Autor Thema: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen  (Gelesen 2138 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Azzu

  • Baron Rührbart
  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 5.165
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Azzurayelos
Die Quellenbücher von Holistic Design protzen immer mit mehreren Seiten geschichtlichen Daten und den ganz wichtigen NPCs, was mir aber fast immer gefehlt hat, ist eine Beschreibung, wie das Alltagsleben der Mitglieder der beschriebenen Fraktion bzw. der Bewohner der beschriebenen Welt aussieht. Deshalb mache ich jetzt diesen Brainstorming-Thread auf, in den alles rein kann, was ihr euch dazu bisher so ausgedacht habt (egal, ob als SL, oder um einem Charakter mehr Hintergrund zu verleihen): Mode und Tracht, Bräuche und Traditionen, Kultur, wie wird Religion praktiziert, Architektur, Technik im Alltag, und so weiter. Vielleicht kommt ja was zusammen!

Offline Managarmr

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.043
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Managarmr
RE: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen
« Antwort #1 am: 30.04.2005 | 13:40 »
Die Quellenbücher von Holistic Design protzen immer mit mehreren Seiten geschichtlichen Daten und den ganz wichtigen NPCs, was mir aber fast immer gefehlt hat, ist eine Beschreibung, wie das Alltagsleben der Mitglieder der beschriebenen Fraktion bzw. der Bewohner der beschriebenen Welt aussieht.

Im ersten Kapitel von FL:T und im Kapitel "A day in the life of" im PC findet sich eigentlich einiges...
"Livet kan bara förstås baklänges, men måste levas framlänges" Søren Kierkegaard         
"Meine angenehmsten Ratgeber sind Bücher; denn weder Furcht noch Hoffnung hindern sie daran mir zu sagen, was ich tun soll"
Alfons V. von Aragonien

Offline Azzu

  • Baron Rührbart
  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 5.165
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Azzurayelos
RE: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen
« Antwort #2 am: 30.04.2005 | 18:08 »
Ich fange mal an mit ein paar meiner Ideen zu

Leminkainen, Mikkelshire-Region:

Religion: Der sterbende, rote Riese am Firmament führt der verbleibenden Bevölkerung von Leminkainen ihre Sündhaftigkeit täglich vor Augen. Entsprechend viel Zulauf hat der Tempel Avesti, vor allem unter den Bauern und Industriearbeitern. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Priester des Tempels mangels ausreichender Lateinkenntnisse einen größeren Teil ihrer Predigten auf Aerdisch halten, als die orthodoxen Kleriker. In entlegenen Ortschaften stellt der Tempel Avesti sogar die einzige Kirche. Der orthodoxe Glaube droht, zu einer Minderheitsreligion der Oberschicht zu werden. Die Avestiten haben aber auch Probleme, da die Reinheit ihrer Lehre durch heidnische Einflüsse gefährdet wird, weil es allenorts Berührungspunkte mit den Waldbewohnern, Nomaden und den Vuldrok gibt, die dem Gjarti-Glauben angehören. Erzkonservative Werte und der Glaube an den Pancreator schließen für einen Großteil der Landbevölkerung die Verehrung von Naturgeistern nicht aus.

Umwelt: Auf Leminkainen ist es wegen des Zustands der Sonne unerträglich heiß, selbst im Winter. Dennoch hat sich die Tier- und Pflanzenwelt behauptet und ist lebendiger als jemals zuvor; große Teile des Planeten sind von Urwald bedeckt. Wegen des ständigen Überlebenskampfes der Flora von Leminkainen gibt es fast das ganze Jahr über heftigen Pollenflug, der zu einer ständigen Reizung der Atemwege führt und sich als gelblich-grünliche Schicht auf Wänden, Fahrzeugen und Kleidung äußert.

Architektur: Der Adel und reiche Händler leben in Herrenhäusern und Villen im Stil der Plantagenbesitzer in den Südstaaten der USA vor dem Bürgerkrieg. Burgen sind eher selten, abgesehen von den Tempelfesten des Kriegstempels, die von außen den Wüstenforts der Fremdenlegion ähneln und außerhalb der besiedelten Gebiete liegen. Ansonsten sind die Städte eher industriell geprägt - Nahrungsverarbeitung, hauptsächlich, wobei funktionelle Betongebäude zu den Straßen hin mit prächtigen Fassaden versehen werden, ähnlich den Holzfassaden der Barracken in Frontier-Städten im Wilden Westen, wie man ihn aus Hollywood-Filmen kennt. In den Straßen der reicheren Stadtviertel ist es unerträglich heiß, da die künstliche Kühlung der Innenräume zusätzliche Wärme erzeugt, die nach außen abgegeben wird.

Kleidung: Der typische Mikkelshire-Bewohner hat sonnenverbrannte Haut und wegen der Hitze kurz gehaltene Haare, auch die Frauen. Nur der Hochadel in den Städten tut durch aristokratische Blässe und lange Haartracht kund, dass er es nicht nötig hat, längere Zeit außerhalb klimatisierter Räumlichkeiten zu verbringen. Breitkrempige Hüte schützen vor der Strahlung der Sonne, weite Überwürfe und Mäntel schützen die Kleidung vor Staub und den klebrigen Pollen. Fast jeder Mikkelshire-Bewohner trägt spezielles Atemtuch, ein Patent der Webergilde, das normalerweise um den Hals getragen wird, bei heftigem Pollenflug aber vor das Gesicht gezogen wird. Pollen und Staub bleiben kaum daran haften. Die Oberschicht, die nicht unter freiem Himmel arbeiten muss, zeigt dies, indem das Atemtuch zu komplizierten Knoten gebunden wird. Neuankömmlinge auf Leminkainen erkennt man schnell daran, dass sie selbst bei moderatem Pollenflug ihr Atemtuch vor dem Gesicht tragen. Viele Freigeborene außerhalb der großen Städte tragen einfache Feuerwaffen am Gürtel, angesichts der Nachbarschaft zu den Vuldrok.

Bräuche, Kultur etc.: Ab dem späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag liegen die Ortschaften da wie tot - alle ziehen sich ins innere ihrer Häuser zurück, um der erbarmungslosen Mittagssonne zu entfliehen. Da Leminkainen nur noch sehr dünn besiedelt ist, Verkehr zwischen den Ortschaften daher gering ist, und der Einfluss des Tempels Avesti die Xenophobie der Menschen fördert, ist man in kleineren Ortschaften Fremden gegenüber sehr misstrauisch. Die Stadtbewohner betrachten Neuankömmlinge eher mit Schadenfreude über deren unausweichlichen Anpassungsschwierigkeiten an das höllische Klima des Planeten. Angesichts der geringen Anzahl der Adligen auf Leminkainen, inbesondere im Mikkelshire, ist es der herrschenden Schicht kaum möglich, unter sich standesgemäße Festivitäten auszurichten. Daher sind wohlhabende Händler häufiger auf festlichen Anlässen anzutreffen, als auf anderen Welten. Außerdem gilt es als durchaus angemessen, in Begleitung von in kulturellen Dingen ausgebildeten Kurtisanen auf Bälle und ähnliche Veranstaltungen zu gehen. "Gewöhnliche" Prostitution dagegen wird von den konservativen Mikkelshire-Bewohnern als extrem anstößig empfunden und findet im Verborgenen statt. Der Genuss von Alkohol nach getaner Arbeit ist allerdings ein weithin akzeptiertes Laster, das selbst der Tempel Avesti aufgegeben hat, anzuprangern. Sehr zum Ärger des Klerus aller Sekten ist Glücksspiel sehr populär, häufig veranstaltet von der Gilde der Scravers. Künstler und Musiker haben es angesichts der geringen Bevölerungszahl schwer, an einem einzigen Ort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele schließen sich daher den Karawanen der Schausteller-Gilden an, die das ganze Jahr über von Ort zu Ort ziehen.

Recht & Gesetz: Der Aufwand, in jedem entlegenen Bauerndorf für Ordnung zu sorgen, wäre immens - andererseits muss Haus Hawkwood um seinen Einfluss fürchten, sollten andere Parteien effektiveren Schutz bieten, als die lokalen Lehnsherren, die selbst oft weitab ihrer Lehen in den Städten Residenz bezogen haben. Der Adel beauftragt daher die Handelsliga, rechtskundige Richter und bewaffnete Gesetzeshüter zu stellen, die jeweils in einem bestimmten Gebiet von Ort zu Ort ziehen, um die während ihrer Abwesenheit angefallenen Streitigkeiten zu klären. Da allein die Möglichkeit ihrer baldigen Ankunft Abschreckung genug für potentielle Gesetzesbrecher sein muss, gehen die Gildenrichter oft mit gnadenloser Härte vor.
« Letzte Änderung: 30.04.2005 | 18:11 von Azzurayelos »

Denize Noy

  • Gast
RE: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen
« Antwort #3 am: 1.05.2005 | 13:31 »
Die ganz dekadenten Leute, die unbedingt ihre Kleidung vor den Pollen schützen wollen, werfen sich so eine Art Burka aus dem Atemtuch über, die bis auf den Boden reicht und so teuer ist, dass sie sich nur Adelige und sehr reiche Händler leisten können.

Eine viel- und gerngetragene Farbe wird dann wohl gelb sein, weil man da am wenigsten die Pollenflecken sieht.

Offline Managarmr

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.043
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Managarmr
RE: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen
« Antwort #4 am: 2.05.2005 | 20:34 »
Das Lehen von Baron Bargraine an der Westkueste Jyväskyläs (ein Schauplatz meiner alten Kampagne). Der Hauptort steht direkt an der Kueste auf Plattformen noch vor den Mangroven: rostige alte Plaststahlträger, dick von Salz, Algen, Muscheln und Seepcoken ueberzogen. Darueber Stahlplatten in Riffelstahl, und darauf Huetten und Häuser gebaut, groesstenteils mit Schilfrohrdächern (einfach nach Stuermen zu reparieren, extrem schnell nachwachsender Rohstoff).  Aufgrund des Kuestenwinds immer angenehm kuehles, pollenfreies Klima, aufgrund des Salzwassers auch relativ mueckenfrei.
"Livet kan bara förstås baklänges, men måste levas framlänges" Søren Kierkegaard         
"Meine angenehmsten Ratgeber sind Bücher; denn weder Furcht noch Hoffnung hindern sie daran mir zu sagen, was ich tun soll"
Alfons V. von Aragonien

Schoasch

  • Gast
RE: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen
« Antwort #5 am: 11.05.2005 | 22:19 »
Zu Leminkainen:

Ich erstell mir grad ne topographische Karte von Leminkainen. Die Menschen an der Südküste von Grikkor, besonders in Gebirgsnähe dürften relativ erdbebengeplagt sein, denn wenn mich meien Geographie-Kenntnisse nicht täuschen ist das ein eins-A Faltenwurf.
Für die Lebensumstände bedeutet das folgendes: die Häuser sind entweder sehr stabil (aber auf jeden fall nich wirklich hoch) gebaut oder wie in Japan so konstruiert, dass sie schnell wieder aufbaubar sind. Das Mikkelshire dürfte allerdings von diesen Erdbeben nicht betroffen sein. Dafür ist die Küstenregion sehr gemäsigt warm (durch das aufsteigende kalte Tiefenwasser aus den Tiefsee-Gräben vor der Küste).

Offline Azzu

  • Baron Rührbart
  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 5.165
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Azzurayelos
RE: [Setting] Das tägliche Leben unter den Sterbenden Sonnen
« Antwort #6 am: 15.05.2005 | 01:16 »
Leminkainen, Fortsetzung

Transport und Verkehr: Leminkainen im Allgemeinen, und der Kontinent Grikkor im Speziellen, ist sehr dünn besiedelt. Zwischen zwei Ortschaften findet sich wenig außer Ödland, Urwald und die gelegentliche Geisterstadt aus besseren Tagen, in der Mikkelshire-Region vorranging landwirtschaftlich genutzte Flächen. Personenverkehr mit Schwebern ist durchaus möglich - gerade die Farmerstädte im Mikkelshire haben oft Lande- und Startvorrichtungen für kleine Luftfahrzeuge, weil mit solchen Düngemittel auf die riesigen Felder ausgebracht wird - aber den Wohlhabenden vorbehalten. Für den Güterverkehr der Nahrungsmittelindustrie von West-Grikkor ist der Luftweg nicht rentabel.
Daher gibt es seit mehreren Jahrhunderten schon die Trans-Grikkor Zugverbindung, die den Kontinent seiner Länge nach durchzieht, und an deren Schienennetz alle größeren Orte angeschlossen sind. Die Schwebezüge von Trans-Grikkor erreichen extrem hohe Geschwindigkeiten. Nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit sind die Zugmaschinen mittlerweile schwer gepanzert und ziehen außer Personen- und Güterwagons auch mehrere militärische Wagons, die mit schweren Geschützen ausgestattet sind. Außerdem wird jeder Zug von einer Kompanie Hawkwood-Soldaten geschützt - sowohl vor Überfällen der Vuldrok-Banditen, als auch vor einem möglichen Streik der Sternfahrer, die Trans Grikkor im Auftrag des Adels betreiben. Personenwagons gibt es in allen Klassen - von schwebenden Luxushotelsuiten für den Hochadel bis hin zu dicht gedrängte Sitzbänken ohne Klimatisierung für das gemeine Volk.
Die Schienenstränge laufen in Centrail im Herzen des Kontinents zusammen, wo sich auch das Hauptquartier der Sternfahrergilde von Grikkor befindet. Für die Dörfer und Städte von Grikkor ist die Zuganbindung von großer Bedeutung, denn sie verspricht wirtschaftlichen Wohlstand und Anschluss an das kulturelle Leben der großen Städte. Jenseits der Schienenstränge sind schon viele einstmals blühende Ortschaften zu  Geisterstädten geworden, weil alle Bewohner abgewandert sind.
Wer einen visuellen Eindruck von dem Schwebezug bekommen möchte, dem empfehle ich die Firefly-Episode "The Train Job".