Ist gerade für mich als studierter Schauspieler eine interessante Frage - ich nehme den Begriff „Verkörpern“ in der Fragestellung jetzt einmal sehr wörtlich.
In meinen Runden haben alle Spielenden grundsätzlich das Recht, alles zu spielen - ausdrücklich auch dann, wenn sie große Schwierigkeiten dabei hätten, Teile der Rolle zu verkörpern.
Der erste Teil der Begründung wurde in diesem Thread bereits zur Genüge aufgegriffen: Rollenspiel ist für mich dazu da, in Rollen zu schlüpfen, die nicht meiner eigenen Wesensart oder meinen eigenen Fähigkeiten entsprechen. Dabei ist es völlig legitim, sich mit der dritten Person zu helfen bzw. zu beschreiben, was mein Held gerade tut, anstatt es am Tisch auszuspielen. Die Regeln des entsprechenden Systems helfen wiederum dabei, eine Expertise zu veranschaulichen, von der man ausgeht, dass der Held sie besitzt, selbst wenn der entsprechende Spieler keinen Schimmer davon hat. Insofern sehe ich in der Praxis da keine Probleme.
Der zweite Teil der Begründung trifft meiner Meinung nach den viel gewichtigeren Aspekt: wer entscheidet, wann eine Darstellung „gelungen“ ist? Ich als Theaterschauspieler mit den Maßstäben professionellen Handwerks? Dann dürften wohl die meisten Rollen am Tisch nicht gespielt werden, weil die wenigsten Spielenden diese Maßstäbe erfüllen würden. Und selbst ich müsste Abstand von der Darstellung mancher NSCs nehmen, weil auch meine geschulten Fähigkeiten an ihre Grenzen stoßen, wenn ich das 13-jährige dünkelhafte Burgfräulein darstellen soll, ohne dass es unfreiwillig komisch wird. Wann ist gut, gut genug? Darf dann ein Spielender einen bestimmten Archetypen spielen, ein anderer aus derselben Gruppe den gleichen Archetypen hingegen nicht? Da kommt man doch in Teufels Küche.
Um mal die Perspektive zu wechseln: Es gibt in meinem Beruf selbstverständlich durchaus Kollegen, die für bestimmte Rollen die besseren Voraussetzungen mitbringen als ich: mehr Erfahrung, passenderes Äußeres usw. Sicher würde diese manche Rollen „besser“ spielen als ich. Mich durch diese Vergleiche und Überlegungen von der Darstellung dieser Rollen per se auszuschließen, würde ich dennoch unangemessen empfinden. Deshalb würde ich mir diese Art von Beurteilung auch nicht gegenüber den PnP Spielenden anmaßen - Spielberechtigung wird dementsprechend nicht an Darstellungsfähigkeit geknüpft.