. Der skythischen Goldschatz in der Ukraine, das Grab eines Generals von Alexander dem Großen und der königlich epiräische Friedhof in Albanien haben ihm als Hauptverantwortlicher eine derart große Medienpräsenz beschert, dass ihm The Independent kürzlich den Beinamen „der Archäologe mit dem Midas-Händchen“ verlieh.

Zuletzt schaut sich Vasily auch noch einmal Agis email an und stellt fest, dass auch sie aus London stammt. Sie ist auf eine ähnliche Art und Weise verschlüsselt, wie die von Samir.

Nach einigen Überlegungen beschließen die Agenten, zunächst Gibraltar einen Besuch abzustatten. Vielleicht kann ihnen Samirs Vergangenheit dabei nützlich sein. Sie können auch Agi Kozorus bis dahn mitnehmen und dann in einen Zug zur Costa del Sol mitnehmen. Auch sie sollte sich ein paar Tage entspannen können.

Mit dem Zug fahren die Agenten am kommenden Tag nach Tanger und während Kleinkünstler in farbenfrohen Gewändern am Hafen vor Touristen ihr Können unter Beweis stellen, buchen sie eine Fähre nach Gibraltar, wo sie sich von Agi Kozorus verabschieden.
« Letzte Änderung: 17.02.2020 | 18:54 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #2 am: 17.02.2020 | 18:38 »
Überraschungen in Gibraltar (1)



In Gibraltar erwirbt Vasily zunächst eine kleine Drohne um den Zugang zu dem MI6 Stützpunkt auszuspionieren. Nach einigen Erkundungsflügen erkennt er, dass sich der Stützpunkt in einem alten Tunnel aus dem 2. Weltkrieg befindet. Der Tunnel wurde in eine Felsseite gebohrt und ist durch verrostete, heruntergekommene Stahltore verschlossen. Entweder ist hier schon längere Zeit niemand mehr gewesen, oder aber der Stützpunkt wurde nicht allzu gut gewartet.

Vorsichtig begeben sich die Agenten an Ort und Stelle. In einiger Entfernung richtet sich Kristina ein Snipernest ein, von dem aus sie den Eingang zu dem Stützpunkt ins Visier nimmt. Dann stoßen die übrigen Agenten die rostigen, kreischenden Tore auseinander und betreten ein Labyrinth gewundener Tunnel, an dessen geweißten Steinwänden entlang Elektrokabel und Versorgungsrohre verlaufen. Schnell wird den Eindringlingen bewusst, dass der Stützpunkt vor kurzem aufgegeben wurde. Die staubigen Glühbirnen, die hier von den Decken hängen, brennen nicht mehr. Die Agenten ziehen ihre Nachtsichtgeräte auf und rüsten sich mit Taschenlampen aus. Fast alle Einrichtungsgegenstände hier sind demontiert und weggebracht worden. Immerhin stoßen die Agenten nach einer Weile auf eine Kiste mit Ausdrucken, die nie ihren Weg in den Schredder fanden. Einige dieser Dokumente sind alt – was immer an diesem Stützpunkt gearbeitet wurde, er ist mehr als ein Jahrhundert alt. Die Agenten stoßen auch auf den Namen des Projekts: Operation Edom.

Seltsam ist allerdings, dass die Verkabelung auf altertümliche Monitore hindeutet. Yuri fragt: Warum musste das unterirdisch geschehen? Vasily überlegt: „Vielleicht wurden hier seismische Sensoren eingesetzt. Auf diese Weise kann man unterirdische Bombentests und ähnliches entdecken.

Während die Agenten noch die Dokumente durchsehen sind plötzlich Schüsse zu hören. Dann fällt das Stahltor der Anlage mit einem lauten Schlag ins Schloss. Über Funk sind laut Kristinas Flüche zu hören: „Der war zu schnell, verdammt! Passt auf euch auf, ihr habt einen Besucher!“ Cevas wirft daraufhin eine Rauchbombe in den Gang und versucht mit Yuri zusammen einen Raum auf der gegenüberliegenden Seite zu erreichen. Sofort fallen zwei Schüsse. Kugeln pfeifen haarscharf an ihren Köpfen vorbei, in leichter Panik erreichen Cevas und Yuri den angepeilten Raum. Dann ist wieder das Kreischen der rostigen Stahltore zu hören. Kurze Zeit später ertönt eine Salve Automatikfeuer und Kristina verkündet über Funk: „Gefahr gebannt. Euer Besucher liegt vor der Tür.“ Die Agenten schauen sich den Toten an. Es ist ein nicht genauer identifizierbarer Mann nordeuropäischen Typs mit einem großen Revolver. Cevas macht ein Bild von ihm, dann ziehen die Agenten die Leiche in den Stützpunkt, schnappen sich alle greifbaren Dokumente aus der Kiste und verschwinden.

In einem kleinen Hotel sichten die Agenten ihren Fund genauer. Die Dokumente deuten darauf hin, dass sie nur einen Bruchteil gefunden haben. Häufig werden Spezialagenten erwähnt, oft ist von Opfern die Rede, manchmal auch von Einsatz biologischer Spezialmittel. Dreimal stoßen die Agenten auf Hinweise, dass von Gibraltar aus Vampire als Einsatzkräfte eingesetzt oder zumindest getestet wurden. Ein paar neuer Dokumente wurden seitlich in die Kiste hineingequetscht. Auf den leicht zerknitterten Seiten finden sich auch Hinweise auf Ausgrabungen einer ruinierten Festung in den Karpathen, wofür angeblich eine Bergbaugesellschaft als Tarnung herhält.

Schließlich stoßen die Agenten noch auf eine Anweisung allerneuesten Datums: „Der Absender der verschlüsselten emails versucht derzeit mit gefährlichen Subjekten Kontakt aufzunehmen. Ein derartiges Treffen muss unter allen Umständen verhindert werden.“ Samir kratzt sich am Kopf und stottert: „Haben sie mich ausspioniert? Und Agi? Und wen noch? Und warum?“ Vasily antwortet: „Keine Ahnung. Für mich sieht das aber so aus, als sollten wir uns schleunigst auf dem Weg nach London machen.“

-

Für mich war der Abend aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen war im Spiel nicht viel Action zu holen. Die Agenten haben einfach optimal ihre hervorragend passenden MOS („Military Occupational Specialties“) eingesetzt. So wurde durch Vasilys Athletik-MOS eine Konfrontation mit den Marokkanern im Hotelzimmer verhindert, Samirs Beschatten-MOS hat Agi aus dem Netz ihrer Verfolger retten können und Kristinas Schießen-MOS hat dann auch noch den Elitekämpfer in Gibraltar ausgeschaltet - Würfeln unnötig. Ich glaube, es war trotzdem spannend genug. Wenn das jetzt aber so weiter geht, muss ich die Herausforderungen allerdings möglicherweise etwas steigern.

Extrem spannend war aber, was ich mir diesmal so zurechtimprovisiert habe (zunächst mal für mich selbst - hoffentlich auch für die anderen). Erstmal musste ich Samir irgendwie integrieren. Ich hatte die Figur einen Tag zuvor per email zugeschickt bekommen und keine Zeit für langes Grübeln gehabt. Dass ich aber mit dem MI6-Hintergrund des Mannes ein paar ganz interessante Optionen hatte, das war mir sofort klar. So ließ sich am Anfang der zurückliegende Showdown als Nachforschungsgebiet für den ehemaligen Agenten verankern... und dass er dann in Gibraltar auf Unterlagen stößt, die zeigen, dass er wahrscheinlich von seinen eigenen Leuten ausspioniert wurde, fand ich doch irgendwie eine sehr coole Angelegenheit. Sogar meine hartgesottenen, abgebrühten Spieler waren etwas verblüfft.

Bei den Hintergründen hinsichtlich der Ausgrabungsarbeiten bei dem rumänischen Kloster kam zum ersten Mal das Dracula Dossier als Improvisatonsgrundlage zum Einsatz. Es hat wirklich sehr gut funktioniert. Ich konnte irgendetwas aufschlagen und stellte fest: Es passt! Tolle Sache. Ich glaube, meinen Spielern hat´s trotz flott übersprungener Actionszenen auch gefallen.

Demnächst muss ich nochmal diese Art und Weise nachlesen, wie sich die Autoren des Dracula Dossiers dramatische Steigerungen vorstellen (Gegnerpyramide, Aktivitäten der Gegner, Legacies, und was es sonst noch so gibt). Das kommt jetzt doch früher auf mich zu als gedacht.
« Letzte Änderung: 18.02.2020 | 00:56 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #3 am: 10.03.2020 | 00:13 »
Schüsse in London (2)



Die Agenten nehmen den Zug in den Norden und fahren einen langen Tag lang durch Spanien, Frankreich und den Eurotunnel nach London. Auf ihrer Fahrt melden sie sich bei dem mysteriösen Absender, der Samir und wahrscheinlich auch Agi Kozorus verschlüsselte Nachrichten zukommen ließ. Wenig später erhält Vasily einen Anruf einer gewissen Carmilla Rojas, die ihm erzählt, sie besitze ein Dossier mit wichtigen Informationen über „Operation Edom“ und vermutet, dass die Agenten damit mehr anfangen können als sie selbst. Wenn die Agenten Interesse hätten, sollten sie doch anrufen, sobald sie in London seien. Die Angelegenheit sei etwas dringend.

Es folgt eine kurze Recherche. Carmilla Rojas ist Anfang 30 und scheint für ein Security-Unternehmen zu arbeiten. Gegenwärtig ist sie in London. Ihr Auftrag besteht darin, Mitglieder des argentinischen Ministeriums für staatliche Planung, öffentliche Investition und Dienstleistungen zu schützen, während sich diese mit Mitarbeitern von Ölfirmen treffen und über die Förderung des Schieferöls von Vaca Muerta verhandeln.

In London erfolgt zuerst die inzwischen eingespielte Routine: Die Agenten nehmen sich zwei Hotelzimmer und leihen zwei Autos. Dann rufen sie Carmilla Rojas an. Die Frau klingt nervös und kurz angebunden. Sie bestellt die Agenten zu „St. Mary the Virgin, im Osten der Stadt. Seien sie bitte in zwei Stunden da!“ Schon hat sie wieder aufgelegt.

Die Agenten nehmen an, dass es sich bei dem besagten Ort um eine Kirche handelt und schauen nach. Es gibt unzählige „St. Mary the Virgin“ in England, allein zwei im Osten Londons und eine nur knapp dahinter über das Stadtgebiet hinaus. Eine der Kirchen liegt in einem belebten Wohn- und Einkaufsbereich, die andere etwas abseits an einem kleinen Flüsschen, die dritte Kirche knapp außerhalb des Stadtgebietes in einem heruntergekommenen Industriegebiet.“ Die Agenten beschließen, sich erst einmal auf das Stadtgebiet zu beschränken und teilen sich auf. Yuri, Vasily und Katarina steuern die Einkaufszone an, Cevas und Samir fahren zu der Kirche am Flüsschen. Die beiden Kirchen liegen etwa 4 Kilometer voneinander entfernt.

Es ist schier unmöglich in dem Wohngebiet einen Parkplatz zu finden. Yuri lässt Vasily und Kristina vor der Kirche aus dem Auto und kurvt dann erstmal eine Weile um den Block. Vasily und Kristina betreten die Kirche, ein modernes Gebäude, vielleicht von 20 Jahren erbaut. Im Inneren sind einige Gälubige zu sehen, die in ein stilles Gebet versunken sind. Geistliche sind nicht zu sehen. Vasily und Kristina warten eine Weile, schauen sich um, können aber nichts Auffälliges entdecken.

Währenddessen überqueren Cevas und Samir eine kleine Brücke und parken auf dem Kiesparkplatz vor der Kirche. Neben ihnen steht ein einziges, weiteres Auto, ein rosa Mini mit silbernen Chromteilen. Cevas murmelt beim Aussteigen etwas von heiligem Boden, umgeben von Wasser und meint, Rojas wisse wohl schon ganz gut, vor wem sie auf der Flucht sei. Dann nähert er sich mit Samir zusammen der düster aussehenden Kirche, die im viktorianischen Stil erbaut wurde und mit einer Vielzahl schnörkeliger Türmchen und Wasserspeier ausgestattet wurde.

Die Tür zur Kirche ist nur angelehnt und durch den Spalt in der Tür fällt Licht auf den Kiesweg. Cevas und Samir betreten das Gebäude und befinden sich im leeren Kirchenschiff. Sie laufen zwischen den Bankreihen hindurch und entdecken schließlich im Chorraum einen Toten. Es trägt das Gewand eines Geistlichen en Leichnam des Priesters. Er liegt mit aufgerissener Kehle und zerschmettertem Rückgrat hinter dem Altar. Cevas ruft Vasily an und berichtet seinen Mitstreitern, dass sie sich zu ihm in Bewegung setzen sollen: „Hallo, ihr drei. Kommt her, es ist hier passiert!“

Samir hat indessen entdeckt, dass die Tür zum Glockenturm weit offen steht und im selben Moment erklingt von der Turmspitze ein lauter Schrei. Cevas und Samir eilen nach oben und sehen, dass eine Frau über die Brüstung nach unten gestürzt ist. Ihr Körper ist direkt in die Motorhaube und Windschutzscheibe von Cevas und Samirs Leihwagen gekracht. Das Glas der Scheibe ist zerschmettert. Samir entdeckt, dass die Frau wohl ihre Brieftasche verloren hat. Sie hat sich in einem der Wasserspeier verfangen. Samir schluckt einmal kurz, klettert dann vorsichtig das Dach der Kirche hinab und schnappt sich die Brieftasche. Mit Cevas zusammen steigt er die Treppe hinab und bekommt einen Anruf von Vasily.

Yuri, Vasily und Kristina sind in der Zwischenzeit auf die Kirche zugefahren. Plötzlich haben sich zwei schwarze Lieferwagen mit getönten Scheiben hinter ihnen eingefädelt. Yuri ist abgebogen um die Verfolger von der Kirche wegzulocken. Diese haben aber gar nicht vor, seinen Wagen zu verfolgen, sondern halten trotzdem auf die Kirche zu. Grund genug für Vasily, Cevas und Samir darüber zu informieren, dass sie sich auf Besuch einstellen müssen.

Cevas und Samir eilen zum Ausgang der Kirche und zurück zum Parkplatz. Ein kruzer Blick bestätigt, dass es sich bei der Frau um Carmilla Rojas handelt – sie ist tot. Cevas knurrt, knackt ihren rosa Mini und steigt ein. Da deutet Samir noch einmal in Richtung Kirchturm, wo ein Mann auf den Sims tritt. Er ist groß, trägt einen schwarzen Schnurrbart und besitzt rötliche Gesichtszüge. Eine hässliche Narbe leuchtet rot auf seiner Stirn – fast so rot wie seine Augen, die für einen Moment fast unirdisch leuchten. Dann löst sich seine Gestalt im dichten Nebel, der sich auf den Ort senkt, auf und der Mann ist verschwunden. Die Kirche ist in eine eisige Wolke gehüllt. Cevas fühlt sich gar nicht gut und gibt Gas. Was auch immer das war, es war absolut fremdartig und beunruhigend.

Yuri dreht in diesem Moment bei und hängt sich hinter den zweiten Lieferwagen. Kristina feuert mit ihrem Scharfschützengewehr auf die Reifen eines der Wagen. Die Reaktion erfolgt sofort. Der noch unbeschädigte Lieferwagen dreht sofort bei, die Fensterscheiben werden hinab gefahren, Waffen sind zu sehen. Yuri dreht ebenfalls und aus dem Verfolger wird ein Gejagter. Noch bevor die Gruppe aber den Ort verlassen hat, feuert Kristina ein zweites Mal auf den beschädigten Wagen. Sie zerstört auch den zweiten Reifen des Autos, dessen Besatzung nun zu Fuß weiter muss. Der unbeschädigte Lieferwagen hängt sich aber an Yuris Wagen. Die Orientierung ist schwierig und Yuri hat mit dem Eisnebel zu kämpfen, der sich weiträumig über den gesamten Stadtteil hinabsenkt. Schon kurze Zeit erfolgt die Reaktion ihrer Gegner und auch Yuris Wagen muss mit zwei zerschossenen Reifen seine Fahrt beenden. Er fährt auf einen Fischmarkt und knallt dort gegen einen kleinen Poller. Kristina springt aus dem Wagen und nimmt die Verfolger aufs Korn. Dem ersten Gegner, der aus dem Auto steigt, schießt sie ins Knie. Drei weitere Männer mit Sturmgewehren springen aus dem Auto und rennen auf Yuri, Vasily und Kristina zu. Die drei Agenten fliehen in unterschiedliche Richtungen.

Yuri geht hinter einer Litfaßsäule in der Nähe eines Wohnhauses in Deckung, lässt seinen Verfolger an sich herankommen und beschießt ihn aus nächster Nähe mit seiner Schrotflinte. Der Mann schießt zurück, es kommt zu einem Blutbad. Nach zwei Schusswechseln liegt der Gegner bewusstlos auf dem Boden. Passanten schreien, laufen panisch durch die Gegend und versuchen irgendwo Schutz zu finden. Yuri flieht.

Vasily läuft durch den viktorianischen Nebel und steuert ein Gebäude an, in dem er sich vor Jahren schon einmal aufgehalten hat. Ganz in der Nähe befindet sich ein kleines Museum für moderne Kunst. Sein Verfolger kommt ihm bedrohlich nahe, deshalb reißt Vasily eine Seitentür des Museums auf, betritt das Gebäude und springt dann hinter eine der Stellwände, an denen die Exponate aufgehängt sind. Vasilys Verfolger gelangt ebenfalls ins Museum, kann ihn aber nicht mehr entdecken und geht irgendwann wieder.

Kristina scheint zunächst ein wenig schneller als ihr Verfolger zu sein, der ihr aber trotzdem auf den Fersen bleibt. An einer Straßenecke schießt Kristina ihm seine Waffe aus der Hand. Der Mann zögert und bekommt dann doch schnell den Eindruck, dass er sich vielleicht besser um Verstärkung kümmern sollte. Er verschwindet.

Etwas später sind die drei Agenten wieder vereint und fahren in einem geknackten Auto zur Kirche, an der sich Cevas und Samir schon nicht mehr aufhalten.

Als diese in Carmilla Rojas rotem Mini über das vor der Kirche befindliche Brückchen fahren wollen geraten sie in einen Hinterhalt. Es sind die Männer des zweiten Lieferwagens, des Räder Kristina vor einigen Minuten zerschossen hatte. Die Männer revanchieren sich, indem sie den rosa Mini zerlegen. Cevas knallt heftig mit dem Auto gegen das Brückengeländer. Er stürzt mit Samir aus dem Auto und wird von einem Schuss getroffen. Die Männer spaßen nicht und lassen ihre Automatikgewehre sprechen. Cevas und Samir springen über die Brücke ins Wasser. Kugeln pfeifen an ihnen vorbei, aber sie legen einen Tauchgang ein um etwas Abstand zu gewinnen. Irgendwann erreichen sie ein am Fluss befindliches Hausboot, hinter dem sie vorläufig in Deckung gehen können. Unter Schmerzen kümmert sich Cevas um die Brieftasche, die Samir vom Kirchdach gepflückt hat. In ihr befindet sich ein Buch, das etwas nass geworden ist. Mit seinem archäologischen Wissen gibt Cevas sein Bestes, um die Seiten zu retten, was auch einigermaßen glückt.

Noch etwas später sitzen alle fünf Agenten in dem gestohlenen Auto und fahren zu einer ehemaligen Mitarbeiterin des schwedischen Geheimdienstes, die im Londoner Umland ihren Alterswohnsitz hat. Kristina kennt die alte Dame und erzählt ihr, dass sie Hilfe braucht. In ihrem Haus behandeln die Agenten ihre Wunden und werfen einen ersten Blick auf den Inhalt von Carmilla Rojas´ Brieftasche. Sie enthält ein Exemplar von Bram Stokers Dracula, eine alte Erstausgabe mit purpur gedrucktem Titel und grellem gelben Einband, in die Anmerkungen hineingekritzelt wurden. Außerdem sind noch einige weitere Papiere und in verschiedenen Währungen größere Bargeldsummen in der Brieftasche zu finden. Cevas wirft einen Blick in die Papiere, und erkennt, dass es sich um Informationen über die Ausgrabungen in den rumänischen Karpaten handelt, über die die Agenten auch schon einiges erfahren haben. Cevas meint, dass Carmilla Rojas mit Sicherheit mehr als eine Security Frau gewesen ist. Während die alte Dame den Agenten ein Abendessen serviert läuft der Fernseher, in dem von einem Überraschungsangriff der Polizei auf eine Terrorzelle jihadistischer Terroristen berichtet wird.

-

Insgesamt war´s ein relativ glatt gelaufener Abend mit ´ner Menge Action. Ein bisschen brenzlich war eigentlich nur der Automatikfeuerbeschuss von Cevas und Samir auf der Brücke. Das hätte auch ins Auge gehen können. Ansonsten war es ein leichtes Spiel für die Agenten.

Damit ist alles angerichtet. Ich habe meiner Gruppe das dickste Handout der Rollenspielgeschichte in die Hand gedrückt. Ob sie es lesen, weiß ich nicht. Beim nächsten Mal – das wurde schon ausgemacht – wollen sie sich zuallererst einmal diese rumänische Ausgrabung anschauen, und dann sehen wir mal, wohin das Dossier uns so führt.
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #4 am: 9.04.2020 | 01:48 »
Ausgrabungen in Rumänien (3)



Nach einem Tag Ruhe leihen die Agenten einen Wagen und fahren auf kleinen Nebenstraßen von London aus in den Norden nach Newcastle. Kristina kennt hier einen Fischer. Nach einigen Überredungsversuchen ist der Mann bereit, sie am nächsten Tag auf seinem Kutter mit nach Dänemark zu nehmen. Noch einen Tag später sitzen die Agenten im nächsten Leihwagen und fahren in Richtung Rumänien. Sie erstehen unterwegs ein Teleobjektiv und Richtmikrophone. Über Cluj-Napoca erreichen sie Targo Mures, dann sind die Ruinen des Klosters Salard nicht mehr fern.

Nach genauem Kartenstudium und vorsichtiger Annäherung finden die Agenten einen guten Beobachtungsstützpunkt. Das Kloster liegt auf halber Höhe am Rand eines Tals. Auf der anderen Talseite befindet sich ein eine Klippe, von deren Rand sich gut beobachten lässt, was in der Ausgrabungsstätte vor sich geht.

Das Unternehmen scheint bei seiner Arbeit wenig zimperlich gewesen zu sein. Durch Sprengstoffladungen wurden offensichtlich Erdrutsche verursacht und das Vorgehen hat dem Hügel eine große, schwarze Wunde zugefügt. Erkennbar sind insbesondere ein paar große Felsbrocken, die wie weiße Knochen aus dem Lehm ragen und sich bei genauerem Hinsehen als Gemäuerteile herausstellen. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihnen bereits um Überbleibsel des alten Klosters. Zwischen ihnen befinden sich drei Bereiche, die mit Plastikplanen vor Regen geschützt sind. Hinter ihnen stehen mehrere bewegliche Hütten und Zelte. Auf der anderen Seite stehen in einigem Abstand zueinander drei Räumfahrzeuge: zwei Bagger und ein LKW. Der einzige Weg zur Anlage ist ein schlammiger Pfad, der von der nahegelegensten Straße den Hügel hinauf führt. Am Ende des Pfades befindet sich eine weitere einzelne Hütte.

Mit Ferngläsern, Richtmikrophonen und ihrem neuen Teleobjektiv ausgerüstet beobachten die Agenten erstmal eine Weile lang das Geschehen. Neben den Baggern sind vor Ort noch etwa ein Dutzend Männer mit Schaufeln tätig. Es befinden sich ebenso viele Bewaffnete vor Ort. Diese Männer wirken wie Einheimische oder zumindest Osteuropäer. Vom Führungspersonal bekommen Samir und Cevas einige Male den Fernseharchäologen Brooks Galbraith zu Gesicht. Einmal unterhält er sich mit zwei anderen britisch aussehenden Männern. Später können sie eine seltsame Szene beobachten: Zwischen den Ausgrabungsorten stolziert eine Rumänin mit bedächtigem Schritten mal hierhin und mal dorthin. Sie trägt einen bunt bestickten Rock, ein Kopftuch, eine Menge Schmuck und hat einen Stab oder eine Rute in der Hand. Während ihres seltsamen Ganges durch die Anlage scheint sie sich mit dem Archäologen zu streiten. Über das Richtmikrophon ist zu hören, dass sie den Mann versucht dazu zu bewegen, die Anstrengungen der Arbeiter auf die hinterste der drei Ausgrabungsstellen zu konzentrieren. Galbraith scheint wenig überzeugt davon zu sein.

Etwas später kann Vasily für einen Moment einen Blick ins Innere einer der beweglichen Hütten werfen. Es scheint sich um die Hütte mit den Vorräten zu handeln. Vasily erkennt, dass direkt hinter dem Eingang eine größere Menge an Kühlbehältern abgestellt wurden. Es handelt sich um Kühlbehälter, wie sie öfter für den Transport von Blut verwendet werden.

Kristina versucht herauszubekommen, wie die Wachen organisiert sind. Viel lässt sich in dieser Hinsicht allerdings nicht feststellen. Die Bewaffneten schlendern ziemlich unorganisiert allein oder in kleineren Gruppen durch das Lager. Gegen Abend halten sie noch eine Weile lang die Stellung, dann gehen auch sie schlafen. Der einzige Ort, auf den einige Anstrengung verwendet wird, ist die kleine Hütte am Ende des schlammigen Pfades. Hier sind permanent zwei Männer stationiert, die auch etwas besser als die übrigen aufzupassen scheinen. Sie werden hin und wieder abgewechselt, ohne dass ein erkennbarer Rhythmus feststellbar wäre. Bei Einbruch der Dunkelheit schalten sie einen Flutlicht-Scheinwerfer an, der den Zufahrtsweg grell ausleuchtet.

Die Agenten warten bis tief in die Nacht, dann schleichen sie sich an die Ausgrabungsstätte heran. Eine erste Gruppe bilden Kristina, Cevas und Vasily. Samir und Yuri bleiben über Funk mit ihnen verbunden und beobachten mit ihren Nachtsichtgeräten weiter das Lager. Zunächst steuern die Eindringlinge die Vorratshütte an. Sie haben einen Cocktail aus Wildrosenöl und Blutverdünnungsmitteln dabei, den sie in die dort gelagerten Blutkonserven mischen wollen. Zwar fährt ihnen ein Schreck in die Glieder, als sie merken, dass direkt neben den Kühlbehältern auf einem Feldbett ein schlafender Mann liegt, sie sind bei ihrer Arbeit aber leise genug und wecken ihn nicht. Eilig verlassen sie die Hütte, nicht ohne noch den dort ebenfalls gelagerten Sprengstoff mitzunehmen.

Danach begeben sie sich zu der Plastikplane, von der die rumänische Frau gesprochen hat. Da es so aussieht, als könne es hier gefährlich werden, werden Samir und Yuri herbei geordert. Während sich die beiden Männer der Ausgrabungsstätte nähern, rollen ihre Kollegen die Abdeckung beiseite, legen einen Schacht frei und steigen in ein verzweigtes Kellergewölbe hinab. Da das Gebäude ein ehemaliges Zisterzienserkloster ist, geht Cevas aufgrund seiner archäologischen Kenntnisse davon aus, dass es als Tochterkloster von Clairvaux errichtet wurde und derselben Anlage folgt. So findet Cevas mit einiger Mühe von den Vorratslagern zum Kellerbereich des Gotteshauses und muss feststellen, dass genau hier – nicht weit vom Bereich der Krypta – die Räume verschüttet sind. An dieser Stelle sind offensichtlich bereits Ausgrabungsarbeiten durchgeführt worden. Noch endet der freigeräumte Bereich aber an einer Wand aus Geröll und Erde. Cevas untersucht die Stelle gründlich und entdeckt schließlich aufgrund kleiner Erdspalten, dass die Schuttschicht offensichtlich nicht mehr allzu massiv sein kann: der Durchbruch ist an dieser Stelle schon fast gelungen. Unverzüglich beginnt Cevas damit eine Sprengladung vorzubereiten.

In der Zwischenzeit bekommen allerdings Samir und Yuri Probleme. Sie können genau wie ihre Vorgänger ohne Schwierigkeiten in das Lager eindringen, aber auf ihrem Weg zu dem Kellergewölbe, in dem sich bereits ihre Mitstreiter befinden, fällt Samir unvermittelt zu Boden. Yuri schaut nach dem Rechten und bemerkt, dass er in einen tiefen Schlaf gefallen ist. Irritiert schaut Yuri sich um und erblickt gerade noch, wie eine Gestalt um die Ecke einer Ruinenwand verschwindet. Möglicherweise war es die Rumänin, aber Yuri ist sich nicht sicher. Er zieht den schlafenden Samir hinter einen in der Nähe befindlichen Bagger und gibt über Funk an seine Kollegen durch, dass es Schwierigkeiten gibt. Es müsse mit einer Entdeckung gerechnet werden. Dann verpasst er Samir ein paar wohlfeile Ohrfeigen, die den Mann allmählich wieder zur Besinnung kommen lassen.

Im Gewölbe entschließt sich Cevas zu einer schnellen Zündung. Er lässt seine vorbereitete Sprengung in die Luft gehen, aber die Eile hat der Sache nicht gutgetan. Längst nicht so sauber wie geplant verschüttet die Detonation einen großen Bereich des Raumes und Kristina, Vasily und Cevas können froh sein, dass sie nicht verschüttet wurden und lebendig aus dem Raum entkommen konnten. Als sie aus dem Schacht steigen, gehen in den Hütten und Zelten bereits einige Lichter an. Leute laufen zusammen und rufen sich Befehle zu.

Die Agenten entschließen sich gerade noch rechtzeitig zur Flucht und erreichen ihren Beobachtungsposten in der Morgendämmerung. Von hier aus beobachten sie das weitere Geschehen. Eine Weile lang wird die Anlage noch von den Wachen nach Eindringlingen durchsucht, dann wird es wieder still. Am Nachmittag des nächsten Tages scheint es im Lager Grund zu Aufregung zu geben. Ein Bagger mit einer Hebevorrichtung wird zum Kellergewölbe gefahren und beginnt einen schweren Gegenstand den Schacht hinauf zu ziehen. Kristinas Finger liegt auf dem Abzug ihres Scharfschützengewehres, aber die Gruppe ist unschlüssig. Sie greift nicht in das Geschehen ein. Stattdessen justiert Samir ihre Richtmikrophone. Im Folgenden müssen die Agenten mit ansehen, wie ein metallener Sarg ans Tageslicht gehoben wird. Mit vor Ort ist auch die rumänische Frau, die so aussieht, als würde sie dem Sarg eine fast schon religiöse Verehrung zukommen zu lassen. Sie verlangt, den Sarg sofort zu öffnen. Die britischen Ausgrabungsleiter scheinen anderer Ansicht zu sein. Wieder entbrennt ein Streit, in dem ein britischer Dolmetscher der Frau zu verstehen gibt, dass der Sarg erst am kommenden Tag geöffnet wird, weil für diesen Vorgang noch Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen. Galbraith und ein weiterer Brite nicken ernst und stehen ihrem Landsmann zur Seite. Ächzend und stöhnend ziehen die Arbeiter den Metallsarg auf Rollbrettern mit Seilen in die Vorratshütte.

Cevas schaut seine Kollegen an und sagt: „Wenn uns die Frau keinen Strich durch die Rechnung macht, haben wir noch eine Nacht. Wir müssen nochmal hin!“

-

Das war eine kürzere Sitzung, was hauptsächlich daran lag, dass wir erstmalig online gespielt haben und einige technische Probleme überwinden mussten.

Ich gehe sicher davon aus, dass es den Agenten beim nächsten Mal irgendwie gelingen wird, die Öffnung des Sarges zu verhindern. Mit dieser Aktion endet dann Einführungsabenteuer zum Dracula-Dossier und es geht richtig los. Ich muss die Aktionen Draculas und die von Operation Edom vorbereiten, mir noch irgendeinen Nachfahren der Bram Stoker Handlung ausgucken und zumindest noch ein wenig an der Verschwörung basteln. Dann kommt der kritische Moment, an dem der Plot endet und die Spieler auf eigene Faust weitermachen müssen... wahrscheinlich schon beim nächsten Mal. Ich bin sehr gespannt, wie das wird.
« Letzte Änderung: 25.04.2020 | 23:49 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #5 am: 25.04.2020 | 23:22 »
Recherche in Sibiu (4)



Für den zweiten Besuch der Ausgrabungsstätte werden Vorbereitungen getroffen. Samir richtet Überwachungskameras auf die wichtigen Punkte: Die Versorgungshütte, in der der Metallsarg untergebracht wurde und die Wachhütte am Ende des Weges, der zu den Ruinen hinauf führt. Wenn sie im Lager sind, werden sie diese Orte permanent überwachen können. Die Agenten beobachten, wie zwischenzeitlich vor der Versorgungshütte zwei Wachen Stellung bezogen haben. Auch die übrigen Wachen scheinen nach der vergangenen Nacht etwas aufmerksamer zu sein. Ansonsten hat sich das Verhalten der dort Anwesenden aber kaum verändert. In der Abenddämmerung kann Vasily entdecken, wie die rumänische Frau ein Zelt verlässt. Es steht nah an den Ausgrabungen. Zwischen ihrem Zelt und der Versorgungshütte stehen weitere zwei Zelte.

Nach Einbruch der Dunkelheit betreten die Agenten die Ausgrabungsstätte in zwei Gruppen. Samir, Cevas und Kristina schleichen sich an die Versorgungshütte heran. Während Samir wartet, machen Kristina und Cevas mit den dort postierten Wachen kurzen Prozess: Kristina stößt einem der Männer ihren Gewehrkolben ins Genick, Cevas ergreift den anderen von hinten, bedroht ihn mit dem Messer und drückt ihm dabei so den Hals zu, dass er wenige Augenblicke später ohnmächtig zu Boden sinkt. Die drei Agenten schlüpfen schnell in die Hütte, die Wachen ziehen sie hinter sich her.

Auf der anderen Seite des Lagers schleichen sich Yuri und Vasily an einen Bagger heran. Yuri befestigt eine Sperrvorrichtung am Lenkrad und arretiert das Gaspedal. Dann schließt er die Zündung kurz. Beide Männer verschwinden wieder, während der führerlose Bagger auf die Wachhütte zufährt und schließlich in sie hineinkracht. Die beiden dort stationierten Wachen rennen heraus, schreien und versuchen den Bagger zum Stehen zu bringen. Dabei laufen rund zwanzig Leute aus dem Lager zusammen.

Die Ablenkung nutzen Cevas, Vasily und Kristina um unter dem Metallsarg eine Sprengung vorzubereiten. Mühsam werden zwei Keile unter dem Metallsarg geschoben, im frei gewordenen Zwischenraum deponiert Cevas den gesamten Sprengstoff, den er noch besitzt. Kristina zieht die ohnmächtigen Wachen in eine Ecke des Raumes und legt ein paar Zementsäcke vor ihnen ab. Vielleicht überleben sie so die Detonation, so ihre Hoffnung. Schließlich bringt Cevas einen Zeitzünder an und die Agenten bringen sich in Sicherheit. Fünf Minuten später fliegt die gesamte Hütte in die Luft.

Zurück in ihrem Stützpunkt beobachten die Agenten das weitere Geschehen im Lager. Vor der zerstörten Hütte hat sich die rumänische Frau aufgebaut. Sie wedelt wild mit ihrem Stab herum und singt seltsame Melodien. Ihr gegenüber befinden sich in gebührendem Abstand einige Arbeiter und Wachen aus dem Lager. Cevas erinnert sich plötzlich an Passagen aus okkulten Werken, die er studiert hat: Das ist ein Beschwörungszauber – was die Frau herbeirufen will, weiß er aber nicht. Dafür kommt ihm der Name einer Roma Sippe in den Sinn, von der erzählt wird, dass sie derartige Praktiken pflegt: die Ruvari Szgani – Wolfszigeuner!

Als er seinen Mitstreitern erzählt, was dort unten im Lager vor sich geht, beschließen sie, nicht bis zum Ende des Rituals der rumänischen Frau zu warten. Kristina holt ihr Snipergewehr, legt an und erschießt die Frau. Im Lager macht sich daraufhin Panik breit. Männer rennen zu der Frau, schreien durch die Nacht, einige fliehen auch in die Dunkelheit. Schließlich tauchen die drei Briten auf, die die Ausgrabungen leiten. Sie informieren sich über die Vorfälle und begeben sich dann zu dritt in eine Hütte. Samir richtet die Richtmikrophone aus und versucht die Gespräche der Briten abzuhören. Das gelingt zumindest zum Teil. Aus den Unterhaltungen der Männer wird immerhin deutlich, dass sie ihr Unternehmen als gescheitert erachten. Sie unterhalten sich darüber, wie sie eine größere Blamage verhindern können, ob sie ein paar Fundstücke zumindest als Teilerfolg präsentieren können und wie sich das Lager möglichst schnell wieder auflösen lässt. Die Agenten sind zufrieden. Was auch immer sich in dem Metallsarg befunden haben mag – es sieht nicht so aus, als würde es zukünftig noch irgendein Unheil anrichten können.

Am nächsten Morgen planen die Agenten ihr weiteres Vorgehen. Im Internet suchen sie nach Informationen über die Roma Sippe der Ruvari Szgani. Viel findet sich nicht, immerhin aber wird die Sippe verdächtigt vor zwei Jahren einen Mordversuch auf die Menschenrechtsaktivistin Aishe Balan unternommen zu haben. Balan ist selbst Mitglied der Roma und setzt sich für die Interessen ihres Volkes ein. Warum versuchen Mitglieder ihres Volkes sie umzubringen? Die Neugier der Agenten ist entfacht. Balan wohnt in Bukarest. Früher oder später wollen die Agenten ihr einen Besuch abstatten. Vasily fällt auch sein Kontakt Dr. Ionescu an der Universität zu Karlstadt wieder ein. Auch ihm könnte er ein paar Fragen zu der Angelegenheit stellen.

Dann wird die kommentierte Dracula-Ausgabe, die die Agenten in London in ihren Besitz bringen konnten, genauer studiert. Sie ist mit Anmerkungen versehen, die auf drei unterschiedliche Kommentatoren schließen lassen: einer aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, einer aus den siebziger Jahren, einer aus der unmittelbaren Vergangenheit. Auf viele Details können sich die Agenten keinen Reim machen. Dennoch entdecken sie ein paar Überraschungen:

In einem Kommentar ist von einem gewissen Balan die Rede, der zur Zeit des zweiten Weltkriegs einen britischen Agenten vor dem Zugriff Draculas gerettet hat. Der Mann war offensichtlich ein Roma und gab zu, dass andere Roma für Dracula tätig seien. Handelt es sich um einen Vorfahr der Menschenrechtsaktivistin?

An einer Stelle heißt es, die Ruvari Szgani sei die berüchtigteste aller Roma Sippen. Vielleicht sind gerade ihre Angehörigen als Hilfstruppen für Graf Dracula tätig gewesen?

In einem Kommentar heißt es, dass sich in den Siebziger Jahren im Auftrag eines gewissen Dragos ein amerikanischer Geistlicher das rumänisch-orthodoxe Erzbistum von Sibiu aufgesucht hat. Dieser Geistliche sei aber eigentlich ein Agent gewesen, habe nach der Scholomance gesucht und sei deshalb in die umliegenden Berge aufgebrochen. Der Kommentator behauptet, er habe möglicherweise Schwierigkeiten mit einer Roma Sippe bekommen.

Was ist die Scholomance? Die Agenten recherchieren weiter. Es handelt sich angeblich um eine Schule der Magie, die vom Teufel selbst geleitet wird. Jeden zehnten Schüler nimmt er mit in die Hölle, den anderen bringt er schwarzmagische Künste bei. Angeblich hat Dracula selbst bei ihm Magie studiert.

Warum können amerikanische Geistliche in den Zeiten des Kommunismus in Rumänien Nachforschungen anstellen? Die Agenten stoßen auf Hinweise über weitere Informanten Großbritanniens. Das Ganze klingt danach, als seien britische Spione damals in Rumänien recht rege gewesen. Offenbar jagten sie einen Überläufer, der damals nach Rumänien geflüchtet ist. Was ist geschehen?

Die Agenten reisen nach Sibiu. Sie wollen der dortigen rumänisch-orthodoxen Gemeinde einen Besuch abstatten. In der Stadt angekommen nehmen sie sich ein Hotelzimmer, dann besuchen sie den Sitz des Erzbischofs. Sein Haus steht direkt gegenüber der eindrucksvollen barocken Dreifaltigkeitskathedrale im Stil der Istanbuler Hagia Sophia. Die Agenten betreten das Gebäude und folgen den Wegweisern zum Archiv. Dort werden sie von einer unsicheren Mitarbeiterin begrüßt, die nicht weiß, wie sie auf ihr unangekündigtes Auftauchen reagieren soll. Schließlich bittet sie die Agenten, doch zuerst einmal in der Anmeldung vorbeizuschauen. Die dort arbeitende Rita Silivasi begrüßt die Agenten streng. Ein paar höfliche Worte und besonders ein paar schmeichelnde Floskeln Samirs können aber das Eis brechen. Rita führt die Agenten in das Gemeindearchiv und verbringt mit ihnen dort einen Nachmittag. Die Ausbeute ist bescheiden. Es findet sich aber immerhin ein maschinengeschriebenen Brief, in dem der Primas der rumänisch-orthodoxen Kirche den damaligen Erzbischof von Sibiu anweist, den amerikanischen Geistlichen Andrew Rollet zu empfangen. Mit Rückfragen soll sich der Erzbischof an einen gewissen Eugene Dragos halten. Es folgt eine britische Telefonnummer. Handschriftlich wurde dem Brief das Wort „angekommen“ hinzugefügt, später noch die Worte „leider verschollen“.

Freundlich bedanken sich die Agenten bei Rita Silivasi und kehren in ihr Hotel zurück.

-

Im ersten Teil der Sitzung gab es keine Probleme. Die Spieler sind geschickt vorgegangen, haben gut gewürfelt und konnten deshalb ohne große Schwierigkeiten die Wiederbelebung des Vampirs aus den Ruinen des Klosters von Salard verhindern.

Allerdings haben wir eine interessante Regel des Burn-Modus´ eingeführt: Agenten, die Menschen umbringen, verlieren ein Punkt Maximalstabilität. Der kann durch Erfahrungspunkte wieder hinzugefügt werden, wer das allerdings nicht tut, entwickelt sich eben mit jedem Mord weiter zu einem Soziopaten. Kristina hat mit dem Auslöschen der rumänischen Zauberin heute einen Schritt in diese Richtung getan.

Im zweiten Teil hat mich die Recherche meiner Gruppe heute völlig überrollt. Fünf Leute, die gleichzeitig in ihren PDFs des Dracula-Dossiers mittels Volltextsuche irgendwelche Schlüsselbegriffe eingeben und zwischendurch von mir über Headphone irgendetwas wissen wollen, was sich möglicherweise irgendwo in diesen 350 Seiten des Dracula-Dossiers befindet, waren einfach zu viel für mich. Ich bin nicht mehr gut mitgekommen.

Eigentlich hatte ich schon ein paar erste Reaktionen Draculas und Operation Edoms auf die Aktivitäten der Agenten ausgearbeitet, aber ich kam gar nicht dazu, sie irgendwie einzubauen. Schon der Versuch auf alle aufkommenden Rückfragen der recherchierenden Spieler Antworten zu finden, war kaum machbar.

Jetzt habe ich einen Haufen Hausaufgaben. Immerhin weiß ich aber, was die Agenten beim nächsten Mal vorhaben. Sie wollen zuallererst die Scholomance suchen. Danach werden sie versuchen mit der Menschenrechtsaktivistin Aishe Balan Kontakt aufzunehmen. Das lässt sich vorbereiten.
« Letzte Änderung: 25.04.2020 | 23:40 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #6 am: 17.05.2020 | 02:32 »
Im Zibingebirge (5)



Die Agenten versuchen herauszufinden, wo sich die Scholomance befindet. Der einzige Hinweis aus dem Dracula Dossier deutet auf einen Hermannstädter See irgendwo in den Bergen bei Sibiu hin. Hermannstadt ist der alte, deutsche Name für Sibiu. Einen Hermannstädter See gibt es aber nicht. Die Agenten überlegen, wo sich Informationen über diesen Ort befinden könnten und beschließen, die ASTRA National Museen in Sibiu zu besuchen. Zwar finden sich in diesen Museen auch ägyptische Mumien und Fundstücke aus aller Welt, sie wollen aber auch die rumänische Kultur bewahren, besitzen ein Freiluftmuseum mit einem wieder aufgebauten vorindustriellen rumänischen Dorf, transsylvanische Kirchenschätze und ähnliche Exponate.

Während eines Gesprächs mit der Museumsleitung kann sich Cevas als Kunstexperte ausgeben. Er darf sich mit seinen angeblichen Kollegen im Archiv des Museum umsehen. Die Agenten lesen ein paar Legenden über die Scholomance, die alle völlig märchenhaft wirken. Immerhin wird in einigen von ihnen unabhängig voneinander erwähnt, dass die dort praktizierte Magie in der Lage sei, dämonische Geister zu beschwören und in Gegenstände und Waffen zu bannen.

Beim Stöbern durch die Werke regionaler Künstler des 19. Jahrhunderts stoßen die Agenten auf eine Stadtansicht Sibius. Kristina erkennt die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit und die dahinter liegende Silhouette der Berge am Horizont, zu Füßen des Malers ist ein kleiner Bergsee eingezeichnet. Über dem See dräuen düstere und bizarre Wolkenformationen. Ist das der Hermannstädter See? Die Anhaltspunkte, die das Bild liefert, reichen aus, um den See in südöstlicher Richtung zu verorten. Nach einem Vergleich mit einer Landkarte ist relativ schnell der wahrscheinlichste Kandidat ausgemacht: „Iezerul Mare“ heißt der kleine Gletschersee heute. Sein Name ist etwas trügerisch und kann mit „großer See“ übersetzt werden. Er liegt in einem Nationalpark und einer Bergregion, die den Namen „Teufelshöhe“ trägt.

Die Agenten machen einen Einkaufsbummel und besorgen sich eine Taucherausrüstung. Dann fahren sie zu einem Hotel im Tal „Hohe Rinne“, das in Richtung des Sees gelegen ist. Am nächsten Morgen brechen sie mit dem Auto in Richtung des Sees auf.  Irgendwann ist die Straße zu Ende und den Agenten  steht ein dreistündiger Aufstieg bevor. Nach einer Stunde erreichen sie eine Försterhütte. Der Hausherr ist anwesend und zeigt ihnen den Weg. Noch während sich die Agenten aber von seiner Hütte entfernen schaut sich Kristina um und sieht, wie ihnen der Förster lange hinterherschaut.

Schließlich ist der See erreicht. Er ist einer der Vulkankrater des Zibingebirges und befindet in der Nähe von dessen höchstem Gipfel in mehr als 2200 Meter Höhe. Es ist empfindlich kalt. Die Agenten schauen sich um und entdecken am Hang über dem See einen Höhleneingang. Während sie sich vorsichtig nähern, ziehen über ihnen dunkle Wolken auf.

Schließlich betreten die Agenten die Höhle. Sie ist voller losem Geröll und im Schein ihrer Taschenlampen nicht ganz ungefährlich. In ihrem hinteren Bereich befinden sich einige Nischen, die aber nicht weiter in den Berg führen. Die Agenten leuchten die Höhle aus und scheuchen ein paar große Vögel auf, die den Ort wild flatternd verlassen. Dann stoßen sie auf eine zerklüftete Stelle, an der es so aussieht, als seien mehrere Gesteinsschichten aufeinander gestoßen. Schließlich entdeckt Cevas einen Felsbrocken, auf dem in altgriechischen Lettern jemand ein Wort eingeritzt hat: TARTARO. Cevas kann sich darauf keinen Reim machen: Tartarus, die antike Hölle der Folter und riesigen Monster? Ein Hinweis aus dem Mittelalter auf die mongolischen Tartaren? Der Name eines räuberischen Höllenfürsten? Das lässt sich unmöglich sagen.

Noch während sich Cevas aber über den Stein beugt und versucht, in den Buchstaben einen Sinn zu erkennen, verliert er die Kontrolle über seinen Geist. Er fühlt sich für einen Moment, als befände er sich an einem anderen Ort. Cevas sieht in ein altmodisches, rumänisches Wohnzimmer. Die Vorhänge sind zugezogen und eine elektrische Lampe erleuchtet den Raum. Auf einem Tisch vor ihm liegt ein Häkeldeckchen, auf dem ein Handy liegt. Es ist ausgeschaltet. Er blickt an sich herunter und stellt fest, dass er sich im Körper einer Frau befindet. Die Frau hat runzlige Hände mit Altersflecken. Sie denkt: „Was wollt ihr wirklich?“ Cevas schwindelt und plötzlich ist er mit seinen Gedanken wieder bei seinem Kollegen in der Höhle.

Was war das? Cevas erzählt von seinem Eindruck und die Agenten rätseln, wie sich seine Vision erklären lassen könnte. Achselzuckend setzen sie ihre Arbeit fort. Da sie vor Ort zu keinen weiteren Erkenntnissen mehr kommen, dokumentieren sie ihre Entdeckungen so gut es geht. Sie fotografieren die prägnante Felsformation und das griechische Wort, dann steigen sie im Regen den Berg hinunter und erreichen bei Einbruch der Dämmerung ihr Hotel.

Am nächsten Tag wollen die Agenten eigentlich noch ein paar städtische Museen besuchen. Im Museum für Naturgeschichte erhoffen sie sich ein paar Informationen über geologische Besonderheiten der Region, das Museum für Jagdwaffen und Trophäen ist als reiner Freizeitausflug geplant.

In Sibiu angekommen stoßen sie aber auf eine merkwürdige Szene. Auf dem großen Platz vor dem Museum für Naturgeschichte kreuzt eine Pferdekutsche ihren Weg. Auf dem Kutschbock sitzt ein einzelner Fahrer, geladen hat er eine große Holzkiste in deren Holz die Worte „Sfânta Treime Zizin“ (Heilige Dreieinigkeit Zizin) eingebrannt sind. Neben dem Wagen läuft ein streunender Hund und bellt wie rasend. Da das Auto der Agenten drei Blocks entfernt abgestellt wurde, beschließen sie, der Kutsche zu Fuß zu folgen. Besonders schnell scheint sie nicht zu sein. Der Kutscher aber hält erst einmal. Er steigt von der Kutsche und versucht den Hund zu verscheuchen, was ihm irgendwann auch gelingt. Dann steigt der Kutscher wieder auf den Bock und fährt weiter. Die Agenten folgen ihm unauffällig und erreichen so irgendwann den Zentralfriedhof des Städtchens. Sie sehen, wie der Kutscher den Wagen abstellt und sich entfernt. Gern würden sie einen vorsichtigen Blick in die Kiste werfen, aber die zugenagelte Holzkiste aufzuhebeln ist ihnen doch zu auffällig. Immerhin sind einige Besucher auf dem Friedhof. Daher machen die Agenten einen kleinen Spaziergang in der Nähe oder setzen sich auf eine Bank und warten ab, was mit der Kutsche weiter geschieht. Hinter einer Hecke entdeckt Samir dann auch irgendwann den Hund wieder, der die Kutsche bereits vor dem Museum angebellt hat. Er bellt auch hier. Mal scheint er sich über die Kutsche aufzuregen, mal über Samir. Ein paar Besucher des Friedhofs sehen genervt zu den Agenten herüber. Kristina wirft dem Hund eine Wurst zu. Eine Weile ist das Tier beschäftigt.

Dann beschließen die Agenten doch zu handeln. Cevas zieht den Kaltblüter, der vor die Kutsche gespannt ist, hinter ein kleines Friedhofsgebäude. Dann hebelt er vorsichtig den Deckel auf. Die Kiste enthält einen halben Meter hoch Erde. Cevas will schon hineingreifen und schauen, ob dort etwas verborgen ist, da hält er schockiert inne. Er entdeckt einen kaum sichtbaren dünnen Draht, der aus der Erde herausragt und erkennt den Zündmechanismus einer Sprengladung. Als Experte auf dem Gebiet kann er daraufhin vorsichtig die Falle entschärfen. Die Sprengladung besaß die Stärke einer kräftigen Granate.

Nachdenklich schauen sich die Agenten um. Der Hund ist verschwunden. Hier hat jemand eine Falle gestellt. Galt sie ihnen?

Endlich besuchen sie das Museum für Naturgeschichte. Die Exponate sind langweilig, die Gespräche mit den Museumsmitarbeitern verlaufen  im Sande, immerhin aber lernt Vasily Francesca Collins, eine amerikanische Geologie-Studentin auf Studienreise, kennen, die sich im Museum ein paar Notizen in ihren Laptop einträgt. Jeder zweite Satz Francescas ist „I´m so excited!“, ansonsten ist sie aber hilfsbereit. Vasily zeigt ihr die Fotos aus der Höhle, die die seltsame Gesteinsformation zeigen. Francesca behauptet, dass sich an dieser Stelle offenbar einmal eine Erdspalte befunden hat, die aber wieder gründlich verschlossen wurde. Vasily bedankt sich hocherfreut und geht. Die Agenten fassen den Entschluss, irgendwann einmal mit guter Ausrüstung an den Ort zurückzukehren und Probebohrungen vorzunehmen.

Zuletzt besuchen die Gefährten das Museum für Jagdwaffen und Trophäen von Sibiu. Es stellt die Sammlung des königlichen Jagdmeisters Oberst August von Spiess (1864 – 1953) aus und enthält als wichtigstes Exponat den Prototypen von Conrad Haas´ Mehrstufenrakete aus dem 16. Jahrhundert. Abgesehen von diesem spektakulären Ausstellungsstück scheint das Museum aber weniger gut gepflegt zu sein. So entdecken die Agenten in der Nähe der Toiletten fast durch Zufall eine Glasvitrine in dem eine alte, lederne Arzttasche ausgestellt ist. An hellen Streifen ist zu erkennen, dass das Stück einst Schnallen besaß, die aber verschwunden sind. In das Leder sind die Initialen A. V. H. eingebrannt. Vor der Tasche ist ihr Inhalt ausgelegt: zwei Zündplättchenpistolen mit Zubehör und 6 Silberkugeln, ein Elfenbeinkruzifix, ein Rosenkranz mit schwarzen Steinen, ein silbernes Abzeichen mit dem heiligen Michael, eine braune Glasflasche mit einem gelblich-grauen Pulver und dem Etikett „Pulverisierte Knoblauchblüten“, eine größere braune Glasflasche mit klaren Wasser und dem Etikett „Weihwasser“, eine braune Glasflasche mit einer gräulichen Paste und dem Etikett „Blomberg Serum (J. S.)“, ein hölzerner Pflock und Hammer und ein schweres Bowiemesser mit der Gravur „In Memoriam Q. P. M. 1897“.

Die Agenten schauen sich an, einer nach dem anderen beginnt zu nicken. Schließlich schlendern sie ins Museumscafé und kaufen einen Katalog. Kopfschüttelnd müssen sie lesen, dass es sich bei der Tasche um die Ausrüstung eines Landarztes handeln soll, der im 19. Jahrhundert auch öfter durch gefährliches Gebiet zu reisen gezwungen war. Die Museumsmitarbeiter scheinen selbst nicht ganz zu wissen, was sie hier ausstellen. Vasily hackt sich in die Überwachungskameras des Museums und schaltet sie aus. Wenig später erscheint ein etwas verwirrt aussehender Mann, der der Bedienung im Café erzählt, es stimme etwas nicht. Dann verlassen beide Personen aufgeregt den Raum und die Agenten sind für einen Moment allein. „Jetzt oder nie!“, zischt Vasily seinen Kollegen zu. Samir knackt das Schloss an der Glasvitrine, löst dabei aber einen Alarm aus. Vasily bringt ihn relativ schnell wieder zum Verstummen, ein paarmal erklingt aber ein hässliches, lautes Piepen. Die Agenten raffen ihre Beute zusammen und eilen zum Ausgang. Dabei bekommen sie mit, wie der Alarm bereits einige Museumsmitarbeiter zusammengerufen hat, die sich aber zunächst aufgeregt darum sorgen, ob Conrad Haas´ Mehrstufenrakete beschädigt wurde. Mit der gestohlenen Arzttasche springen die Agenten in ihren Wagen und fahren nach Bukarest.

Mitten in der Nacht erreichen sie die Stadt, fahren über vielbefahrene Hauptverkehrsadern ins Stadtzentrum und nehmen sich Zimmer im Hilton Hotel. Bei der abendlichen Entspannung in der Hotelbar greift Yuri zur London Times und entdeckt einen interessanten Bericht:

Tote Leibwächterin als Spionin enttarnt.
Die Schießerei im Osten Londons wirft immer neue Rätsel auf. Bisher wurde bekannt, dass dort eine islamistische Terrorzelle mit britischen Sicherheitskräften aneinander geriet. Vor zwei Tage stellte sich heraus, dass wohl auch die Tote von St. Mary the Virgin in die Ereignisse verstrickt war. Carmilla Rojas war eine Argentinierin mit texanischen Wurzeln. Offiziell war sie für eine politische Gesandtschaft ihres Landes als Leibwächterin tätig. Nun wurde bekannt, dass sie möglicherweise in geheimem Auftrag gegen die Islamisten vorging und sie bei einem Anschlag auf die Kirche St. Mary the Virgin überraschte, bei dem der dort tätige Priester ermordet wurde. Rojas wurde offensichtlich in der darauffolgenden Auseinandersetzung auf den Kirchturm und von dort aus derart in die Enge getrieben, dass sie von dort in die Windschutzscheibe des Wagens stürzte, den sich die Terroristen geliehen hatten. Die argentinische Gesandtschaft gab vor, über die Aktivitäten ihrer Security Mitarbeiterin keine weiteren Informationen zu besitzen. Die Politiker sind inzwischen mit Rojas Leichnam in ihr Heimatland zurückgekehrt, wo die Verstorbene beerdigt werden soll.


„Was ist los mit dem MI5?“, fragt Yuri. „Entweder haben sie keine Ahnung oder sie haben etwas zu verbergen.“ Cevas meint: „In jedem Fall wollen sie uns etwas anhängen!“ Kristina behauptet trocken: „Glückwunsch jedenfalls: Wir sind berühmt!“ Einen Moment lang denken die Agenten über Argentinien nach. Die Rolle Carmilla Rojas´ wirft aber weiterhin Rätsel auf.

Am nächsten Morgen beschließen die Agenten, sich auf die Suche nach der Menschenrechtsaktivistin Aishe Balan zu machen. Sie finden im Netz einen nicht allzu gut gepflegten Blog von ihr, der den Titel „Geschichten aus Ferentari“ trägt. Hier erzählt Balan vom Alltag der Roma Bukarests in den zusammenfallenden Wohnblocks eines postindustriellen Slums. Vasily meint: „Das sieht nach einer Erkundungstour aus!“ und die Agenten machen sich auf den Weg.

Auf dem Weg nach Ferentari merken sie irgendwann, dass sie sich in einer fremden Umgebung befinden. Eine wunderbare Mischung aus Rauch, Fleisch und Senf steigt in ihre Nasen, dann sehen sie hinter der nächsten Ecke einen fetten Mann, der in einem Innenhof Hackfleischröllchen grillt. Yuri und Vasily scheint es fast so, als könne man schon von dem Geruch allein leben, so köstlich kommt er ihnen vor. Der Mann sieht sie, winkt und ruft: „Das Brot gibt es heute kostenlos dazu!“, aber Samir und Cevas stellen lediglich fest, dass Schweinefleisch gebraten wird und Kristina sagt: „Schade, kein Fisch!“ Nach dieser Szene tauchen die Agenten erst richtig in das Viertel ein und brauchen ihre gesamte Aufmerksamkeit für die Umgebung. An den Häuserecken werden Drogen verkauft, Prostituierte prägen das Bild der Straßen, Männer schaffen mit verstohlenen Blicken verdächtig wirkende Taschen oder Koffer in auseinanderfallende Autos und rasen davon. Die meisten Häuser machen nicht den Anschein, als würden in ihnen Menschen zur Miete leben. Die Menschen hier schlafen, wo sie einen Platz finden können. An vielen Orten sind mehr oder weniger offen Elektrizitätsverbindungen zu sehen, die von den Bewohnern Ferentaris unerlaubt angezapft werden. Noch häufiger zeigen sich bettelnde Straßenkinder, die sich nur schwer abschütteln lassen. Vasily schüttelt mit dem Kopf. Dann sagt er: „Wir suchen eine Menschenrechtsaktivistin, lasst uns bei möglichen Freunden fragen, zum Beispiel in einer Kirche.“

Drei Häuserzeilen weiter betreten die Agenten eine orthodoxe Kirche und begegnen Vater Alexandru, der gerade nach der Morgenandacht die Kerzen löscht. Yuri spricht den Mann auf Aishe Balan an und behauptet, die Agenten seien Journalisten, die über Ferentari eine Reportage machen wollten. Der ruhige Priester zeigt sich zunächst etwas zurückhaltend und will wissen, für was für eine Zeitung sie arbeiten. Kristina nennt eine schwedische Zeitung, die dem Mann unbekannt ist. Nach ein paar aufmunternden Worten Samirs zeigt er sich schließlich bereit ihnen zu helfen und sagt: „Es gibt nur wenige hier, denen der Name Aishe Balan nichts sagt. Sie gehört zu uns und wohnt in der Calea Moraru 15 im 2. Stock. Ich vermute, dass ihr Name nicht an der Tür zu finden ist. Passt auf euch auf.“ Die Agenten verabschieden sich, bahnen sich ihren Weg durch Mengen von verarmten Roma und machen sich auf den Weg.

-

Die Runde lief viel besser als die letzte. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich stärker die Initiative übernommen habe. Wenn dann doch noch etwas Unvorhergesehenes geschieht – wie zum Beispiel der Besuch des Museums für Jagdwaffen und Trophäen – dann geschieht das in einem begrenzten Rahmen, den ich überschauen kann.

Ich merke, wie ich die Spieler inzwischen zunehmend durch die Story statt durch spektakuläre Action bekomme. Das ist kein Wunder, denn sie haben so viele Punkte gesammelt, dass sie schon ziemlich fortgeschritten sind. Ein paar Dinge spielen wir gar nicht mehr aus, weil wir wissen, dass sie allermeistens sowieso funktionieren.

Was noch interessant werden kann, sind die gegnerischen Handlungen. Mir ist heute bewusst geworden, dass meine Spieler Edom und Dracula offensichtlich noch als denselben Gegner betrachten. Da warten vielleicht auch noch ein paar Überraschungen auf sie. Dracula hat sie jedenfalls durch seine Tierspione und fingierten Kisten heute ziemlich an der Nase herumgeführt. Edom hatte mit seinem Zeitungsartikel weniger Erfolg. Eine weitere Aktion habe ich mir noch für das nächste Mal aufgehoben, aber auch die ist hauptsächlich zum Warmwerden geeignet. Auch einen ersten „Erben“ habe ich vorbereitet – einen Nachfahren der Personen, die Ende des 19. Jahrhunderts gegen Dracula vorgegangen sind und in Stokers Romanbericht als Figuren auftauchen. Das kann ganz lustig werden.
« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:33 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #7 am: 17.05.2020 | 08:25 »
Wieder ein super Bericht. Das macht so viel Spaß die zu lesen.  :d
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Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #8 am: 21.06.2020 | 20:09 »
Bukarester Seufzer (6)



Nach einem kleinen Spaziergang durch das Bukarester Roma-Viertel  Ferentari stehen die Agenten vor dem Haus Calea Moraru 15. 200 Meter entfernt befindet sich eine mit hellen Bändern geschmückte Kirche, deren Glocken aufdringlich lärmen und auf den Feiertag irgendeines Heiligen schließen lassen.

Dann wenden sich die Agenten dem Haus zu, in dem Aishe Balan wohnen soll. Einige Klingelschilder sind unbeschriftet, bei anderen sind die Beschriftungen verblasst und lassen sich kaum noch entziffern. Der Name der Menschenrechtsaktivistin taucht nirgendwo auf. Das Haus besitzt eine Durchfahrt zu einem Hinterhof, der durch eine gut zwei Meter hohe Mauer gesichert ist. Neben der Tür zur Straße hin existiert auch ein Eingang im Hinterhof. Die Agenten nehmen beide Eingänge gleichzeitig und treffen sich sehr bald im Treppenhaus wieder. Das Haus ist heruntergekommen, aber immerhin nicht einsturzgefährdet. Im zweiten Stock sind zwei Wohnungstüren, ein Türschild trägt den Namen Badi, der andere Eingang besitzt kein Schild, aber immerhin einen Türspion.

Kristina stellt sich vor dem Spion auf, ihre Kollegen verbergen sich seitlich davon, dann klopft Kristina. Ein leises Rascheln ist zu hören, eine schnelle Bewegung, dann herrscht Stille. Cevas eilt die Treppen hinab. Er befürchtet, dass die Bewohnerin versucht, durch ein Fenster zu türmen. Etwas später ist aber doch eine weibliche Stimme durch die Wohnungstür zu hören. Sie spricht Romani, die Sprache der Roma, die leider keiner der Agenten beherrscht. Kristina antwortet auf Englisch, sie sei Journalistin des „Svenska Dagbladed“ und arbeite an einem Bericht über den Widerstand in der rumänischen Bevölkerung gegen den Faschismus im 2. Weltkrieg. In dem Zusammenhang sei sie auf den Namen Balan gestoßen und wurde dann hierher verwiesen. Könne Frau Balan in diesem Zusammenhang irgendetwas über ihre Vorfahren berichten? Auch die besondere Situation der Roma sei von Interesse. Vielleicht habe sie in diesem Zusammenhang ja tieferreichende Informationen?

Die Frau hinter der Tür reagiert vorsichtig und erwidert in relativ gutem Englisch, sie sei nicht allzu gesellig. Kristina könne sie aber gegen 20:00 Uhr im Herestrau Park treffen. Bis dahin empfehle sie ihr den Besuch des Giurliugui Friedhofs. Dort befinde sich ein Mahnmal, das für Kristina möglicherweise interessant sein könne. Kristina bedankt sich und zieht vorerst mit ihren Kollegen ab.

Auf der Straße ist zu hören, wie der Glockenklang der nahen Kirche inzwischen in die rhythmische Musik eines Glockenspiels übergegangen ist. Neugierig betreten die Agenten das Gotteshaus. Die Veranstaltung ist wohl gerade zu Ende gegangen, die Gemeinde erhebt sich, strebt dem Ausgang entgegen, führt noch ein paar Gespräche, ein paar ältere Frauen und Männer räumen auf. Die Agenten schauen sich um und erblicken in den Seitenkapellen der Kirche farbenfrohe Figuren, die einen folkloristischen Eindruck erwecken. Im Schaukasten vor der Tür findet Cevas unter den Gemeindeinformationen, dass am heutigen Tag das Fest des seligen Boiko gefeiert wird. Eine Internet-Recherche ergibt, dass es sich um einen Roma handelte, der im 2. Weltkrieg geheime religiöse Versammlungen von Roma-Gemeinden in Rumänien und Südfrankreich organisierte. Die Agenten entscheiden, dass das mit ihren eigentlichen Anliegen nicht mehr viel zu tun hat.

Daraufhin begeben sie sich zum empfohlenen und nicht allzu weit entfernten Giurliugui Friedhof, der sich als größter jüdischer Friedhof Bukarests entpuppt. Das erwähnte Mahnmal informiert die Besucher über ein tragisches Ereignis aus dem Jahr 1944. In diesem Jahr versuchten jüdische Flüchtlinge vor dem Holocaust auf einem türkischen Segelschiff namens Mefküre von Rumänien aus nach Istanbul zu gelangen. Das Schiff wurde allerdings schon bald von einem russischen U-Boot versenkt. 300 Juden starben, nur die Besatzung und fünf Flüchtlinge überlebten. Seitdem konnten Taucher im Schwarzen Meer aus dem Schiffswrack hin und wieder ein paar Habseligkeiten der Opfer bergen. Diese Gegenstände seien im Friedhofsgebäude in einer kleinen Gedenkausstellung zu sehen. Cevas wundert sich: Die gesamte Schiffsbesatzung überlebte, aber fast alle Flüchtlinge starben? Sein Interesse ist geweckt. An einer etwas schläfrigen Aufsicht vorbei betreten die Agenten das Gebäude und schauen sich die Ausstellung an. Neben Schuhen, aufgeweichten Notizbüchern und rostigen Taschenuhren stehen in einer Vitrine auch drei handgroße Lehmfigürchen, die augenscheinlich Nachbildungen des Golems darstellen. Cevas schaut tief in die Mundöffnung der Figuren hinein und erkennt, dass sie möglicherweise hohl sein könnten. Die Agenten beschließen, sich die Ausstellung zu nachtschlafender Zeit noch einmal genauer anzusehen.

Auf ihrem Weg zum Herestrau Park entdecken die Agenten vor dem Intercontinental Hotel ein Schild, das über einen gegenwärtig dort stattfindenden Medizinerkongress informiert. Es geht um Leukämie und andere Blutkrankheiten. Unsicher schauen sich die Agenten an. Vasily seufzt, geht mit seinem Laptop ins Netz und findet unter der Webseite des Hotels die Tagesordnung. Der Kongress beginnt mit dem aktuellen Tag und dauert noch zwei weitere Tage. Die Themen der Vorträge scheinen uninteressant, bei einer der Rednerinnen stutzt Vasily aber etwas. Für den nächsten Vormittag ist als letzte Referentin vor dem Mittagessen eine gewisse Dr. Jaqueline Seward aus London angekündigt. Sie spricht über Behandlungsmöglichkeiten von Leukämie. Irgendetwas klingelt bei Vasily. Kristina blättert ein wenig im Dracula Dossier herum und wird schnell fündig: „Dr. Jack Seward! Der Mann ist in Stokers Dracula Roman einer der Männer, die Dracula in London aufspüren, bis nach Rumänien verfolgen und am Ende vernichten. Er leitet eine Irrenanstalt.“ Yuri und Cevas beschließen daraufhin, sich den Vortrag der Medizinerin anzuhören.

Dann erreichen die Agenten den Herestrau Park, die grüne Lunge Bukarests mit Parkanlagen, einem großen See, Open-Air-Theater, Yacht-Club und Festplatz. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich auch der diplomatische Club und ein Golfplatz. Am Haupteingang bezahlen die Agenten ein paar Lei Eintritt, dann verteilen sie sich. Kurz darauf wird Kristina von einer Frau Mitte 50 angesprochen, die einen langen Rock, eine weite Bluse und eine Boleroweste trägt. Kristina bemerkt ihr dünner werdendes dunkles Haar und vernarbte Wangen. Die Frau küsst Kristina auf die Wange und fragt sie dann, ob sie verfolgt werde. Kristina sieht sich um, bemerkt ihre nicht allzu weit entfernten Mitstreiter und erklärt dann, sie habe zu ihrer eigenen Sicherheit ein paar Mitarbeiter aus ihrem Team mitgenommen. Die Frau schaut dem hünenhaften, grobschlächtigen Cevas in die Augen und schüttelt sich. Dann aber reißt sie sich zusammen, stellt sich als Aishe Balan vor und deutet auf eine nahe Bank inmitten des Besucherstroms, wo sie zu einem Gespräch mit Kristina bereit wäre.

Kristina erzählt ihr von der Kriegsnotiz eines britischen Spions, dem ein Mann namens Balan geholfen haben soll, vor den Faschisten zu fliehen und Rumänien zu verlassen. Frau Balan erzählt von ihrem Großvater, der im 2. Weltkrieg im Widerstand organisiert gewesen sei. Leider habe er das Ende des Krieges nicht mehr erleben können. In ihrem Elternhaus sei über seine Aktionen nicht viel gesprochen worden. Kristina erzählt danach, in der Notiz hieß es, Balans Großvater habe dem britischen Spion von einem Romaclan erzählt, der sich „die Wölfe“ genannt und für irgendeinen mysteriösen Hintermann gearbeitet haben soll. Frau Balan seufzt tief und erzählt von den Ruvari Szgani, dem berüchtigtsten rumänischen Romaclan, der auch unter den anderen Roma einen schlechten Ruf hat. Was ihr Großvater mit den „Wolfszigeunern“ zu tun gehabt habe, wisse sie nicht. Vor einiger Zeit hätten ein paar Mitglieder des Clans allerdings ein Attentat auf sie selbst verübt, das sie nur knapp überlebte. Bei diesen Worten deutet sie auf die Narben auf ihrer Wange. Kristina zeigt sich erstaunt: Frau Balan setze sich doch für die Rechte ihres Volkes ein, wieso trachten ihr dann ihre eigenen Volksgenossen nach dem Leben? Frau Balan seufzt erneut und erzählt schulterzuckend, dass es in den Reihen der Roma auch ein paar selbstzerstörerische Entwicklungen gebe. Sie setze sich in ihrer Arbeit zwar für die Rechte der Roma ein, damit verbunden sei aber auch der Anschluss an Wohlstand und Moderne. Die Ruvari Szgani seien ein sehr traditioneller Romaclan, dem nicht alle Errungenschaften der Moderne gefielen. Viele von ihnen lebten verstreut in ländlichen Regionen Transsylvaniens. Es mag auch sein, dass bei dem Attentat auf sie Neid und Missgunst eine Rolle spielen. Dann wirft Frau Balan Kristina einen offenen Blick zu und betont, wie wichtig es sei, nicht alle Ruvari Szgani über einen Kamm zu scheren. Auch in diesem Clan gebe es Menschen, die unserer Unterstützung bedürfen. Nicht alle seien verbohrt und gewaltbereit. Kristina nickt und will wissen, ob es möglich sei, mit einem Mitglied dieses Clans ein Interview zu führen. Frau Balan seufzt ein drittes Mal und erzählt, dass die Ruvari Szgani ein zurückgezogen und selbstgenügsames Völkchen seien. Hochzeiten mit Fremden seien beispielsweise sehr selten. So gut wie alle Besprechungen mit Außenstehenden würden von den phuri, den Clanältesten, geführt. Vielleicht sei einer dieser phuri auch der Hintermann gewesen, von dem Balans Großvater dem britischen Spion erzählt habe. Diese phuri jedenfalls hätten relativ große Macht im Clan und bekämen von den legalen und illegalen Einnahmen ihrer Verwandten immer einen Anteil. Einen Moment schweigt Aishe Balan, fügt dann aber hinzu: „Vielleicht gibt es eine Möglichkeit mit einem phuri ins Gespräch zu kommen. Es ist noch nicht lang her, da haben mich öfter Ion und Donka besucht, zwei Geschwister aus dem Clan der Ruvari Szgani, die sich ohne Eltern und festen Wohnsitz auf den Straßen Bukarests durchschlagen. Sie kamen fast jeden Nachmittag, holten sich ein Gebäckstückchen bei mir ab und hielten mich über die Geschehnisse im Viertel auf dem Laufenden. Jetzt habe ich sie eineinhalb Wochen nicht mehr gesehen. Ich mache mir Sorgen."  Die Frau greift in ihre Tasche und zeigt Kristina ein Foto mit zwei Kindern im Alter von 7 oder 8 Jahren. Kristina überlegt und fragt dann, ob sie das Bild abfotografieren darf. Frau Balan nickt. Kristina nimmt ihr Handy, knippst und verabschiedet sich dann: „Wenn wir die Kinder gefunden haben, schauen wir wieder vorbei.“ Frau Balan nickt und verlässt den Park. Beim Gehen winkt sie Cevas vorsichtig zu.

Abends untersuchen die Agenten in einem ihrer Hotelzimmer die im Museum für Jagdwaffen und Trophäen in Sibiu erbeutete Arzttasche. Cevas entdeckt in der Tasche einen doppelten Boden, in den eine Pappkarte gerutscht ist oder geschoben wurde. Auf der Karte steht handschriftlich: „To D from his Dukes; Once more Unto the Breach; St. George´s Day 1940“. Kristina vergleicht die Handschrift auf der Karte mit den Eintragungen im Dracula-Dossier – und tatsächlich ähnelt sie der Handschrift eines der Kommentatoren. Das Dossier wird daraufhin genauer durchsucht. Von Fürsten, also Dukes, ist öfter die Rede. Es scheinen Decknamen der geheimen britischen Spionageabteilung Edom zu sein, mit der die Agenten schon öfter flüchtigen Kontakt hatten. Kristina findet auch einen Kommentar im Dracula-Dossier, der behauptet, die Nachfolger der Agenten von Operation Edom nähmen immer wieder dieselben Decknamen an, was offensichtlich als Symbol für ihre unsterblichen Taten angesehen wird. Einiges klingt auch widersprüchlich, die Agenten von Operation Edom haben sich aber offensichtlich bereits im zweiten Weltkrieg und auch in den Siebzigern in Rumänien herumgetrieben. Samir erinnert an die Ereignisse auf Gibraltar, die darauf hindeuten, dass die Leute gegenwärtig auch wieder aktiv sind... wo auch immer.

Die Pistolen in der Ärztetasche sind echte Antiquitäten. In die für sie hergestellten Vollsilberkugeln sind an der Spitze Kreuze eingeritzt. Alles übrige scheint echt, ist aber nicht weiter auffällig. Vasily entnimmt schließlich dem Weihwasser und dem sogenannten Blomberg-Serum eine kleine Probe, versiegelt sie, steckt sie in einen Umschlag und adressiert ihn an seinen Bekannten, den weißrussischen Geheimdienstmitarbeiter Dr. Ionesco, der als Mediziner an der Universität von Kreuzburg an der Bistritz Vorlesungen hält.

Nachts machen sich die Agenten erneut auf den Weg. Ihr Ziel ist der jüdische Friedhof. Vasily sondiert das Gelände mit einer Überwachungsdrohne und kann keine elektrischen Sicherheitsvorkehrungen feststellen. Kristina knackt schnell das Tor zum Haupteingang. Im Friedhofsgebäude scheint aus einem einzelnen Fenster Licht, ansonsten ist es dunkel und still. Auch die Tür zu der Ausstellungshalle ist schnell überwunden. Cevas und Kristina eilen zur Vitrine mit den drei kleinen Golem-Figürchen. Das Schloss ist etwas schwerer zu überwinden und wird beim Öffnungsversuch zerstört. Trotzdem gelangen die Agenten relativ lautlos und schnell an die Exponate. Cevas greift die drei Golem-Figürchen, dann verschwinden die Agenten. Eine halbe Stunde später sind sie wieder zurück in ihrem Hotelzimmer. Tatsächlich sind die Golem-Figürchen hohl. Zwei sind leer, eines aber rappelt, wenn man es schüttelt. Nach einigem Drehen und Wenden kann Cevas dem Inneren der Statuette ein blechernes Schächtelchen entnehmen. Es ist eine alte Dose für Pfefferminzpastillen aus dem Deutschen Reich und stammt sicherlich noch aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus. Ihren Deckel hat jemand mit Siegellack abgedichtet. Cevas kratzt den Lack ab, öffnet die Büchse und stößt auf ein uraltes Papier, auf dem in hebräischer Schrift „Wahrheit“ geschrieben wurde. „Das Siegel der Wahrheit“, murmelt Cevas. „Legt man es dem Golem auf die Stirn, erwacht er zum Leben und schützt das jüdische Volk“. Yuri meint: „Ich dachte, man muss ihm einen Zettel mit dem Namen Gottes in den Mund schieben!“. Cevas sagt: „Ja. Das auch. Es gibt verschiedene Überlieferungen.“ Vasily überlegt: „Deutsche Juden auf der Flucht? Vielleicht sollte man ein Stück des Zettels abtrennen und eine Radiokarbonüberprüfung durchführen lassen.“ Cevas sieht ihn mit durchdringendem Blick an: „Dieser Zettel hier ist vielleicht wirklich im 16. Jahrhundert von Rabbi Löw in Prag beschrieben worden... und du willst du ernsthaft ein Stück davon abtrennen!“ Vasily schweigt. Die Agenten gehen zu Bett und brauchen eine Weile um einzuschlafen.

Am nächsten Vormittag begeben sich Yuri und Cevas ins Intercontinental Hotel, die übrigen Agenten suchen währenddessen im Ferentari Viertel nach Ion und Donka, den beiden Kindern, die Aishe Balan vermisst.

Im Hotelfoyer befinden sich viele Mediziner in angeregte Gespräche vertieft. An einer Wand steht ein Hotelbediensteter. Vor ihm steht ein Tisch, auf dem etwa 40 Namensschilder liegen. Der Bedienstete kontrolliert die Personalausweise der Gäste und händigt ihnen dann das entsprechende Namensschild aus. Yuri verwickelt den Mann in ein Gespräch über das Programm des Kongresses. Während der Hotelbedienstete ihm erklärt, dass es sich unter „Service“ auf der Webseite des Hotels abrufen lässt, schnappt sich Cevas zwei Namensschilder und verschwindet damit schnell in der Menge. Wenig später passieren Cevas und Yuri alias Dr. William Smith und Dr. Steven Jacobson die Einlasskontrolle. Dr. Jaqueline Seward ist eine jugendlich wirkende Ärztin und noch keine 50. Sie hat ein helles Kleid und einen Ärztekittel an, womit sie sich von ihren größtenteils repräsentative Anzüge tragenden Kollegen abhebt. Sie berichtet über Forschungsergebnissen aus „Seward´s Asylum“, was Yuri und Cevas hellhörig macht. Cevas hat eine Ahnung von dem, was sie erzählt, eine geistreiche Unterhaltung darüber führen, kann aber keiner der beiden Agenten. Nach dem Vortrag warten die Teilnehmer des Kongresses vor der Tür auf das Mittagessen. Es ist noch ein Viertelstündchen Zeit für ein paar persönliche Worte. Cevas nähert sich der Medizinerin und eröffnet das Gespräch: „Erschrecken Sie nicht, liebe Kollegin, ich bin nicht wahnsinnig, interessiere mich aber doch für die psychiatrische Anstalt, in der sie ihre Forschungen betreiben.“ Dr. Seward muss lächeln und antwortet: „Erschrecken auch Sie nicht, Dr. Smith, aber ich habe ständig mit Wahnsinnigen zu tun! Dr. Seward´s Asylum besitzt allerdings ein medizinisches Forschungslabor, das schon seit vielen Jahren weitgehend unabhängig vom Sanatoriumsbetrieb medizinische Forschungen durchführt." Cevas will wissen, wie es komme, dass die Anstalt ihren Namen trägt und Dr. Seward erzählt ihm, dass der erste Anstaltsleiter, Dr. Jack Seward, ihr Ururgroßvater war. Mit entlarvender Offenheit gesteht sie, dass ihr Erbe bei ihrer Einstellung möglicherweise durchaus eine Rolle gespielt haben könne. Glücklicherweise habe sie inzwischen unter Beweis stellen können, dass sie auch selbst als Medizinerin ernst zu nehmen sei. Cevas fragt sie, ob es sich bei ihrem Vorfahr um denselben Dr. Seward handele, der in Bram Stokers Dracula-Roman erwähnt werde. Wieder muss Dr. Seward lächeln und gibt zu, dass ihr Ahne wohl das Vorbild für diese Figur abgegeben habe: „Offensichtlich waren Mr. Stoker und mein Ururgroßvater miteinander bekannt. Ich habe den Roman gelesen und mich königlich amüsiert.“ Cevas meint zuletzt, dass es ja ein seltsamer Zufall sei, der Nachfahrin eines Vampirjägers ausgerechnet in Rumänien zu begegnen. Dr. Seward wird daraufhin ernster und erzählt: „Nein, nein, es sind keine Blutsauger, die mich hierher locken. Ich habe aber über den Kongress hinaus tatsächlich noch ein privates Interesse an Bukarest. Mein Mann und ich, wir bemühen uns schon seit einiger Zeit um die Adoption eines rumänischen Kindes. Die rumänische Regierung legt uns dabei allerdings Steine in den Weg. Ich verstehe, dass man sich gegen Menschenhandel absichern muss, aber Leute mit den besten Absichten sollten doch zumindest eine Chance haben...“ Cevas erzählt ihr daraufhin, dass er gut Rumänisch spreche und ihr bei ihren Bemühungen vielleicht unter die Arme greifen kann. Dr. Seward sieht den hünenhaften Mann mit einem gewissen Interesse an und erwidert: „Nun, das Mittagessen ist serviert. Ich habe einen Platz am Tisch zweier interessanter Kollegen und muss mich daher entschuldigen. Ich danke Ihnen aber für ihr Angebot, Dr. Smith. Wenn Sie möchten, trinken wir nach dem Abendessen zusammen ein Glas Wein in der Hotelbar.“ Cevas bedankt sich artig für das Angebot und verlässt mit Yuri zusammen das Hotel.

-

Das war eine Runde Legwork. Meinen Spielern brummte hinterher ein wenig der Schädel. „Fast zu viele Spuren!“, hieß es. Das Problem liegt darin, dass das Dracula Dossier viele atmosphärische Ideen ausspuckt, die ich auch gern einbaue. Dann kommen meine Spieler und vermuten hinter den Schilderungen irgendwelche plotrelevanten Informationen. Ich könnte dann sagen: „Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!“ Dummerweise liefert mir das Vorgehen meiner Spieler oft irgendwelche Steilvorlagen, sodass ich nicht widerstehen kann. Ich baue einen Plothook nach dem anderen ein... und gestehe, dass mir das großen Spaß macht. Das Siegel der Wahrheit beispielsweise war völlig aus dem Ärmel geschüttelt. Ob in der Kampagne irgendwann wirklich noch ein Golem auftaucht? Keine Ahnung. Ich weiß sowieso noch nicht so ganz, welche Richtung die Geschichte demnächst einschlagen wird. Ich will jedenfalls beim nächsten Mal den Level 1 der Conspyramid verlassen und Kurs auf die bedeutsameren Gegner nehmen.

Danke übrigens für den kleinen Kommentar, Fezzik. Ich freue mich immer sehr über irgendwelche Reaktionen.

« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:33 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #9 am: 24.07.2020 | 12:45 »
 ;) gern
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #10 am: 25.07.2020 | 23:22 »
Aufbruch nach Bistritz (7)



Parallel zu Cevas´ und Yuris Gespräch mit Dr. Jaqueline Seward schauen sich Kristina, Vasily und Samir im Roma Viertel Ferentari um. Sie suchen Sozialstationen und Warme Tafeln auf und befragen Kinder, Obdachlose und Streetworker nach Informationen über Ion und Donka, den beiden Kindern aus der Sippe der Ruvari Sgzani, die Aishe Balan vermisst. Das Unterfangen gestaltet sich allerdings als problematisch, denn Bukarester Nebel zieht auf. Er besteht aus Dieselabgasen und scheuerndem Kohlestaub und erzeugt in Nase und Mund einen unangenehmen Hustenreiz. Während ihrer Nachforschungen wird die grauenvoll stickige Hitze immer dichter, erschwert das Atmen und vergiftet die Luft.

Am Nachmittag gesellen sich auch Yuri und Cevas zu den Suchenden dazu, aber der Erfolg bleibt vorerst aus. Zwar haben die Agenten den Eindruck durchaus auf ein paar mögliche Informanten zu stoßen, aber die Menschen sind selbst von der stickigen Atmosphäre geplagt, wenig entgegenkommend und erzählen nicht viel.

Am Abend legen die Agenten eine Pause ein. Die Agenten trinken mit Dr. Jaqueline Seward in der Bar des Hotels Intercontinental wie verabredet ein Glas Wein. Cevas erzählt der Ärztin die bereits mehrfach verwendete Geschichte von dem Zeitungsteam, dem in gewisser Weise auch er angehört. Angeblich hat er Kristina auf der Reise nach Bukarest kennengelernt und hilft ihr nun bei der Recherche für einem Artikel über Bukarester Straßenkinder für das Svenska Dagbladed.

Dr. Seward erzählt von Rena, dem rumänischen Mädchen, dass sie mit ihrem Mann bei ihrer ersten Reise nach Rumänien kennengelernt hat und um dessen Adoption sie sich nun bemüht. Rena ist 10 Jahre alt und lebt derzeit in einem rumänischen Waisenhaus. Leider ist seit 2004 in Rumänien die Adoption durch ausländische Eltern verboten. Dr. Seward erzählt, dass sie sich außerdem für die Hilfsorganisation „Heal the Children“ engagiert, die ebenfalls einen Sitz in Bukarest hat. Sie hofft insgeheim, dass ihr wohltätiges Engagement die rumänische Regierung dazu bewegen könnte in Renas Fall eine Ausnahme zu machen.

Für den angeblichen Zeitungsartikel empfiehlt Dr. Seward den Agenten einen Besuch im Waisenhaus Strasba Orphanage. Sie behauptet, dass es dort viele Kinder gibt, die gern erzählen und ein Leben auf der Straße kennengelernt haben.

Nach dem Gespräch ist es allerdings Abend geworden. Es hat zu regnen angefangen und das Waisenhaus hat keine Besuchszeit mehr. In zwei Gruppen ziehen die Agenten durch die Bukarester Nacht. Kristina und Cevas erleben, wie ein rostiger Lieferwagen hinter einer Straßenecke beschleunigt um noch vor einer Kreuzung ein Taxi zu überholen und dabei frontal einen Motorroller erwischt. Kristina und Cevas hören den Knall und das Splittern, dann sehen sie einen Körper wie eine Puppe durch die Luft fliegen und hart und blutig auf dem Beton aufschlagen. Der Lieferwagen rast davon und die Passanten wenden sich ab. Cevas kann eine halbwegs brauchbare Handyaufnahme von dem flüchtigen Wagen machen.

Kristina und Cevas sind den Rest der Nacht beschäftigt. Cevas leistet erste Hilfe, Kristina ruft den Rettungswagen und die Polizei. Die beiden fahren mit auf das Polizeirevier und machen Zeugenaussagen. Hinterher fallen sie müde und frustriert ins Bett.

Vasily, Samir und Yuri sind etwas erfolgreicher. Sie stoßen auf Straßenkinder, die mit ein paar Plastiktüten und einer Dose Aurolac in einer überdachten Hofeinfahrt sitzen. Sie inhalieren das Verdünnungsmittel, sind berauscht und vielleicht deshalb etwas aussagefreudiger als die anderen Begegnungen des Tages. Eines der Kinder, ein vielleicht 11jähriger Knabe namens Sanda, behauptet, ein Geschwisterpaar namens Ion und Donka zu kennen. Er führt die Agenten durch Ferentari in eine Gegend wo die Häuser noch verfallener aussehen als an den anderen Stellen des Viertels. Schließlich deutet er auf eine Wellblechhütte, die auf einer lehmigen Brache steht. Das Gelände ist mit einem lädierten Maschendrahtzaun umgeben, der sich leicht überwinden lässt. Sanda kassiert ein paar Lei und verschwindet.

Dann nähern sich Yuri, Samir und Vasily der Hütte. Der Eingang ist durch einen Draht gesichert, an dem einige Blechdosen befestigt sind. Vorsichtig entfernt Yuri die Falle und ermöglicht den Agenten so einen geräuschlosen Zutritt ins Innere der Hütte.

Im Licht ihrer Handys untersuchen die Agenten den Ort, stoßen auf zwei Matratzen und ein notdürftiges Lager. In einer Ecke befinden sich ein paar verschimmelte Nahrungsmittel. Leichter Staub liegt auf den Gegenständen. Dann aber entdeckt Samir eine Blechbüchse, deren Deckel umgekehrt nur locker auf die Öffnung gelegt wurde. Samir schaut hinein und findet einen Reisepass, ausgestellt auf einen gewissen Vasile Chitul. Der Mann scheint russischer Staatsbürger zu sein, sein Passbild zeigt einen übergewichtigen Mann Mitte 50 mit energischem Kinn. Aufgrund seiner Visastempel ist zu ersehen, dass er oft zwischen Russland, Moldavien, Rumänien und Ungarn unterwegs war. Seit dreieinhalb Jahren scheint er aber sesshafter geworden zu sein. Warum befindet sich der Pass dieses Mannes in der Büchse von Ion und Donka? Die Agenten entwickeln die verschiedensten Theorien, wissen es aber nicht. Schließlich kehren auch sie in ihr Hotel zurück.

Am nächsten Morgen geht Samir zur Bukarester Stadtpolizei. Er will einen Beamten bestechen, um herauszubekommen, ob Vasile Chitul einen Wohnsitz in Bukarest hat. Zunächst scheitert er grandios. Der Beamte steckt Samirs Geldscheine ein und dankt ihm – das war alles. Es scheint nicht weiter ungewöhnlich, Polizisten Geschenke zu machen. Also greift Samir tiefer in die Tasche und es wird richtig teuer. Irgendwann aber beginnt der Beamte seine Karteien nach dem Namen durchzugehen. Samir erfährt, dass Vasile Chitul ein Kleinkrimineller ist, der schon einige Gefängnisaufenthalte hinter sich hat. Er wurde wegen Bandenkriminalität, Schlägereien und Drogenhandel verurteilt. Der Beamte erzählt Samir, dass Vasile im Moment zumindest nicht inhaftiert sei und nennt ihm dessen Adresse. Samir bedankt sich erfreut.

Im Wechsel beobachten die Agenten Vasiles Wohnung. Als Yuri vor dem Hauseingang des Wohnblocks vorbeizieht, verlassen drei Männer das Haus und gehen in die neben dem Häuserblock befindliche Garage. Einer von ihnen ist Vasile Chitul. Yuri informiert seine Gefährten. Vasily knackt ein Auto. Kurze Zeit später fahre die drei Männer mit Mofas aus der Garage und durch die Stadt. Sie halten schließlich an einem anderen Häuserblock und verschwinden in einem Hinterhof. Schließlich kommen sie zurück und zerren zwei Kinder an ihren Armen über dei Straße. Auf der anderen Seite hat bereits ein vierter Mann einen kleinen Kastenwagen geparkt. Er verlässt sein Auto und öffnet die Tür zum Ladebereich seines Autos.

Die Agenten entschließen sich zum Handeln. Cevas geht zum Kastenwagen, verpasst dem Mann einen Stoß und pfeffert ihn gegen die Tür seines Autos. Nach einem zweiten Schlag verliert der Mann das Bewusstsein. Die drei Mofafahrer mit den Kindern ziehen Dolche, worauf die Kinder davonlaufen. Kristina entwaffnet Vasile Chitul mit einem gezielten Schuss und auch Yuri zieht seinen Revolver. Die Männer suchen das Weite.

Samir verfolgt die Kinder. Obwohl er anfänglich Boden gut machen kann, läuft er plötzlich in eine Ziegenherde, die mitten in der rumänischen Hauptstadt von einem gelassenen Hirten über die Straße getrieben wird. Die beiden Kinder schlängeln sich geschickt an den Tieren vorbei, Samir braucht länger. Schließlich kommt ihm aber ein Hund zur Hilfe, der aggressiv auf die rennenden Kinder zuspringt. Während sich die Kinder gegen den Hund wehren, kann Samir ihnen zu Hilfe kommen. Er erzählt den Kindern, er und seine Freunde seien Geschäftspartner von Aishe Balan und wollten ihnen helfen. Den Kindern steht ihr traumatisches Erlebnis ins Gesicht geschrieben. Samir geht erst einmal mit ihnen etwas essen, dann bringt er sie zu Aishe Balan.

Seine Gefährten übernehmen inzwischen den Kastenwagen des ausgeschalteten Kidnappers. Im Transportbereich hängen Riemen, mit denen sich Gefangene fesseln lassen. Die Agenten fesseln den Ohnmächtigen und fahren auf ein verlassenes Industriegelände vor der Stadt. Im Handschuhfach des Wagens entdeckt Kristina eine Straßenkarte. An zwei Stellen hat jemand einen Kringel eingezeichnet. Der eine befindet sich bei Debrecen kurz hinter der ungarischen Grenze, der andere ist bei Bistritz. Während der Kringel bei Debrecen durchgekritzelt wurde, hat jemand neben den Kringel bei Bistritz eine Adresse geschrieben: 6 Strada Contantin Dobrogeanu Gherea. Im Portemonnaie des Fahrers findet sich auch dessen Personalausweis. Er heißt Filip Randa.

Cevas rüttelt den Mann aus seiner Ohnmacht. Nach eingehender Befragung verrät der Mann ihnen, dass er vielleicht ein halbes Dutzend Fahrten im Auftrag von Vasile Chitul und seiner Bande gemacht hat. Er hat jedesmal ein paar Kinder oder Halbwüchsige im Laderaum seines Kastenwagens transportiert und am Zielort abgeliefert. Bis vor einem halben Jahr ist er zu einem ungarischen Lager bei Debrecen gefahren. Irgendwann wurde der Zielort geändert. Nun fährt er nach Bistritz. Die Agenten begreifen, dass es sich bei dem Lager in Ungarn um genau das Menschenlager gehandelt hat, das sie mit Hilfe von Agi Kozorus auffliegen lassen konnten. Offensichtlich wurde es geschlossen. Cevas zieht dem Mann sein T-Shirt aus und schreibt „Kinderschänder“ auf seine Brust. Dann fesselt er ihn an einen Laternenpfahl in einem wohlhabenden Viertel Bukarests.

Endlich kommen die Agenten wieder bei Aishe Balan zusammen. Die Menschenrechtsaktivistin ist froh, Ion und Donka wohlbehalten wieder in ihre Arme schließen zu können. Sie dankt den Agenten. Dann machen die Agenten Pläne für die Zukunft. Sie beschließen, möglichst schnell nach Bistritz zu fahren. Vielleicht lässt sich an der auf der Straßenkarte notierten Adresse noch irgendetwas ausrichten. Aishe Balan verspricht ihnen, in der Zwischenzeit auf behutsame Art und Weise mit den Kindern über die Ruvari Sgzani zu sprechen. Vielleicht gelingt es ihr, für die Agenten eine Kontaktmöglichkeit mit einem der phuri dieser Romasippe herzustellen.

Am Mittag fahren brechen die Agenten in Richtung Bistritz auf. Auf der Fahrt klingelt Vasilys Handy. Am Apparat ist Dr. Ionesco, der weißrussische Geheimdienstmitarbeiter, der als Mediziner an der Universität von Kreuzburg Vorlesungen hält. Dr. Ionesco fragt Vasily, ob er irgendwo erreichbar sei. Er will mit ihm über das Blomberg-Serum sprechen, dass sich in der Ärztetasche, die die Agenten im Museum für Jagdwaffen und Trophäen in Sibiu erbeuten konnten, befunden hat. Vasily verabredet sich mit Dr. Ionesco am Bahnhof von Bistritz.

Dort angelangt verrät Dr. Ionesco, was bei der Analyse der Flüssigkeit herausgekommen ist. Bei dem Blomberg-Serum handelt es sich um eine Verbindung aus Silbernitrat und Apitoxin (Bienengift). Die Substanz ist stark alkalisch und daher giftig. Dr. Ionesco drückt Vasily die chemische Formel für das Serum in die Hand. Er behauptet, dass sich das Blomberg Serum möglicherweise als Waffe einsetzen lässt, wenn es in den Körper eines Gegners eindringt. Vasily dankt dem Wissenschaftler und verabschiedet sich.

Dann fahren die Agenten zu dem Ort, an den Filip Randa die Kinder bringen sollte. Die Straße liegt relativ zentral, ist aber trotzdem in einem ruhigen Viertel. Hier stehen ein paar alte Höfe, die wohl nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. An der angegebenen Adresse steht ein scheunenartiges Gebäude, das in einem sandfarbenen Gelb gestrichen wurde. Fenster- und Türöffnungen und die Simse sind weiß abgesetzt. Das Gebäude ist alt und sieht verlassen aus. Die Fenster sind zerbrochen, mit ein paar Latten vernagelt und mit Folie abgeklebt. Die Eingangstür fehlt völlig. Im Winde weht ein weißer Vorhang aus der Türöffnung hinaus. Schräg über die Straße steht ein weiteres Gebäude, das genauso gestrichen wurde, sich aber in einem besseren Zustand befindet. Ein paar Fenster sind erleuchtet, hinter den Vorhängen sind Bewegungen zu erkennen. Das Gebäude ist eindeutig bewohnt. Wahrscheinlich gehören beide Gebäude demselben Eigentümer.

Während Cevas, Vasily, Samir und Yuri sich in dem alten Scheunengebäude umsehen sichert Kristina den Eingang. Das Haus enthält keine Möbel mehr und ist abgesehen von etwas Müll völlig leer. Die Treppe zum Keller führt allerdings zu einer stabilen Metalltür mit solidem Sicherheitsschloss. Vasily braucht einen Moment, nach ein paar Minuten steht die Tür aber offen. Im Keller befindet sich ein einfaches Lager, in das man fünf oder sechs Personen eine Weile einsperren kann. Im Moment ist es leer.

Cevas seufzt und bespricht sich mit seinen Gefährten. Sie beschließen dem bewohnten Gebäude einen Besuch abzustatten. Während sich die Männer an die Wand des Wohnhauses drücken, liest Kristina das Namensschild an der Tür: Boian Adamache. Dann holt sie tief Luft und klingelt.

-

Noch eine Runde Nachforschungen. Meinen Spielern hat´s scheinbar gefallen. Ich selbst fand es nicht allzu spannend. Immerhin haben die Agenten inzwischen den zweiten Level von Draculas Conspyramid erreicht. Ich habe ein paar Erfahrungspunkte verteilt und ein komplettes Auffrischen der Punktepools gestattet.

Ich habe auch schon eine etwas hinterhältige Falle ausgelegt, die aber noch zum Tragen kommen muss.

Beim nächsten Mal brauche ich außerdem etwas Action und Drama. Ich werde mich etwas anstrengen müssen.
« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:33 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #11 am: 23.08.2020 | 18:33 »
Am Rabenfelsen (8 )



Nach Kristinas Klingeln öffnet sich die Tür des Wohnhauses und ein hagerer, unrasierter Mann wirft ihr einen irritierten Blick zu. Kristina riecht eine leichte Alkoholfahne.

Kristina erzählt dem Mann, sie habe eine Autopanne und ihr Wagen springe nicht mehr an. Sie fragt ihn, ob er ihr nicht helfen könne. Im hinteren Bereich des Flures schaut kurz eine Frau nach dem Rechten. Der Mann ist aufgrund Kristinas Bitte noch verwirrter und zeigt sich auch erst einmal reserviert. Als ihm Kristina 100 Dollar verspricht behauptet er, er verstehe zwar nichts von Autos, könne aber ja mal einen Blick auf den Motor werfen. Das Auto der Agenten steht nicht weit entfernt und ist völlig in Ordnung. Kristina öffnet die Motorhaube und setzt sich hinter das Steuer. Während Boian Adamache sich den Motor anschaut würgt sie den Wagen ab und behauptet „Sehen Sie? Ich weiß nicht, wie das kommt!“ Eine Weile lang hantiert der Mann im Inneren des Wagens, dann sagt er: „Ich habe auch keine Erklärung, aber vielleicht kann ich es einmal versuchen?“ Kristina lässt ihn hinter das Steuer und siehe da: Der Wagen springt sofort an. Kristina behauptet, er habe ein echtes Talent für Motoren und will ihm die 100 Dollar geben. Boian ist etwas verlegen, winkt ab und sagt ihr, dass das reiner Zufall gewesen sei. Er nimmt aber immerhin 50 Dollar und bedankt sich.

Dann fragt Kristina, ob er ihr ein Hotel in Bistritz empfehlen kann. Boian meint: „Hotel Zur Krone oder Hotel Dracula?“ Kristina muss grinsen, wählt Hotel Dracula und bittet Boian, ihr den Weg zu zeigen. Vielleicht fährt er mit ihr gemeinsam hin? Boian ist einverstanden und zeigt ihr das Gebäude, dann bringt Kristina ihn zu seinem Haus zurück und verabschiedet sich von ihm.

Während Boian Kristina hilft, dringen die übrigen Agenten in sein Haus ein. Samir kann einen Wurfanker im ersten Stockwerk festzurren und klettert mit Vasily gemeinsam an der Hauswand hinauf. Cevas und Yuri bewachen den Hintereingang und die Straße vor dem Haus. Im Obergeschoss des Hauses befindet sich ein chaotischer, unübersichtlicher Lagerraum, der voller Kartons, Koffer und ausrangierter Möbel ist. Vasily und Samir blättern durch ein paar Aktenordner, finden ein paar alte Verdienstbescheinigungen und bekommen den Eindruck, dass der Hausherr ein Postangestellter ist.

Vasily und Samir schleichen daraufhin hinunter ins Erdgeschoss. Im Raum zur Straße hin sind Geräusche zu hören. Vasily schaut deshalb in den Nachbarraum und findet sich in der Küche wieder. Samir macht eine letzte Tür auf und sieht in ein Wohnzimmer, von dem aus weitere Türen in den hinteren Bereich des Hauses führen. Er beschließt, im Gang Wache zu stehen, bis sich Vasily die Küche angeschaut hat.

Vasily schaut sich in der Küche um. In einer Ecke auf der Anrichte liegen ein paar Briefe. Vasily zieht einen beliebigen dieser Briefe aus seinem Umschlag und liest. Es ist eine Anweisung der Post. Boian wird aufgefordert, sich in drei Tagen an einer Räumaktion zu beteiligen, bei der ältere Dokumente in das Archiv auf dem Dachboden gebracht werden sollen, damit in den Amtsstuben Platz für aktuellere Schriftstücke ist. Vasily dreht sich um und sieht plötzlich ein drei- oder vierjähriges Kind vor sich stehen, das ihn mit großen Augen ansieht. Offenbar hat es unter dem Küchentisch gespielt. Vasily legt seinen Zeigfinger auf die Lippen, wühlt in seiner Tasche und schenkt dem Kind einen Schokoriegel. Das Kind schaut ihn fasziniert an und sagt keinen Ton. Vorsichtig zieht sich Vasily aus der Küche in den Flur zurück und tritt mit Samir zusammen den Rückzug in den oberen Stock an. Das Kind schaut ihnen mit weit aufgerissenen Augen nach, gibt aber immer noch kein Ton von sich. Beide Männer verlassen ohne weitere Aufsehen zu erregen schließlich wieder das Haus.

Endlich treffen alle Agenten wieder zusammen. Sie fahren zum Hotel Dracula, das offenbar touristischer Treffpunkt von Gothic-Anhängern aus unterschiedlichsten Ländern ist. In einem mit Knoblauchknollen ausgehängtem Eingangsraum werden die Agenten von einer älteren Frau in einem der landesüblichen bunten Röcke und bestickten Blusen begrüßt. Sie beziehen ihre Zimmer, kehren dann zurück zum Empfang und verwickeln die Frau in ein Gespräch über Bistritz, Dracula, Wahrheit und Mythos. Die Frau gibt sich mysteriös und kann eine Menge Legendenschnickschnack erzählen, der bei Touristen sicherlich gut ankommt. Etwas hellhörig werde die Agenten allerdings bei der Erwähnung von der Burg des Grafen Dracula, die sich scheinbar irgendwo hier in der Nähe befunden haben muss. Schon viele seien aufgebrochen um sie zu finden. Manche seien nicht wieder zurückgekehrt. Gefunden habe die Burg noch niemand. Mit angstvollem Gesichtsausdruck warnt die Wirtin die Agenten: „Sucht nicht nach Draculas Burg! Das ist gefährlich!“ Immerhin verrät sie trotzdem, dass die Burg vor langer Zeit irgendwo in der Nähe des Borgo-Passes gelegen haben muss. „...und wer auf seiner Suche bis Vatra Dornei kommt, der hat sie wohl verpasst!“ Es ist spät geworden und die Agenten gehen zu Bett. Samir verabschiedet sich mit den Worten: „Was für ein Geschwätz!“

Am nächsten Morgen belauschen die Agenten die Gothic-Anhänger im Frühstücksraum. An einem Nachbartisch unterhalten sich ein paar schwarzgekleidete junge Menschen darüber, dass in Stokers Roman Jonathan Harker versucht hat, über die Post von Bistritz Hilfegesuche nach England zu verschicken. Samir lacht verächtlich und erzählt seinen Kollegen den wahren Sachverhalt: „Im Roman zwingt Graf Dracula Harker ein paar beruhigende Briefe an ihm nahestehende Personen in England zu schreiben und bringt sie dann selbst zum Postamt von Bistritz.“

Die Agenten recherchieren auch noch ein paar Stellen aus dem Dracula Dossier zu diesem Thema und stoßen immerhin auf die Information, dass irgendwo auf dem Weg zur Burg des Grafen Dracula blaue Flämmchen aus dem Boden kommen sollen. Cevas hält einen kleinen Vortrag über geographische Bedingungen, die solche Phänomene ermöglichen könnten, und denkt an das Wort „tellurisch“, auf das sie bei ihren Nachforschungen schon ein oder zweimal gestolpert sind.

Letztlich dreht sich ihr Gespräch aber um das Bistritzer Postamt, das nun schon zum zweiten Mal erwähnt wurde. Nachdenklich beschließen die Agenten, sich das Gebäude einmal anzusehen. Etwas später befindet sich Cevas in der Schalterhalle und kauft ein paar Briefmarken. Zwischen den Arbeitsplätzen der Angestellten und dem Kundenbereich befindet sich eine Glasfront. Eine Tür führt in den hinteren Bereich des Gebäudes, eine weitere führt zu einem Gang, der mit dunklem Glas vom Rest der Halle abgetrennt und von der Schalterhalle aus einsehbar ist. Er scheint zu einem Treppenhaus zu führen. Die Schlösser an den Türen scheinen nicht allzu kompliziert zu sein. Ein paar Meter weiter hackt sich Vasily in das Sicherheitssystem der Post. Drei Überwachungskameras filmen die Schalterhalle, einen Gang und einen Tresorraum. Das Archiv unter dem Dach scheint nicht unter besonderer Beobachtung zu stehen.

„Scheint nicht allzu schwierig zu sein“, behauptet Vasily und die Agenten beschließen in der Nacht ins Dachgeschoss der Post vorzustoßen. Bis es soweit ist, nehmen die Agenten noch einmal ganz genau das verlassene Haus unter die Lupe, dessen Adresse der Menschenschlepper auf seiner Karte notiert hatte. Hier finden sich keine neuen Hinweise... bis auf eine Karte, die in einen Riss im Boden an der Wand gerutscht ist. Es handelt sich um den Flyer eines Bukarester Nachtclubs namens „Club Colectiv“. Vasily rechercheirt ein wenig, was sich über den Club herausfinden lässt und stößt auf Berichte über Mafiamachenschaften und Schwierigkeiten mit der Polizei.

Der nächtliche Einbruch in das Provinzpostamt ist für die erfahrenen Agenten kein großes Problem. Um Mitternacht stehen sie im Dachgeschoss vor einem relativ geräumigen Archiv, in dem sich eine Menge Aktenschränke befinden. Die Agenten beginnen mit ihrer Recherche.

Irgendwann meldet sich Samir: „Schaut mal hier!“ Er hat einen Eintrag aus dem Jahr 1980 gefunden, der aufzeigt, dass ein gewisser Graf De Ville vom Postamt Bistritz aus ein Telegramm an ein Institut namens NIEP geschickt hat. „Der Name ist ein Witz, oder?“ Vasily überprüft die Anschrift: das NIEP ist das National Institute for Earth Physics, ein geologisches Institut in Bukarest, das Rumäniens seismographische Aktivitäten erforscht und die entsprechenden Daten sammelt und auswertet. Miten in ihren Überlegungen erklingt plötzlich ein deutlich vernehmbares „Hu!“ aus dem Dachstuhl. Samirs Taschenlampe leuchtet eine Eule an, die sich offenbar von den Aktivitäten der Agenten gestört fühlt. Samir richtet seine Taschenlampe in eine andere Richtung und die Agenten überprüfen die Akten auf weitere Einträge mit dem Namen De Ville. Schließlich können sie feststellen, dass der Graf von 1977 bis 1998 insgesamt acht Telegramme und Eilbriefe an das NIEP geschickt hat. 1977 ist das NIEP gegründet worden, 1998 hat die Post offenbar ihren Datenbestand digitalisiert, es gibt im Archiv unter dem Dach keine neueren Dokumente. Vasily hackt sich erneut in das Sicherheitssystem der Post und lässt die Überwachungskameras eine Dauerschleife abspielen. Als die Agenten das Dachgeschoss verlassen, stören sie erneut die Eule, die verärgert aus einem Loch zwischen den Ziegeln schlüpft und in die Nacht davon fliegt.

Dann begeben sich die Agenten in die Bürostuben im Erdgeschoss. Der Arbeitsplatz von Boian Adamache ist nicht weiter ungewöhnlich, Vasily hackt sich allerdings noch in die Datenablage der Post und findet weitere Aufträge des Grafen De Ville. Der jüngste ist acht Jahre alt. Alle deuten auf Sendungen an das NIEP hin. Nachdenklich verlassen die Agenten die Post und begeben sich ins Hotel Dracula.

Am nächsten Tag frühstücken die Agenten spät. Vasily entdeckt auf seinem Laptop eine seltsame Email. Eine gewisse Mihaela Alina Dragan, angeblich Mitarbeiterin des NIEP, zeigt sich bereit, Vasily eine interessante Stelle am „Piatra Corbului“ zu zeigen. Vasily soll am Nachmittag dort sein! Wie kommt Vasily zu so einer Email? Er macht einen Sicherheitscheck und stellt fest, dass jemand seinen Laptop gehackt hat. Vasily schmeißt daraufhin alle Dokumente von seiner Festplatte und baut sein Laptop völlig neu auf. Die anderen Agenten verabschieden sich inzwischen von ihrer Wirtin und checken aus.

Später forschen sie nach, was sich hinter dem Begriff „Piatra Corbului“ verbirgt. Die Worte heißen „Rabenfelsen“ und es gibt in Rumänien mindestens vier oder fünf von ihnen. Einer allerdings ist in einem Naturschutzgebiet keine zehn Kilometer von Bistritz entfernt. Es ist ein etwa 40 Meter hohes Steinmassiv, das sich mitten in einem nahegelegenen Wald befindet. „Sieht wie eine Falle aus...“, meint Yuri. „...begeben wir uns also hinein!“, antwortet Samir.

Die Agenten fahren hin. Irgendwann geht die Straße in einen Feldweg über. Mit dem Auto geht es hier nicht weiter. Die Agenten steigen aus. Vasily kundschaftet mit seiner Drohne die Umgebung. Von der Spitze des Steinmassivs hat man einen guten Ausblick, aber der Weg dort hinaus ist sehr aufwändig und zudem eine gefährliche Kletterpartie. Ansonsten ist die Gegend gut gewählt. Der Weg stößt an seinem Ende direkt auf die Felswand und weitet sich zu einem kleinen Platz, auf dem offensichtlich hin und wieder gegrillt wird oder Lagerfeuer angezündet werden. Bis dorthin ist der Wald zu beiden Seiten des Weges schlecht einsehbar. Hier können überall Gegner und Gefahren lauern.

Die Gruppe teilt sich. Vasily und Cevas folgen langsam dem Weg. Die anderen kämpfen sich durch das Walddickicht. Plötzlich raschelt es und Äste knacken. Zwei, drei Meter vor Kristina rauscht ein Wolf durch den Wald. Kristina schießt, trifft das Tier, das laut aufheult, dann aber weiterläuft. Wenige Sekunden später brechen von unterschiedlichen Seiten fast zeitgleich zwei Wolfsrudel aus dem Wald, insgesamt sind es nicht ganz 20 Tiere, die auf Vasily und Cevas zu halten. Vasily ruft: „Los, auf die Bäume!“, und springt nach oben. Seltsamerweise wird er nicht behelligt. Alle Wölfe scheinen es auf Cevas abgesehen zu haben. Noch bevor der große Mann sich auf einen Ast ziehen kann, erreicht ihn ein besonders schnelles Tier und fügt ihm eine schmerzhafte Bisswunde am Bein zu. Glücklicherweise kann Cevas seinen Gegner aber abschütteln. Fünfzehn Meter weiter im Wald wühlt Samir in seiner Ausrüstung und fördert eine Tränengasgranate zutage. Er wirft sie direkt zwischen die Wolfsrudel, die zu heulen beginnen und schließlich wieder im Wald verschwinden. Eine genauere Untersuchungen der Gegend fördert keine weiteren Erkenntnisse. „In der Tat, eine bösartige Falle“, sagt Cevas, „...aber wer setzt auf so eine Art und Weise Wölfe ein?“

Beim Auto angekommen überlegen die Agenten, wie es weitergeht. Suchen sie nach Burg Dracula? Sie beschließen, erst einmal nach Bukarest zurückzukehren. Hier haben sie mehrere Spuren offen: Was geschieht in diesem Erdbebenforschungsinstitut? Hat Aishe Balan über Ion und Donka herausbekommen, wie sich ein Kontakt zu einem phuri der Ruvari Sgzani herstellen lässt? Welche Verbrecher agieren vom Club Colectiv aus?

Auf dem Rückweg kommt es zu einem letzten beunruhigenden Ereignis. Cevas´ Handy hat eine SMS empfangen. Dr. Schwaitzer, eine in Bern ansässige jüdische Ärztin, mit der Cevas sehr vertraut ist, schreibt: „Das Handy, von dem aus ich diese SMS schreibe, werde ich hinterher vernichten, keine Sorge Cevas. Ich will dir nur erzählen, dass gerade das Interpol meine Wohnung auseinandernimmt.  Ich habe keine Ahnung warum. Pass auf dich auf!“

-

Insgesamt läuft die Sache einigermaßen. Die Gruppe ist mit einer Sandbox nicht so ganz vertraut und wundert sich auch regelmäßig über die vielen Spuren, so langsam gewöhnen sie sich aber daran, dass sie einfach nicht allem nachgehen können.

Der Kampf gegen die Wölfe war ein bisschen Action, aber sehr schnell entschieden. Ich kann´s auch nicht ändern und hoffe auf die zunehmend drastischeren Aktionen der Verschwörung und Operation Edoms. Soviel kann ich aber schon sagen: Wenn man sich auf Ebene 1 und 2 an die Vorschläge hält, steigt die Spannungskurve doch recht allmählich.

Ich muss auch ein bisschen aufpassen, dass ich wenigstens ein paar Fäden zusammenbekomme und nicht immer nur neue Spuren lege. Mal sehen.
« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:32 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #12 am: 26.09.2020 | 17:54 »
Im Institute for Earth Physics (9)



Auf ihrem Weg zurück nach Bukarest liefern die Agenten erst einmal Cevas in einem Krankenhaus ab. Er bekommt wegen seines Wolfsbisses eine Behandlung gegen Tollwut und Tetanus, danach fahren sie weiter nach Bukarest. Bei ihrer Ankunft ist es schon Nacht, daher nehmen sich Agenten gleich ein Hotelzimmer und gehen erst einmal schlafen. Diesmal fällt ihre Wahl auf das Pullman Bucharest World Trade Center, eine preiswerte Unterkunft im Norden der Stadt. Ihre Zimmer befinden sich im ersten Stock.

Am nächsten Morgen machen sie sich auf den Weg zu Aishe Balan. Sie hoffen darauf, dass die Menschenrechtsaktivistin den beiden geretteten Kindern Ion und Danka ein paar Informationen über die Roma-Sippe der Ruvari Sgzani entlocken konnte. Als sie auf einer Fußgängerbrücke eine verkehrsreiche Straße überqueren und ihr Weg auf der gegenüberliegenden Seite wieder abwärts führt, fällt Cevas´ Blick auf eine kleine Grünfläche. Er entdeckt einen kleinen Gulli, dessen Deckel angehoben ist. Ein junger Mann – oder ist es eine Frau? – streckt den Kopf aus dem Gulli, dreht ihn in seine Richtung und starrt ihn an. Cevas sieht in den Augenhöhlen schwarz leuchtende Löcher, das Gesicht wirkt grau. Cevas reibt sich die Augen und sagt dann seinem Kameraden Bescheid. Diese können allerdings nur noch erkennen, wie sich der Gullideckel wieder schließt. Die Gestalt ist verschwunden. Cevas erzählt, was er gesehen hat, stöhnt und meint, irgend etwas stimme nicht mit ihm. An einer kleinen Aufklärungsmission in die Abwässerkanäle unter Bukarest hat niemand Interesse und so erreichen die Agenten wenig später ihr Ziel.

Aishe Balan erzählt den Agenten, dass sich Ion und Donka von den vergangenen Erlebnissen wieder einigermaßen erholt haben. Am kommenden Tag seien sie bei ihr zu Besuch, ihre Freunde könnten doch auch zum Kaffeetrinken vorbei kommen! Die Agenten sagen erfreut zu.

Dann werfen die Agenten einen ersten Blick auf das National Institute for Earth Physics (NIEP). Das Gebäude ist ein relativ großer, zweistöckiger, moderner Glasbau und scheint ausschließlich Büros und Labore zu beherbergen. Während Kristina vor dem Gebäude in einem Auto auf sie wartet, öffnen die anderen eine große Glastür und betreten das dahinter befindliche Foyer. An den hier befindlichen Tischen sitzen drei Männer und unterhalten sich, einen weiterer Mann steht an einem Empfangstisch und schenkt auch Kaffee aus. Er nickt den Agenten mit einem fragenden Blick zu, spricht sie aber nicht an. Auf Wegweisern finden sich Zimmernummern und ein Hinweis auf die Richtung, in der die Labore liegen. Im Gebäude scheint es zwar keinen Besucherverkehr zu geben, die Sicherheitsvorkehrungen sind aber nicht allzu groß. Nach einer Weile nicken die Agenten dem Mann am Empfang freundlich zu und gehen wieder.

Der Rest des Tages verstreicht damit, dass Yuri seinen Kollegen und sich selbst falsche Identitäten verpasst. Vasily recherchiert im Netz nach einer Elektronikfirma, die im NIEP für die Computerwartung zuständig ist oder zumindest sein könnte. Seine Wahl fällt auf eine Firma namens PJ Interactive Romania. Yuri fälscht in seinem Hotelzimmer ein paar Dienstausweise und einen Wartungsauftrag für das NIEP. Die anderen Agenten machen Pause.

Irgendwann gegen Abend scheint sich etwas auf der Straße vor ihrem Hotel zu ereignen. Reifen quietschen und eine Frau stößt auf Englisch eine Menge unflätige Flüche aus. Cevas und Samir schauen aus dem Fenster und erblicken eine junge Frau, die möglicherweise betrunken ist und sich mühsam an der Hauswand des Hotels abstützt. Offensichtlich hat sie in ihrem Rausch unvorsichtig die Straße überquert. Cevas kommt die Gestalt seltsam bekannt vor und bald schon weiß er auch, um wen es sich handelt. Es ist Tabitha Holmwood, ein It-Girl, das fast wöchentlich in irgendwelchen Boulevardblättern zu sehen ist. In der Regel verursacht sie Skandale und wird zusammen mit Popstars, heißen, jungen Schauspielern oder Mitgliedern irgendwelcher Königsfamilien zusammen gesehen. Sie selbst ist die Königin aller arroganten, reichen Europäer.

Als Cevas Samir von seiner Erkenntnis berichtet, wird dieser nachdenklich und sagt: „Holmwood? Was für ein seltsamer Zufall!“ Er erzählt davon, dass einer der Männer, die in Bram Stokers „Dracula“ den Vampirfürsten gejagt haben, den Namen Arthur Holmwood trug. Der Protagonist bekommt später den Titel „Lord Godalming“ verliehen. „Godalming?“, fragt Cevas. „In der Presse wird Tabitha Holmwood ihrer vielen Skandale wegen öfter als „Lady Goddamning“ bezeichnet. Einen langen Blick später ist der Entschluss gefasst: Cevas und Samir laufen vor das Hotel und helfen der berauschten jungen Frau ins Hotel, wo sie ein Extrazimmer für sie im 2. Stock bekommen. Tabitha ist fast bis zur Blindheit betrunken, murmelt noch ein letztes „Wo bin ich?“, dann fällt sie in einen tiefen Schlaf. Cevas untersucht sie ein wenig. Er will wissen, ob ihr irgendjemand K.O. Tropfen oder ähnliches verpasst hat. Ihr Zustand lässt aber abgesehen vom Alkohol eher auf Kokain schließen. Kristina setzt sich zu der Schlafenden und hält Wache.

Tabitha Holmwoods ersten Worte nach ihrem Erwachen am nächsten Morgen sind: „Wach? Champagner!“ Kristina ruft ihre Mitstreiter herbei und entnimmt der Minibar eine Flasche Piccolo, kein Champagner, aber besser als nichts. Tabitha justiert die Beleuchtung im Zimmer. Eine Frau wie sie muss immer darauf gefasst sein, fotografiert zu werden und dann aber doch bitte bei bester Beleuchtung! Anschließend verbringt sie 20 Minuten mit ihrem Smartphone. Dann ist sie ansprechbar.

Die Agenten erfahren, dass Tabitha das schwarze Schaf einer großen Familie ist, mit der sie aber gebrochen hat. Vasilys Recherchen ergeben, dass der von Bram Stoker verewigte Arthur Holmwood ihr Ururgroßvater war. Tabitha sagt der Name nichts. Sie berichtet aber von einem Philip Holmwood, der das gegenwärtige Oberhaupt der Sippe zu sein scheint und den Titel Lord Godalming trägt. Dieser Mann ist Mitte 50 und eines der auffälligeren Mitglieder im House of Lords. Nach einer Zeit in der britischen Armee und der Rüstungsindustrie sitzt Philip Holmwood inzwischen im Komitee für Nationale Sicherheitsstrategie, das in der britischen Politik eine beratende Rolle für Verteidigung und langfristige strategische Planung ausfüllt. Der Mann ist bekannt für seinen Ruf nach militärischen Interventionen in Übersee und war eine der lautesten Stimmen für einen aktiven Einsatz britischer Truppen im Krieg gegen den Islamischen Staat. Tabitha weiß von alledem nicht viel. Sie verachtet den Mann weil er ein Langweiler ist und vor allem, weil er sie nicht mehr zu den großen Familienfesten einlädt.

Nachdem die Agenten mit Tabitha eine Weile gesprochen haben, schlägt Cevas ihr vor, eine Patenschaft für zwei Roma-Kinder zu übernehmen. Das könnte sich positiv auf ihr Image auswirken. Einen entsprechenden Fototermin könne er organisieren. Die Sache würde sie vielleicht 300 € im Monat kosten, wodurch den beiden Jugendlichen eine vernünftige Ausbildung finanziert werden könnte. Tabitha ist unsicher, sagt aber irgendwann zu.

Schließlich will Vasily wissen, warum sich Tabitha überhaupt gegenwärtig in Bukarest aufhält. Tabitha erzählt, sie habe in Bukarest einige Freunde. Außerdem besitze die Stadt ein großartiges Nachtleben. Cevas fragt sie, ob sie den Club Colectiv kenne. Tabitha bestätigt das und behauptet, sie gehe dort häufig ein und aus. Vasily fragt Tabitha, ob es möglich sei, dass sie die Agenten bei einem solchen Besuch einmal mitnehme... vielleicht sogar schon am heutigen Abend? Tabitha schaut die Agenten skeptisch an, aber Vasily gibt sich derart überzeugend als Mann von Welt, dass sie schließlich sagt: "Warum nicht? Allerdings gehen wir vorher ein paar Anzüge kaufen. In diesen Aufzügen führe ich euch nicht in den Club."

Die Agenten verabreden sich für den Nachmittag im Hotel Intercontinental. Sie wollen Tabitha Holmwood zu ihrem Treffen mit Aishe Balan, Ion und Donka mitnehmen, hinterher shoppen gehen und am Abend dann im Club Colectiv vorbeischauen.

Zunächst einmal statten die Agenten aber dem NIEP einen zweiten Besuch ab. Mit ihren Ausweisen als Elektrotechniker kommen sie leicht am Empfang vorbei. Der dort arbeitende Mann schickt sie zum IT-Beauftragten des Instituts, einem gewissen Sasha Kostevych. Vasily bedankt sich, nimmt aber den direkten Weg und knackt das Schloss zwei Türen neben dem Raum von Kostevych. Hier befindet sich der Serverraum, in dem sich die Agenten erst einmal in Ruhe umsehen. Mit Durchgangsverkehr ist hier nicht zu rechnen. Vasily verschafft sich Zugang zu den gespeicherten Daten und Dokumenten, gibt ein paar Suchbegriffe wie „Erdbeben“, „Dracula“, „Graf De Ville“, „tellurisch“ u. ä. ein und beginnt mit einigen Stichproben. Dabei stößt er auf relativ viel Material, dass sich vor Ort nicht sinvoll auswerten lässt. Immerhin scheinen Informationen über Erbebentätigkeiten auf der ganzen Welt zusammengetragen worden zu sein. Neben Bukarest finden sich auch Aufzeichnungen zu seismischen Aktivitäten in Istanbul, Haiyuan, Tangshan, Erzurum, Izmit und Ravenna. An einigen Stellen wird auf „Materialien für Graf De Ville“ verwiesen. Fast sieht es so aus, als seien diese Materialien nicht digitalisiert und befänden sich irgendwo in einem Archiv.

Heimlich schleichen die Agenten an einigen Laboren vorbei und erreichen schließlich am Ende des Erdgeschosses eine Tür mit dem Schild „Dokumente und Materialien“. Schnell verschafft Vasily den Agenten Zugang zu dem Raum, in dem viele Pappkartons und Dokumentenmappen aufbewahrt werden. Der Raum enthält auch einen Notausgang, der über ein paar metallene Stufen nach draußen auf die Straße führt. Die Agenten beginnen nach den Materialien für Graf De Ville zu suchen und werden irgendwann auch fündig. Dann allerdings verlässt sie ihr Glück. Schritte sind zu hören, irgendjemand betritt den Raum. Schnell greifen sich die Agenten zwei Umschläge und fliehen dann über den Notausgang nach draußen.

Zurück im Hotel sichten die Agenten, was sie gefunden haben. Im ersten Umschlag steckt eine große Karteikarte, auf die drei alte englische Zeitungsberichte über Erdbebentätigkeiten auf dem Balkan geklebt wurden. Eines dieser Beben fand 1893 in Rumänien, das zweite 1894 in Bukarest und das dritte 1894 in Odessa statt. Die Karteikarte ist mit den Worten „Seismologische Berichte aus Rumänien – Operation Edom“ überschrieben. Jemand hat handschriftlich am Rand hinzugefügt: „an Blacknest übersendet 13/11/77“.

Der zweite Umschlag enthält einen Bericht aus dem Jahr 1910 über verschiedene wichtige Erdbebentätigkeiten in der rumänischen Geschichte von 815 bis 1908. Die behandelten Erdbeben werden dabei mit kriegerischen Auseinandersetzungen und anderen bedeutsamen historischen und teilweise auch mysteriösen Ereignissen, die nach Vampirismus klingen, in Zusammenhang gebracht. So ist von einem Heerführer die Rede, der eine Halswunde erlitten habe, Vlad Țepeș III wird erwähnt, ebenso die Blutfürstin Elisabeth Bathory, außerdem finden Hexenjagden in Schottland, zerstörte Städte in Persien, die Freimaurer, Ausgrabungen am Vesuv, ein im Schwarzen Meer versunkenes Schiff namens HMS Proserpine, die rumänische Ölförderung und die Besetzung Bulgariens durch Österreich-Ungarn Erwähnung. Offenbar werden mehrere Erdbeben der Jahre 1893/94 in Putna auch mit den Geschehnissen in Verbindung gebracht, die in Stokers „Dracula“-Roman beschrieben werden. Mal scheinen die Erdbeben als Folge der Ereignisse angesehen zu werden, mal scheinen sie ihr Auslöser zu sein. Unterschrieben ist das Dokument mit „Oholibamah“. Recherchen liefern Hinweise auf eine jüdische Frau dieses Namens, die in der Torah erwähnt wird.

Cevas und Kristina fassen die Erkenntnisse zusammen: Die Rätsel sind nicht gelöst, wir haben aber ein weiteres Puzzlestück gefunden. Möglicherweise geraten durch Erdbebenaktivitäten tellurische Bakterien an die Erdoberfläche, die auf irgendeine Art und Weise Einfluss auf vampirische Aktivitäten nehmen. Diese Aktivitäten können offenbar auch größere historische Dimensionen annehmen.

Den Agenten brummt der Schädel, aber sie müssen sich ohnehin um andere Angelegenheiten kümmern und machen sich deshalb auf den Weg zum Hotel Intercontinental, wo sie mit Tabitha Holmwood verabredet sind. In der Hotelbar winkt ihnen die junge Frau bereits zu. Sie ist aber noch im Gespräch mit einem persisch wirkenden Mann, der ihr ein paar Päckchen mit weißem Pulver zuschiebt. Offensichtlich hat Tabitha eine Lieferung Rauschgift entgegengenommen. Sie verabschiedet sich von dem Mann und begibt sich dann mit den Agenten nach draußen, wo alle zusammen das Opfer zweier Paparazzi werden. Die Gruppe wird von Blitzlichtern erleuchtet und gefragt, wohin es denn gehe. Tabitha greift ihren Begleitern souverän unter die Arme und sagt: „Lasst uns ein Taxi nehmen. So werden wir sie am schnellsten wieder los“.

Mit dem Taxi fahren die Agenten und Tabitha in das Bukarester Roma-Viertel  Ferentari. Am Ende müssen sie sich aber zu Fuß durch die engen Straßen zu Aishe Balans Haus begeben. Die dreckige Gegend, die armen Anwohner und das Pflaster der Straßen versetzen Tabitha auf ihren Pfennigabsätzen in Stress. Sie klammert sich an den stärksten Mann der Gruppe: Cevas. Schließlich erreichen sie die Calea Moraru 15, Aishe Balans Haus. Am Esstisch beginnt zunächst einmal Tabithas Ritual. Sie verlangt einen Champagner, bekommt von Aishe Balan aber nur einen Rotwein mäßiger Qualität. Dann richtet sie die Lampen im Zimmer auf ihren Sitzplatz und verbringt längere Zeit mit ihrem Smartphone.

Die Agenten sprechen in der Zwischenzeit mit Aishe Balan und Ion und Donka. Sie erfahren von einem Ort namens Andreiașu de Jos, irgendwo in den östlichen Ausläufern der Karpaten. Die beiden Kinder berichten von „focul viu“, lebenden Feuern, die dort aus dem Boden kommen sollen. Vor ihrer Ankunft in Bukarest seien sie mit ihrer Familie öfter dort gewesen. Die Agenten schauen sich an: Könnte es an diesem Ort eine Möglichkeit geben, mit den Ruvari Sgzani Kontakt aufzunehmen? Vasily recherchiert, dass es an dem Ort wohl irgendwelche Gasemissionen gibt, die in brennender Form aus dem Erdreich kommen. Cevas fragt Aishe Balan, ob es nicht vorteilhaft sein könnte, die Kinder wieder dorthin mitzunehmen. Die Menschenrechtsaktivistin ist unsicher: die Eltern der Kinder sitzen im Gefängnis und was von den anderen Verwandten zu halten ist, bleibt offen. Immerhin genießen die Ruvari Sgzani den schlechtesten Ruf aller Roma Sippen. Wenn die Agenten sich aber zu diesem Ort aufmachen sollten, könnten sie ja vielleicht einmal auskundschaften, wie die Bedingungen für eine Rückführung der Kinder zu ihren Verwandten aussehen. Grundsätzlich finde sie das jedenfalls keine schlechte Idee. Die Agenten versprechen, sich darum kümmern zu wollen.

Tabitha Holmwood hat aufgrund der stressigen Umstände inzwischen am Küchentisch eine Dosis Kokain gezogen und so zu ihrer alten Form zurückgefunden. Die Kinder sehen ihr interessiert zu. Tabitha bietet ihren „neuen Freunden“ eine Dosis an, die aber dankend ablehnen. Es wird Zeit für das Foto. Donka setzt sich auf Tabithas Schoß, Ion stellt sich neben sie. Die Lächeln der Kinder wirkt etwas gezwungen, Lady Goddamning blickt mit ihrem professionellen Lächeln in die Kamera. Im Anschluss nimmt Vasily ein paar Sätze Tabithas auf, die Aishe Balan ihr vorspricht. Tabitha erzählt von der Armut der Straßenkinder in Bukarest, von den fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten und von den schlechten Lebensbedingen im Roma Viertel Ferentari. Am Schluss bittet sie um Nachahmer, die wie sie selbst bereit sind, eine Patenschaft für diese Kinder zu übernehmen.

Aishe Balan erzählt den Agenten, dass ihre Webseite in letzter Zeit nicht mehr allzu gut gepflegt ist und sich wahrscheinlich gegenwärtig auch nicht mehr allzu viele Besucher dorthin verirren. Vasily und Yuri erzählen ihr, dass sich das leicht ändern ließe, sie soll sie nur machen lassen. Das ist der Moment, an dem Aishe Balan zu ahnen beginnt, dass sie dabei ist, sich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang einzulassen. Einen Moment zögert sie, dann sagt sie aber: „Was soll´s? Wer nichts wagt, erreicht auch nichts.“

Tabitha Holmwood wird inzwischen unruhig. Sie hat lange genug in dieser dreckigen, unangemessenen Umgebung verbracht und Mutter Theresa gespielt. Daher verlangt sie, sofort in die Innenstadt gebracht zu werden. Die Agenten verabschieden sich und folgen ihr. Cevas erinnert sie einige Male daran, dass sie einen Dauerauftrag an Aishe Balan über 300,- € monatlich abschließen soll. Irgendwann zuckt sie mit den Achseln, führt einen Anruf und die Sache ist geregelt. Schließlich besucht sie mit den Agenten einige der teuersten Herrenausstatter der Stadt. Cevas, Yuri, Vasily und Samir werden eingekleidet und greifen dafür etwas tiefer in die Tasche. Am Ende behauptet Tabitha, dass sie mit dieser Klamotten keinen Ärger bekommen sollten, wenn sie am Abend mit ihr zusammen in den Club Colectiv gehen wollen. Die Agenten hoffen, dass sie Recht behält.

-

Das war ein Abend mit viel Rollenspiel. Der Spieler von Samir hat gefehlt, was etwas schade war. Es ist nämlich der Spieler, der Stokers Dracula am besten kennt. Tabitha Holmwood ist eine tolle Nichtspielerfigur, die mir großen Spaß macht. Ansonsten war´s mal wieder Recherchearbeit. Das Dracula Dossier hat doch einiges an Hintergrundmaterial und wenn die Agenten ernsthaft darauf einstiegen gibt es viel zu entdecken.

Andreiașu de Jos und seine "focul viu" habe ich bereits in meiner eingeschlafenen "Unto the fourth generation" Runde eingesetzt. Der Ort passt mir auch hier ganz gut ins Konzept, weshalb ich ihn ein wenig modernisieren und ausschlachten werde.

Ich habe immerhin jetzt eine ganz vage Vorstellung gewonnen, welche Richtung das Ganze einschlagen könnte. Noch ist davon nicht viel zu verspüren, aber beim nächsten Mal spielen wir den Besuch im Club Colectiv, da lassen sich einige Weichenstellungen vornehmen. Vielleicht kommt es auch zu etwas Action. Wäre ja mal ´was.
« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:32 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #13 am: 2.11.2020 | 20:35 »
Lebende Feuer (10)



Nach ihrem Einkauf mit Tabitha Holmwood gehen die Agenten in einem ihrer Hotelzimmer noch einmal die beiden im NIEP erbeuteten Dokumente durch und können noch ein paar mit ihnen zusammenhängende Details in Erfahrung bringen.

Die weißen Frauen, die sich in den schottischen Highlands von Kinderblut ernährt haben und in einer Hexenjagd von 1620 verfolgt wurden, sollen noch nach ihrem Tod in New Slains Castle umgehen. Diese Festung scheint Stokers Vorbild für die Schilderungen von Burg Dracula gewesen zu sein.

Die HMS Proserpine war ein Schiff der Royal Navy und seit 1896 in Betrieb. Sie befand sich 1901 im Schwarzen Meer um Tiefenmessungen durchzuführen als sie durch ein Seebeben beschädigt wurde. Später wurde allerdings behauptet, sie sei vor der Küste von Sheerness beschädigt worden. Es sieht so aus, als sollte ihre Mission im Schwarzen Meer nicht öffentlich bekannt werden. 1919 wurde sie verschrottet.

Der erwähnte Landstrich Putna trägt heute den Namen Vrancea. Er ist das seismisch aktivste Gebiet Europas. Die Agenten erfahren, dass es dort 1893/94, 1940 und 1977 stärkere Erdbebentätigkeiten gab. Aus denselben Jahren stammen die handschriftlichen Kommentare des Dracula Dossiers. Außerdem befindet sich in dieser Gegend auch Andreiașu de Jos, der Ort, an dem die lebenden Feuer („focul viu“) aus dem Erdreich flackern und sich die Ruvari Sgzani öfter blicken lassen. Die Agenten beschließen, sich diese Gegend nach ihrem Besuch im Club Colectiv anzuschauen.

Am Abend besuchen die Agenten mit Tabitha Holmwood den Nachtclub Colectiv. Kristina bleibt bewaffnet im Auto vor der Tür, Yuri gelingt es, zwei Schnappmesser am Türsteher vorbei zu schmuggeln, ansonsten sind die Agenten unbewaffnet. Der Ort wird bevorzugt von kleinen und größeren Verbrechern aus Osteuropa besucht. Tabitha Holmwood scheint einige Anwesende zu kennen und tuschelt auch hin und wieder mit einem der Gäste. Ihr Anschein des naiven, reichen It-Girls gerät etwas ins Wanken. Cevas und Samir geben sich als ihre Bodyguards aus und gewinnen den Eindruck, dass sie in Drogenschmuggel involviert ist.

Yuri steht mit Vasily an der Bar und gerät irgendwann mit einem Besucher ins Gespräch. Nach außen hin gibt er sich den Anschein, über Vodka und andere Schnäpse zu fachsimpeln, ganz nebenbei erfährt er aber von seinem zwielichtigen Gesprächspartner, dass die eine russische Mafiaorganisation namens Lisky Bratva irgendwelche größeren Aktionen zu planen scheint. Ende November wollen sie verstärkt Drogen und Prostituierte in die Stadt bringen, die irgendwelchen Gesandten zur Verfügung gestellt werden sollen. Bis dahin ist noch gut vier Monate Zeit, die Stimmung unter anderen kriminellen Banden in Bukarest ist aber jetzt schon unruhig. Yuri erfährt, dass man die Aktivitäten der Lisky Bratva als Einmischung empfindet. Im Dezember soll gerüchtehalber irgendeine Konferenz in Bukarest stattfinden. Den örtlichen Mafiagruppen wurde empfohlen – von wem auch immer – sich nicht einzumischen. Die Lisky Bratva scheint hinsichtlich dieser Konferenz besonders im Intercontinental Hotel irgendwelche Vorbereitungen zu treffen.

Ein paarmal wird es für Yuri knapp und ein paar finstere Blicke mustern ihn von oben bis unten. Dennoch kann er eine Auseinandersetzung verhindern. Die Agenten verlassen früh genug den Ort und verabschieden sich vorerst von Tabitha Holmwood.

Am nächsten Tag machen sie sich nach einem späten Frühstück in einem Leihwagen auf den Weg nach Focsani. Auf ihrer Fahrt bekommt Vasily einen Anruf von Albert Oakes, dem britischen Geheimdienstmitarbeiter, den er in Wien kennengelernt hat. Albert erzählt ihm, dass er im Moment Urlaub in Constanta an der Schwarzmeerküste macht und eine wichtige Information für Vasily besitzt. Vasily fragt ihn, um was es sich handele. „Im Wesentlichen um ein Foto“, sagt Albert Oakes. Vasily bittet Albert Oakes, ihm das Foto zuzuschicken. Er richtet dafür einen geschützten Bereich im Darknet ein. Ein paar Minuten später bekommt er das Bild. Es ist ein Foto von der Rückseite des Pullman Bucharest World Trade Centers, des Hotels, das sie vor einem halben Tag verlassen haben. Vor dem Hintereingang liegen drei oder vier blutüberströmte Leichen. Mit ihrem Blut hat jemand „Vasily Zhukov“ und „Osip Dmitrievich“ an die Wand geschrieben: Vasilys wahrer Name und der Name einer seiner falschen Identitäten. Vasily ist geschockt.

Am Telefon erzählt Albert Oakes, dass er das Foto von einer Zeitung bekommen habe. Es sei wahrscheinlich, dass es in Kürze irgendwo in Bukarest veröffentlicht wird. Dann hält Albert Oakes Vasily über das Telefon eine kleine Ansprache: „Vasily, es gibt noch andere Menschen, die sich um diese Angelegenheit kümmern. Mich zum Beispiel. Glaub mir, unsere Organisation besitzt in diesen Dingen langjährige Erfahrung und macht ihre Sache gegenwärtig gar nicht schlecht. Die Informationen, auf die du dich mit deinen Freunden stützt – dieses Dracula Dossier und die Geschichten von Agi Kozorus – sind nicht vertrauenswürdig. Lass mich dir deshalb einen freundlichen, wohlmeinenden Ratschlag geben: Vergiss die Sache! Warst du nicht sogar auf der Suche nach einer Festanstellung? Vielleicht hätte ich da etwas für dich… sogar in deinem Bereich. Es geht dabei nicht um irgendwelche mysteriösen Monster, sondern um handfeste Terroristen. Wir können Leute wie dich gebrauchen, Vasily!“ Vasily antwortet: „Tut mir leid, Albert, ich glaube, ich stecke schon zu tief drin… und aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, dass ich die Sache mit den Leuten durchziehen muss, mit denen ich hier jetzt schon fast ein Jahr unterwegs bin.“ Einen kleinen Moment herrscht Stille in der Leitung. Dann sagt Albert Oakes: „Schade, Vasily, sehr, sehr schade. Tut mir leid für dich! Mach´s gut.“ Dann beendet er das Gespräch.

Vasilys Mitstreiter sind von dem Bild ähnlich schockiert, wie Vasily selbst. Cevas und Vasily kommen die Aktivitäten des britischen Geheimdienstes suspekt vor. Samir zuckt dazu mit den Schultern. Alle beschließen nach Möglichkeit einen großen Bogen um Bukarest zu machen. Dann erreichen sie endlich Focsani. Andreiașu de Jos ist mit dem Auto eine knappe Stunde entfernt. Sie nehmen ein paar Zimmer in einem modern ausstaffierten Hotel namens Greenpark und tauschen ihr Auto gegen ein anderes aus. Gegen Abend brechen sie bei leichtem Nieselregen in Richtung der mysteriösen Erdfeuer auf.

Schon das dazugehörige Dorf zu finden ist nicht ganz einfach. Nach welcher Ordnung die auf dem Land weit auseinander liegenden Siedlungen zu Gemeinden zusammengefasst sind, bleibt einigermaßen rätselhaft. Wie durch ein Zufall fällt Kristina dann aber doch ein kleines, handgemaltes Schild auf, das von der Landstraße aus in Richtung einer Brücke über einen kleinen Fluss zeigt. Zu lesen sind die Worte „focul viu“. Hinter der Brücke stehen an einem steilen Hang ein paar Häuser. Sämtliche Straßen des Ortes sind aufgerissen und in rutschige Schotterpisten verwandelt. Ob der Leihwagen der Agenten diese Steigungen überwinden kann, ist fraglich. Die Agenten steigen aus. Während Samir beim Wagen bleibt, laufen Kristina, Cevas, Yuri und Vasily durch den kleinen Ort und erreichen irgendwann eine abschüssige Wiese. Zur Linken wird eine andere Landstraße sichtbar. Hier parken auf einem Stellplatz vielleicht ein gutes Dutzend Autos mit Wohnwagen. Einigen der Wohnwagen wurde mit einer Schablone das Bild eines Wolfskopfes aufgesprüht. Geradeaus über die Wiese befindet sich ein runder Platz. Sein Boden besteht aus festem Sand und Geröll, sein Rand ist durch einen niedrigen Absatz aus gemauerten Backsteinen befestigt. An drei oder vier Stellen treten etwa wadenhohe Flammen aus dem Boden des Platzes. Ansonsten ist der Ort ein wenig schäbig. Drei dort befindliche Bänke sind beschmiert und dreckig, an einer Stelle hat jemand ein paar Möbelreste entsorgt. Immerhin hat es aufgehört zu regnen.

Die Agenten sind hier nicht allein. Auf dem Wohnwagenstellplatz und auf dem Sandplatz befinden sich im Moment etwa 40 Männer, Frauen und Kinder. Sie schleppen Nahrungsmittel und Sitzgelegenheiten zu dem Schotterplatz und bereiten dort offenbar ein Abendessen vor. Eine Weile verbergen sich die Agenten hinter einer nahe gelegenen Hecke und machen einen Plan. Cevas schlägt vor, über die Kinder Ion und Donka ins Gespräch zu kommen. Die anderen sind einverstanden und überlassen Cevas bei der bevorstehenden Aktion die Führung: Er ist der einzige der Agenten, der Romani spricht.

Etwas später spazieren Vasiliy, Cevas und Kristina über die Wiese zu dem Platz mit den Feuern und betrachten die dort lagernden Roma. Schon sehr schnell werden sie auf zwei ältere Männer aufmerksam, die inmitten ihrer Sippenmitglieder sitzen und das Geschehen wie durch unsichtbare Fäden lenken scheinen. Cevas geht zielstrebig auf einen der Männer zu und spricht ihn auf Rumänisch an. Dass er die Sprache der Roma beherrscht, müssen die Anwesenden nicht unbedingt von Anfang an wissen. Cevas erfährt, dass der ältere Mann Boiko heißt und seine Sippe zu den Ruvari Sgzani gehören.

Zunächst erzählt Cevas Boiko von Ion und Donka. Zwar freut sich der Mann, dass er Neuigkeiten über die zu seiner Sippe gehörenden Kinder erfährt, aber er ist auch misstrauisch. Dass da drei Fremde auf ihn zukommen und mir nichts dir nichts von Sippenmitgliedern erzählen, kommt ihm seltsam vor. Cevas erzählt davon, dass er mit seinen Kollegen einer Mafiagruppe auf der Spur gewesen sei. Ion und Donka habe er dann aus deren Händen befreien können. Die beiden hätten ihm dann von diesem Ort erzählt, an dem sich ihre Familie öfter trifft. Boiko informiert seine Sippe auf Romani, dass alle aufpassen sollen, es handele sich bei den drei Fremden wahrscheinlich um Polizisten. Cevas muss grinsen. Auf die Frage hin, wo sich denn Ion und Donkas Eltern befinden, sagt Boiko: „Armer Papush, arme Tsuritsa, sie sind erwischt worden, als sie ein Auto aufmachen wollten! Jetzt sind sie im Gefängnis!“

Dann will der alte Mann wissen, warum Cevas die Kinder nicht mitgebracht hat. Cevas erzählt ihm, dass er die Ruvari Sgzani erst finden wollte. Die Kinder seien in Bukarest an einem sicheren Ort. Wenn Boiko wolle, bringe er sie ihm in Kürze vorbei. Boiko erzählt Cevas, dass die Ruvari Sgzani noch eine Woche hier blieben, dann führen sie nach Karlstadt. Cevas erklärt sich bereit, die Kinder dann dorthin zu bringen. Boiko verweist ihn daraufhin an einen jüngeren Mann namens Emilian, der ein Handy besitzt und zum gegebenen Zeitpunkt genauere Informationen über den Aufenthaltsort der Sippe weitergeben kann.

Boiko und seine Sippe werden daraufhin etwas gesprächiger. Die Agenten bekommen eine Flasche Bier in die Hand gedrückt und es ergibt sich ein Gespräch. Zwei weitere alte Männer erreichen den Platz mit den lebenden Feuern. Sie haben wie Boiko und der vierte ältere Mann auch eine ehrfurchtgebietende Ausstrahlung, die keine Zweifel an ihren Führungsqualitäten lassen. Cevas spricht ihn auf Bram Stoker an: „Wie kommt es, dass Bram Stoker in seinem Roman deine Sippe zu Helfershelfern Draculas erklärt hat?“ Boiko antwortet: „Immer langsam! Er sagt „Zigeuner“, er sagt nicht „Ruvari Sgzani!“ Cevas ist etwas irritiert und blättert im Dracula Dossier. Schließlich kann er Boiko eine Passage präsentieren, in der Stoker immerhin von „Wolfszigeunern“ schreibt. Boiko ist etwas schockiert und murmelt: „Stoker, der Schweinehund!“ Dann erzählt er Cevas, dass das Ganze ein kompletter Blödsinn sei, „diese dünnen, blassen, tätowierten Mädchen, die die echte Burg Dracula gezeigt bekommen wollen“, seien allerdings für ihn und seine Sippe eine gute Einnahmequelle. Cevas grinst und will wissen, ob es denn eine echte Burg Dracula gebe. Boiko sagt: „Naja, es muss wohl immerhin einen Stammsitz von Vlad Tepes gegeben haben.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfährt Cevas von allen möglichen und unmöglichen Orten, an denen der Fürst der Vampire zu Hause gewesen sein könnte:

„Da hätten wir zuerst einmal Burg Bran. Das ist der reinste Touristennepp. Vlad Tepes war ein paar Tage seines Lebens dort. Das ist aber auch alles.

Vielleicht stand seine Burg in der Bicaz Schlucht. Die Landschaft, die Stoker beschreibt, klingt nach der Bicaz Schlucht. Heute gibt es dort allerdings keine Burg mehr.

Vielleicht stand die Burg auch am Borgo Pass. Die Richtungsangaben in Stokers Roman klingen ein wenig danach, auch wenn die Gegend weniger bergig ist, als die Bicaz Schlucht. Auch hier steht heutzutage allerdings keine Burg mehr.

Wer weiß, vielleicht befand sich die Burg auch etwas weiter südlich in den Calimani Bergen. Eine der dortigen Ortsnamen erinnern an Dracula, eine Burg gibt´s da heutzutage aber auch nicht.

Ein paar Leute meinen, Burg Craciuna sei Draculas Stammsitz gewesen. Die Festung ist von Radu dem Schönen, Vlad Tepes Bruder, erbaut worden. Sie soll sich irgendwie hier in der Gegend befunden haben und in der Tat gibt es hier auch eine Menge Ruinen. Welche von ihnen aber Burg Craciuna gewesen sein soll, weiß wohl niemand mehr so genau.

Dann heißt es hin und wieder, Burg Hunedora sei Draculas Heimat gewesen. Vlad Tepes soll dort sieben Jahre in Gefangenschaft gelebt haben. Wer weiß, vielleicht ist er dabei auch zum Vampir geworden? Der Ort liegt allerdings ganz im Südwesten Transsylvaniens. Mit Stokers Roman hat das nichts mehr zu tun.

Auch Burg Poenari ist ein möglicher Kandidat für Draculas Heimat. Sie war Vlad Tepes Stützpunkt im Kampf gegen die Türken… aber seine Heimat? Eher nicht. Auch diese Bzrg liegt übrigens viel zu weit südlich, als dass Stoker sie gemeint haben könnte.

Und letztlich, wer sagt eigentlich, dass Vlad Tepes der wahre Dracula war? Während der türkischen Besatzung hat einer seiner Nachfahren östlich der Bicaz Schlucht eine Burg erbaut. Inzwischen ist allerdings ein Staudamm und der dazugehörige Bicaz See entstanden. Die Burg ist inzwischen komplett überflutet.

Blieben noch zwei etwas exotischere Möglichkeiten außerhalb Rumäniens. Warum nicht?

Burg Orava steht in der Slowakei und wurde von Vlad Tepes großem Gegner Matthias Corvinus erbaut. Gegen Ende von Vlad Tepes Gefangenschaft wurde die Festung verstärkt und seitdem wird von irgendeinem düsteren Fluch gesprochen, der sich über ihre Mauern gesenkt haben soll. War das der Hochsicherheitstrakt, in den Vlad Tepes verlegt wurde? Wurde er dort umgebracht und anschließend zum Untoten? Keine Ahnung.

Dann gibt es noch die Steiermark im südöstlichen Österreich. Auch dort gibt es Geschichten über Vampire, auch dort gibt es Burgen. Wenn man Stokers Roman Glauben schenkt, war die Gräfin von Dolingen eine frühe Braut Draculas. Sie hat ihren Stammsitz bei Graz. Vielleicht hat sich Dracula ja bei ihr wie zu Hause gefühlt?“

Boikos nicht enden wollende Geschichten über Burg Dracula haben Cevas ermüdet. Als die Rede auf die Gräfin Dolingen von Graz zu sprechen kommt, wird er allerdings wieder munter. Er erinnert sich noch allzu gut an die Sprengung in der Wiener Staatsoper, die die mysteriöse Gräfin wie durch ein Wunder überlebt zu haben scheint. Schließlich sagt er zu Boiko: „Ich will dir etwas zeigen. Ich habe ein Bild fotografiert, auf dem diese Gräfin von Dolingen zu sehen ist. Vielleicht kannst du uns noch etwas mehr dazu erzählen.“ Dann zeigt er Boiko auf seinem Smartphone eine Photographie des Gemäldes „Aschenwolken“, das sich die Agenten vor einem guten halben Jahr im Kunsthistorischen Museum zu Wien angeschaut haben. Sie wissen bereits, dass die auf dem Bild dargestellte Dame die Gräfin Dolingen zu Graz sein soll. Sie wird von einem Mann umarmt, während im Hintergrund eine Villa in Flammen aufgeht. Wo diese Villa steht und wer der Mann ist, wissen die Agenten nicht.

Boiko schaut sich das Bild lange an. Erst die Frau, dann irgendwelche anderen Details. Schließlich ruft er seinen Sippenmitgliedern zu: „Wir müssen sie festsetzen! Ergreift sie!“ Langsam und bedrohlich bilden die Ruvari Sgzani einen geschlossenen Kreis um Vasily, Kristina und Cevas. Vasily greift allerdings in seine Tasche und lässt eine Rauchgranate zu Boden fallen. Schnell wie der Blitz greift er sich aus den am Rand des Platzes abgelegten Möbelresten eine alte Tür und schlittert mit ihr durch das feuchte Gras den Abhang herunter. Gern hätte er dabei auch noch Cevas und Kristina mitgenommen, die beiden haben aber weniger Glück. Sie bahnen sich im Nebel ihren Weg durch die Menge, müssen sich mehrfach losreißen und verlieren viel Zeit. Als sie endlich die Wiese erreicht haben und fliehen wollen, werden sie von hinten angefallen. Aus ihren Augenwinkeln sehen sie drei der alten Patriarchen, deren Äußeres sich auf unheilvolle Art und Weise verändert hat: ihr Haar hat sich bis in den Nacken in einen fellartigen Schopf verwandelt, scharfe Zähne blitzen zwischen ihren Lippen und ihre Augen leuchten gelblich. Kristina und Cevas fährt ein Schreck und kurz darauf auch ein stechender Schmerz durch die Glieder. Beide sind gebissen worden! Kristina hat es nur leicht erwischt, Cevas schon etwas schwerer. Ihre Gegner lassen sich nicht so leicht abhängen, aber da taucht Yuri aus seinem Versteck hinter der Hecke auf und beschießt sie mit seiner Pistole. Zwar verfehlt er sein Ziel, aber die Wolfsmenschen brechen ihre Verfolgung trotzdem ab. Bei einem offenen Schusswechsel scheinen sie zu viel Angst um ihre Sippenmitglieder zu haben. Sie wenden sich den Menschen auf dem vernebelten Platz zu und sorgen dafür, dass sie sich in Sicherheit begeben. Schließlich laufen die Ruvari Sgzani zu ihren Wohnwägen und die Agenten fliehen zu ihrem Auto.

„Werwölfe! Ich fasse es nicht!“, sagt Cevas ein paar Minuten später, noch etwas erschüttert. „Ja, aber was hat sie zum Angriff bewogen?“, fragt Vasily. Er schaut sich auf der Rückfahrt noch einmal das Bild an. „Die Villa? Der Mann? Wie war das noch mit dem Wappen, das er auf seiner Galauniform trägt? Dieser abgerissene Büffelkopf mit den goldenen Sternen… das war das Wappen des Herzogtums Bukowina. Vielleicht sollten wir uns dort einmal umsehen. Es würde mich nicht wundern, wenn dort die Burg Draculas steht.“ Seine Freunde sehen ihn etwas skeptisch an.

-

Naja. War doch ganz stimmungsvoll. Es ist erstaunlich, wie meine Spieler noch jedes kleinste Steinchen dreimal herumdrehen. Und es ist genauso erstaunlich, dass man zu all den Kleinigkeiten auch immer noch irgendwelche ominösen Informationen in den Veröffentlichungen findet!

Der Spieler Samirs pausiert für ein halbes Jahr. Ich habe das zum Anlass für eine Feedbackrunde genommen. Ich wollte insbesondere wissen, ob meine Spieler die Action vermissen. Sie wissen inzwischen ihre MOS und Fertigkeiten so einzusetzen, dass es gar nicht mehr allzu häufig zu Actionszenen kommt. Da dachte ich, ich frage mal nach.

Im Großen und Ganzen sind die Rückmeldungen immer noch positiv. Sie haben mit der heutigen Sitzung den Level 3 der Vampyramid erreicht. Bis zum Ende auf Level 6 brauchen wir bei unserem Tempo vielleicht noch ein Jahr. Ich war doch ganz angetan, dass alle Spieler das Ende miterleben wollen. Das mit der zurückgegangenen Action finden alle halb so wild. Zitat: „Action habe ich schon in meiner D&D Runde andauernd.“ Besonders reizvoll scheinen die gründlich recherchierten Hintergründe anzukommen. Und auch die Informationsbeschaffung über Volltextsuche im Dracula Dossier scheint ihnen mächtig Spaß zu machen. Ja dann… mache ich einfach noch ein bisschen weiter wie bisher.
« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:32 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #14 am: 30.11.2020 | 19:31 »
Spuren in die Vergangenheit (11)



Die Agenten beschließen zunächst nach Kreuzburg zu fahren. Drei Stunden später haben sie ihr Ziel erreicht und liefern den verletzten Cevas in der Universitätsklinik bei Dr. Ionesco, dem dort als Mediziner tätigen früheren weißrussischen Geheimdienstkollegen von Vasily, ab. Die Agenten nutzen außerdem die Gelegenheit, von Dr. Ionesco zwei Ampullen mit dem Blomberg Serum, das seinen Worten zufolge als außergewöhnliche Waffe nutzbar sein könnte, herstellen zu lassen. Während Cevas behandelt wird erstehen die Agenten außerdem bei einem Spezialhändler für jedes Gruppenmitglied eine Handvoll Silberkugeln. Die Werwölfe habe sie nervös gemacht.

Als sie sich am Abend wieder bei Cevas im Krankenhaus blicken lassen, treffen sie diesen recht verärgert an. Die Wäscherei hat soeben seine routinemäßig gereinigte Kleidung zurückgebracht und ein Fundstück beigelegt. Im Inneren von Cevas Jacke befand sich eine mit einer kleinen Sicherheitsnadel befestigte Wanze. Cevas schaut seine Mitstreiter entnervt an und sagt: „Russisches Fabrikat. Vielleicht schleppe ich es schon seit unserem Abend im Club Colectiv mit mir herum. Ich glaube, wir sollten unseren Aufenthalt hier möglichst kurz halten."

Schon am nächsten Morgen sind die Agenten wieder unterwegs. Ihr nächstes Ziel ist die Bukowina, die alte österreichisch-ungarische Provinz, dessen Wappen der Adlige auf dem Bild „Aschenregen“ aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien trug. Zunächst sind die Freunde unsicher, wohin sie sich wenden sollen. Eine Recherche im Internet führt sie zur Website einer gewissen Iulia Vãduva, wohnhaft in Suceava, die sich als Kunst- und Trendprognostikerin ausgibt. Cevas grinst über die Berufsbezeichnung und sagt: „Die Frau erzählt reichen Industriellen wofür sie ihr Geld ausgeben sollen. Na, was soll´s, einen Versuch ist es wert.“ Vasily schreibt der Frau eine Email und bittet um einen Termin. Schnell bekommt er die Rückmeldung, dass sie am Nachmittag vorbeikommen können. Die Agenten nehmen Kurs auf Suceana, die größte Stadt im rumänischen Teil der Bukowina.

Eine halbe Stunde nach ihrem Aufbruch bekommt Vasily einen Anruf. Vasily ist nach seinem Ausscheiden aus dem weißrussischen Geheimdienst mit seiner Frau Natasha Zhukovskaya nach Stockholm gezogen. Jetzt meldet sich sein Bruder bei ihm und berichtet, dass Natasha zur Zeit im Gefängnis sitzt. Sie soll in einem gewalttätigen Anfall einem orthodoxen Priester ein Ohr abgebissen haben und wurde nach weiteren Aggressionen in einen Hochsicherheitstrakt verlegt. Vasily kann kaum glauben, was er hört. Das klingt überhaupt nicht nach seiner Frau. Im Augenblick kann er der Angelegenheit aber nicht nachgehen. Er dankt seinem Bruder für die Information und setzt einen düsteren Gesichtsausdruck auf.

Am späten Vormittag erreichen die Agenten ihr Ziel Suceava, eine Stadt mit annähernd 100000 Einwohnern. Sie fahren durch ein kleines Universitätsviertel, an einigen alten Kirchen und Klöstern und einem großen, modernen Einkaufszentrum, über das ein farbiger Kamin hinausragt. Zur Rechten liegt ein Hügel am Stadtrand, auf dem eine verlassene Festung aus dem 15. Jahrhundert steht, daneben ein altes Bukowinadorf, das als Freilichtmuseum wiederaufgebaut wurde. Die Agenten nehmen sich ein paar kleine Hotelzimmer und fahren dann über einen kleinen Fluss zur Wohnung Iulia Vãduvas.

Die Agenten werden von einer Frau Mitte 40, vielleicht auch gut gehaltene 50, empfangen. Die kleine Frau ist schwarzhaarig, besitzt große Augen, die irritierenderweise nie zu zwinkern scheinen, und trägt perfektes Make-Up und geschmackvoll ausgesuchte Accessoires.

Vasily erzählt ihr, er habe sein Herz für die Kunst entdeckt und wolle ein Kunstwerk erstehen, dass er nur von einer Abbildung kennt. Er schmeichelt der Frau, indem er sich von ihren Kunstkenntnissen beeindruckt zeigt. Iulia Vãduva hält ihn für einen Banausen, hört ihm aber weiter zu. Dann zeigt Vasily ihr sein Foto des Gemäldes „Aschenregen“. Iulia Vãduva schaut sich das Foto genau an, macht sich ein paar Notizen in ein kleines digitales Notizbuch und bittet ihn, ihr die Aufnahme zuzuschicken. Vasily tut es. Iulia Vãduva entlässt die Agenten dann mit den Worten, sie müsse jetzt selbst ein wenig recherchieren. Für den kommenden Tag lädt sie die Agenten erneut zu sich ein. Die Agenten machen ein paar Einkäufe und gehen dann in ihrem Hotel zu Bett.

Am nächsten Tag fahren die Agenten nach dem Frühstück wieder zu Iulia Vãduva, die nun einige interessante Informationen für sie hat: zunächst bedauert sie, Vasily eröffnen zu müssen, dass das Gemälde im Kunsthistorischen Museum von Wien hängt. Er wird es kaum erwerben können. Sie kann ihm aber erzählen, dass die darauf abgebildete Villa wohl ein fiktives Gebäude ist. Über die männliche Figur hat sie nichts herausfinden können. Die weibliche Gestalt hingegen stellt die damalige Gräfin Dolingen zu Graz dar, die auf dem alten Nordfriedhof in München begraben wurde. Die Agenten werden aufmerksam.

Etwas mehr kann Frau Vãduva über den Maler berichten. Sie behauptet, das Bild sei von Francis Aytown gemalt worden. Der Mann war ein Gesellschaftsmaler im viktorianischen England, der sich auch als Fotograf betätigt hat. Technisch war er wohl auf der Höhe der Zeit, künstlerisch - Iulia Vãduva macht eine kleine Pause – sei er allerdings etwas rückschrittlich gewesen. Wenn Vasily an anderen Gemälden des Mannes Interesse habe, könne sie ihm vielleicht zu einem interessanten Kontakt verhelfen. Ihr sei nämlich eine Nachfahrin des Mannes bekannt. Sie heiße Vivienne Aytown-Baptiste, lebe in London und betreibe in Soho in einer ehemaligen umgebauten Feuerwache eine Galerie und Kunsthandel. Normalerweise fördere sie junge, aufstrebende Künstler der Gegenwart. Sie scheint aber auch noch ein Archiv mit älteren Bildern zu besitzen und hin und wieder verkaufe sie auch einmal ein Gemälde ihres Vorfahren.

Die Agenten sind interessiert an den Werke Aytowns, verspüren aber keine allzu große Lust, sich nach London zu begeben. Die Erinnerung an die Schießerei bei St. Mary the Virgin steckt ihnen immer noch in den Knochen. Daher bitten sie Iulia Vãduva, die Galeristin zu fragen, ob sie sie nicht telefonisch oder per Email kontaktieren können. Frau Vãduva ist einverstanden und stellt einen Kontakt her. Vivienne Aytown-Baptiste zeigt sich auskunftsfreudig und erzählt ihnen, dass sie derzeit noch ein sehr imposantes von ihrem Urgroßvater gemaltes Doppelportrait im Wohnzimmer hängen habe. Es existierten außerdem noch ein paar Fotografien, teilweise gerahmt, teilweise in einer Fotomappe. Allerdings ist die Galeristin nicht bereit, die Kunstwerke zu fotografieren: „Ich muss mich vor Kunstfälschern schützen, das verstehen Sie sicherlich!“

Nach diesem Gespräch verabschieden sich die Agenten vorläufig von Iulia Vãduva und forschen auf eigene Faust ein wenig nach Francis Aytown. Im Dracula Dossier werden sie an verschiedenen Stellen fündig. Sie stellen fest, dass Francis Aytown offensichtlich einer der Vampirjäger war, die sich mit Van Helsing an die Verfolgung Draculas gemacht haben. Er wird in Stokers Originalmanuskript erwähnt, taucht aber im veröffentlichten Roman nicht mehr auf. Es ist auch die Rede davon, dass er Graf Dracula portraitieren oder fotografieren wollte, was wohl nicht funktioniert hat. Dann muss er aber wohl anhand einer Beschreibung des Grafen ein Gemälde angefertigt haben. „So eine Art Phantombild also“, sagt Cevas. Dieses Bild im Besitz von Vivienne Aytown-Baptiste wird immer interessanter für sie. Einen Moment grübeln die Agenten darüber, wie sie Aytowns Kunst zu Gesicht bekommen können, ohne nach London fahren zu müssen. Dann fällt Cevas ein alter Freund namens Schlomo Andrejew ein, der in London einen Antiquitäten- und Kunsthandel betreibt. Cevas ruft ihn an, versucht ihm klar zu machen, wie wichtig die Angelegenheit für ihn sei und dass er doch vielleicht bei Vivienne Aytown-Baptist mal nach den Kunstwerken ihres Urgroßvaters Ausschau halten soll. Schlomo wundert sich zwar über den Anruf, aber seine Neugier ist geweckt. Er verspricht Aytown-Baptistes Galerie am nächsten Tag einen Besuch abzustatten.

In der Zwischenzeit hat Kristina auf Landkarten nachgesehen, in was für einer Region sie sich eigentlich inzwischen befinden: „Diese nördlichen Karpaten scheinen irgendwie das Zentrum unserer bisherigen Bemühungen zu sein. Schaut her, hier ist die Bicaz-Schlucht, ein paar Kilometer weiter der gleichnamige See, hier sind die Calimani-Berge und hier ist der Borgo-Pass. Außerdem ist auch das Kloster Dragovir, von dem ihr erzählt habt, und das Kloster Salard nicht weit. Alles potentielle Orte für die Burg Dracula… oder zumindest einschlägige Orte unserer Bemühungen.“ Die Agenten beschließen ein paar Orte aufzusuchen. Ihre Reise führt sie noch am selben Tag zum Lacul Bicaz. Hier soll sich auf dem Boden des Stausees die Burg Vidraru befinden, die ein Nachfahr von Vlad Tepes gebaut hat. Wie nicht anders zu erwarten ist die Burg eine Touristenattraktion. Die Agenten buchen eine Bootsfahrt auf dem See, auf der sie die Burg zu Gesicht bekommen sollen. Ihr Führer erzählt allerdings, dass die Burg in 100 Meter Tiefe liegen soll. Die Agenten bekommen trotz kräftiger Nachmittagssonne im Wasser nur für kurze Augenblicke ein paar Turmspitzen zu Gesicht. „Hier herunter? Ohne zu wissen, ob das überhaupt sinnvoll ist? Das muss nicht sein!“, meint Vasily, worauf die Gefährten sich erst einmal eine Übernachtungsmöglichkeit suchen.

Am nächsten Tag machen die Agenten einen Kontrollbesuch beim Kloster Dragovir. Es ist inzwischen von einem stabilen Maschendrahtzaun umgeben. Heimlich verschaffen sich die Agenten Zugang zu dem Gebäude und stellen fest, dass sich derzeit hier wohl niemand mehr aufhält. Besonders gespannt sind sie natürlich, wie gründlich der mysteriöse Trupp Armbrustschützen nach ihrem letzten Besuch hier aufgeräumt hat. Sie begutachten die metallene Sicherheitstür im Keller, die aber fest verschlossen ist. Dann heben sie vorsichtig den Steindeckel zum Brunnen an, lassen eine Laterne in den Schacht hinab und stellen erleichtert fest, dass nichts geschieht. „Keine fiesen Zombies mehr übrig!“, meint Cevas. „Lasst uns gehen“. Dann fahren die Agenten auch noch zum Kloster Salard. Hier scheinen die angeblichen archäologischen Ausgrabungen ebenfalls abgeschlossen zu sein. Stattdessen führt allerdings ein Mineralölunternehmungen vor Ort Probebohrungen durch. Von ihrem alten Aussichtspunkt aus beobachten die Agenten eine Weile lang das Treiben, es sieht aber nicht so aus, als gebe es hier weitere Informationen.

Dann ruft Schlomo Andrejew an. Er berichtet, dass er mit Vivienne Aytown-Baptiste gesprochen habe. Sie habe ihm das bereits erwähnte Bild ihres Vorfahren und auch die Fotografien gezeigt. Allerdings habe auch Schlomo keine Fotos machen dürfen. Auf dem Gemälde seien zwei ähnlich aussehende Männer zu sehen: Vater und Sohn oder derselbe Mann in unterschiedlichen Lebensaltern. Cevas und seine Freunde erfahren, dass der ältere Mann blass und weißhaarig ist und eine leuchtend rote Narbe auf der Stirn hat. Der jüngere hat eine rötliche Gesichtsfarbe. Beide tragen einen üppigen Schnurrbart. Von den Fotos sind einige gerahmt, andere sind in einer Mappe. Im Wesentlichen handelt es sich um ein paar Portraitfotos und einige Schnappschüsse. In der Mappe sind außerdem auch ein paar misslungene Bilder, die offensichtlich falsch belichtet wurden. Nach dem Anruf seufzen die Agenten. Es sieht fast so aus, als bliebe ihnen die Reise nach London nicht erspart.

Zurück in ihrer Unterkunft werden Pläne gemacht. Dabei kommt die Rede auch wieder auf eine Information Iulia Vãduvas: Die Gräfin Dolingen zu Graz ist in München beerdigt! Vasily meint, das könne vielleicht ein ganz guter Zwischenstopp auf ihrem Weg nach London sein. Etwas später sind die anderen überzeugt. Am nächsten Tag begeben sie sich mit einem Mietswagen auf die Fahrt nach München, wo sie zwei Tage später ankommen.

Noch einen Tag später begeben sich die Agenten auf den alten Nordfriedhof in der Maxvorstadt. Der Friedhof ist groß genug für eine lange Suche nach einem unbekannten Grab. Die Agenten wenden sich daher einem Verwaltungsgebäude zu. Hier werden sie von einem Küster begrüßt, der für den Friedhof zuständig ist. Der Mann verlangt einen Ausweis eines der Besucher. Kristina reicht ihm einen gefälschten Pass, den der Mann einscannt. „Einer weniger“, murmelt sie. Dann erzählt sie dem Küster, dass sie aufgrund ihrer Ahnenforschung das Grab eines gewissen Heinrich Meiers suche. Der Küster schaltet einen Computer ein, wobei ihm Yuri ein wenig über die Schulter sieht und sich sein Passwort merkt. Dann sagt der Küster: „Quadrant 26. Kommen sie, ich führe sie hin.“ Vor dem Gebäude folgt Kristina seufzend dem Küster. Samir, Yuri, Vasily und Cevas gehen aber auf Distanz und treffen sich kurz darauf wieder beim Verwaltungsgebäude, dessen Schloss Vasily kurzerhand knackt. Er schaltet den Computer ein und findet die Liste mit den hier Bestatteten. Einige wenige der Namen sind in roter Schrift gehalten. Es handelt sich offenbar um Tote, die ursprünglich an einem anderen Ort bestattet wurden, später aber aus unterschiedlichen Gründen umgebettet wurden. Auch der Name der Gräfin Dolingen zu Graz ist in rot geschrieben. Sie liegt im ältesten Teil des Friedhofs: Quadrant 1.

Schnell verlassen die Agenten das Gebäude und warten vor dem Friedhofsgelände auf Kristina, die sich im Beisein des Küsters eine Weile lang das Grab eines ihr völlig unbekannten Hermann Meiers angesehen hat. Dann beschließen sie, einmal am Grab der Fürstin Dolingen zu Graz vorbei zu schlendern. Quadrant 1 ist ein recht zugewucherter Bereich des Friedhofs, von den meisten Gräbern hier ist nicht viel mehr übrig als ein Haufen Marmorgeröll. Endlich stehen die Agenten aber vor einem zusammengestürzten Mausoleum. Auf einer giebelförmigen Steinplatte, die einst wahrscheinlich über dem Eingang angebracht war, lassen sich die Worte erkennen, dass es sich um den Ruheplatz der Gräfin Dolingen zu Graz handelt, die „1801 den Tod gesucht und gefunden hat“. Vielleicht wäre auch der Innenbereich des Mausoleums einen Blick wert, ein solches Vorhaben ähnelt aber schon fast einem archäologischen Vorhaben. „Nicht bei Tag“, sagt Yuri. Schließlich fällt Cevas aber noch eine leere Zigarettenpackung ins Auge, die offensichtlich vor kurzem direkt beim Grab der Gräfin weggeworfen wurde. „Na so etwas!“, sagt er. Es handelt sich um die Marke „Carpati“. Wenn das kein Zeichen ist!

-

Die Sitzung war ein bisschen schwierig, weil den Agenten die Spuren in Rumänien ausgegangen sind, sie aber irgendeine derartige Panik vor England haben, dass sie nur schwer dorthin zu bewegen sind. Irgendwann sollte das aber nochmal stattfinden, deswegen habe ich hier relativ deutliche Spuren nach London gelegt. Trotzdem war zwischendrin ein wenig Leerlauf zu verspüren. Die nächste Sitzung wird zeigen, ob London wirklich ihr nächstes Ziel ist.

Vielleicht versuchen sie auch herauszufinden, wer der Rumäne am Grab der Gräfin Dolingen zu Graz war. Leider haben sie dem Küster ihre eigentlichen Absichten verheimlicht. Ob noch jemand an den Scanner denkt?

Ich wäre auch bereit für ein Intermezzo, in dem Vasily seine Frau aus einem Stockholmer Hochsicherheitsgefängnis befreit. Dann wäre mal wieder etwas Action angesagt. Abwarten…
« Letzte Änderung: 30.11.2020 | 19:57 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #15 am: 15.02.2021 | 00:00 »
Come High, Get Higher (12)



Zunächst fahren die Agenten in ihr Hotel, beschließen aber in der Nacht zum Friedhof zurückzukehren und zwischen dem Geröll des zusammengefallenen Mausoleums noch einmal genauer nachzusehen. Ein paar Stunden später klagt Samir über Müdigkeit. Er bleibt im Hotel, die anderen starten Richtung Friedhof und stehen etwas später erneut vor dem Grab der Gräfin Dolingen zu Graz.

Mit aufgesetzten Nachtsichtgeräten wenden die Agenten ein paar Steine und Trümmer hin und her bis Cevas seine Gefährten herbeiruft. Er hält eine verrostete Eisenstange in der Hand, die an einem Ende in einer Spitze ausläuft. „Seht euch das an! Holzpflöcke scheinen aus der Mode gekommen zu sein!“, witzelt er. Auf der Eisenstange sind seltsame Symbole eingraviert, irgendwelche vampirischen Überreste sind allerdings nirgendwo zu finden. Etwas später findet Vasily auf einem Mauerrest eine alte Gravur in kyrillischer Schrift. Mit Mühe entziffern die Agenten den russischen Satz: „Die Toten reisen schnell.“ Es sieht aus, als sei der Satz nachträglich von irgendeinem Grabbesucher in der Art eines Graffitis in den Stein geritzt worden. Yuri erinnert sich: „War das nicht ein Satz aus Stokers Dracula?“ Vasily schaut nach und wird fündig: „Russische Stokerleser in München am Grab einer österreichischen Gräfin. Wer kann etwas damit anfangen?“ Niemand antwortet. Schließlich stößt Kristina noch auf ein Loch im Boden. Es führt wie ein Gang ins Erdreich, der Zugang ist aber sehr eng – so eng, dass nur der schmale Yuri in der Lage ist, sich dort hinein zu begeben. „Wartet!“, sagt er kurz entschlossen und kriecht in den Gang. Sein Vorwärtskommen ist alles andere als komfortabel. Viele Meter rutscht er auf Knien oder zwängt sich durch irgendwelche Engpässe. Nach etwa 50 Metern schreckt er schließlich eine Horde Ratten auf, die fauchen und dann aggressiv über ihn herfallen. Arg zerschrammt zieht sich Yuri zurück. Zurück auf dem Friedhof erstattet er seinen Freunden Bericht. Cevas meint: „Erdställe! Ich habe davon gehört. Es gibt Quellen, die behaupten, ganz Süddeutschland sei von diesen engen Gängen durchlöchert!“ Yuri zuckt mit den Achseln und behauptet, er wolle noch einen letzten Versuch unternehmen. Er präpariert einen Ast, indem er ein Tuch um eines seiner Enden wickelt und mit Feuerzeugbenzin tränkt. Dann kehrt er in den Gang zurück. Bei seiner nächsten Begegnung mit den Ratten zündet er den Ast an, muss heftig husten, kann aber die Ratten vertreiben, bevor er sich eine ernsthafte Rauchvergiftung zugezogen hat. Noch ein paar Meter weiter erreicht er eine kleine Kammer, in der der Gang endet. Hier liegen fünf Skelette, der Größe nach zu urteilen die Überreste von Kindern im Alter von 9 oder 10 Jahren. Yuri schüttelt sich und kehrt an die Erdoberfläche zurück.

Nachdenklich fahren die Agenten zurück in ihr Hotel. Am nächsten Morgen vermissen sie Samir am Frühstückstisch. Sie fragen beim Portier nach, der aber nicht weiß, wo sich ihr Gefährte aufhält. Auf Anrufe meldet sich lediglich Samirs Mailbox. Schließlich schauen die Agenten bei seinem Zimmer vorbei und stellen fest, dass die Tür aufgebrochen wurde. Sie treten ein und stellen fest, dass sich Samirs persönlichen Besitztümer noch im Zimmer befinden. Er selbst allerdings ist nicht anwesend. Dann findet Vasily neben Samirs Bett eine leere Ampulle mit der Aufschrift „Etomidate“. Kristina googelt das Wort auf ihrem Smartphone und erklärt: „ein Schlafmittel“. Cevas nickt und sagt: „Ja, das Zeug wird in England hergestellt!“ Vasily meint: „Es sieht aus, als sei mal wieder jemand hinter uns her. Lasst uns hier erstmal verschwinden!“ Seine Gefährten sind einverstanden, als sie aber das Hotel verlassen wollen, übergibt ihnen der Portier eine handgeschriebene Nachricht und behauptet: „Das hat eben gerade ein Herr für sie abgegeben.“ Yuri bedankt sich, faltet den Zettel auseinander und liest: „Ihr Kollege ist in die Dienste seines britischen Arbeitgebers zurückgekehrt. Mehr oder weniger freiwillig. Es ist anzunehmen, dass er nach Proserpine gebracht wurde. Sie können Geerd Hoorn in Rotterdam nach näheren Details fragen. Ein Freund.“ Vasily fragt den Portier: „Vom wem ist das?“ Der Portier aber zuckt mit den Achseln und sagt: „Ich kenne ihn nicht. Er trug ein weißes Käppchen.“

Dann überprüfen die Agenten ihr Auto gründlich nach Wanzen, finden nichts und reisen ab. Sie wollen Deutschland verlassen, wissen aber noch nicht, was ihr nächstes Ziel sein wird. Auch Österreich weckt unangenehme Erinnerungen in ihnen, und so steuert Cevas zunächst Prag an. Auf dem Weg dorthin werden Pläne gemacht und Recherchen durchgeführt.

Vasily kümmert sich zunächst um die Botschaft. „Proserpine! War das nicht dieses Schiff, von dem wir schon gehört haben?“ fragt er. Er durchsucht alle Unterlagen und stößt in den Dokumenten, die sie aus dem NIEP in Bukarest entwenden konnten auf den Namen. „Hier! Es ist das Schiff, dass 1901 Tiefenmessungen im Schwarzen Meer durchgeführt hat und dabei beschädigt wurde. An anderer Stelle heißt es, es sei vor der Küste von Sheerness beschädigt worden, als habe jemand die Mission des Schiffes im Schwarzen Meer verheimlichen wollen!“ Vasily recherchiert im Dracula Dossier und stößt auch da auf Einträge: „Hört euch das an: Hier fragt sich der Kommentator aus den 70ern, ob Vampire das Wetter beeinflussen können, oder ob es sich ihren Gemütsschwankungen entsprechend automatisch verändert. Er will diesbezüglich Wetterberichte von „Proserpine“ überprüfen. Und hier berichtet der moderne Kommentator von einem Schiff namens HMS Proserpine, auf dem irgendwelche Agenten ausgebildet wurden, das aber nach 1919 in keinen Gehaltslisten mehr auftaucht.“

Die Agenten beginnen ein paar Theorien aufzustellen. Cevas überlegt: „Mal angenommen, es gibt irgendetwas, was Dracula oder seine Vampire alle Jahrzehnte mal wieder von neuem aktiviert… Erdaktivitäten, Erdbeben… irgend so etwas. Vielleicht wissen diese Briten davon und können entsprechend frühzeitig reagieren, wenn es mal wieder soweit ist. Vielleicht haben sie irgendeine Vorrichtung getroffen, die sie informiert, wenn es mal wieder soweit ist. Vielleicht ist derzeit mal wieder so ein Moment gekommen, und als die Vorrichtung die Leute von Operation Edom informierte…“ „…da hat es uns gleich mit wachgerüttelt“, ergänzt Vasily und fügt hinzu: „Kann schon sein. Ich möchte bloß wissen, wer uns diese Botschaft geschrieben hat. Wir sollten ein paar genauere Untersuchungen anstellen!“

In Prag angekommen nehmen die Agenten das, was sie haben, genauer unter die Lupe. Yuri gelingt es, von der rumänischen Zigarettenschachtel und von der handgeschriebenen Nachricht aus dem Münchener Hotel ein paar Fingerabdrücke zu nehmen. Vasily verschickt diese Fingerabdrücke an einen ehemaligen Mitarbeiter, der inzwischen bei Interpol arbeitet und Zugang zu deren Archiven hat. Cevas nimmt sich die Eisenstange vor. Die eingravierten Symbole weisen okkulten Charakter auf, was sie konkret bedeuten, weiß Cevas allerdings nicht zu erkennen. Immerhin bemerkt Cevas, dass die Stange schwach magnetisch ist. Er sägt daraufhin kurzerhand vom stumpfen Ende ein Stück ab. Dieses Stück schickt Vasily zur näheren Untersuchung nach Kreuzburg zu Dr. Ionesco. Der Mann ist zwar Mediziner, die Agenten hoffen aber, dass er als Universitätsmitarbeiter leicht einen seiner Kollegen dazu überreden kann, eine Spektrografie von dem Material zu machen.

Als nächstes kontaktiert Vasily Linus Linderoth, einen befreundeten schwedischen Anwalt, und befragt ihn zu den Vorkommnissen um seine Frau Natasha Zhukovskaya. Linderoth erzählt ihm, dass die Angelegenheit tatsächlich recht rätselhaft sein. Er bestätigt, dass Natasha angeklagt sei, einem orthodoxen Priester das Ohr abgebissen zu haben. Vasily will den Namen des Priesters wissen. Linderoth nennt ihn. Es ist ein Mann, den seine Frau schon immer unangenehm fand. Linderoth berichtet weiter, Natasha habe sich ihrer Festnahme widersetzt und sei gegenüber der schwedischen Polizei aggressiv geworden. Derzeit sitze sie in Untersuchungshaft. Linderoth bestätigt Vasily, dass sich all das ganz und gar nicht nach seiner Frau anhöre und bittet ihn darum, ihn als Anwalt mit der Verteidigung seiner Frau zu beauftragen. Vasily tut es, indem er ihm eine digitale Unterschrift zusendet. Linderoth verspricht ihm, Bescheid zu sagen, wenn er neue Informationen habe.

Kristina recherchiert inzwischen ein wenig nach Geerd Hoorn, dem Niederländer, den sie ihrer Botschaft zufolge über Proserpine befragen sollen. Sie erfährt, dass Hoorn in den Siebzigern sein muss und jahrzehntelang neben seiner beruflichen Tätigkeit auf Schiffen und im Hafen Rotterdams als Gewerkschaftsaktivist für die niederländische sozialistische Linke tätig war. Telefonnummer oder Adresse lässt sich nicht ermitteln. Kristina führt ein Telefonat mit der Gewerkschaftssekretärin in Rotterdam, die natürlich auch keine Adressen herausgibt, immerhin aber verrät, dass Hoorn inzwischen in Amsterdam wohne. Sie bietet Kristina außerdem an, eine Email an Hoorn weiterzuleiten. Kristina legt eine neue Email-Adresse an in der sie Hoorn um ein Gespräch bittet und schickt sie an die Gewerkschaft.

Irgendwann gehen die Agenten zu Bett. Am nächsten Tag beschließen die Agenten nach Amsterdam zu fahren. Auf der Fahrt meldet sich als erstes der Mann von Interpol. Er berichtet Vasily, dass der Fingerabdruck auf der handgeschriebenen Botschaft keinen Treffer erbracht hat. Den Fingerabdruck auf der Zigarettenschachtel habe er aber identifizieren können. Er gehöre einem gewissen Sergiu Popescu, einem Mitarbeiter des rumänischen Inlandsgeheimdienstes SRI. Normalerweise führe Interpol keine Dateien über Geheimdienstmitarbeiter. Bei Popescu sei das allerdings anders. Er habe vor dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts für die Securitate, den berüchtigten Geheimdienst der kommunistischen Regierung Rumäniens, gearbeitet und sei dann 1990 einfach weiterbeschäftigt worden. Über solche übernommenen Agenten mit unsicherer Loyalität führe Interpol Dossiers. Vasily bedankt sich und erzählt seinen Gefährten, was er erfahren hat. Die Fahrt nach Amsterdam wird trotzdem fortgesetzt.

Drei Stunden später bekommt Kristina eine Email von Geerd Hoorn. Der Mann will wissen, wie er ihr weiterhelfen kann. Nach kurzer Diskussion beschließen die Agenten, konkreter zu werden. Kristina schreibt ihm in ihrer Antwort, dass sie von ihm eine Auskunft über „Proserpine“ haben möchte. Hoorn schickt eine weitere Email. Er schreibt: „Sind Sie sicher, dass Sie an der richtigen Adresse gelandet sind? Ich weiß nicht, ob ich Ihnen weiterhelfen kann, werde Ihnen aber sicherlich nur mündlich bei einem Gespräch in der Öffentlichkeit Auskunft geben.“ Kristina erklärt sich dazu bereit und bekommt in einer dritten Email von Hoorn die Adresse eines Coffee-Shops namens „Voyagers“ genannt. Er wird am nächsten Tag am frühen Nachmittag dort sein.

Vasily forscht in der Zwischenzeit dem Namen HMS Proserpine nach und stößt auf Widersprüche. Offiziell besitzt die britische Marine gegenwärtig kein Schiff mit dem Namen HMS Proserpine. Dann aber gelingt es ihm, sich in die Gehaltslisten der Royal Navy zu hacken. Dort findet sich eine kleine Besatzung einer HMS Proserpine. Vasily überprüft ein paar der angegebenen Namen und stellt fest, dass es sich um Tote handelt: „Beim Manöver umgekommen, gefallen in Afghanistan, gefallen im Irak… ob das nun Tarnnamen sind oder ob diese Männer noch leben – hier wird irgendetwas verheimlicht… und es scheint kleine Kleinigkeit zu sein!“

Schließlich erreichen die Agenten Amsterdam und nehmen sich ein Hotelzimmer. Am nächsten Tag statten sie dem Coffee-Shop einen Besuch ab. Das Gespräch führen Kristina und Vasily, Yuri und Cevas halten sich im Hintergrund bereit, falls es gefährlich werden sollte. Cevas setzt ein schiefes Grinsen auf, als er das Motto des Coffee-Shops über den Tresen liest: „Come high – get higher!“ Kristina und Vasily sind etwas überrascht. Vor ihnen sitzt ein Mann, der nicht so aussieht, als sei er über 70. Er wirkt vielleicht 20 Jahre jünger und gehört zu den Typen, die ihr Leben lang körperlich gearbeitet haben, dabei aber nicht zerbrochen sind, sondern sich irgendwie frisch gehalten und gestählt haben. Über Hoorns weitstehenden blauen Augen befinden sich gestutzte Augenbrauen, seinen Schädel und seinen borstigen, grauen Bart hat er bis auf eisengraue Stoppeln abgeschoren. Er starrt seine Gesprächspartner an und zieht zwischendurch hin und wieder an seltsam riechenden selbstgedrehten Zigaretten. „Marihuana riecht anders“, denken Kristina und Vasily. Dann beginnen sie das Gespräch.

Hoorn erzählt ihnen, dass er ein paar Informationen über die HMS Proserpine habe. Allerdings habe er kein Interesse daran, sie irgendwelchen dahergelaufenen Fremden auf die Nase zu binden. Er will daher zunächst einmal wissen, was seine Gesprächspartner für ein Interesse an dem Ort haben. Der weitere Verlauf des Gesprächs ist von einer relativ großen Offenheit geprägt. Kristina und Vasily merken, dass sie hier nur etwas erreichen können, wenn sie die Karten auf den Tisch legen. Sie erzählen Hoorn von ihren bisherigen Informationen über die HMS Proserpine, von Ausgrabungen in Rumänien, machen überdeutliche Anspielungen auf dort existierende Vampire, berichten von seismischen Aktivitäten und Erdfeuern und erwähnen auch die Lisky Bratva. Als der Name der russischen Mafia Organisation fällt, ballt Hoorn seine Hände und er hakt nach. Kristina und Vasily erzählen ihm von dem Menschenlager bei Debrecen und von grausigen Erlebnissen im Kloster Dragovir. Daraufhin wird Hoorn gesprächig. Er erzählt, dass er 1954 als hitzköpfiger Teenager auf einer sozialistischen Arbeiterkonferenz in Warschau gewesen sei. Für Moskau sei er damals nicht mehr als ein einfacher Zuarbeiter gewesen, der linke Ideen im Westen publik macht. Dann habe er seine Tätigkeit als Gewerkschaftsaktivist begonnen und irgendwann – warum auch immer – habe Moskau wohl erkannt, dass Hoorn zu nützlicheren Tätigkeiten herangezogen werden könne. Er habe daraufhin seine Kontakte zum holländischen Seeschiffahrtsgewerbe genutzt und den Russen Informationen über ungewöhnliche Frachten geliefert. Besonderes Interesse erregten dabei Meldungen über verschiffte Särge, Leichen, auffällig große Mengen Blutes und rumänische Erde.

In diesem Zusammenhang sei er wiederholt auf die HMS Proserpine gestoßen. Das sei eine Ölplattform in der Nordsee, eine sogenannte „steinerne Fregatte“. So nennen die Briten ihre Marinestützpunkte. Oft gäben sie ihnen Namen von Schiffen, um die dort arbeitenden Soldaten daran zu erinnern, dass auch an diesen Orten das Seerecht gelte. An die HMS Proserpine seien vor allem große Mengen Blutes und hin und wieder auch Spezialsärge geliefert worden. Zuständig für die Lieferungen sei die Spedition HGD Shipping gewesen.

Hoorn erzählt Kristina und Vasily von diesen Dingen, weil er in den letzten zwei, drei Jahren im Zusammenhang mit seinen russischen Kontaktleuten immer mal wieder von der Lisky Bratva gehört habe. Er habe nicht genauer nachgefragt, was die Lisky Bratva für eine Organisatin sei. Er wisse auch nicht, ob es sich bei diesen Leuten um Gegner oder Verbündete seiner Kontaktleute handele. Schon die Möglichkeit, dass die Leute, denen er jahrzehntelang geheime Informationen übermittelt hat, mit Menschenhändlern und Verbrechern gemeinsame Sache machen könnten, mache ihm allerdings schwer zu schaffen.

„Sollte ich auf das falsche Pferd gesetzt haben, bin ich wahrscheinlich zu alt dafür, diesen Fehler wieder gutzumachen. Ich habe die Hoffnung, dass ihr es vielleicht für mich machen könnt. Ihr wisst jetzt, was ich weiß und was ich den Russen erzählt habe. Vernichtet die Email und die Email Adresse, über die wir kommuniziert haben. Wir gehen jetzt los und kaufen zwei Einweg-Handys. Über das eine verabrede ich mich wieder mit euch, wenn ich die geographischen Koordinaten der HMS Proserpine herausbekommen habe. Das kann ein, zwei Tage dauern. Über das andere könnt ihr mich kontaktieren, wenn ihr herausgefunden haben solltet, dass ich für Verbündete der Lisky Bratva gearbeitet habe. Die Organisation meines Kontaktmannes ist die URPO, die „Direktion zur Infiltration krimineller Organisationen“, eine Sonderabteilung des russischen Geheimdienstes. Mein Kontaktmann benutzte den Namen Olya Obolonchyk. Sollte sich herausstellen, dass sie mit der Lisky Bratva gemeinsame Sache machen, dann sagt Bescheid. Ich gebe euch dann die Adresse im Darknet, über die ich Obolonchyk Informationen geliefert habe.“ Kristina und Vasily sind einverstanden. Nach ihrem Handykauf verabschieden sie sich von Hoorn, für den das Gespräch offenbar nicht einfach gewesen ist.

Zurück in ihrem Amsterdamer Hotel erfahren die Agenten noch etwas mehr. Dr. Ionescu hat sich aus Kreuzburg gemeldet und berichtet, dass es sich bei dem Eisen, das Cevas von der spitzen Stange entfernt hat, um ganz gewöhnliches Metall handelt.

Dann beginnen die Agenten zu planen. Wenn es stimmt, dass Samir auf der HMS Proserpine gefangen gehalten wird, sollten sie dieser Ölplattform einen Besuch abstatten. Vielleicht geht das sogar, ohne britischen Boden zu betreten. Vorstellbar wäre, sich ein Boot zu beschaffen, sich damit in die Nähe der Ölplattform zu begeben, vor Anker zu gehen und dann über Tauchscooter zur Plattform zu gelangen. Auf diese Weise könnte ihr Besuch möglicherweise unerkannt bleiben.

Zwei Tage später ruft Geerd Hoorn an und vereinbart mit Kristina und Vasily ein weiteres Treffen im Coffee-Shop Voyagers. Hier teilt er den Agenten die geographischen Daten der HMS Proserpine mit. Sein Händeschütteln zum Abschied fällt lang und herzlich aus. Tief schaut er den Gefährten in die Augen. Dann geht er. Die Agenten haben sich schon vorher dagegen entschieden, Hoorn heimlich zu seiner Wohnung zu folgen.

Mit den neuen Informationen bekommt Vasily noch ein paar Kleinigkeiten mehr heraus. Er erfährt, dass HGD Shipping hauptsächlich im Schwarzen Meer operiert. Mit zwei kleineren Versorgungsschiffen sei die Spedition aber auch in der Nordsee aktiv. Vasily erfährt außerdem, dass an dem von Hoorn genannten Koordinaten 1977 eine Ölplattform erbaut wurde, die aber nie Öl gefördert hat. Kurz nach ihrer Fertigstellung sei sie aus irgendwelchen Gründen gedeckelt worden. „Sieht danach aus, als sei sie von Anfang an als Stützpunkt des Geheimdienstes errichtet worden“, sagt er. Die Agenten nicken und packen ihre Koffer.

-

Endlich wieder eine Sitzung Dracula Dossier – der vorangegangene Termin ist leider geplatzt. Der Spieler Samirs macht gerade Examen und pausiert deshalb bei uns. Ob er danach wieder einsteigt, ist noch nicht ganz klar. Wenn er das tut, werde ich versuchen, das Mirror-Game voll auszuspielen. Auf welcher Seite befindet sich der befreite Samir? Die Frage sollte den Agenten ein wenig Kopfzerbrechen bereiten. Ich komme aber auch zurecht, wenn er aussteigen sollte.

Inzwischen hat die Gruppe den vierten Level der Conspyramid erreicht und hängt jetzt mittendrin in dem Spiel, dass sich Draculas Verschwörung und Operation Edom liefern. Geerd Hoorn ist ein Nachfahr Van Helsings und die letzte Legacy, die ich ins Spiel bringen wollte.

Die Recherchen waren nochmal ziemlich intensiv und aufwändig, aber immerhin von Erfolg gekrönt. Wenn die Agenten beim nächsten Mal wirklich zur HMS Proserpine aufbrechen, steht uns ein aufregender Abend bevor. Eine Mitspielerin sagte zu dem Plan, den sie gemacht haben: „Wir machen dann so etwas Ähnliches, wie es in diesen James Bond Filmen passiert, ist euch das klar?“ Antwort ihrer Mitspieler: „Äh, ja…“ Ich habe natürlich gegrinst.

Was immer auf der Ölplattform geschehen wird, ich werde wohl versuchen, ein paar weitere Spuren nach England zu legen. Es kann sein, dass das die letzte Chance in unserer Kampagne für Großbritannien ist.
« Letzte Änderung: 21.03.2021 | 00:33 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #16 am: 4.04.2021 | 15:46 »
Auf der HMS Proserpine (13)



Die nächste Aktivität der Agenten besteht darin, dass sie sich eine Karte für eine Fähre nach Norwegen besorgen. Drei Tage später sind sie in Stavanger und klappern ein paar Organisationen ab, die für Touristen Hubschrauberflüge anbieten. Sie wollen einen dieser Hubschrauber, die sich auch auf dem Wasser landen lassen, ohne Piloten chartern und dann von Yuri fliegen lassen, der einen entsprechenden Flugschein besitzt. Als sie durch die Tür des Anbieters Guide Companiet treten, wird Kristina plötzlich auf Schwedisch angesprochen. Hinter den Thresen steht Sven, ein ehemaliger Schulkamerad von ihr, den es offensichtlich in die Tourismusbranche verschlagen hat. Zunächst wehrt sich Sven ein wenig gegen Kristinas Plan. Die Organisation vermietet Hubschrauber eigentlich nur mit Piloten. Nach einigem guten Zureden, erklärt sich Sven bereit, den nächsten Hubschrauber, der aus der Wartung kommt, noch einen Tag länger zurück und ihn stattdessen den Agenten zur Verfügung zu stellen. Bis es soweit ist, besorgen sich die Agenten das nötige Equipment: Tauchscooter, Neoprenanzüge, Waffen, Schalldämpfer.

Zwei Tage später ruft Sven bei ihnen an. Es kann losgehen. Sie fahren bei Guide Companiet vorbei und Sven weist sie ein. Er erzählt ihnen auch, dass der Helikopfter mit einem Funker namens Matthijs in Verbindung stände. Wenn es irgendwelche Probleme gebe, sollten sie sich an ihn wenden. Alle Agenten nicken. Dann fliegt Yuri eine ereignislose Proberunde und landet den Hubschrauber in einem unübersichtlichen Fjord. Zur HMS Proserpine wollen sie erst gegen 2 Uhr in der Nacht aufbrechen.

Die Agenten vertreten sich ein wenig die Beine. In der Nacht ist es dann soweit. Alle klettern in den Helikopter und Yuri startet in Richtung HMS Proserpine. Nach einer knappen halben Stunde empfängt er einen Funkspruch von Matthijs. Die Agenten beschließen, ihn zu ignorieren. In etwa 2 Kilometer Entfernung zur Ölplattform landet Yuri den Helikopter auf dem Wasser. Die Agenten nehmen ihre Tauch-Scooter, springen ins Wasser und lassen sich zu Ölplattform ziehen. Auf diesem Weg können sie erkennen, dass die Plattform im Wesentlichen aus drei Decks besteht. Die unterste dieser Ebenen befindet sich etwa15 Meter über dem Meeresspiegel. An einem der gewaltigen Gerüstbeine befindet sich eine Anlegestelle für kleine Motorboote, von denen sechs zu sehen sind. Dort führt eine enge Leiter hinauf auf das unterste Dock. Die Agenten können außerdem erkennen, dass von der untersten Ebene ein großer Container an Ketten herabhängt. Er befindet sich auf halber Strecke zwischen Plattform und Meeresspiegel und besitzt ein paar Lüftungsöffnungen.

Die Agenten steuern die Anlegestelle mit den kleinen Booten an. Sie befestigen ihre Tauch-Scooter an der Anlegestelle und klettern die metallenen Stufen hinauf. Kristina macht ihren Gefährten ein Zeichen und deutet auf ein bullaugenartiges Fenster im nächstliegenden Raum, aus dem etwas Licht fällt. Die Agenten ducken sich und wenden sich zur nahegelegenen Südwestecke der Plattform. Schnell sind sie hinter der Ecke verschwunden.

Von dort aus erreichen sie eine kleine Plattform, an der vielleicht Waren angeliefert werden. Die an dieser Stelle befindliche Tür lassen sie links liegen. Ein paar Meter weiter führt eine weitere Tür ins Innere der Ölplattform. Das einfache Schloss hat Vasily schnell überwunden und die Agenten dringen in einen Bereich mit vielen Türen und offensichtlich dahinter befindlichen kleineren Räumen vor. Jede dieser Türen besitzt ein Namensschild mit teilweise absurder Beschriftung: Eddie, Buffalo Bill, aber auch King Kong sollen hier wohnen. Die Agenten vermuten, dass sie sich in den Mannschaftsquartieren befinden. Noch immer ist es mitten in der Nacht. Es scheint niemand unterwegs zu sein.

Am Ende des Wohnbereichs finden die Agenten einen Treppenaufgang zur mittleren Ebene der Ölplattform. Sie schleichen hinauf und gelangen in einen Bereich, der aussieht, als würden in ihm medizinische Untersuchungen angestellt, er enthält aber auch eine Wand mit Schließfächern für irgendwelche persönlichen Besitztümer. Werden hier neue Gefangene eingecheckt? Die Agenten sind sich nicht ganz sicher.

Eine Tür weite befinden sich die Agenten in einem kurzen Verbindungsgang. Zur linken ist ein Hochsicherheitsaufzug, der auf das Oberdeck führt. Zur rechten geht es ins Freie. Geradeaus deuten allerdings gekreuzte Messer und Gabeln über der Tür auf die Messe hin. Die Agenten dringen dort ein, sehen sich um und finden einen weiteren Ausgang, der aber über ein Chipkartenschloss gesichert ist. Vasily beschäftigt sich eine Weile damit und kann die Tür schließlich öffnen.

Im dahinter liegenden Bereich befinden sich mehrere Computer-Arbeitsplätze. Noch immer sind die Agenten niemandem begegnet. Vasily setzt sich an einen der Arbeitsplätze und sieht nach, was sich hier an Informationen mitnehmen lässt.

Zunächst stößt er auf einen umfangreichen Email-Verkehr. Die wichtigsten Kommunikationspartner mit der Belegschaft der HMS Proserpine ist eine Einrichtung namens „Ring“. Vasily findet heraus, dass es sich dabei um das Hauptquartier der Operation Edom handelt und dass es sich in Surrey, genauer gesagt in dem Örtchen Godalming, etwa 50 Kilometer südwestlich von London, befindet. „Godalming?“, fragt Cevas. „So hieß doch dieser Aristokrat bei Stoker!“ Seine Gefährten nicken. Kristina sagt: „Arthur Holmwood, Lord Godalming! Übrigens der Vorfahr unserer reizenden Freundin Tabitha, die wir in Bukarest kennengelernt haben.“ Vasily entdeckt außerdem noch, dass die meisten Emails aus „Ring“ von einem gewissen „Duke Tenan“ stammen. Auch nach diesem Namen wird recherchiert. Die Agenten erkennen, dass es sich offensichtlich um einen Decknamen handelt. Duke Tenan war ein Stammesfürst des hebräischen Volkes der Edomiter. „Bizarr!“, sagt Cevas. „Irgendwie scheint Operation Edom von einem göttlichen Sendungsbewusstsein beseelt zu sein.“ Vasily entdeckt außerdem noch ein paar Emails von „Seward´s Asylum“. „Das Irrenhaus von Dr. John Seward… ein weitere Handlungsort aus Stokers Roman!“, sagt Cevas. „Und auch hier kennen wir einen Nachkommen“, meint Kristina: „Dr. Jaqueline Seward, die Nervenärztin mit Adoptivambitionen.“

Dann stößt Vasily auf eine Datei, in der die gegenwärtigen Gefangenen der HMS Proserpine festgehalten sind. „Eine Handvoll Leute mit südamerikanisch oder arabisch klingenden Namen!“, sagt Vasily. „Hier ist Samir: Zelle 3! Aber schaut euch das an!“, er ruft erstaunt aus: „Es scheint einen oder mehrere besondere Sicherheitsbereiche zu geben. Und dort finden sich die Namen Lucy Westenra und Elizabeth Báthory!“ Die Agenten sind schockiert. Die Blutgräfin hier auf der Ölplattform? Lucy Westenra, Stokers Roman zufolge Draculas erstes britisches Opfer, ebenfalls hier? „Das gibt´s doch nicht!“, sagt Yuri. Aber Vasily forscht noch in ein paar weiteren Dokumenten und findet ein paar Informationen mehr: „Hier sieht es danach aus, als wäre Lucy Westenra zunächst auf einem Kreuzer gefangen gehalten worden, dann hat man sie nach Scapa Flow gebracht und nach dem Bau der Ölplattform wurde sie dann hierher gebracht. Elizabeth Báthory wird offenbar erst seit den Siebziger Jahren hier festgehalten.“ Die Agenten schauen sich mit großen Augen an. Yuri sagt: „Wir müssen noch vorsichtiger sein, als gedacht! Ein paar Hinweise haben wir. Lasst uns Samir befreien und dann verschwinden.“ Seine Gefährten sind einverstanden.

Aus dem Raum mit den Computer-Arbeitsplätzen führen abgesehen vom Durchgang zur Messe noch drei weitere Ausgänge hinaus. Alle Türen lassen sich nur mit Chipkarten öffnen, der Mechanismus ist aber immer gleich, sodass Vasily schnell eine weitere Tür zur Linken öffnen kann. Hinter dem Durchgang befindet sich ein Aufenthaltsbereich mit bequemen Sofas, einem Tisch, auf den ein Schachbrett eingraviert wurde und ein paar Regale mit ein paar Spielsachen und Büchern. Links von dem Bereich befindet sich ein Hochsicherheitsaufzug – vielleicht ein weitere Zugang zu dem Aufzug, den sie bereits entdeckt haben. Geradeaus befindet sich eine Tür mit Bullaugen, durch die Licht fällt. Zur Rechten ist ein Bereich durch den ein paar große Lüftungsschächte führen, die offensichtlich auf der gesamten Ölplattform für Frischluft sorgen. Die Agenten gehen zwischen den großen Rohren hindurch und gelangen in einen dahinter liegenden weiteren Wohnbereich mit kleineren Kabinen. Auch hier befinden sich Namensschilder neben den Türen, diese aber besitzen höhere Titel. „Hier wohnt das Führungspersonal“, flüstert Vasily. „Was sollen wir hier? Kehren wir zurück!“

Nun schleicht sich Cevas im Aufenthaltsbereich an das erleuchtete Bullauge heran und blickt vorsichtig in den dahinter liegenden Raum. Seinen Gefährten sagt er: „Ein Wachraum. Zwei Typen sind dort und schauen auf irgendwelche Überwachungskameras. Sie sehen nicht alarmiert aus, machen aber ihren Job. Im hinteren Bereich des Raumes befindet sich ein weitere Hochsicherheitsaufzug und zwei weitere Türen.“ Was bewachen diese Wachen, fragen sich die Agenten. Vielleicht Gefangene? Die Agenten beschließen, die Wachen auszuschalten. Kristina reißt die Tür zur Wachstube auf, schießt und einer der Gegner fällt tot zu Boden. Auch Yuri gibt einen Schuss ab, verfehlt seinen Gegner aber. Dafür schiebt sich Cevas an ihm vorbei, stürzt mit seinem Kukri-Messer auf die verbliebene Waffe zu und schlitzt ihr, noch bevor sie ihre Waffe aus dem Halfter ziehen konnte, mit einem einzigen Schlag die Kehle auf. Nach einem kurzen Röcheln bricht auch dieser Gegner zusammen. Die Wachstube ist blutbesudelt, Cevas auch.

Die Agenten wenden sich nach links, passieren eine Tür und finden sich in dem Bereich für das Einchecken neuer Gefangene wieder, in dem sie zu Beginn ihrer Infiltration schon einmal waren. Als sie in die Wachstube zurückkehren, sind irgendwo in einem entfernten, höher gelegenen Bereich der Ölplattform Geräusche zu hören. Türen schlagen, Rufe sind zu hören, Schrittgeräsuche erklingen. Es sieht so aus, als wären die Agenten entdeckt worden. Erst jetzt fällt den Agenten auf, dass die Nacht auch schon vergangen ist und ein diesiges Tageslicht durch die Fenster fällt. „Jetzt aber los!“, sagt Vasily.

Die Agenten sich nach rechts, passieren eine Tür und sind in einem Bereich mit Zellen. Die Nummern reichen von 11 – 20, sie suchen aber Samirs Zelle mit der Nummer 3. Durch eine zweite Tür verlassen die Agenten den Bereich wieder und stehen plötzlich am Rand der Ölplattform auf dem metallenen Laufsteg, der um die gesamte Anlage herum führt. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Treppe, die zurück zur untersten Ebene führt. Die Agenten steigen hinab und stehen vor weiteren Zellenbereichen. Noch einmal durchqueren sie einen falschen Bereich, dann stehen sie endlich im Bereich mit den Zellen 1 – 10. Schnell ist Samirs Zelle gefunden und von Vasily geknackt. Samir macht große Augen und folgt seinen Gefährten schnell.

Wieder wenden sich die Agenten nach draußen, denn auch auf dem unteren Deck läuft ein metallener Steg um die gesamte Ölplattform herum. Da es nicht mehr lange dauern kann, bis sie von irgendwelchen Verfolgern gestellt werden, springen sie ins Meer, schwimmen zu ihren Tauchscootern und mit diesen dann zurück in Richtung Helikopter. Nachdem sie den Bereich deer Ölplattform verlassen haben werden Männer auf dem Unterdeck sichtbar, die ihnen ein paar Kugeln hinterherjagen. Vasily bekommt dabei einen Streifschuss ab, ansonsten erreichen alle wohlbehalten den Hubschrauber. Yuri setzt sich hinter das Steuer und startet, aber schon bald sagt Kristina: „Schaut mal, auf der Plattform startet eben auch ein Helikopter!“

Obwohl Yuri Gas gibt wird schnell deutlich, dass sich der verfolgende Helikopter nicht so leicht abschütteln lassen wird. Schüsse fallen, sowohl von den Verfolgern, als auch von den Agenten. Der gegenrische Hubschrauber gerät zeitweilig ins Trudeln, aber auch der Hubschrauber der Agenten wird beschädigt. Schließlich ist der Feind sehr nah. Cevas wirft sein Kukri-Messer direkt in die Rotoraufhängung der gegnerischen Maschine hinein und hat Glück. Offensichtlich wurden die Propeller blockiert. Eine Rauchfahne hinter sich herziehend stürzt der gegnerische Helikopter ins Meer.

Auf dem weiteren Flug erzählt Samir, wie es ihm ergangen ist. Er wurde von ein paar Leuten von Operation Edom verhört. Gefragt wurde er vor allem nach den Plänen und dem Informationsstand der Agenten. Bisher konnte er schweigen, musste sich aber immerhin die Drohung anhören, dass man ihn leicht zum Renfield machen könne. Dann würde er schon gesprächig werden.

Cevas kennt sich aus: „Zum Renfield? Das war in Stokers Roman dieser wahnsinnige Diener von Dracula, der übermenschliche Stärke besaß und seinem Herrn und Meister willenlos ergeben war! Die Drohung sollten wir ernst nehmen. Wenn Operation Edom schon zwei Vampire in ihrer Gewalt haben, besitzen sie sicherlich auch die Möglichkeit, aus Menschen Renfields zu machen!“

Kurz darauf meldet sich über Funk ein aufgeregter Matthijs und spricht: „Endlich habe ich wieder Kontakt zu euch! Wo bleibt ihr denn? Wir vermissen euch seit gestern abend!“ Yuri antwortet ohne längere Erklärungen: „Wir sind gleich zurück.“ Zunächst aber landen die Agenten den Helikopter in einem einsamen Waldgebiet. Yuri schaut sich die Einschusslöcher an, die der Hubschrauber abbekommen hat, und erkennt: „Den werden wir nicht ohne peinliche Nachfragen zurückgeben können. Lasst ihn uns einfach hier lassen und verschwinden.

So geschieht es. Ein geknacktes Auto später fahren die Agenten die Landstraße entlang und überlegen sich, wie sie weiter vorgehen. Sie wissen, wo das Hauptquartier von Operation Edom liegt, dass Seward´s Asylum Verbindungen zu Edom unterhält, kennen ein paar Gefangenennamen von der HMS Proserpine und eine Galerie in London, in der sich Bilder von Francis Aytown, einem der Dracula Jäger aus viktorianischen Zeiten, befinden. Vasily aber sagt: „Wir sind in Norwegen, Freunde! Schweden ist nicht allzu weit. Mir wäre es lieb, wir nutzten die Gelegenheit und sähen mal nach, was mit meiner Frau los ist.“ Die Agenten schweigen eine Weile, dann sagt Cevas: „Kann ich verstehen.“ Er lenkt den gestohlenen Wagen Richtung Stockholm.

-

Das war ein cooles Kommandounternehmen. Wie üblich waren meine Spieler vorsichtig. Zu den Vampiren und den wirklich heißen Orten auf der HMS Proserpine sind sie gar nicht gekommen. Macht aber nichts. Sie haben wichtige Informationen bekommen, mit denen das Spiel weitergehen kann. Und sie sind ohne gravierende Folgen wieder von der Ölplattform herunter gekommen. Insgesamt also ein Erfolg, der meine Spieler auch gefreut hat.

Jetzt muss ich allerdings erstmal sehen, was ich aus dieser Sache mit Vasilys Frau mache. Hier bewegen wir uns gerade mal über die Grenze des Dracula Dossiers hinaus. Ich habe das Abenteuer „The Slayer Elite“ aud den „The Edom Files“ im Kopf, dass sich vielleicht ein bisschen ummodeln lässt und so als Befreiungsaktion für Vasilys Gattin verwendet werden kann. Das muss ich mir aber nochmal genauer ansehen.
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #17 am: 28.04.2021 | 22:16 »
In den Schären von Stockholm (14)



Am zweiten Tag ihrer Fahrt durch Skandinavien nähern sich die Agenten Stockholm. Vasily versucht Linus Linderoth zu erreichen, den befreundeten Anwalt, den er mit der Verteidigung seiner Frau beauftragt hat. Allerdings ist der Mann nicht erreichbar. Die Mailbox seiner Kanzlei enthält eine automatische Information, dass die Kanzlei noch bis zum Ende des Monats Urlaub mache. Dann werden Anrufer aufgefordert, sich in dringenden Fällen an die Kanzlei Viklund zu wenden.

Vasily wundert sich: Warum macht Linderoth gerade jetzt Urlaub und erzählt ihm nichts davon? Nach einer Weile ruft er die Kanzlei Viklund an. Von einer dortigen Mitarbeiterin erfährt Vasily, dass die beiden Kanzleien tatsächlich ein gutes kollegiales Verhältnis miteinander pflegen und auch öfter gegenseitig Urlaubsvertretungen machen. Vasily sei allerdings jetzt der dritte Klient von Linderoth, der bei Viklund anruft und das seltsame ist, dass Linderoth Viklund über seinen Anruf gar nicht informiert habe.

Vasily wundert sich noch mehr. Dann erzählt er der Mitarbeiterin, dass Linderoth die Verteidigung seiner Frau übernommen habe und auch ihm von seinem Urlaub nichts erzählt habe. Die Frau aus der Kanzlei fragt Vasily, ob er möchte, dass Viklund den Fall übernimmt. Etwas zögerlich willigt Vasily ein. Nach ein paar ersten Informationen erzählt ihm die Frau, dass sie sich zunächst einmal bei der schwedischen Polizei melden wolle. Normalerweise lässt sich so herausbekommen, in welchem Gefängnis Vasilys Gattin in Untersuchungshaft sitzt und ob ein Besuch der Gefangenen möglich sei. Vasily stimmt zu und verspricht auf den Rückruf der Kanzlei zu warten.

Inzwischen erreichen die Agenten Stockholm. Sie nehmen sich ein Hotelzimmer, richten sich ein wenig ein und beginnen weitere Pläne zu machen, als die Kanzlei Viklund zurückruft. Die Anruferin wirkt etwas durcheinander: „Hören Sie, wir können Ihnen nicht sagen, was da los ist. Als wir aber der Polizei erzählt haben, dass wir die Vertretung des Gatten von Natasha Zhukovskaya übernommen haben, war es, als hätten wir in ein Hornissennest gestochen. Wenig später hatten wir den Stockholmer Polizeidistriktleiter am Apparat, der uns dringend um Kooperation gebeten hat. In diesem Moment sind ein paar Beamte auf dem Weg zu uns, denen wir in Kürze das Wenige erzählen werden, was wir wissen. Es sieht alles danach aus, als wolle man Sie in die Finger bekommen. Insgesamt ist uns die Sache zu heiß. Weil Sie offen zu uns waren, wollten wir sie aber nicht uninformiert lassen. Alles Gute!“

Genervt vernichtet Vasily sein Handy und blickt fragend seine Mitstreiter an. Kristina meint: „Immer mit der Ruhe. Das hier ist auch meine Stadt. Ich habe hier ein paar Freunde und Bekannte. Besorgt doch inzwischen neue Ausrüstung, ich höre mich ein wenig in Polizeikreisen um und versuche zu erfahren, was mit Vasilys Frau passiert ist.“

Es dauert eine Weile, bis Kristina einen alten Bekannten erreicht. Der Mann ist Polizist und freut sich, dass Kristina sich meldet, als aber der Name von Vasilys Frau schweigt er erst einmal. Kristina redet geduldig auf ihn ein und irgendwann erzählt ihr Bekannter widerstrebend, dass Natasha Zhukovskaya bei einem Gefangenentransport, der sie zu einer Vorladung bringen sollte, geflohen sei. Alles deute darauf hin, dass sie Unterstützung gehabt habe. Kristina gibt vor, lediglich aus beruflichem Interesse neugierig auf den Fall zu sein, aber ihr Bekannter weigert sich, ihr weitere Informationen zu liefern. „Jedenfalls nicht am Telefon…“, sagt er. Am frühen Abend trifft er sich mit Kristina in einem Starbucks Café.

Nach ein wenig Smalltalk packt der Polizist schließlich aus. Natasha Zhukovskaya sollte vor 5 Tagen einem Richter vorgestellt werden und ist mit einem Sicherheitstransporter dorthin gebracht worden. Vier Sicherheitsbeamte haben sie aus diesem Weg begleitet. Das Auto sei aber durch ein anderes Auto so aggressiv gerammt worden, dass es zum Stillstand gekommen sei. Dann habe ein Überfall stattgefunden, bei dem die vier Wachen ermordet wurden. Der Transportraum, in dem sich die Gefangene befunden habe, sei durch unerklärbare Kraftanstrengungen aufgebrochen worden. Von der Gefangenen fehle jede Spur. Der einzige Hinweis auf irgendeinen Täter habe sich auf einem Handy eines der Beamten befunden. Der Mann habe offensichtlich im letzten Moment noch ein Foto machen können, bevor er getötet wurde.

Kristinas Bekannter sagt: „Dieses Foto kennt inzwischen jeder Polizist in Stockholm. Für die Öffentlichkeit ist es allerdings nicht freigegeben.“ Trotzdem lässt er Kristina einen kurzen Blick darauf werfen. Auf dem Bild ist ein vermummter Mann in einem kurzärmligen T-Shirt, der dem Fotografen seine rechte Faust entgegenstreckt. Sein Arm sieht knochig aus, auf seinem rechten Ellbogen und Unterarm ist ein russisches Kreuz, dessen oberer Arm schräg steht, tätowiert. Den Unterarm hinunter befinden sich kyrillische Schriftzeichen. „Ein Zalozhniy“, denkt Kristina sofort und bearbeitet ihren Bekannten noch etwas. Irgendwann erlaubt er ihr, das Foto mit ihrem eigenen Handy abzufotografieren. Die Qualität ist nicht berauschend, vielleicht reicht es aber für ein paar weitere Nachforschungen. Kristinas Bekannter nimmt ihr das Versprechen ab, das Foto nicht weiter zu verbreiten. Nach zwei weiteren Bier verabschiedet sich Kristina und fährt zurück in ihr Hotel.

Hier zeigt sie Vasily und ihren anderen Kollegen das Bild. Vasily, Yuri und Cevas erkennen die kyrillischen Schriftzeichen aus dem Unterarm des Killers: Verhöhnt sei das Land! Yuri erklärt: „Verballhornte russische Insignien und die lästerlich umgedichtete russische Hymne: das sind Tätowierungen wie sie in der russischen Mafia üblich sind. Und wenn ich mich nicht irre, kennen wir genau diese Tätowierungen bereits. Wir haben sie in Wien auf dem Unterarm des Zalozhniy gesehen, der in dieser U-Bahn-Station diese CIA-Agentin ermordet hat.“ Vasily versucht sich zu erinnern: „Haben wir damals nicht sogar nach diesen Tätowierungen recherchiert?“ Cevas erinnert sich, dass sie in der Wiener Stadtb ibliothek auf Mikrochips ein Werk des russischen Kriminalisten Danzig Baldajew einsehen konnten, darin von den von russischen Gefängnistattoos erfahren haben und durch einen glücklichen Zufall sogar eine Abbild genau der Tätowierungen finden konnten, die der besagte Zalozhniy trug. „Ich glaube, weiter sind wir nicht gekommen“, sagt Vasily. „Vielleicht sollten wir nochmal in das Buch hineinschauen. Mit etwas Glück erfahren wir, wer diese Tätowierungen auf dem Arm trug… oder trägt.“

Diese Nachforschungen nehmen den nächsten Tag in Anspruch. Die Mikrochips sind erfreulicherweise digitalisiert und lassen sich über eine Fernleihe einsehen. So erfahren die Agenten, dass es sich bei den Zalozhniy um Aslan Ussojan alias Opa Hassan handelt. Der Mann ist ein hochrangiges Mitglied einer russischen Mafiaorganisation und hat in einem Anfall unüberlegter Großmäuligkeit 2011 allen seinen Gegnern den offenen Krieg erklärt. Einer seiner Gegner war die Lisky Bratva. 2013 wurde Opa Hassan auf offener Straße durch einen Heckenschützen per Kopfschuss ermordet wurde.

„Interessant!“, sagt Cevas. „Wir können mal ausprobieren, ob es stimmt, dass sich die Zalozhniye ins Grab bringen lassen, wenn man ihnen zum zweiten Mal dieselbe tödliche Wunde beibringt“. Kristina nickt. „Wir wissen allerdings nicht, wo Opa Hassan steckt“, sagt Vasily. „Und wir wissen auch nicht, wo meine Frau ist. Wenn das aber Russensind, werden sie sie vielleicht früher oder später dorthin bringen wollen.“ Vasily überprüft ein paar Schifffahrtsgesellschaften, die regelmäßig zwischen Schweden und Russland verkehren und stößt dabei irgendwann auf einen russischen Großindustriellen namens Vitya Yakovich, der ganz in der Nähe von Stockholm, im Vorort Nacka, an einem See eine Villa besitzt. Die Agenten schauen sich die Lage des Hauses an. Es liegt auf einer kleinen Halbinsel an einem See, eine einzige Straße führt dorthin. Der See ist ist aber groß genug für Bootsverkehr und besitzt sogar einen Zugang zu den Schären und damit letztlich auch zur Ostsee. Die Agenten beschließen, sich am nächsten Tag ein Boot zu leihen und sich das Haus von der Seeseite aus ein wenig näher anzusehen.

Für alle Fälle chartert Vasily auch noch eine hochseetaugliche Yacht. Die Agenten wollen darauf vorbereitet sein, bei Bedarf eine längere Verfolgungsjagd über die Ostsee nach Russland unternehmen zu können. Die Yacht wird an einer relativ nahen Anlegestelle in den Schären abgestellt, dann mieten die Agenten ein kleines Motorboot für die Fahrt auf dem See hinter Yakovichs Villa.

Langsam tuckert Yuri mit dem Motorboot an dem Anwesen vorbei. Die Agenten erkennen ein großes Herrenhaus mit einem kleinen Turm. Das Gelände ist mit einem hohen und stabilen Zaun abgeriegelt. Ein oder zweimal kommt ein Security-Mann mit einem Hund in Sicht. Neben dem Haus steht eine relativ große Garage, ein paar Autos stehen aber außerdem noch auf einem Parkplatz im Freien. Direkt am See befindet sich ein Bootshaus, dessen Zugang für Wasserfahrzeuge durch ein herunterfahrbares Tor gesperrt ist. Wie weit das Tor ins Wasser reicht, ist nicht zu erkennen. Yuri schätzt, dass das Bootshaus etwas vier kleinen Booten Platz bieten könnte. Am Ende beschließt Vasily seine Beobachtungsdrohne einmal über das Grundstück fliegen zu lassen. Die Aktion bringt eine interessante neue Information: Das Dach des Bootshauses lässt sich besitzt einen Schiebemechanismus und lässt sich offenbar öffnen. Die Agenten beschließen daraufhin, dass sie genug gesehen haben.

Dann wird ein Plan entwickelt. Allessieht danach aus, als sei Vasilys Frau von der Lisky Bratva und einem ihrer Zalozhniye entführt worden. Wenn sie sich hier im Haus von Yakovich befinden sollte, wird sie vielleicht früher oder später nach Russland gebracht. Der Weg dorthin könnte eine Gelegenheit sein, sie zu befreien.

In der Dunkelheit des frühen Morgens fahren die Agenten erneut mit dem Boot zu Yakovichs Villa. Vasily und Kristina haben Neoprenanzüge dabei, springen vom Boot und tauchen unter dem Tor des Bootshauses ins Innere. Sie gelangen zu einer Anlegestelle. Gedämpftes Licht erfüllt den Raum. Es stammt von einem Nachbarraum mit einer großen Glasscheibe zur Anlegestelle. Vasily späht vorsichtig über die Kante und erkennt zwei Männer, die sich dort recht zwanglos unterhalten. Sie sehen nach weiteren Security Männern aus. An der Anlegestelle liegt ein einzelnes Boot, ein paar Meter weiter steht außerdem noch ein kleiner Helikopter für vier Personen. Kristina und Vasily sind beeindruckt. Dann bringt Vasily eine kleine Kamera im Bootshaus an, über die die Agenten erkennen können, wann hier ein Fahrzeug startet. Am Boot wird außerdem ein Peilsender befestigt. Und nach einigem Überlegen, wagt es Vasily, zum Helikopter zu sprinten und auch dort einen Peilsender anzubringen. Kristina gibt ihm Feuerschutz, aber obwohl Vasily kurz stolpert, bemerken ihn die Männer im Nebenraum nicht. Kristina und Vasily verlassen schnellstmöglich wieder das Bootshaus und entfernen sich mit ihrem Boot.

Dann warten die Agenten in ihrem Hotel. Zwei Tage später können sie über die Mikrokamera in Yakovichs Bootshaus beobachten, wie das Boot startklar gemacht wird. Sie begeben sich ebenfalls zum See, leihen sich erneut ein kleines Motorboot und beobachten zeitgleich, wie Vasilys Frau auf Yakovichs Boot gebracht wird. Begleitet wird sie von zwei wenig vertrauenswürdig aussehenden Russen und einem Zalozhniy: Opa Hassan!

Das Boot der Russen startet, auf dem Deck sind die beiden Russen. Einer steht am Steuer, der andere unterhält sich mit ihm. Vasilys Frau und der Zalozhniy sind nicht zu sehen und halten sich offenbar unter Deck auf. Yuri nimmt mit dem Boot der Agenten die Verfolgung auf. Nach einigen Kanälen erreichen die Boote die Schären. Das russische Boot nimmt eine Route abseits der touristischen Fährverbindungen. Der dortige Steuermann entdeckt irgendwann, dass sein Boot verfolgt wird und versucht zu entkommen, aber Yuri hat ihm bereits geschickt den Weg abgeschnitten. Nun ziehen die Russen Revolver und wenig später stürmt der Zalozhniy mit einem Sturmgewehr auf das Deck.

Kristina legt auf ihn an und schießt ihm in den Schädel. Opa Hassan bricht blutüberströmt zusammen. Cevas grinst. Er empfindet Genugtuung, einem Zalozhniy seiner wohlverdienten ewigen Ruhe zuzuführen. Die beiden Russen beginnen jetzt allerdings zurückzuschießen. Kristina bekommt bei der Gelegenheit einen Streifschuss ab, aber eine echte Chance haben ihre Gegner nicht. Vasily schießt einen von ihnen an und Cevas´ über das Wasser sausende Kukrimesser gibt ihm den Rest. Tödlich verwundet stürzt er ins Wasser. Der andere Russe wird von Kristina angeschossen und ergibt sich.

Yuri steuert das Boot an das der Russen. Der Verwundete Gegner wird gefesselt und unter Deck gebracht. Wenig später führt Vasily seine Frau an Bord. Sie nickt Vasilys Mitstreitern mühsam zu. Offensichtlich hat sie viel durchgemacht. „Und jetzt?“, fragt Cevas. „Wie geht es weiter?“ „Erstmal den Gefangenen verhören, meint Kristina. „Alles weitere besprechen wir später.“

-

Nette kleine Episode zwischendurch, die meinen Spielern Spaß gemacht hat.

Den Gegner kommen zu lassen, statt die Villa zu infiltrieren, fand ich ein kluges Vorgehen.

Noch hat niemand nachgesehen, wie es Vasilys Frau ergangen ist. Ich habe Zeit, um mir das gut durch den Kopf gehen zu lassen.

Die nächste Sitzung wird spannend für mich, weil ich noch gar nicht so genau weiß, was meine Spieler planen: England? Rumänien? Vielleicht sogar Russland? Wir werden sehen.
« Letzte Änderung: 28.04.2021 | 22:18 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] The Dracula Dossier
« Antwort #18 am: 11.06.2021 | 01:19 »
Kunst in Soho, London (15)



Während die Kristina, Cevas und Vasily den gefangenen Russen befragen, steuert Yuri das Boot der Spieler Richtung Helsinki.

Der Gefangene gibt zu, dass er zur Lisky Bratva gehört. Als Namen gibt er Urvan Buturovich Vladimirovich an. Angeblich hatte er gemeinsam mit seinem Kompagnon den Auftrag, Natasha Zhukovskaya mit dem Boot nach Russland zu bringen. Als Auftraggeber nennt der Mann Olya Obolonchyk, ein Name, den die Agenten bereits kennen. Es ist derselbe Mann, dem Geerd Hoorn im Darknet seine Informationen über auffällige Schiffsfrachten geliefert hat. „Der war bei dieser seltsamen Sonderabteilung URPO…“, sagt Cevas. „Direktion zur Infiltration krimineller Organisationen. Kennst du eine Möglichkeit mit dem Mann Kontakt aufzunehmen?“ Der Gefangene murmelt: „Im Moment ist er öfter im Nachtclub Colectiv in Bukarest.“ Und der Zalozhniy, den ihr da an Bord hattet?“, will Vasily wissen. „Weiß die russische Regierung von diesen Monstern?“ „Keine Ahnung“, sagt der Gefangene. „Die Lisky Bratva hat manchmal Geschäfte mit Leuten von der Regierung.“ "Was für Zalozhniye kennst du?", will Cevas wissen. Der Gefangene starrt Cevas zunächst verständnislos an. Dann sagt Cevas: "Na, die Namen... und die Todesursachen!" Erst zögert der Mann, dann packt er aber aus: "Die Namen kenne ich nicht. Ich weiß sicherlich auch nicht von allen. Die Lisky Bratva hat vielleicht ein Dutzend, vielleicht auch etwas mehr. Ich weiß von einem Verbrannten mit fast völlig schwarzer Haut, von zwei Vergifteten, einem im Kugelhagel Gestorbenen mit etlichen Einschusslöchern, einem mit zerschmettertem Schädel und einem, der einen Abhang heruntergestürzt ist." Die drei Agenten schauen sich an und legen die Stirn in Falten. Cevas sagt: "Na, immerhin".

Auf ihrem Weg nach Finnland steuert Yuri eine dieser kleinen Inseln mit einem Durchmesser von 500 Metern an, von denen es zwischen Ostsee und bottnischem Meerbusen einige gibt. Dort laden sie den Gefangenen ab und überlassen ihn seinem Schicksal.

In der Nacht kommt es zu einem Gespräch zwischen Vasily und seiner Frau. Es ist der erste Moment zu zweit, den die beiden seit langer Zeit erleben können. Natasha erzählt ihrem Mann, sie habe nie einem Priester das Ohr abgebissen und auch ihr Widerstand gegen die Ordnungskräfte sei frei erfunden. Vasily erzählt ihr ein paar Dinge, die er seit ihrer letzten Begegnung erlebt hat. Als die beiden Eheleute Pläne für die Zukunft machen, beginnt Natasha über Russland zu sprechen: „Es sieht doch ganz so aus, als ob ihr einen übernatürlichen Gegner verfolgt! Wäre es da nicht gut, selbst auf übernatürliche Unterstützung zurückgreifen zu können? Mit den Briten scheint ihr schlechte Erfahrungen gemacht zu haben, aber warum versucht ihr nicht mit den Russen Kontakt aufzunehmen? Mit diesen Zalozhniye als Gefolge hättet ihr doch eurem Feind gegenüber weitaus bessere Karten!“ Vasily erzählt ihr, dass diese Wesen durch irgendwelche finsteren Rituale zu einem unheilvollen Nachleben erweckt werden. Er erzählt ihr auch, dass es nicht die Regierung ist, sondern eine Mafiaorganisation, die diese Rituale durchführt. Dann erzählt er ihr, dass das Erscheinen des Zalozhniys unter ihren Entführer wahrscheinlich darauf hindeutet, dass die russische Regierung mit diesen Mafialeuten kooperiert. Und die Tatsache, dass sie Natasha entführen wollten, sähe für ihn auch nicht unbedingt nach einer friedlichen Kooperation aus. Natasha sagt: „Vielleicht ist es ihre Art einer Kontaktaufnahme. Sicherlich recht aggressiv, aber vielleicht nicht unbedingt feindlich. Es scheint doch fast zu sein, als hätten sie an dir und deinen Leuten ein besonderes Interesse. Selbst wenn du mit ihren Methoden nicht einverstanden bist, ist aber doch vielleicht eine Art begrenztes Bündnis mit ihnen möglich!“ Vasily sagt: „Diese Mafiatypen, mit denen sich die russische Regierung wahrscheinlich eingelassen hat, sind Menschenhändler, die nach Europa geschmuggelte Menschen als Sexsklaven weiterverkaufen!“ Natasha schweigt. Vasily auch. Beide hängen eine Weile ihren Gedanken nach.

Am Morgen nimmt Vasily Kontakt zu ein paar finnischen Bekannten auf, verschafft seiner Frau eine winzige, unbedeutende Stelle als Redakteurin bei der Regionalzeitung von Laitila, einem Örtchen, etwa 40 Kilometer nördlich von Turku, und setzt sie dort ab. „Pass auf dich auf!“, sagt Vasily. „Du auch“, sagt Natasha. Daraufhin kehren die Agenten zu ihrem Boot zurück, das Yuri nach London fährt.

Zwei Tage später schieben die Agenten ihr Boot heimlich nachts auf einen verlassenen Strand an der Themsemündung. Am nächsten Morgen machen sie sich auf nach London. Sie haben großen Respekt vor den allgegenwärtigen Überwachungskameras, weil sie wissen, dass sie in Großbritannien als vermeintliche Terroristen gesucht werden. Gegen Mittag stehen sie in Soho an einer Straßenecke. Schräg gegenüber befindet sich der „Drawing Room“, die Galerie von Vivienne Aytown-Baptiste. Sie befindet sich in einem dreistöckigen Mehrparteien Mietshaus. Zuerst wird das Gelände sondiert. Cevas betritt einen kleinen Hinterhof. Von hier ist ebenerdig ein Wintergarten zu erreichen, der an das Haus angebaut wurde. Durch die großen Fenster ist zu sehen, dass in ihm ein paar Kunstwerke ausgestellt sind. Der Zugang ist allerdings abgeschlossen. Die Agenten an der Straße können miterleben, wie eine Person das Haus verlässt. Mit einem schnellen Schritt nutzt Vasily die Gelegenheit und verhindert, dass die Tür ins Schloss fällt. Cevas kommt zurück und berichtet. Dann begeben sich alle Agenten ins Treppenhaus. Ein Klingelschild an der Tür im Erdgeschoss links trägt Aytown-Baptistes Namen, aber auf das Klingeln der Agenten tut sich nichts. Ein Mann kommt die Treppe herab, sieht die vier Agenten klingeln und sagt nebenher: „Ich habe die Galeristin schon zwei, drei Tage nicht mehr gesehen.“ Dann verlässt er das Haus. Vasily schaut seine Gefährten an, diese nicken ihm zu und er knackt die Wohnungstür der Galeristin.

Im Inneren der Wohnung machen die Agenten ein paar interessante Entdeckungen:

In der eigentlichen Galerie hängen moderne Kunstwerke. Die meisten zeigen afrikanische Einflüsse. Die Werke sind für die Agenten uninteressant.

Im Wohnzimmer findet sich eine helle Stelle an der Wand. Offensichtlich hing hier längere Zeit ein Gemälde, das seit kurzem nicht mehr hier hängt. Außerdem hängen ein paar alte Fotos an den Wänden. Hinweisschilder informieren darüber, dass diese Fotos Francis Aytown gemacht hat. Die Agenten können aber auch auf ihnen nichts Interessantes erkennen.

Cevas sagt: „Möglicherweise ist uns jemand zuvorgekommen. Hier könnte gut dieses Doppelportrait gehangen haben, von dem uns Schlomo Andrejew erzählt hat.“ Die anderen Agenten nicken grimmig.

Irgendwann entdecken die Agenten auch den Lagerraum der Galeristin. Neben vielen anderen aussortierten Stücken finden sie hier irgendwann hintereinander auf dem Boden an der Wand stehend fünf gerahmte Fotografien hinter Glas. Hinter der letzten befindet sich noch eine grüne Kartonmappe mit weiteren Fotos, vier Schnappschüssen und sechs misslungenen Bildern. Auf der Rückseite der Bilder ist mit einem Bleistiftvermerk als Fotograf Francis Aytown genannt. Außerdem finden sich dort auch Datierungen der Aufnahmen und hin und wieder auch Hinweise auf das fotografierte Motiv.

Die Agenten nehmen die Fotos mit und wollen schon die Galerie verlassen da sagt Vasily: „Moment! Ist euch schon aufgefallen, dass es gar keinen Computer in der Wohnung gibt?“ Die Agenten sehen genauer nach und können sogar feststellen, dass an zwei Stellen der Wohnung noch Kabel an Netzanschlüssen hängen. Die Computer selbst sind weg. „Sieht nicht gut aus“, meint Yuri. Beim Verlassen der Wohnung ruft Kristina aber aus: „Seht mal da! Da hängt ein USB-Stick an einem der Schlüsselhaken neben der Eingangstür!“ „Den hat wohl jemand übersehen!“, sagt Vasily und steckt den Stick in die Tasche.

Dann nehmen sich die Agenten in einem nahe gelegenen Hotel ein paar Zimmer und schauen sich in Ruhe an, was sie gefunden haben. Parallel dazu recherchieren sie immer wieder im Dracula Dossier. Schließlich können sie folgende Schlüsse ziehen:

Francis Aytown war offenbar Mitglied der Gruppe um Abraham Van Helsing, die 1894 versuchte Draculas Pläne in London zu vereiteln und ihm nach Transsylvanien gefolgt sind um auf Vampirjagd zu gehen. Aus irgendeinem Grund wurde Aytown in der Fassung letzter Hand von Stokers Dracula Roman nicht mehr erwähnt. In der Originalfassung, die den Agenten im Dracula Dossier zur Verfügung steht, ist er aber noch als Romanfigur enthalten.

Auf den Rückseiten der Fotografien in der grünen Kartonmappe befindet sich die Angabe „März 1894“. Es ist das Jahr, in dem die Handlung von Stokers Roman spielt. Die Bilder sind 10 x 13 cm groß und mit einem zusammenfaltbaren Kodak Apparat geschossen, der sich auf Reisen relativ leicht transportieren lässt. Die Bilder sind in zerknittertem und verblasstem Zustand. Fotografiert wurden Van Helsing mit einer Pistole in der Hand, Jack Seward beim Zeitunglesen und Quincey Morris. Die Abgebildeten befinden sich in einem Wohnzimmer oder in der Diele eines Hauses bzw. einer Wohnung in London. Ein viertes Bild ist verschwommen und zeigt das Innere eines verfallenen Gebäudes. Die Agenten können sich keinen rechten Reim darauf machen. Das Foto mit dem zeitunglesenden Jack Seward scannt Vasily ein und jagt es durch ein geeignetes Programm. Dann sagt er: „Seward liest die London Times“. Sechs weitere Bilder sind offensichtlich misslungen. Sie scheinen falsch entwickelt worden zu sein und zeigen seltsame sternförmige Muster. Cevas meint: „Als wären sie mit radioaktivem Material in Kontakt gekommen!“ Auf drei dieser Bilder setzen sich die Muster auf unheimliche Art und Weise zu einem schädelförmigen Umriss zusammen. Cevas ergänzt: „Es kann aber auch sein, dass hier jemand einen Vampir fotografieren wollte.“

Die gerahmten Fotos bestehen aus mehreren Portraitfotos und einem gestellten Gruppenfoto. Sie sind 13 x 18 cm groß und mit einem No. 5 Cartridge Kodak geschossen worden. Die Angaben auf der Rückseite der Portraits lauten: „Jonathan, Mina and Q Harker, 9. Mai 1897“, „Lord Godalming, 9. Mai 1897“, „Van Helsing, 10. Mai 1897“ und „Jack, 10. 5. 1897“. Auf der Rückseite des Gruppenfotos ist lediglich „10. Mai 1897“ vermerkt. Ihr Rahmen und die Glasplatte hat sie relativ gut erhalten, sodass die Agenten ein paar Deja-Vu Erlebnisse machen dürfen.
„Schaut euch Lord Godalming an“, mein Yuri. „Er sieht unserer Freundin Tabitha Holmwood doch recht ähnlich!“ „Und Jack Seward kann seine Verwandtschaft mit der adoptierwilligen Dr. Jaqueline Seward auch nicht verhehlen“, meint Vasily. Cevas aber meint: „Und Van Helsing? Schaut euch die Stirn an! Irgendwie erinnert er mich ein wenig an Geerd Hoorn aus Amsterdam!“ „Ist das dein Ernst?“, meint Kristina. Als sie genauer hinsieht meint aber auch sie eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen. „Wir dürfen die Hintergründe nicht übersehen!“, meint Yuri. Vasily zitiert Stokers Roman und murmelt: „Der alte Boden, der für uns voller schrecklicher Erinnerungen war und ist. Ich nehme an, unsere Freunde hier befinden sich in der Nähe von Burg Dracula.“ Die Hintergründe sind auf jedem der Fotos ein wenig unterschiedlich, Vasily gelingt es aber, sie mit anderen Fotos aus den Karpathen zu vergleichen. Irgendwann kann er zumindest behaupten: „Es ist im Gebirgszug der Calimani Berge, nicht weit entfernt vom Borgo Pass.“

Der gefundene USB-Stick der Galeristin enthält alle ihre Finanztransaktionen. Es lässt sich erkennen, dass vor einigen Tagen ein gewisser „Tinman“ ein Gemälde für 50000 £ erstanden hat. Das Bild wird als „Francis´ Portrait“ bezeichnet. Auf dem Stick findet sich auch ein Auftrag für die Speditionsfirma „Pinnocks Freight Limited“, die das Gemälde einem Kunden bringen sollte. Die Zieladresse liegt in Godalming. „Ring“, sagt Cevas. „Operation Edom hat das Bild gekauft!“ "Und dann die Galeristin entführt?", fragt Kristina. Cevas zuckt mit den Schultern.

Die Agenten machen einen Versuch, über die Speditionsfirma weitere Informationen zu erhalten. Sie brechen in der folgenden Nacht in deren Büros und Fahrzeughalle ein und bekommen das Dienstbuch in die Finger. Diesem Dokument lässt sich entnehmen, dass zumindest einer der Spediteure, die Aytowns Portrait nach Godalming gefahren hat, ein gewisser Kayden Richards war. „Und jetzt?“, meint Kristina. „Sollen wir den Mann aufsuchen, nur um uns anzuhören, dass er tatsächlich der Spediteur war? Das erregt viel zu viel Aufmerksamkeit.“ „Was ist die Alternative?“, will Yuri wissen. „Wir fahren direkt nach Godalming und schauen uns mal im Hauptquartier von Operation Edom um“, meint Cevas. Ein Moment herrscht Stille, aber dann beginnen seine Gefährten langsam zu nicken und Vasily meint: „Auf geht´s!“

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Das war die Sitzung der Handouts. Die „Hawkins Papers“ sind natürlich eine tolle Sache. Meine Spieler freuen sich immer, wenn sie eins davon in die Finger bekommen. Das Betrachten und Auswerten der Fotos hat bestimmt die halbe Sitzung in Anspruch genommen.

Jetzt noch der Besuch in „Ring“ und dann sind die wichtigsten Örtlichkeiten in England abgegrast, denke ich. Der Einbruch ins Hauptquartier von Operation Edom ist auch ein wenig Showdown für die Angelegenheiten in England. Zumindest die wichtigsten Informationen über die Organisation, ihre Erkenntnisse und ihre Aktionen sollten dann vorliegen.

Dann wäre auch Level 4 beendet und die Kampagne geht in ihre drittletzte Phase. Ich vermute, es wird nach Rumänien zurück gehen. Schon jetzt gibt es ja ein paar Spuren dorthin.
« Letzte Änderung: 11.06.2021 | 06:03 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)