Autor Thema: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape  (Gelesen 781 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline phant

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 300
  • Username: Erik
Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« am: 12.03.2026 | 15:49 »
Hallo zusammen,

Ich habe eine Frage zu :otherscape und ich weiß nicht, wie ich mit dem Sachverhalt umgehen soll. Wahrscheinlich ist die Frage auch für andere Cyberpunkspiele relevant.

Wie ist das mit der VR/der Matrix/dem Cyberspace?
Warum legen SC den Harness an, hacken sich da rein und sind virtuell unterwegs?
Kann nicht alles, was dort zu regeln ist, auch ungefährlicher über ein Dateiverzeichnis in der AR gelöst werden? Irgendwie fehlt mir da die innerweltliche Logik.
 Da reicht doch ein Terminal, ein Reboot, ein Update oder what ever in der AR. Warum in die VR eintauchen und sich mit bösen Programmabwehrüberraschungen rumschlagen?

Die einzige Erklärung, die ich finde, ist die, dass sich Programmierer willkürlich entschieden haben, das so aufzubauen. Das wäre dann ähnlich den sinnfrei animierten Bildschirmen in online-Kursen, die mir wertvolle Lebenszeit stehlen, damit Schriftzüge von links nach rechts ins Bild fahren.

Habt Ihr andere Erklärungen oder Ideen?

Online 1of3

  • Richtiges Mädchen!
  • Titan
  • *********
  • Proactive Scavenger
  • Beiträge: 19.883
  • Username: 1of3
    • Sea Cucumbers and RPGs
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #1 am: 12.03.2026 | 17:25 »
Ich kenne Otherscape jetzt nicht. Könnte man Gründe finden, warum die VR einen einfacheren Zugang bietet? Man sollte denken, dass Computersysteme immer sinnvoll geplant sind. Ich mein, die meisten meiner Kollegen würden gern auf Linux arbeiten. Aber dann funktioniert das System nicht mehr, dass die Computer zentral steuern. Und eben dieses wurde vor zwei Tagen beim amerikanischen Medizin-Unternehmen Stryker von einer iranischen Gruppe gehackt und die haben alle Computer abgeschaltet.

Also vielleicht sind viele Sicherheits-Experten der Meinung, man solle diese VR abschalten, weil sie eine riesige Sicherheitslücke ist, aber das wären Investionen und Arbeit und die Kundenbindung geht verloren und was weiß ich.

Offline Haukrinn

  • zurecht gestorben
  • Titan
  • *********
  • Jetzt auch mit Bart!
  • Beiträge: 12.269
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: haukrinn
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #2 am: 12.03.2026 | 20:38 »
Die Erweiterung in die dritte Dimension ist für Interfaces schon spannend, und VR hat gegenüber AR den Vorteil andere Sinneseindrücke auszublenden.

Vielleicht sind Tätigkeiten wie Coden und Hacken auch überhaupt nicht mehr mit dem vergleichbar was wir darunter verstehen. Schau dir nur mal an wie das jetzt gerade durch KI im Wandel ist. Das kann sich ja fortsetzen, vielleicht auch in dem Sinne , dass die höhere Komplexität der Matrix einfach Dinge draußen halten soll, die damit nicht klar kommen. Dass würde auch erklären warum man sich über ein neuronales Interface einklinkt und nicht rumtippt oder ähnliches.
What were you doing at a volcano? - Action geology!

Most people work long, hard hours at jobs they hate that enable them to buy things they don't need to impress people they don't like.

Online nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 15.473
  • Username: nobody@home
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #3 am: 12.03.2026 | 21:02 »
Die Erweiterung in die dritte Dimension ist für Interfaces schon spannend, und VR hat gegenüber AR den Vorteil andere Sinneseindrücke auszublenden.

Vielleicht sind Tätigkeiten wie Coden und Hacken auch überhaupt nicht mehr mit dem vergleichbar was wir darunter verstehen. Schau dir nur mal an wie das jetzt gerade durch KI im Wandel ist. Das kann sich ja fortsetzen, vielleicht auch in dem Sinne , dass die höhere Komplexität der Matrix einfach Dinge draußen halten soll, die damit nicht klar kommen. Dass würde auch erklären warum man sich über ein neuronales Interface einklinkt und nicht rumtippt oder ähnliches.

Mag sein. Unterschiedliche Benutzerschnittstellen machen einen gehörigen Unterschied aus; man überlege sich, wie das Internet wohl heute aussähe, wenn wir unsere Rechner immer noch mit Lochkarten füttern müßten und zur Ausgabe bestenfalls einen ollen Nadeldrucker statt des Bildschirms hätten. Und da sind wir immerhin noch bei zumindest nominell vertrauter Technik... :)

Offline Colgrevance

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.186
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Colgrevance
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #4 am: 12.03.2026 | 21:19 »
Speziell :Otherscape geht ja davon aus, dass durch das Harnessing auch Nicht-IT-Fertigkeiten fürs Hacking nutzbar gemacht werden können:

Wenn ich also nicht gut programmieren, aber sehr gut schießen kann, klinke ich mich über ein Harnessing-Interface ins Netz ein, und das Interface sorgt dann dafür, dass ich mir den Weg zu den gewünschten Daten o. ä. in einem virtuellen Gebäude mit virtuellen Wummen freischießen kann, statt am Keyboard ein Intrusionsprogramm zu entwickeln.

Der Hauptgrund für diese Vorgehensweise ist natürlich, dass auf diese Weise alle Spieler (und nicht nur der Netrunner) in das Geschehen eingebunden werden; Realismus ist hier kein Designziel. Und ähnlich würde ich das auch bei anderen Cyberpunk-Rollenspielen sehen: Das Eintauchen in virtuelle Welten gehört halt zu den Genre-Konventionen; das soll nicht realistisch sein, sondern die Genreerwartungen des Publikums bedienen. Mir persönlich reicht das auch vollkommen - man muss m. E. nicht alle Prämissen eines Spiels hinterfragen.
« Letzte Änderung: 12.03.2026 | 21:37 von Colgrevance »

Offline WeepingElf

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 783
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: WeepingElf
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #5 am: 17.04.2026 | 21:41 »
Speziell :Otherscape geht ja davon aus, dass durch das Harnessing auch Nicht-IT-Fertigkeiten fürs Hacking nutzbar gemacht werden können:

Wenn ich also nicht gut programmieren, aber sehr gut schießen kann, klinke ich mich über ein Harnessing-Interface ins Netz ein, und das Interface sorgt dann dafür, dass ich mir den Weg zu den gewünschten Daten o. ä. in einem virtuellen Gebäude mit virtuellen Wummen freischießen kann, statt am Keyboard ein Intrusionsprogramm zu entwickeln.

Der Hauptgrund für diese Vorgehensweise ist natürlich, dass auf diese Weise alle Spieler (und nicht nur der Netrunner) in das Geschehen eingebunden werden; Realismus ist hier kein Designziel. Und ähnlich würde ich das auch bei anderen Cyberpunk-Rollenspielen sehen: Das Eintauchen in virtuelle Welten gehört halt zu den Genre-Konventionen; das soll nicht realistisch sein, sondern die Genreerwartungen des Publikums bedienen. Mir persönlich reicht das auch vollkommen - man muss m. E. nicht alle Prämissen eines Spiels hinterfragen.

Ja, da prallen Genrekonventionen auf Realismus. Als studierter Informatiker weiß ich, wie öde und nervtötend das Entwickeln von Computerprogrammen in der Wirklichkeit sein kann; mit Hacken habe ich zwar keine Erfahrung, aber das wird nicht viel anders sein. Dagegen ist der Cyberspace eine zentrale Genrekonvention des Cyberpunk - Cyberpunk ohne Cyberspace ist wie Space Opera ohne Raumschiffe ;) Aber Benutzerschnittstellen von Computersystemen haben sich im Lauf der Zeit gewandelt, ich kann mich noch gut an den Wechsel von Kommandozeilen zu Fenstersystemen erinnern, wer weiß schon, was den Entwicklern von Benutzerschnittstellen in den nächsten Jahrzehnten noch so einfallen wird.
... brought to you by the Weeping Elf

Offline sma

  • Famous Hero
  • ******
  • a.k.a. eibaan
  • Beiträge: 2.183
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: sma
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #6 am: 17.04.2026 | 23:39 »
Warum VR, selbst wenn es umständlicher erscheint? Einfachste Erklärung für mich wäre "weil die Leute nichts anderes (mehr) kennen". Ich meine, wer von uns kann noch oktal denken und auf einem Frontpanel einer PDP-8 mit 12 Kippschaltern die Maschinenbefehle als Okalzahl zwischen 000 und 777 eingeben?

Es ist ja nicht, dass VR (or AR) jetzt der objektiv beste Weg ist, sondern dass das einfach als Matrix zum Genre gehört. Und bei Otherscape ist ja auch der Übergang zur Magie fließend, und da hinterfragt man ja bekannlicherweise nie etwas.

Zu GUIs (grafischen Benutzerschnittstellen) möchte ich sagen, dass diese nun seit 40 Jahren existieren und außer, dass wir mehr Farben haben und Dinge schneller darstellen können, hat sich da eigentlich nichts wesentliches weiter getan (das Tektronix 4015 Grafikterminal konnte bereits 1975 4096x3078 Bildpunkte auflösen – und an einer PDP-8 betrieben werden, ein Minicomputer von 1965 mit umgerechnet 6 KB RAM)

Grob könnten wir daher sagen, dass wir in den ersten ~40 Jahren (1945-1985) TUIs, 25 Jahre waren das Ausdrucke von Fernschreibern, dann 10 Jahre Bildschirmterminals, und dann jetzt ~40 Jahre GUIs (mit immer mehr Bildpunkten und Farben und seit 20 Jahren auch mit Touch) hatten. Dann könnten ja nun ~40 Jahre VR kommen.

Ehrlich gesagt glaube ich, dass VUIs (Voice UIs) a la Startrek wahrscheinlicher sind, da Computer dank KI inzwischen natürliche Sprache ausreichend gut verstehen und nahezu perfekt generieren können. Erst, wenn man viel Informationen gleichzeitig aufnehmen will, ist visuell besser und da könnte ein immersives VR-UI, das einen komplett umgibt, von Vorteil sein.

Und wenn wir nicht den Macintosh (weil kaum einer die Lisa und den Alto auf dem Schirm hat, die noch früher GUIs hatten) und 16-Bit-Homecomputer als Wendepunkt nehmen, sondern Windows 3 als Meilenstein, und auch noch Tabelliermaschine dazu nehmen, um 1935 zu beginnen, sind es sogar 55 Jahre TUIs und dann würde nach 55 Jahren GUIs erst 2080 die VR-Revolution starten :)

Bei einem Rollenspiel ist aber Realismus und auch Plausibilität irrelevant, wenn das dazu führen würde, dass man wie beim alten CP2020 oder auch früheren Shadowrun-Versionen mit dem Hacker der Runde quasi ein eigenes Spiel spielt, während die anderen Mitspieler mal 'ne Stunde spazieren gehen können.

Man braucht daher besser ein Konzept, dass irgendwie "futuristisch" und bildlich ist, aber jedem Mitspieler eine Chance gibt mitzumachen.

IMHO kann man die stunden- oder tagelange Suche nach einem Exploit, was "Hacken" realistischerweise ist, kombiniert mit obskurem Detailwissen und der Fähigkeit, einen Schritt weiter zu denken, als der "Gegner", sowie dem Willen, trotz permanenter Rückschläge nicht frustriert aufzugeben, einfach nicht ins Rollenspiel bringen. IMHO wäre Hacken eine Folge von N  erfolgreichen Wissensproben in Kombinationen mit immer schwereren Willenskraft- und Konstitutionsproben, weil man vielleicht sich geistig zwingen kann, in der "Zone" zu bleiben, dann aber vom Stuhl fällt, weil man schon 18h nichts getrunken oder gegessen hat.

Es ist ein spannendes Gedankenexperiment, wie Computer aussähen, wenn wir nie auf die Idee gekommen wären, eine Braunsche Röhre anzuschließen. Ich glaube, nicht so viel anders. 3D-Computerspiele wären kein Ding und auch Handys hätten keine Bildschirme, aber LEDs könnten dennoch ausreichend Informationen übermitteln, Nixie-Röhren wären allgegenwärtig, Ausdrucke natürlich ebenfalls – vielleicht sogar auf E-Papier, wo der "Drucker" winzige Farbkugeln im Papier magnetisch auf die weiße oder schwarze Seite dreht. Und einige von uns hätten vielleicht auch gelernt, 2x2-Pixel Hexziffern zu lesen und/oder zu ertasten. Das klappt mit 2x3-Pixel Braille-Schrift doch ebenfalls. Ein weltweites Informationsnetz – eher als textbasierte Menüstruktur wie bei Gopher – könnte es trotzdem geben. Und Datenverarbeitung zur Automatisierung wiederkehrender Prozesse ebenfalls.
« Letzte Änderung: 18.04.2026 | 13:33 von sma »

Offline WeepingElf

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 783
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: WeepingElf
Re: Frage zu VR/Matrix/Cyberspace in :Otherscape
« Antwort #7 am: 18.04.2026 | 13:21 »
Ein sehr interessantes Post, sma - und viele Ideen für Retrocyberpunk-Rollenspiele ;) - in einem anderen Forum, wo ich unterwegs bin, bastelt jemand an so was.
« Letzte Änderung: 18.04.2026 | 13:28 von WeepingElf »
... brought to you by the Weeping Elf