Also ich schreibe hier nochmal ergänzend meine Gedanken auf, warum ich diesen Prequel-Sequel-Requel-Wahnsinn furchtbar finde.
Ich habe letzte Woche im Rahmen einer kleinen Veranstaltung Gladiator (2000) geschaut. Ich bin gar kein großer Hollywood-Fan oder Ridley-Scott-Fan oder sowas, aber es war nach langer Zeit ein unfassbares Erlebnis. Dieser Film ist einfach objektiv sehr gut gemacht. Trotz der Tatsache, dass Ridley Scott die Story eines älteren Films (Der Untergang des Römischen Reiches, 1964) übernommen hat und dass sich viele Archäologen und Althistoriker (mich ausgeschlossen) bei solchen Historienschinken vor Schmerz winden - Ridley Scott hatte eine klare Vision und hat sein Handwerk beherrscht. Bei dem Film geht es ja null um das Römische Reich, Gladiatur oder Commodus - es geht ja vielmehr um die USA, Demokratie, Politikkritik (auf einem unfassbar flachen Level). Und obwohl die ganzen Rüstungen, die Architektur, die Kleidung null authentisch ist, identifiziert es der Betrachter sofort als "typisch römisch", man nimmt dem Film das alles ab.
Bei allen modernen Comic und Buchverfilmungen im Expanded Nerd-Universe fehlen mir solche Visionen gänzlich. Bei der HdR-Trilogie kann man noch sagen, dass es da erstmals in der Filmgeschichte darum ging, ein Fantasy-Epos ähnlich wie Star Wars etc. in einer beeindruckenden Art und Weise auf die Leinwand zu bringen. Aber auch da gab es für mich schon Verfallsverformen wie die Slapstick-Einlagen. Den 3. Film finde ich stellenweise schon komplett lächerlich (die grünen Gespenster, die sich durch Minas-Tirith metzeln). Und das hat Null mit der authentischen Darstellung von Mittelerde zu tun oder. Ich kenne mich bei Tolkien im Endeffekt fast gar nicht aus.
Mir geht es, wie schon gesagt, darum, dass einfach Visionen fehlen und künstlerische Fertigkeiten. Wenn jemand wie Colbert nicht Kraft seines Genies, sondern Kraft seines zur Schau gestellten Nerdtums (sieht man ja in dem strangen TikTok zur Genüge) als Filmemacher auftritt und noch dazu die dämlichste Begründung aller Zeiten liefert ("Ich habe neulich durch den Herrn der Ringe geblättert und da ist mir aufgefallen, dass wir ja noch drei Kapitel verfilmen könnten..." , dann ist das ein Armutszeugnis für das zeitgenösissche Kino. Da wird einfach jeder Bereich der Popkultur fetischisiert und zugleich durch die totale Vermarktung banalisiert und entauratisiert - klar, dass durch diese paradoxe Behandlung der Vorlagen jegliche verbliebene Magie zerstört wird. Am Ende steht dann statt eines Kunstwerks eine Auftragsarbeit ohne jede Schöpfungshöhe.
Ich sage es hier nochmal: dass der Autor und/oder der Regisseur (angeblich) ein Nerd ist, ist kein Qualitätskriterium für einen guten Film. Ich würde sogar sagen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wenn ihr einen Archäologen einen Film zum Römischen Reich machen lasst, dann achtet er darauf, dass keiner die falsche Fibelform trägt und dass der Helmtyp der Soldaten korrekt ist. Genauso ist es bei den ganzen Verfilmungen, bei denen es ständig nur darum geht, wie genau nun der Stoff interpretiert wird. Ist es faithful oder ist es hyperdivers? Hollywood engt sich selbst ein mit diesem Irrsinn, anstatt sich von den ganzen Nerd-Circle-Jerks zu entfernen und endlich wieder innovative Kunst zu machen.