Heute mal ein kurzer Zwischenbericht.
Gütige Mada - ich arbeite mich seit über einer Woche in das Thema ein und man muss schon aufpassen, dass man nicht wahnsinnig wird bei der Vielzahl von Quellen, die es zu bearbeiten gilt. Leider habe ich auch nicht Zugriff auf alles, aber das was ich sichten konnte, war schon krass genug.
Die erste wichtige Erkenntnis war für mich, dass man sich bei diesem Projekt auf einen Stand einigen muss, von dem man ausgeht, damit es weiterhin so etwas wie geteiltes Wissen gibt. Aufgrund des fortlaufenden Metaplots ist es aber sauschwierig zu definieren, welche Sachen zum Kanon gehören und was nicht.
Ich habe vieles durchgelesen und nun beschlossen, dass nur die Box "Das Land des Schwarzen Auges" Kanon ist. Alles vorher und nachher muss erst (sofern möglich) gesichtet werden. Sachen, die vorher passiert sind (in Abenteuern) gehören tendenziell eher zum Kanon. Sachen die nachher passiert sind tendenziell nicht bzw. muss man von dort ausgehend "reverse engineering" betreiben. Wenn z.B. in einer Publikation erwähnt wird (also in der Zukunft), dass es vor ein paar Jahren mal diesen oder jenen Typen in dieser oder jenen Baronie gab, dann kann man das als in den Kanon integrieren (sofern es nicht dem Ziel des Projekts widerspricht).
Folgende weitere Erkenntnisse hatte ich bei der tiefergehenden Lektüre der Land-Box:
>> Die Größe von Baronien wird definiert (zwischen 500 bis 3500 m²).
>> Im Heft Das Land... sind alle Siedlungen aufgeführt, die über 1.000 Einwohner haben. Ergo haben alle anderen Siedlungen weniger.
>> In der Box wird ein teilweise gefährliches, abenteuerliches und IMHO cooles Aventurien beschrieben. Allerdings zum letzten Mal. Ab den nachfolgenden Boxen geht es IMHO steil bergab. Ab 1990 muss es eine Veränderung gegeben haben, die man als "Anti-Abenteurlichen-Turn" beschreiben könnte. Gefühlt wurde ab da alles "generft", was das Abenteuerleben spannend machen könnte.
Beispiel Baliho (weil ich ja grad an Weiden sitze): Im Heft wird Baliho als gefährliches Pflaster beschrieben, wo Zitat "Faust und Dolch locker [sitzen], und der Sargtischler ist einer der reichsten Bürger" -- Wie unfassbar cool ist das denn bitteschön!?!
Dann die Ernüchterung: Im Lexikon (erschienen 5 Jahre später zu DSA3-Zeiten) steht beim Eintrag zu Baliho: "Seit der Einsetzung des Burggrafen Avon Nordfalk von Moosgrund durch den Reichsbehüter Brin von Gareth gilt die Redewendung 'reich wie der Balihoer Sargtischler' nur noch in Maßen." Toll! Vielen Dank, lieber VIP-NSC, dass du die Probleme auch ohne die Spielercharaktere gelöst hast.
Genauso schlimm steht es um die Reichsstraße II, die in DSA 2 noch lange nicht fertiggebaut ist (und das Abenteurerleben erschwert) - in DSA 3 ist sie natürlich fertig.
Das ist natürlich nicht nur in Weiden so. Vielen dürfte das Beispiel Havena bekannt sein, wo in der Land-Box noch ein absolutes Magieverbot herrscht und der Stadtpark verflucht ist. Aber ab der Albernia-Box bzw. ab dem Lexikon ist dass dann alles geregelt. Stadtpark ist safe und Magieverbot ist aufgehoben. Bloß keine Kanten und Ecken einbauen, an denen sich die SCs stoßen könnten. Stattdessen fokussieren die späteren Publikationen noch stärker als schon vorher auf die Beschreibung von Autoritäten und der Durchsetzung von Staatsgewalt. Irgendwie wir da das ganze Land von der staatlichen Macht erschlossen und beherrschbar gemacht. Man fühlt sich wie im feuchten Traum eines aufklärerischen Staatsbeamten des späten 18. Jh. Schrecklich!
Supergeil ist dafür, dass Ulisses einfach so die Karten von Ina Kramer im Rahmen einer Lizenzvereinbarung zugänglich und nutzbar macht!!!! TOP!
https://de.wiki-aventurica.de/wiki/Kartenpaket/LizenzDas bildet die Grundlage für die Beschreibung der einzelnen Regionen, weil man dann wunderbar mit den bearbeiteten Karten die Provinzen, Grafschaften und Baronien abbilden und Ordnung in das Chaos bringen kann.
Klar, so mancher wird sich fragen, warum ich mich so pedantisch an den Grundlagen abarbeite und nicht einfach alles selbst definiere: Aber der Reiz des Projekts ergibt sich mMn aus dem geteilten Settingwissen. Für mich sind daher die Ina-Kramer-Karten und die Land-Box der unumstößliche Kanon. Auch wenn da Sachen drinstehen, die mancher vielleicht komisch findet, werden die beibehalten. Ansonsten könnte ich ja gleich ein eigenes Setting entwerfen und das ist ja nicht das Ziel.
P.S. Zum Bespielen des Settings empfehle ich übrigens folgende Publikationen:
Box "Die Helden des Schwarzen Auges"
Box "Die Magie des Schwarzen Auges"
Heft "Die Götter des Schwarzen Auges"
Box "Die Kreaturen des Schwarzen Auges"
Box "Das Land des Schwarzen Auges"
Kartenpaket von Ulisses
Mehr braucht man nicht. Diese Publikationen bilden außerdem die regelseitige Grundlage des Projekts. Alles, was dort beschrieben oder erwähnt wird, exisitiert in dieser Version Aventuriens.
Klar kann man stattdessen auch DSA 1, DSA 3, DSA 4 oder DSA 5 nehmen. Der Vorteil von DSA 2 ist aber 1) dass man ein komplettes und dennoch leichtgewichtiges Regelwerk hat und 2) dass die Helden- und Magieregeln von Ulisses in einer Kombibox neuaufgelegt wurden:
https://www.f-shop.de/das-schwarze-auge/rollenspiel/retro/regeln/4217/dsa2-die-helden-und-magie-des-schwarzen-auges. Das einzige, was dann noch fehlt, ist das Götterheft und die Landbox. Ersteres kann man i.d.R. günstig gebraucht schießen. Zweitere kann man zur Not auch durch das Wiki oder durch neuere Publikationen selbst erarbeiten (wenn man nicht ebenfalls auf dem Gebrauchtmarkt zugreifen will). Die Kreaturenbox ist eigentlich v.a. wegen den Begegnungstabellen usw. wichtig. Diese hätten eigentlich in die Land-Box gehört, sind dann aber aus Zeitgründen in der Kreaturenbox gelandet. Die Kreaturen-Werte kann man, denke ich, Versionsübergreifend improvisieren oder extrapolieren. Außerdem stehen in der Box eh hauptsächlich langweilige Viecher drin

Was nicht heißt, dass man nicht zugreifen sollte, wenn Ulisses diese neu auflegen würde (hint hint!).