Autor Thema: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits  (Gelesen 1601 mal)

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Offline Einzelgaenger

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Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« am: 30.01.2015 | 21:41 »
Sechs High Fantasy Filme sind es jetzt, mit denen der lustige Neuseeländer die Welt beglückt hat.
Ca. 6 Mrd Dollar wurden damit an den Kassen umgesetzt.

Wieviele Tonnen Popcorn ode Parkhaustickets hier wohl hinzugerechnet werden können?
Die Industrie hat den pelzigfüssigen Gnom sicher fest ins Herz geschlossen.


Aber was sind die kulturellen Spätfolgen?
Wie hat sich das geliebte Hobby der Forenten dadurch verändert?
Gibts da überhaupt ästhetische Nachwirkungen oder sogar-Beben?


Ein paar meiner Beobachtungen:

Ganz praktisch gesehen sind Orcs & Elfen durch den Herren der Ringe im Mainstream angekommen.
Hausfrauen wissen die beiden Spitzohren von Jedis und Javas abzugrenzen.
Sicherlich ein Gewinn für alle.


DAS visuelle Thema der Trilogien ist das "durch-die-grünen-Lande-vollbeladen-und-in-Waffen-joggen".
Die Gefährten machen das ständig wie gelenkhassende Triathleten. Im zweiten Teil wird das vom Zwerg ironisch kommentiert.
Packpferde hat man höchstens am Anfang dabei.

Im Hobbit machen das sogar ganze Armeen.
Die Zwerge kommen vollgerüstet angelaufen und werfen sich praktisch ohne Strategie, Nachschub, Reserve uä sofort in den Kampf.
Dagegen war Braveheart ein akkurates Historiendrama.

(Etwas vegane Propaganda, postmodern im Trend, war kurz vorher dabei: die armen, ausgehungerten Flüchtlinge werden von den Elfen mit Essen versorgt: was leuchten die Augen als da... Gemüse ausgepackt wird- High Fantasy Low Calorie!)

Eindruck schinden wird auch die Art und Weise des Kämpfens:
Dieses wird heroisch, aber auch albern zelebriert.
So wie die hippen Superhelden nen dummen Spruch klopfen um danach sofort Watschen auszuteilen keilen sich die Helden ohne auch nur den leisesten Hauch von Todesgefahr zu bemerken.
Der heftigste Spruch hierzu kam vom Zwergenkönig im Finale: [sinngemäss] "macht mal, wir halten sie auf, es sind nur Hundert".

Das mag man alles gut finden oder auch nicht, der 14-jährige RPG Nachwuchs wird aufgrund dieser leinwandgrossen Archetypen eine andere Basis zur Fantasy aufbauen als beispielsweise Meinereiner mit "Conan", "der Zauberbogen" oder "Excalibur".

p.s.Rüstung bleibt Pappe.

Offline Rhylthar

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #1 am: 30.01.2015 | 21:49 »
Ich sehe das, ganz der Pädagoge, ähnlich wie bei "Twilight":

Wenn durch die filmische Darstellung junge Leute dazu angeregt werden, wieder mehr zu lesen, ist für mich alles perfekt.
Und wenn dann in der Buchhandlung neben dem großen Vampir-Regal dann eben eines nur mit Ork-, Elfen- und anderen mystischen Figuren-Romanen steht, habe ich damit auch kein Problem.
“Never allow someone to be your priority while allowing yourself to be their option.” - Mark Twain

"Naja, ich halte eher alle FATE-Befürworter für verkappte Chemtrailer, die aufgrund der Kiesowschen Regierung in den 80er/90er Jahren eine Rollenspielverschwörung an allen Ecken wittern und deswegen versuchen, möglichst viele noch rechtzeitig auf den rechten Weg zu bringen."

Für alle, die Probleme mit meinem Nickname haben, hier eine Kopiervorlage: Rhylthar.

Offline Thandbar

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #2 am: 30.01.2015 | 22:36 »
Anders als die HDR-Trilogie wird der Hobbit ästhetisch wohl kaum Schule machen. Während noch Jahre später andere Mainstreamfilme Techniken und Szenen vom HDR aufgriffen und für sich verwendeten, sehe ich den lärmenden, infantilen und atemlosen Hobbit nicht in einer solchen Vorbildrolle.

Ich sehe das, ganz der Pädagoge, ähnlich wie bei "Twilight"

Meine vielleicht nicht ganz so pädagogische Sorge ist eher die, dass auch die Erwachsenen mittlerweile hauptsächlich Jugend- und Kinderbücher lesen. 
"Du wirst direkt in diesem Moment von einer Zilliarde grünkarierter Kakerlakeneinhörner in Tweedanzügen umzingelt, die mit Fallschirmen aus gebeiztem Vanillepudding aus der nächstgelegenen Dattelpalme springen und dich zu ihrer Avonberaterin krönen - und die Krone ist aus Dr. Frankensteins bösartig mutiertem Killernougat! Streich dir 78000 Hirnschadenspunkte ab und mach sofort eine Jodelimprovisation!"

Offline Anastylos

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #3 am: 30.01.2015 | 22:54 »
Meine vielleicht nicht ganz so pädagogische Sorge ist eher die, dass auch die Erwachsenen mittlerweile hauptsächlich Jugend- und Kinderbücher lesen.

Die Erwachsenen die ich kenne lesen wenn dann nur Krimis. Deine Befürchtungen kann ich nicht teilen.

Offline YY

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #4 am: 30.01.2015 | 23:39 »
Das mag man alles gut finden oder auch nicht, der 14-jährige RPG Nachwuchs wird aufgrund dieser leinwandgrossen Archetypen eine andere Basis zur Fantasy aufbauen als beispielsweise Meinereiner mit "Conan", "der Zauberbogen" oder "Excalibur".

Ist doch alles im Videospielbereich schon lange etabliert und je nach Spielegeschmack und sonstigen Medien, die sich die Jungspieler reinziehen, hat da so mancher SL seine Arbeit mit - vorausgesetzt, ihn stört das in irgendeiner Weise.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer

Offline Talasha

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #5 am: 31.01.2015 | 00:02 »

Meine vielleicht nicht ganz so pädagogische Sorge ist eher die, dass auch die Erwachsenen mittlerweile hauptsächlich Jugend- und Kinderbücher lesen.

Naja ich behaupte mal, das diese Erwachsenen sonst nicht lesen würden.
"Haben Sie Bücher zu Pawlows Hunden und Schrödingers Katze?"
"Da klingelt was bei mir, aber ich kann nicht sagen ob sie da sind oder nicht"

Offline Dark Stone Cowboy

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #6 am: 31.01.2015 | 00:24 »
Dabei darf man nicht vergessen, dass heute Bücher als "Jugendbuch" verkauft werden, die in meiner "Jugend" aber noch voll und ganz Erwachsenenliteratur gewesen wären. Trivial, natürlich ... aber kein "Jugendbuch".

Offline Chiarina

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #7 am: 31.01.2015 | 00:58 »
Hm. Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Thema weniger an Tolkien denke, sondern eher an Peter Jackson. Tolkien ist tot und hatte seine Verdienste. Ich vergöttere ihn nicht, aber ich denke, man kann ihn lesen. Vorlagentreue interessiert mich bei Verfilmungen eigentlich nicht. Bei Peter Jacksons Wahl der Tolkien-Stoffe habe ich allerdings im Blick, dass der Mann noch lebt und dass er mal etwas zu sagen hatte! Hier ein kleiner unrepräsentativer Überblick über Peter Jacksons Schaffen als Regisseur, wie er sich für mich darstellt. Ich nehme sein Schaffen in Phasen wahr, für die ich einfach mal den jeweiligen Hauptfilm nenne... (alles ist logischerweise nur mein völlig unmaßgeblicher Privateindruck):

Phase 1. Braindead: Splatterfilmparodie.  Die unrealistischen Splatterszenen und Horrorelemente (Zombies) werden distanziert, weil parodistisch, verwendet. Wie sich das für einen richtigen B-Movie gehört, endet der Film offen mit Option auf Fortsetzung. Diese Fortsetzung hat Jackson nie gedreht. Selbst der Cliffhanger ist also Element der Parodie.
Phase 2. Heavenly Creatures: Ernster Film über Pubertätsverirrungen zweier junger Mädchen mit grausamem Unhappy-End. Es gibt (kitschige) Fantasyelemente, die aber die Traumwelten der Mädchen darstellen, daher distanziert eingesetzt werden und in eine realistische Handlung integriert sind. Einzelner Film mit abgeschlossener Handlung.
Phase 3. Herr der Ringe: Tolkiens Original ist in drei Bücher unterteilt, Jackson dreht entsprechend eine Filmtrilogie. Die Fantasy der Vorlage wird übernommen, d. h. sie wird distanzlos illusionistisch eingesetzt. Kitschige Bilder sollen affirmativ ("Ach, wie schön und wunderbar ist das in Lothlorien!") verstanden werden und sind nicht ironisch gebrochen.
Phase 4. Der Hobbit: Jacksons distanzlose Darstellung von Fantasy in der Art des Herrn der Ringe wird fortgesetzt. Diesmal allerdings wird ein Kinder- oder Jugendbuch mittleren Umfangs zu einer Trilogie aufgeblasen.

(Ich weiß, dass Jackson noch mehr Filme gemacht hat und ein paar davon kenne ich auch. "The Frighteners" ist für mich beispielsweise ein Übergangsfilm von Phase 2 zu Phase 3, "King Kong" ein Seitenprojekt von Phase 3)

Insgesamt wird der Mann für mich immer uninteressanter. Ein Regie-Rebell erliegt dem Kommerz und stirbt (in künstlerischer Hinsicht), so sehe ich die Sache. Nach dem ersten Hobbit-Film war für mich der Ofen aus.

Chiarina.
« Letzte Änderung: 31.01.2015 | 01:06 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

Offline Einzelgaenger

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #8 am: 31.01.2015 | 01:16 »
Ist doch alles im Videospielbereich schon lange etabliert und je nach Spielegeschmack und sonstigen Medien, die sich die Jungspieler reinziehen, hat da so mancher SL seine Arbeit mit - vorausgesetzt, ihn stört das in irgendeiner Weise.

Stimmt.
Filme sind mit Sicherheit auchnicht mehr so einflussreich.

(Die Trope "rennen in voller Kampfmontur aber ohne Gepäck" ist vermutlich vor allem mit online RPGs und Mangas präsent worden.)

Aber ich schreibe den sechs Filmen dennoch eine gewisse Bedeutsamkeit zu. Nicht zuletzt, weil ja Videospiele, Comics und anderes Zeug von ihnen inspiriert werden.

Offline Chief Sgt. Bradley

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #9 am: 31.01.2015 | 19:44 »
Nach dem ersten Hobbit-Film war für mich der Ofen aus.
Jawoll +1000 bitte dafür.
Mann was finde ich die Filme kacke. Ästhetisch nehme ich davon fürs RPG ein bis anderthalb coole Action-Momente mit und den rest vergesse ich hoffentlich schnell wieder. Da ich mir aber jeden Mist merken kann (besonders den, den ich mir nicht merken will) wird das wohl eine ganze Kampagne :o
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Insgesamt hab ich das vorhin einer Bekannten am Telefon beschrieben mit "Guardians of the Galaxy in XXL und geiler!"

Online Samael

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #10 am: 17.10.2020 | 22:43 »
https://youtu.be/uTRUQ-RKfUs

Exzellente Analyse der Hobbit - Trilogie, der ich beinahe 100% zustimme. Lohnt sich zu schauen!
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Online Lichtschwerttänzer

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #11 am: 17.10.2020 | 23:30 »

Der heftigste Spruch hierzu kam vom Zwergenkönig im Finale: [sinngemäss] "macht mal, wir halten sie auf, es sind nur Hundert".
Iwein  der Artusritter mit dem Löwen hätte das bescheiden gefunden, der bezwang ein kleines Heer im Einzelkampfmodus, ein Held vs s hundred war jetzt mkn zumindest für Lancelot nichts so besonderes und 200 oder 400 Hunnenkrieger gegen Hagen und Volker von Alzey fand Kriemhild aussichtslos - für die Hunnen. Vgl dazu bitte mal Aragorn, Eomer und Imrahil auf den Pelennor Feldern und wie die Rohirrim unter Saurons Heer wüteten
Gurk zum anderen Gurk :" Was soll denn das für`ne Schlacht sein?
Wir sind 5000 und die sind zu acht!"
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Offline Der Läuterer

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #12 am: 17.10.2020 | 23:34 »
Exzellente Analyse der Hobbit - Trilogie, der ich beinahe 100% zustimme. Lohnt sich zu schauen!
Absolut.
Danke für den Tipp.
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Online Samael

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #13 am: 18.10.2020 | 09:05 »
Am herzlichsten Nachfühlen konnte ich die Stelle mit dem flüssigen Gold...

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #14 am: 18.10.2020 | 18:03 »
@Chiarina
Einer seiner neuesten Filme ist They shall not grow old.
Das wäre dann Phase 5.

Offline Shadom

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Re: Zum ästhetischen Nachlass des Hobbits
« Antwort #15 am: 18.10.2020 | 21:34 »
Der Hobbit ist übrigens als Fan Edit runtergekürzt auf einen leicht überlangen Film echt nett und sehbar.