Autor Thema: The Blackout  (Gelesen 312 mal)

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Offline Scurlock

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The Blackout
« am: 30.11.2020 | 21:34 »
Wow, da denkt man dem russischen Kino/Fernsehen nach dem doch recht brauchbaren Alienklon Sputnik eine weitere Chance geben zu können, und dann wird man von Blackout fast weggeblasen.
Nein, das ist nix für Leute, die auf feinsinnige Dialoge, Logik und political correctness grundsätzlich viel Wert legen. Dafür ist es SciFi-Actionkino mit verdammt guten Schauwerten. Es sind Versatzstücke von Bladerunner, Resident Evil & Aliens zu finden und das auf einem (Ausstattungs-, Kamera-Niveau), das so manchem Kinofilm ebenbürtig ist. Die Serie sieht einfach gut aus und ist dabei verdammt schön dreckig. Keine strahlenden Helden, sondern eher kleine und größere Arschlöcher im Stile der 80er Jahre US-Helden.
Ich musste mich auf die doch etwas bemühten Dialoge (show don't tell) und den eigenwilligen russischen Humor zunächst ein wenig einstellen. Aber irgendwann fand ich gerade letzteres sehr erfrischend, zumal er einige Sinnlosigkeiten so gnadenlos wegbügelt, dass sie schon fast wieder Sinn ergeben. Oder wer sich schon immer über die strunzdämlichen Helden bei "The Walking Dead" aufgeregt hat und warum die sich immer aufteilen müssen, um sich dann zu verlaufen, wird vielleicht wie ich mit dem "Apfelpflücken" viel Spaß haben.
Wenn man also gut gemachte SciFi-Military-Action mit Cyberpunkelementen mag, sollte man Blackout eine Chance geben....   

Offline Scurlock

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Re: The Blackout
« Antwort #1 am: 1.12.2020 | 22:34 »
So, das Finale von Season 1 liegt nach der Episode 6 hinter mir. What a ride!
Tatsächlich bin ich noch ein wenig fassungslos von dem Overkill, den die Russen in 6 Episoden abgefeuert haben. Und wenn die Macher von Blackout anfangs eifrig Bladerunner und auch etwas Aliens zitiert haben, war es zum Ende hin dann wohl am ehesten World War Z. Und das sah in seiner Brachialität sogar verdammt gut aus. Auch die Geschichte macht im Verlauf der Staffel ein paar gewaltige Schlenker, macht aber bei allen bekloppten Turns zumindest innerhalb der Inszenierung noch immer irgendwie Sinn. Und das muss man hinkriegen. 
Nein, Blackout ist keine intelligente Serien mit Anspruch, es ist Bombastkino mit brutaler Konsequenz und viel fatalistischer russischer Mentalität. Aber genau das finde ich sehr erfrischend und macht Blackout für mich zu einer der besten Scifi/Action-Serien der letzten Jahre.
« Letzte Änderung: 1.12.2020 | 22:36 von Scurlock »

Offline Pikaresker Hobo

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Re: The Blackout
« Antwort #2 am: 1.12.2020 | 23:02 »
Danke. Heute Abend Episode 1 gesehen und habe Lust auf mehr. Ich finde das für osteuropäische SF ungewöhnlich, da denke ich mehr an kopflastige Autoren wie Lem (polnisch) oder die Russen Igor Yefremov und Kir Bulychov.

Hab ich aber nicht immer Bock drauf. Und das hier ist gut nach einem anstrengenden Tag.
"Das Bessere ist der Feind des Guten."  (Voltaire)

Offline Scurlock

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Re: The Blackout
« Antwort #3 am: 1.12.2020 | 23:29 »
Danke. Heute Abend Episode 1 gesehen und habe Lust auf mehr. Ich finde das für osteuropäische SF ungewöhnlich, da denke ich mehr an kopflastige Autoren wie Lem (polnisch) oder die Russen Igor Yefremov und Kir Bulychov.

Hab ich aber nicht immer Bock drauf. Und das hier ist gut nach einem anstrengenden Tag.
Tatsächlich halte ich die ersten Folgen, rückblickend betrachtet, für die schwächsten der Serie. Diese Folgen versuchen sich in Characterbuilding und sind dialoglastiger. Beides nicht die Stärken von The Blackout

Die russische SF hatte sich vor einigen Jahren sehr weit von ihren doch sehr kopflastigen Wurzeln entfernt. Tatsächlich versuchten sie sich immer wieder dabei im Blockbuster-Kino. Allerdings waren die meisten Versuche für westliche Augen und Ohren nur schwer verdaulich und auch sehr schlecht (z.B. Guardians 2017). Es waren einfach mies gemachte West-Kopien.
Aber irgendwie scheint die russische Filmindustrie sich gerade neu zu orientieren und produziert zur Zeit hochwertige Genre-Filme (Sputnik) und eben auch Serien, die sich vor westlichen Produktionen überhaupt nicht verstecken müssen. Wie ich schon eingangs geschrieben habe, muss man sich zunächst auf die doch recht einfach gestrickten Dialoge und nicht immer überzeugenden Schauspieler einstellen, wird dafür aber mit einer besonderen Atmosphäre belohnt, die ich so in westlichen Produktionen selten gesehen habe. So spielt der Alienklon Sputnik im Russland der frühen 80er, also mitten im kalten Krieg. Und diese kalte Sowjet-Atmosphäre im Zusammenspiel mit dem Alien-Horror hat schon etwas besonderes, ganz ohne 80er Musik. Und in technischer Hinsicht sind russische Produktionen mittlerweile auf einem Level von mittelgroßen amerikanischen Produktionen.
Ich bin gespannt, was da noch alles kommt.