Warum VR, selbst wenn es umständlicher erscheint? Einfachste Erklärung für mich wäre "weil die Leute nichts anderes (mehr) kennen". Ich meine, wer von uns kann noch oktal denken und auf einem Frontpanel einer PDP-8 mit 12 Kippschaltern die Maschinenbefehle als Okalzahl zwischen 000 und 777 eingeben?
Es ist ja nicht, dass VR (or AR) jetzt der objektiv beste Weg ist, sondern dass das einfach als Matrix zum Genre gehört. Und bei Otherscape ist ja auch der Übergang zur Magie fließend, und da hinterfragt man ja bekannlicherweise nie etwas.
Zu GUIs (grafischen Benutzerschnittstellen) möchte ich sagen, dass diese nun seit 40 Jahren existieren und außer, dass wir mehr Farben haben und Dinge schneller darstellen können, hat sich da eigentlich nichts wesentliches weiter getan (das Tektronix 4015 Grafikterminal konnte bereits 1975 4096x3078 Bildpunkte auflösen – und an einer PDP-8 betrieben werden, ein Minicomputer von 1965 mit umgerechnet 6 KB RAM)
Grob könnten wir daher sagen, dass wir in den ersten ~40 Jahren (1945-1985) TUIs, 25 Jahre waren das Ausdrucke von Fernschreibern, dann 10 Jahre Bildschirmterminals, und dann jetzt ~40 Jahre GUIs (mit immer mehr Bildpunkten und Farben und seit 20 Jahren auch mit Touch) hatten. Dann könnten ja nun ~40 Jahre VR kommen.
Ehrlich gesagt glaube ich, dass VUIs (Voice UIs) a la Startrek wahrscheinlicher sind, da Computer dank KI inzwischen natürliche Sprache ausreichend gut verstehen und nahezu perfekt generieren können. Erst, wenn man viel Informationen gleichzeitig aufnehmen will, ist visuell besser und da könnte ein immersives VR-UI, das einen komplett umgibt, von Vorteil sein.
Und wenn wir nicht den Macintosh (weil kaum einer die Lisa und den Alto auf dem Schirm hat, die noch früher GUIs hatten) und 16-Bit-Homecomputer als Wendepunkt nehmen, sondern Windows 3 als Meilenstein, und auch noch Tabelliermaschine dazu nehmen, um 1935 zu beginnen, sind es sogar 55 Jahre TUIs und dann würde nach 55 Jahren GUIs erst 2080 die VR-Revolution starten

Bei einem Rollenspiel ist aber Realismus und auch Plausibilität irrelevant, wenn das dazu führen würde, dass man wie beim alten CP2020 oder auch früheren Shadowrun-Versionen mit dem Hacker der Runde quasi ein eigenes Spiel spielt, während die anderen Mitspieler mal 'ne Stunde spazieren gehen können.
Man braucht daher besser ein Konzept, dass irgendwie "futuristisch" und bildlich ist, aber jedem Mitspieler eine Chance gibt mitzumachen.
IMHO kann man die stunden- oder tagelange Suche nach einem Exploit, was "Hacken" realistischerweise ist, kombiniert mit obskurem Detailwissen und der Fähigkeit, einen Schritt weiter zu denken, als der "Gegner", sowie dem Willen, trotz permanenter Rückschläge nicht frustriert aufzugeben, einfach nicht ins Rollenspiel bringen. IMHO wäre Hacken eine Folge von N erfolgreichen Wissensproben in Kombinationen mit immer schwereren Willenskraft- und Konstitutionsproben, weil man vielleicht sich geistig zwingen kann, in der "Zone" zu bleiben, dann aber vom Stuhl fällt, weil man schon 18h nichts getrunken oder gegessen hat.
Es ist ein spannendes Gedankenexperiment, wie Computer aussähen, wenn wir nie auf die Idee gekommen wären, eine Braunsche Röhre anzuschließen. Ich glaube, nicht so viel anders. 3D-Computerspiele wären kein Ding und auch Handys hätten keine Bildschirme, aber LEDs könnten dennoch ausreichend Informationen übermitteln, Nixie-Röhren wären allgegenwärtig, Ausdrucke natürlich ebenfalls – vielleicht sogar auf E-Papier, wo der "Drucker" winzige Farbkugeln im Papier magnetisch auf die weiße oder schwarze Seite dreht. Und einige von uns hätten vielleicht auch gelernt, 2x2-Pixel Hexziffern zu lesen und/oder zu ertasten. Das klappt mit 2x3-Pixel Braille-Schrift doch ebenfalls. Ein weltweites Informationsnetz – eher als textbasierte Menüstruktur wie bei Gopher – könnte es trotzdem geben. Und Datenverarbeitung zur Automatisierung wiederkehrender Prozesse ebenfalls.