Autor Thema: [Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes  (Gelesen 797 mal)

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Online Ludovico

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[Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes
« am: 10.05.2023 | 16:57 »
Hallo allerseits!

Beim Sphärenmeister liegt ein Spiel, was ich sehr interessant finde und jede Menge Zusatzmaterial hat. Da ich gerade Kingdom Come: Deliverance auf PC spiele, was ja eher simulationistisch sein soll, habe ich gerade eine gewisse Neigung zu historischen Settings und würde mich freuen, wenn ihr mir mehr erzählen könnt.



Zitat
Miseries & Misfortunes returns with a revised Second Edition

1648. Paris, France. The endless War of the Counter-Reformation lumbers through another bitter winter in the shattered remains of the Holy Roman Empire. The armies of the Spanish Hapsburgs encircle the kingdom of France to the south, east and north. The king is dead but the Boy King is not yet of age. Queen Anne and her able prime minister, Cardinal Mazarin, do all in their power to keep France alive, but the specter of raising more taxes and selling more offices to fund this generational war has Parlement wagging their beards, and the menu peuple threatening to revolt. Thus the ancient capital convulses with frustration and fury once more.

You step into this world poor, untested but ready to make your mark. Will you ply your blade as an agent of the Cardinal? Will you resist the royal will as Frondeur? Will you seek to profit from the chaos as a merchant adventurer? Whatever you chose, you will spend your very life to achieve your aims.

Miseries & Misfortunes is a roleplaying game for three to five players. A complete game, it adds lifepaths, skills, social combat and the eternal search for truth to the foundation begun by Basic Edition Dungeons & Dragons.


Offline Leonidas

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Re: [Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes
« Antwort #1 am: 10.05.2023 | 17:44 »
Das habe ich seit gestern auch etwas genauer unter die Lupe genommen.

Es ist wohl ein Regelsystem, das auf Moldvay B/X basiert, aber stark abgewandelt ist. Lifepath-System statt Klassen z.B. Das Setting ist stark historisch/historistisch ausgerichtet.

Bei youtube findest Du ein paar englischsprachige Besprechungen dazu, die zweiteilige von Adam Koebel fand ich sehr informativ.

Offline Tomas Wanderer

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Re: [Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes
« Antwort #2 am: 10.05.2023 | 19:16 »
Das Koebel Video sollte sich noch auf eine ältere Version beziehen, es gab das ursprüngliche Zine (das kannst Dir glaube kostenfrei im Burning Wheel Shop runterladen), dann die, die Koebel bespricht, aber die wurde auch nochmal überarbeitet (war schon notwendig, musst mal im BW Forum etwas nachlesen), welche derzeit vertrieben wird.

Miseries & Misfortunes gibt Dir Buch 1 (Rules) und 2 (Character Creation). Sacred & Profane (Buch 3) Regeln für Magie und die notwendigen Lifepaths. Plus de Misères (Buch 4) enthält weitere Regeln (Favor, Duels, Disease, Ordnance), erklärt wie die historischen Ereignisse als Reihe von Momenten zu einer Kampagne strukturiert werden können (was dann in den folgenden beiden Bücher benutzt wird). Buch 5 und 6 sind dann Settings zunächst Catalan (1.-12.11.1647) und dann ein Jahr in Paris (1648), dazu dann auch noch weitere Lifepaths, Skills usw.

Bei dem Zine hat man die B/X Wurzeln noch deutlich gesehen, danach eher weniger, würde ich sagen. Die Stats sind noch die selben, gibt Saves und HP, aber dann Unterscheidet es sich teilweise beträchtlich. Zum Beispiel anstatt XP für Gold musst Du von deinem Lifepath vorgegebene Handlungen im Spiel durchführen, um aufzusteigen ("Bind an angel to serve good and stop an unjust act.", "Drive a rival out of business", "Cross the equator.") Was ich sagen will, Du solltest nicht B/X erwarten oder LotFP. Es ist eher BW in den "Begriffen" von B/X und weniger D&D.

Hoffe das hilft etwas. Ach und die ersten 4 Bücher brauchst zum Zocken, würde behaupten.

Offline Leonidas

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Re: [Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes
« Antwort #3 am: 10.05.2023 | 19:24 »
 :d Danke für die Infos!
Hast Du Spielerfahrung damit?

Online Ludovico

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Re: [Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes
« Antwort #4 am: 11.05.2023 | 08:13 »
@Tomas
Wow! Danke!
Das klingt echt interessant.

Wie würdest Du das Regelsystem von der Ausrichtung her beschreiben? BW hab ich zum Beispiel nie gespielt.

Offline Tomas Wanderer

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Re: [Erzählt mir von] Miseries & Misfortunes
« Antwort #5 am: 11.05.2023 | 21:02 »
Freut mich, dass meine bisherigen Ausführungen hilfreich waren und Versuche noch etwas mehr zu dem Regelwerk zu schreiben, da ich nicht glaube, die Ausrichtung gut auf ein Wort zu bekommen.

Gespielt habe ich es noch nicht, habe es auch noch nicht lange. Hatte dessen Entwicklung aus der Entfernung zwar beobachtet, aber die Versandkosten waren mir immer zu hoch. Roland hatte das dann dankenswerterweise dieses Jahr verfügbar gemacht.

Heute habe ich auch das rund 350 Seiten umfassende Paris 1648 erhalten. Nach erster Sichtung entfallen 200 Seiten auf Paris und das Jahr 1648, dann folgen 21 Lifepaths, Regeln zu Mood, Factions & Politics, Bread supply, Mobs und - was bisher fehlte - wenigstens ein kleines Kapitel zu NPCs, immer mit Blick auf Paris Mitte des 17. Jahrhunderts.

Interessiert hat es mich, weil ich sehen wollte, was Crane aus B/X macht und des Milieus wegen. Mitbekommen hatte ich das selbst nicht, aber zwischen der alten OSR und The Forge gab es einige Konflikte, aber irgendwann hatte Crane dann doch altes D&D gespielt und konnte nicht fassen, wie gut es funktionierte (ich erinnere mich da an ein paar längere Post von ihm, aber keine Ahnung mehr wo). Baker hatte auch was für LotFP geschrieben, was als deren schlechteste Publikation gilt, was heute ggf. von einigen in der NSR gefeiert werden würde. Was macht Crane also aus B/X?

Wie ich oben schon geschrieben habe, empfinde ich M&M als zu weit entrückt, um es noch als eine Variante alten D&D zu verstehen. All die Strukturen, warum dieses D&D funktioniert, wurden ersetzt. Dungeons, Turns, Hexcrawl fehlen, keine Vancian magic, Random encounter usw. Aber ein Kalender zu führen ist noch wichtig, da die Momente/Ereignisse daran geknüpft sind und dies ersetzt die Struktur des alten D&D Abenteuers. Reputation, Wealth, Precedence (Stand) haben eigene Systeme bekommen, um das Milieu abzubilden. Duel of Wits (Diskussionen, Verführen usw.) ist hinzugekommen. Es gibt eine Art Meta Currency: Mortal Coil.

M&M läuft vor allem Skills, Abilities geben Mods darauf, ansonsten dann roll under. Skills sind unterteilt in Core, über die alle Figuren verfügen, und Lifepath Skills, die man nur in einem Lifepath erlernen/steigern kann. Getestet wird mit 1 in 6 bis 5 in 6, danach springt man immer einen Würfel höher 7/8, 9/10, 11/12 und 19/20. To Hit und Saves wird mit d20 gegen Zielwerte gewürfelt AC wurde durch Defence (Str score) und Dodge (Dex) ersetzt + Mod durch Rüstung, aber auch reduzierter Schaden. Fernkampf ignoriert das alles und hat je nach Waffe eigene Zielwerte.

Moral ist vlt ein ganz interessanter Fall. In B/X haben Gegner einen Moralwert, der unter spezifischen Umständen getestet wird, um zu sehen, ob sie fliehen/sich ergeben. Hier hingegen haben alle einen Moralwert von 0 bis 10 (abhängig von Charisma) von dem durch und je nach Situationen zufällig Werte abgezogen werden (1d3, 1d2-1 usw.). Für Moralwert von 5 bis 0 gibt es dann eine Tabelle, die beschreibt, wie die Figuren reagieren und ob noch weitere Test dadurch erforderlich werden (Skill, Save). 0 bedeutet dann Flucht. Ich möchte behaupten, vergleichbares findet man immer wieder in M&M, einfache, direkte Konzepte wurden komplexer und benötigen dadurch zur Abhandlung am Tisch mehr Zeit (Wealth, Reputation, Duel of Wits). Helvéczia oder LotFP kommen da einfach schneller zum Punkt.

Mortal Coil wird bestimmt, indem von der ermittelten Lebenserwartung in Jahren das Alter bei Erstellung der Figur abgezogen wird. Dies wird von der SL geheim ermittelt. Im Spiel kann man bestimmte Tests neu würfeln, aber verliert dadurch einen Punkt vom MC. Erst wenn MC gleich Null ist, informiert SL die Spieler darüber und die Figur stirbt. Ebenso ist nach jedem Moment und bei 0 HP auf der Mortal Coil Table zu würfeln, dadurch kann eine Figur auch sterben, über Monate aus dem Spiel sein oder bekommt Punkte auf verschiedene Stats.

Das Milieu wird über die verschieden Subsysteme versucht abzubilden, aber am deutlichsten tritt es für mich in den Lifepaths und dem, was Crane "Historical Refinements" nennt, zutage. Oben hatte ich sch erwähnt, dass XP für Gold mit bestimmten Handlungsanweisungen für die Lifepaths ersetzt wurde. Jeder Pfad verfügt über eine eigene Liste, von denen je Level eine bestimmte Anzahl erfüllt werden müssen, um aufzusteigen. Manche müssen von den Spielern proaktiv verfolgt werden, aber für alle müssen von der SL Möglichkeiten, diese zu erfüllen, vorgehalten werden. Historical Refinements geht davon aus, dass die SL auch über die historische Expertise für die Periode verfügt und fordert auf, diese ins Spiel einzuweben und ggf. einzugreifen, ohne die Intentionen der Spieler:innen zu verändern.

Das war wahrscheinlich zu viel, aber ich hoffe, es gibt noch ein paar hilfreiche Eindrücke. Ein Wort der Warnung noch, M&M wurde von Luke Crane geschrieben und das liest sich auch so. Manche/einige würden es mit 'pretentious' beschreiben, da ist schon was dran.