Ich wollte hier mal ein Projekt vorstellen, an dem ich inzwischen schon ziemlich lange bastle und auf das ich mich gerade enorm freue:
einen „Crisis Crawl“ für das kommende Justice League Unlimited RPG.Die Grundidee ist ziemlich simpel:
Ich möchte keine klassische Superheldenkampagne mit fester Gruppe, linearem Plot und einer großen Story spielen, die von Sitzung 1 bis Sitzung 30 durchläuft.
Stattdessen soll eine
dauerhaft fortlaufende DC-Welt entstehen, in der ständig mehrere Krisen gleichzeitig passieren, unterschiedliche Helden eingesetzt werden können und sich die Welt auch dann weiterentwickelt, wenn die Spieler gerade woanders sind.
Der Begriff „Crisis Crawl“ ist dabei bewusst ein bisschen an den HexCrawl angelehnt.
Frei nach der Devise:
„Das sind die aktuellen Krisen. Welche davon wollt ihr angehen?“
Der Watchtower als MissionszentraleDas Herzstück der Kampagne ist der Watchtower (in unserem Fall ein eigener Kanal auf unserem Gruppen-Discord).
Dort gibt es immer mehrere aktive Missionen mit unterschiedlichen Gefahrenstufen, Orten, Dringlichkeiten und bekannten Informationen.
Die Spieler entscheiden selbst, welche Krise sie übernehmen möchten.
Das kann eine relativ kleine Angelegenheit in Gotham sein, eine größere Bedrohung in Metropolis oder irgendwann natürlich auch eine globale Krise.
Wichtig ist mir dabei, dass die Missionen
nicht einfach darauf warten, bis die Spieler irgendwann Zeit für sie haben.
Wenn eine Krise zu lange ignoriert wird, kann sie sich verändern.
Sie kann eskalieren.
Andere Helden können eingreifen.
Behörden können sie lösen.
Oder sie verschwindet vorerst aus dem Fokus.
Dadurch soll sich die Welt nicht wie eine Questliste anfühlen, sondern wie etwas, das unabhängig von den Spielern weiterläuft.
Die Heldenauswahl soll sich wirklich nach Justice League anfühlenEin weiterer wichtiger Punkt ist der große Heldenpool.
Die Spieler sollen nicht dauerhaft an einen einzigen offiziellen DC-Helden gebunden sein.
Heute spielt jemand vielleicht Batman, beim nächsten Termin Green Arrow und später Zatanna.
Eigene Charaktere sind natürlich ebenfalls möglich und gehören dann dauerhaft dem jeweiligen Spieler.
Die Missionen und Helden sind in unterschiedliche Tiers eingeteilt. Das verhindert unter anderem, dass die mächtigsten Figuren ständig jedes kleine Problem übernehmen.
Ich möchte, dass auch weniger mächtige Helden dauerhaft relevant bleiben. Damit reagiere ich regeltechnisch etwas auf die Logikprobleme bei Superhelden-Universen. Warum zum Teufel gibt es überhaupt noch "kleine" Probleme, wenn Figuren wie Superman oder Flash existieren?
Die Justice League selbst entwickelt sichDie League ist in meiner Kampagne keine statische Organisation.
Helden können unabhängig bleiben, enge Verbündete werden oder irgendwann Vollmitglieder werden.
Auch Aufnahmestorys sind möglich.
Dabei kann im Vorfeld feststehen, dass ein Charakter irgendwann aufgenommen wird – oder die Aufnahme kann bewusst offen gespielt werden.
Für solche Fälle gibt es einen Rat der Justice League.
Zu Beginn besteht dieser aus Superman, Batman, Wonder Woman, Aquaman und Green Lantern.
Der Rat ist aber ausdrücklich
nicht für immer festgeschrieben.
Mitglieder können ausfallen, zurücktreten oder ersetzt werden.
Und theoretisch kann irgendwann sogar ein von den Spielern erdachter Charakter in diesen Rat aufrücken.
Gerade diese langfristigen Entwicklungen finde ich spannend, weil die Justice League dadurch irgendwann wirklich zu
dieser einen konkreten Version der League wird, die aus der Kampagne entstanden ist.
Keine feste Gruppe notwendigEin großer Bestandteil des Konzepts ist das Drop-in-/Drop-out-Prinzip.
Niemand muss sich verpflichten, jede Sitzung mitzuspielen.
Jemand kann einmal teilnehmen, dann monatelang nicht mehr auftauchen und irgendwann wieder einsteigen.
Die Welt läuft einfach weiter.
Eine feste Stammgruppe kann sich natürlich ergeben, ist aber nicht notwendig.
Das gleiche gilt für die Spielleitung.
Auch andere Leute können Missionen anbieten und leiten.
Alle spielen dabei in derselben fortlaufenden Welt und koordinieren sich nur dort miteinander, wo größere Veränderungen entstehen.
Das gefällt mir besonders, weil die Kampagne dadurch theoretisch über Jahre weiterlaufen kann, selbst wenn sich die Spielergruppen irgendwann komplett verändern.
Eine Welt, die sich erinnertDamit diese Kontinuität nicht irgendwann verloren geht, gibt es mehrere Ebenen der Dokumentation.
Zum einen ein
Weltprotokoll, in dem wichtige Ereignisse chronologisch festgehalten werden.
Wenn also irgendwann Jahre später neue Spieler einsteigen, können sie nachvollziehen, was in dieser Welt bereits passiert ist.
Zum anderen gibt es eine Übersicht über wichtige
Beziehungen und Kontakte.
Wie steht das GCPD aktuell zur Justice League?
Wie ist das Verhältnis zu S.T.A.R. Labs?
Welche Organisation vertraut der League?
Wer hält sie für gefährlich?
Das soll bewusst kein Zahlen- oder Reputationssystem sein, sondern einfach eine Übersicht über den aktuellen Stand der Welt.
Nachrichten, Gerüchte und öffentliche MeinungEin besonders großer Teil des Projekts ist für mich die Darstellung der Welt außerhalb der eigentlichen Spielsitzungen.
Im Watchtower gibt es einen eigenen Bereich für
Nachrichten und Gerüchte.
Dort können Meldungen aus der Welt auftauchen – aber auch Spieler selbst jederzeit In-Universe-Beiträge posten.
Nicht alles davon muss wahr sein.
Es kann sich um echte Nachrichten handeln, um Spekulationen, Gerüchte, politische Aussagen oder einfach um irgendeinen Unsinn, den jemand im Internet verbreitet.
Kord.netFür Social-Media-Beiträge habe ich eine eigene fiktive Plattform gebaut:
Kord.netIm Grunde meine DC-Version von Twitter/X.
Dort diskutieren normale Menschen über Superhelden, streiten sich über die Justice League, verbreiten Verschwörungstheorien oder posten einfach belanglosen Alltagskram.
Zum Beispiel:
Hat noch jemand gestern Nacht diese Lichtpunkte über der Ostküste gesehen?
Keine Flugzeuge. Zu schnell für Satelliten.
Drei Stück. Perfekte Formation.
Und NEIN, bevor es jemand schreibt: Ich war nüchtern.
Antwort:
„Bro entdeckt Sterne.“
Antwort:
„Sterne ändern nicht gleichzeitig die Richtung.“
Solche Beiträge können einfach nur Weltfarbe sein.
Oder Monate später plötzlich relevant werden.
TageszeitungenZusätzlich gibt es regelmäßig In-Universe-Zeitungen.
Dabei geht es mir nicht nur darum, Informationen zu vermitteln.
Die verschiedenen Zeitungen dürfen auch unterschiedliche Blickwinkel haben.
Ein Ereignis kann in einer seriösen Zeitung ganz anders dargestellt werden als in einer Boulevard-Zeitung.
So bekommt die Welt automatisch unterschiedliche Stimmen.
„Amerika, hör zu!“Ein weiteres kleines Nebenprojekt innerhalb der Kampagne ist eine fiktive Radiosendung namens:
„Amerika, hör zu!“Moderiert wird sie von Joe Henry Hartman.
Hartman ist ein bewusst unangenehmer, populistischer Talkradio-Moderator, der der Justice League ausgesprochen kritisch gegenübersteht.
Superman hält er für ein Sicherheitsrisiko, über andere Helden macht er sich gerne lustig, und generell sieht er Superhelden lieber misstrauisch als begeistert.
Die Sendung greift Ereignisse aus der Kampagne auf und kommentiert sie aus seiner ganz eigenen Perspektive.
Dabei geht es gar nicht darum, dass Hartman „recht“ hat.
Im Gegenteil.
Er soll einfach zeigen, wie unterschiedlich dieselben Ereignisse innerhalb der Welt wahrgenommen werden können.
Besonders schön stelle ich mir vor, wenn die Spieler eine Mission gespielt haben und später hören:
„Wissen sie, was ich gerade wieder gelesen habe?! Sogenannte "Helden" sind in die Labore von S.T.A.R. Labs eingedrungen und haben einen gewaltigen Schaden verursacht!“
So fungiert Hartman auch als kleine - tatsächlich hörbare - Version eines Kampagnentagebuchs.
Die Welt gehört nicht nur einer GruppeDas ist wahrscheinlich der Punkt, den ich am spannendsten finde.
Angenommen, eine Gruppe spielt zwei Jahre lang in dieser Kampagne.
Dann hört sie irgendwann auf.
Später möchte eine komplett andere Gruppe das Spiel ausprobieren.
Dann startet diese Gruppe
nicht in einer neuen Welt.
Sie übernimmt den Zustand, den die vorherige Gruppe hinterlassen hat.
Vielleicht hat sich Gotham inzwischen stark gegen die Justice League gestellt.
Vielleicht sitzt inzwischen ein Originalcharakter im Rat.
Vielleicht ist ein Schurke entkommen und Jahre später noch immer aktiv.
Vielleicht hat irgendeine scheinbar kleine Mission langfristige Folgen gehabt.
Die Konstante ist also nicht die Spielergruppe.
Die Konstante ist die Welt.Wie groß soll das werden?Im Hintergrund plane ich einen größeren Pool an Missionen, aus dem immer nur ein kleiner Teil gleichzeitig aktiv ist.
Nicht alles davon wird jemals gespielt werden.
Das ist sogar ausdrücklich gewollt.
Manche Krisen werden von anderen Helden gelöst.
Manche eskalieren.
Manche verschwinden.
Manche entwickeln sich zu etwas völlig anderem.
Ich möchte am Ende keine Kampagne haben, die sich anfühlt wie:
„Hier sind 50 Abenteuer. Spielt sie bitte der Reihe nach.“
Sondern eher wie:
„Hier ist das DC-Universum. Es passiert ständig etwas. Schaut, wo ihr eingreifen wollt.“
Warum ich da so viel Arbeit reinsteckeWeil ich genau dieses Gefühl in einem Superhelden-Rollenspiel haben möchte:
Die Spieler sind wichtig.
Aber sie sind nicht die einzigen Menschen, die überhaupt existieren.
Die Welt wartet nicht auf sie.
Und trotzdem hinterlassen ihre Entscheidungen langfristig Spuren.
Wenn irgendwann nach Jahren jemand neu dazukommt und fragt:
„Warum ist diese Stadt eigentlich so feindselig gegenüber der Justice League?“
dann möchte ich antworten können:
„Das ist vor langer Zeit in einer anderen Runde passiert.“
Und genau das ist für mich der Reiz an dem ganzen Projekt.
Am Ende soll nicht einfach irgendeine Justice League existieren.
Sondern
unsere Version dieser Welt.
/EDIT: Als Info: Text wurde mit Hilfe von KI fürs Forum gelayoutet.