Autor Thema: Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War  (Gelesen 898 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline lowfyr

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 251
  • Username: lowfyr
Re: Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War
« Antwort #25 am: 6.04.2018 | 08:59 »
, dass eine schlechte Kritick eines Marvelstreifens mittlerweile Majestätsbeleidigung ist und sofort 3000 Fanboys deinen Twitterkanal zuspammen, wenn du dich zu negativ äußerst (wobei das eh schwer ist, da die Filme wie gesagt ein gutes Grundniveau gefunden haben).

Na ja, das Gegenteil stimmt aber auch, ich habe bei Serienjunkies zum Beispiel mal eine Kritik zu Civil War gelesen, die den Film mit Birth of a Nation verglich. Was wenn man bedenkt das der als einer der rassistischten Filme aller Zeiten gilt, eine steile These ist. Genau so gibt es wahrscheinlich zu jedem der Marvelfilme einen Artikel, der ihm Rassimus Sexismus oder noch so einige andere -ismusse unterstellt. Spontan fallen mir da Iron Man 3 Dr. Strange und zu einem geringeren Grad Guardians 2 ein.

 Und genau so gibt es genug Beispiele, wo irgend eine Meldung über einen Marvelfilm sofort zig Kommentare auslöst die unter anderem den Untergang der Filmindustrie durch diese Filme herbeigeführt sehen.
Und das haben selbst die Transformersfilme noch nicht geschafft^^

Es sind gut gemachte Unterhaltungsfilme, nicht mehr und nicht weniger, und nur weil mir zum Beispiel die Filme gefallen bedeutet das nicht das mir nicht auch die Filme gefallen, die oft im Kulturteil ausgiebig besprochen werden^^

Was Oscarbait angeht, natürlich werden gewisse Filmsparten und Themen da wohlwollender aufgenommen als andere. Was auch daran liegen könnte das wohl viele der Juroren eher nach der Zusammenfassung der Filme gehen als sie sich anzusehen.

Ich bezweifle z.B. stark das Ledger damals auch den Oscar bekommen hätte, wenn er nicht vorher verstorben wäre.

Offline Sashael

  • Definition eines Hipsters
  • Mythos
  • ********
  • Beiträge: 11.233
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Sashael
Re: Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War
« Antwort #26 am: 6.04.2018 | 12:02 »
Und genau so gibt es genug Beispiele, wo irgend eine Meldung über einen Marvelfilm sofort zig Kommentare auslöst die unter anderem den Untergang der Filmindustrie durch diese Filme herbeigeführt sehen.
Und das haben selbst die Transformersfilme noch nicht geschafft^^
Von den Transformersfilmen gibt es ja auch "nur" 4 (oder 5?), während Marvel mittlerweile mit Black Panther die Nummer 18 erreicht hat. Und mehr vom Gleichen kommt. Ich hatte Spiderman: Homecoming hier echt lange eingeschweißt herumliegen, bevor ich mich jetzt mal aufraffen konnte, ihn zu sehen. Er hat mich unterhalten, aber es gab halt auch überhaupt keine Überraschungen. Naja, ausser der einen, aber die hab ich dann 5 Sekunden vorher auch schon geschnallt. Thor: Ragnarök (ich weigere mich, den deutschen Untertitel zu benutzen) fand ich wieder unterhaltsamer. Weil zum einen mehr bekannte Gesichter sterben, auch wenn es "nur" Nebencharaktere sind, was mal was anderes ist als "Die Große Bedrohungtm killt dutzende gesichtsloser Bystander" und zum anderen durch den teilweise schon echt albernen Humor. Und den Soundtrack. Aber ansonsten fügt er sich in den Marvel-McDonalds-Geschmack mit ein. Was an sich nicht unbedingt etwas Schlechtes ist, aber ich merke, dass sich bei mir Übermüdungserscheinungen bemerkbar machen.
"Ja natürlich ist das Realitätsflucht. Was soll daran schlecht sein? Haben Sie sich die Realität in letzter Zeit mal angesehen? Sie ist grauenhaft!"

Offline Menthir

  • Experienced
  • ***
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 379
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War
« Antwort #27 am: 6.04.2018 | 13:18 »
Ich habe nicht die Empfindung, dass Superheldenfilme von Kritikern gemieden werden oder nur nach Schema F bewertet (oder von Filmakademien ausgezeichnet oder eben nicht ausgezeichnet) werden. Sicher ist ein Gros der Bewertungen nach Schema F in der heutigen Zeit, weil selten die Zeit bleibt, sich im Detail mit einem Film auseinanderzusetzen, aber mit dieser Problematik lebt die gesamte Unterhaltungsindustrie, auch teils gewollt.

Aber diese bedächtigen Kritikerpersonen gibt es, sie gehen häufig nur im allgemeinen Lärm (bzw. der Schwemme durchschnittlicher und unterdurchschnittlicher Filmkritiken) unter. Und diese Leute gibt es auch in der Filmkritik für Superheldenfilme.

Ich erinnere mich daran, dass ich einst einen Artikel gelesen habe (war bei der BBC nach einem Interview mit Nolan), wo man sich ausführlich mit dem Werken M.C. Eschers und der Wirkung auf Nolan und seine Filme beschäftigt hat. Und die Filmkritik sich dementsprechend daran hochgezogen hat, wie Nolans Filme eine Art Arthouse-Eklektizismus im Hollywoodgewand sein. Und wie diese Synthese klappe, oder was das für das moderne Kino bedeutet. Das war allerdings in Bezug auf Interstellar.

Bezüglich Nolan - um nochmal auf den direkten Superheldenfilm einzugehen - erinnere ich auch einige sehr ausführliche und in die Tiefe gehende Kritiken zur Dark Knight-Trilogie, die sich eben sehr mit Nolans Interpretation von Batman beschäftigte und wie diese Filme, in einer Zeit, in der die klassischen Superheldenfilme wieder gefragter wurden, das Genre ein Stück weit konterkarierte. Die eben überaus fasziniert waren davon, dass Batman für sie ein plausibler Antiheld ist und mit jedem Teil zunehmend wurde. Und - nach einer von vielen Lesarten - die ganze Prämisse des Superheldentums in Frage gestellt wurde.
Und noch mehr erinnere ich mich, an kollektive Kritiker-Enttäuschung, als Nolans Mitwirkung an Man of Steel nicht dafür sorgte, aus dem klassischen Superman-Bild und Superman-Film auszubrechen. Diese Kritiken waren aber bei weitem nicht alleine auf die visuelle Schaubarkeit des Films bezogen, sondern bezogen sich auf Rahmen, Wirkung und teils auf die "Soziologie des Superhelden".

Ich für mich persönlich muss allerdings auch feststellen, dass meine Müdigkeit dem Genre gegenüber schon immer sehr ausgeprägt gewesen ist und ich nur ein Bruchteil der neuen Superheldengeneration gesehen habe. Deswegen kann ich im Detail sicher nicht für jeden Film sprechen, denn so fallen die meisten Iron Man, Avengers und Gedöns-Geschichten für mich raus, weil sie für mich persönlich weitestgehend unschaubar waren (I look at you, Thor!).
Und ich konsumiere sicher auch einiges - um in der Metapher zu bleiben - an McDonalds/BurgerKing-Filmen. Allerdings sind die Superheldenfilme für mich eher der Filet-o-Fish, eben ohne echten Fisch*.
Aber gerade deswegen bin ich an ernsthafter Kritik zu diesen Filmen interessiert und muss sagen, dass ich sie zu fast allen mich interessierenden Superheldeneskapaden auch gefunden habe.

* Ich bin mir über den Urban Legend-Charakter dessen bewusst. So ist das sicher auch 'ne Urban Legend, dass Superheldenfilme recht platt sind.  :)
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

alexandro

  • Gast
Re: Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War
« Antwort #28 am: 8.04.2018 | 02:30 »
Da muss ich mal kurz einhaken: "Unbreakable" wird dadurch schlechter, dass 17 Jahre später in einem anderen Film darauf Bezug genommen wird und ein noch nicht erschienener Film die Handlungsstränge vereinen wird?
Versteh ich nicht. Ich persönlich find ja sowohl Split als auch den Unbreakable-Bezug super, weil in meinen Augen dadurch dem Ganzen eine neue Dimension abgewonnen wird (und freue mich auch auf Glass).
Das muss man ja nicht so sehen, aber wieso es den bereits bestehenden Film schlechter macht, das versteh ich nicht.

Umgekehrt: Split wäre ein wesentlich besserer Film geworden, ohne den Bezug auf Unbreakable.

Damals war Unbreakable eine wunderbare Dekonstruktion des Superhelden-Genres, düster und bedrückend, weil er dem Zuschauer vor Augen führt, was die schwarz-weiße Gut-Böse-Moral bedeutet, wenn komplexere Charaktere diese Rolle einnehmen. Price ist ein sympathischer Charakter, dessen Motivation nachvollziehbar ist, und wenn dem Zuschauer klar wird, dass man die ganze Zeit mit einem Comic-Schurken (im wahrsten Sinne des Wortes, denn Price nimmt bewusst diese stereotype Rolle ein) mitgefiebert hat, dann bringt dies den Zuschauer dazu, den eigenen Umgang mit allzu einfachen moralischen Bewertungen zu überdenken.

Eine Fortsetzung zu Unbreakable ist überflüssig. Was danach passiert (weitere Origins, Teambildung/größere Bedrohung), hat man schon hunderttausendmal in Superheldenfilmen und Comics gesehen. Vor 15 Jahren hätte ich mich trotzdem drüber gefreut, weil es zu diesem Zeitpunkt noch nichts vergleichbares auf der großen Leinwand gab, aber heutzutage - mit der Flut von Filmen, die genau dasselbe machen - warum?

Und Split hat diese Ansicht bestätigt. Eine ziemlich konventionelle Origin-Story, bei der keine wirklich neuen Akzente gesetzt werden, welche das Genre auf dem Kopf stellen. Ein durch und durch banaler Film, ein Wurmfortsatz von Unbreakable. Und ich vermute stark, dass Glass nicht besser wird. Einfach weil es aus den falschen Gründen gemacht wird.

Offline Vash the stampede

  • KEN-SL
  • Mythos
  • ********
  • Love & Peace! König der Kackn00bier!
  • Beiträge: 11.925
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Vash the stampede
Re: Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War
« Antwort #29 am: 8.04.2018 | 07:12 »
@alexandro.
Zwei Fragen: Angenommen Split hätte nicht diese eine sehr kurze Szene und keine Verbindung zu irgendwas. Was für ein Film wäre er dann für dich? Und welche Bewertung würde er dann von dir bekommen?
Machen -> Projekte: PDQ# - FreeFate - PtA Zapped - Fiasko - FateCore - Durance - Machtspiele - SRAP
-> Diary nWoD: 212 - Mysteriöse Fälle

Ich sitze im Bus der Behinderten und Begabten und ich sitze gern darin.

Offline Urias

  • Klosterschüler
  • Famous Hero
  • ******
  • Der Stahlstadt entkommen
  • Beiträge: 3.787
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Raziel
Abgesehen davon, verstehe ich nicht, warum viele Genre-Filmfans so eine dünne Haut haben. Nichts ist perfekt, aber, wenn man darauf hindeutet, kriegen manche schon einen Beiß- oder gar Tränenreflex.

Dem Stimme ich zu. Und das nehme ich jetzt mal zum Anlass eine gewagte These aufzustellen: Das Mainstreampublikum dieser Filme will keine tiefergehende Besprechung des Materials. Man hört zwar immer mal wieder "Diese supertollen Filme werden nicht wahrgenommen und ich will, dass sie auf einer Stufe mit Arthouse betrachtet werden" (selbiges gilt übrigens auch für die Debatte Videospiele als Kunstform) aber wenn das dann eintritt und sich dann wirklich mal jemand findet, der eines dieser Produkte auf Herz und Nieren betrachtet heißt es, dass man doch da zu viel rein interpretiere, alles nicht so arg sei und generell der/die Autor*in sich da was aus der Nase ziehen würde. Im Zuge der ganzen Anita Sarkeesian Debatte wurde das oft so angeführt und auch bei Filmen ist das nichts neues. Da passiert es gerne dass man, nachdem man mal wirklich kritisch an einen Superheldenfilm heran gegangen ist gerne, dass das doch nur ein Superheldenfilm sei und was man sich denn erwarte.

Ich glaube auch, dass oft wenn diese FOrderung in den Raum gestellt wird ein relativ naives Bild von Filmkritik im Hintergrund liegt. Eine gute Filmkritik ist eben nicht "Soundtrack war so und so, Charaktere haben sich logisch verhalten und die Story hat auch keine Lücken". Das machen vielleicht Kritiker*innen in diversen Tageszeitungen aber eine vernünftige Filmkritik geht über die rein handwerklichen Faktoren hinaus und ja, greift gerne auch mal auf theoretisches Handwerskzeug aus den Geisteswissenschaften zurück (was, wie ich persönlich erfahren durfte, für viele Fans des Genre-Kinos auch ein ganz ganz großes Pfui ist weil das ist doch alles Gewäsch und keine echte Wissenschaft). Beispiele für eine solche Betrachtungsweise finden sich etwa hier, hier oder hier.

Dementsprechend glaube ich aus, dass diese Forderung eigentlich heißt "Ich will hören, dass der Film den ich mag gut ist und auf einem Niveau mit diesen verkopften Oscar-Filmen". Dazu noch kurz: Wer behauptet, dass diese automatisch von jeglicher Kritik abgelöst sind sollte sich mal Artikel zu American Sniper durchlesen. Zur Hand habe ich hier auch gerade eine Rezension von Crash, der 2004 Best Picture gewann. Also von Oscarkandidat und keine Kritik kriegen ist ja mal so garnicht zu reen.
« Letzte Änderung: 8.04.2018 | 18:47 von Urias »
Ohne Gott ging es nicht weiter, und so hab ich mich entschieden, / meiner ist jetzt der Alkohol. / Ich trank ein paar Schlücke und ich fand meinen Frieden / und ich fühlte mich kurzfristig wohl. - Joint Venture, Der trinkende Philosoph