Autor Thema: Wo der Weg endet - eigenes Abenteuer  (Gelesen 194 mal)

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Offline Schrammy

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Wo der Weg endet - eigenes Abenteuer
« am: 30.09.2026 | 20:17 »
Ich leite seit einiger Zeit SotDL - sogar in zwei Gruppen. Die eine ist sehr erfahren (wir spielen wohl schon seit über 25 Jahre), die andere noch sehr frisch. Gerade bei der zweiten hatte ich das Problem, dass in Geschichten aus dem Schatten tödlich endete (da habe ich es nicht retten können  :-( Nunja, wie auch immer - ich habe mich vor ein paar Tagen hingesetzt und schreibe nun ein neues Abenteuer (die Charaktere fangen bei Stufe 1 an).

Einstieg ins Abenteuer
Ein Bote im Dienst Lord Veyrs sucht jeden Charakter persönlich auf und überreicht ihm eine versiegelte Einladung. Zwischen der Übergabe des Schreibens und dem darin genannten Zeitpunkt der Zusammenkunft bleibt nur wenig Zeit. Die Charaktere müssen sich daher beeilen, ihre Angelegenheiten zu ordnen und sich auf den Weg zum Gasthaus am Ende des Weges zu machen.
Das Schreiben ist auf hochwertigem Papier verfasst und mit einem sorgfältig angebrachten Siegel verschlossen.

Das sind meine Ideen - die als Spielleiter-Information dienen würden.

Der Pakt von Veyr
Seit sechs Jahren herrscht in dem Tal unterhalb der Schildberge ein Frieden, den kaum jemand Frieden nennen würde, der aber dennoch Leben gerettet hat, denn es gab seit sechs Jahren keinen großen Angriff der Tiermenschen.

Lord Veyr, der Herrscher über das Tal und die umliegenden Ländereien, schloss diesen Pakt in einer Zeit, als die Tiermenschen immer wieder aus den Bergen herabstiegen. Überfälle auf abgelegene Höfe waren an der Tagesordnung. Händler verschwanden auf den Passstraßen, Vieh wurde Nachts aus den Ställen gerissen und ganze Familien fanden sich eines Morgens nicht mehr in ihren Häusern wieder.

Lord Veyrs Soldaten waren den Tiermenschen im offenen Kampf gewachsen. Doch die Überfälle, vor allem in der Dunkelheit, zerrten an den Kräften von ganze Trupps. Die Verfolgung in den Bergen endeten für die Soldaten tödlich.

Ein langer Krieg – ohne Aussicht von Verstärkung aus dem Imperium – hätte das Tal nicht überlebt.
Veyr entschied sich für einen anderen Weg.

Der Handel mit den Bestien
Der Anführer des größten Stammes war ein mächtiger Leerenrufer, der unter den Menschen nur als der Schwarze Hornträger bekannt war. Er war kein Herrscher über alle Tiermenschen der Schildberge, doch sein Stamm war der größte und gefährlichste, der Lord Veyrs Land ernsthaft bedrohten.

Lord Veyr ließ ihm eine Botschaft zukommen. Er bot dem Stamm Nahrung, Vieh und Gefangene an. Im Gegenzug sollten die Tiermenschen die Dörfer und Straßen des Tales verschonen und ihre Jagdgebiete nicht weiter nach Süden ausdehnen.

Die Tiermenschen verstanden keinen Begriff wie Frieden. Sie verstanden Beute, Stärke und Vorteil. Der Schwarze Hornträger erkannte, dass eine regelmäßige Lieferung von Fleisch und Menschen weniger Aufwand bedeutete als die Jagd auf dieselbe Beute.

So entstand der Pakt vom Schwarzen Grat.

Seitdem wird in regelmäßigen Abständen eine Gabe an einem abgelegenen Treffpunkt am Fuß der Berge hinterlegt. Fleisch und Alkohol. Der wichtigste Teil der Gabe sind jedoch die Gefangenen.

Anfangs war Lord Veyr dabei sehr genau. Es sollten nur Menschen ausgeliefert werden, die den Tod  verdient hatten: Mörder, Brandstifter und andere Schwerverbrecher, deren Verbrechen eindeutig erwiesen waren. Lord Veyr konnte sich damit vor sich selbst rechtfertigen, dass er das Leben unschuldiger Menschen gegen das Leben jener eintauschte, die es selbst verwirkt hatten.

Doch die Zahl der Verbrecher reichte bald nicht mehr aus. Dann kamen Deserteure hinzu. Räuber. Schmuggler. Männer, die ihre Waffen gegen Lord Veyrs Soldaten erhoben hatten. Später wurden Gefangene feindlicher Banden ausgeliefert. Und schließlich Menschen, deren Verbrechen weniger eindeutig waren.

Lord Veyr bemerkte die Veränderung. Er erlaubte sie.

Doch er zog eine Grenze: Niemand aus den Dörfern sollte allein deshalb verschwinden, weil er arm, unbeliebt oder politisch unbequem war.

Zumindest glaubte Lord Veyr lange, dass diese Grenze eingehalten wurde.

Die Grenzwächter
In den vergangenen Jahren hat sich eine kleine Gruppe von Lord Veyrs Soldaten um die Abwicklung des Paktes gekümmert. Sie kennen die geheimen Wege in die Berge und wissen, wann und wo die Übergaben stattfinden. Lord Veyr nennt sie seine Grenzwächter.

Andere nennen sie weniger schmeichelhaft. Denn die Grenzwächter entscheiden inzwischen weitgehend selbst, wer für die nächste Lieferung bestimmt wird. Manche der Männer sehen darin eine Möglichkeit, das Tal von gefährlichen Verbrechern zu säubern. Andere nutzen ihre Stellung, um persönliche Rechnungen zu begleichen. Ein verhasster Nachbar, ein Händler, der seine Abgaben nicht bezahlt, ein politischer Gegner oder ein betrunkener Raufbold kann nach einer Schlägerei plötzlich als „Gefangener“ der Grenzwächter enden.

Lord Veyr weiß, dass dies geschieht. Was er nicht weiß, ist das Ausmaß. Er hat seit Jahren nicht mehr nach den Namen der Menschen gefragt, die zu den Übergabestellen gebracht werden. Nicht, weil es ihm gleichgültig wäre. Sondern weil er glaubt, dass es besser ist, nicht jede Einzelheit einer Notwendigkeit zu kennen, die er selbst geschaffen hat.

Solange die Dörfer sicher bleiben, solange die Straßen offen sind und solange die Tiermenschen in den Bergen bleiben, kann er sich einreden, dass der Preis gerechtfertigt ist.

Lord Veyrs Sicht
Lord Veyr hält sich nicht für einen grausamen Mann. Er weiß, was der Pakt kostet. Er weiß auch, dass einige der Menschen, die in die Berge gebracht werden, den Tod nicht verdient haben.

Doch Lord Veyr hat die Jahre vor dem Pakt erlebt. Er erinnert sich an brennende Höfe. An Kinder, die aus ihren Verstecken geholt wurden. An Bauern, die all ihr Vieh verloren haben – und ihre Familien. Er erinnert sich an die Männer, die er in die Berge schickte und die nicht zurückkehrten. Für ihn ist der Pakt deshalb keine Frage von Gut oder Böse. Er ist eine Frage von Verantwortung.

Ein Anführer, so glaubt Lord Veyr, muss manchmal Entscheidungen treffen, die kein guter Mensch treffen möchte.

Lord Veyr weiß, er hat den Pakt geschlossen, um sein Volk zu schützen. Nicht, um seinen Soldaten die Macht zu geben, über Leben und Tod zu entscheiden. Er weiß allerdings auch, dass diese Unterscheidung inzwischen immer schwerer aufrechtzuerhalten ist.

Er weiß auch, dass einige Rudel Tiermenschen trotzdem angreifen – das sind jedoch Einzelfälle, mit denen seine Soldaten – und die Grenzwächter – fertig werden können. Zudem erinnert dies alle, dass die Tiermenschen immer noch eine Gefahr für das Land sind.

Die Sicht der Tiermenschen
Die Tiermenschen betrachten den Pakt völlig anders. Für sie ist er kein Friedensvertrag. Er ist ein Beweis dafür, dass Lord Veyr die Stärke der Tiermenschen erkannt hat.

Der Schwarze Hornträger und sein Stamm sehen die regelmäßigen Lieferungen als Tribut. Sie haben niemals versprochen, die Menschen zu verschonen, weil sie die Menschen respektieren. Sie tun es, weil sie für den geringeren Aufwand eine regelmäßige Versorgung erhalten.

Einige Tiermenschen halten Lord Veyr sogar für einen klugen Menschen. Er hat verstanden, was die meisten Menschen nicht verstehen wollen: Die Berge gehören den Starken.

Solange die Gaben eintreffen, bleibt der Stamm in seinem Jagdgebieten. Wenn die Lieferungen ausbleiben, wird der Pakt wertlos.

Nicht alle Tiermenschen erkennen den Vertrag an. Rivalisierende Stämme betrachten die Vereinbarung als Zeichen der Schwäche vom Stamm der schwarzen Hornträger. Für sie ist Lord Veyrs Tal eine fette Beute, die nur deshalb nicht genommen wurde, weil der Schwarze Hornträger diese für sich beansprucht.

Der Pakt hält daher nicht alle Tiermenschen zurück. Einzelne Rudel greifen immer wieder an. Ohne zu wissen, stärken die Tiermenschen somit den Stand von Lord Veyr.

Die Wechselbälger
Eine Kabale von Wechselbälger versucht seit Jahren in den Bergen eine Ruine zu erkunden, in dem der Stamm der Tiermenschen haust. Ihre Versuche als Tiermensch in den Stamm einzudringen, endeten immer tödlich.

Die Wechselbälger haben nun ihre Taktik geändert – sie versuchen einen Krieg zwischen den Tiermenschen und Lord Veyrs Truppen auszulösen, in der Hoffnung freien Zugang zu den Ruinen zu erhalten.

Für ihre Arbeit haben sie bisher nur die Positionen niederer Bedienstete übernehmen können – sie haben die nötige Geduld, um langsam sich in besseren Positionen zu bringen.

Nun stehen die Orks vor der Tür und die Wechselbälger erhoffen sich, einen großen Krieg auszulösen, der die Tiermenschen aus den Ruinen vertreibt und die Orks soweit schwächt, dass diese nicht tiefer in die Berge einmarschieren und somit im Tal bleiben.

Ein brüchiger Frieden
Sechs Jahre lang hat der Pakt funktioniert. Doch nun verändert sich die Lage.

Eine Armee von Orks ist aus den Gebieten des alten Imperiums in die Region vorgedrungen. Ihre Anführer beanspruchen das Land für sich und betrachten Lord Veyr als einen lokalen Adeligen, der sich den Orks beugen muss.

Lord Veyr weiß, dass er sich gegen die Orks behaupten muss, er weiß aber auch, das seine Soldaten gegen diese ausgebildeten Krieger nicht lange durchhalten können.

Es ist aussichtslos. Unternimmt er nichts gegen die Orks, werden diese das Land mit Gewalt übernehmen. Bricht er den Pakt mit den Tiermenschen, überrennen diese das Land. Bekämpfen sich Orks und Tiermenschen, wird das Tal zu einem blutigen Kriegsgebiet.

Und genau in dieser Zeit beginnen auch die Wechselbälger, den Pakt zu unterwandern.

Sie haben erkannt, dass Lord Veyrs sorgfältig Plan mit den Tiermenschen eine Schwachstelle besitzt. Wenn sie die beiden Seiten gegeneinander aufbringen können, werden die Tiermenschen das Tal wieder überfallen und plündern. Eine so große Horde von Tiermenschen wird die Orks in das Tal und in die Berge ziehen, auf der Jagd nach den Tiermenschen.

Lord Veyr ahnt davon  nichts. Er glaubt, dass sein größtes Problem die Orkarmee ist. Er ahnt nicht, dass jemand bereits begonnen hat, seine Soldaten, seine Informanten und sogar seine Verbündeten zu ersetzen.

Der heutige Pakt
Der Pakt besteht noch immer. Doch er steht kurz davor, zu zerbrechen.

Lord Veyr hat einen ungewöhnlichen Gefallen für die Tiermenschen vorbereitet: einen gefangenen Wechselbalg, den seine Männer vor kurzem in seinem Herrschaftsgebiet entdeckt haben. Lord Veyr betrachtet die Gefangennahme als Beweis dafür, dass seine Männer trotz der wachsenden Unruhe handlungsfähig sind. Er will den Wechselbalg als Geschenk übergeben und damit seine Beziehung zu den Tiermenschen erneuern.

Dazu schickt er Fremde – die Charaktere – denn er kann keinen in seinem Stab trauen.

Die Charaktere kennen weder die örtlichen Familien noch die politischen Streitigkeiten. Sie haben keine Verbindung zu den Grenzwächtern und wissen nichts von den tatsächlichen Ausmaßen des Paktes. Lord Veyr hält das für einen Vorteil.

Für die Charaktere ist die Mission zunächst eine einfache Aufgabe: Eine Kiste zu einem Treffpunkt bringen und dort Bruder Jakob treffen.

Lord Veyr weiß nicht, dass die Wechselbälger den Pakt als Werkzeug benutzen.

Das wäre die Grundidee - die ich derzeit ausarbeite. Meinungen/Anregungen/Kritik gerne gesehen :-)