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Eskapismus-Debatte und der Stand von Fantasy in Deutschland
Alex:
--- Zitat von: Luxferre am 27.11.2016 | 09:47 ---Also habe ich mir beim zweiteren Lehrer nur noch die Sekundarliteratur besorgt und schnell gemerkt, dass er seinen Unterricht darauf aufbaute. Easy-peasy 2+ und fertig. Keine einzige Seite im Roman gelesen.
DAS ist, was ich in der späteren Oberstufe gelernt habe. Und ich hatte mehr Zeit für Rollenspiel >;D :d
--- Ende Zitat ---
Ich kenne viele Bücher auch nur dank der Zusammenfassung in der Sekundärliteratur. :-)
Hat bei mir auch funktioniert, wenn auch nicht immer 2+.
Kowalski:
Das doofe an Pflichtlektüre ist, das man dann nicht von selbst auf die guten Sachen kommt und wenn man unbedingt immer Erdbeertorte essen muss, dann wird einem die Erdbeertorte fast immer über.
scrandy:
Das Problem an Hochliteratur ist, dass es immer einen gewissen Elitären Kreis gibt, die Literatur zu Hochliteratur erheben: Das fängt mit den Kritikern an geht über Hochschulprofessoren und Feulliton-Journalisten bis hin zur eigentlichen Zielgruppe der Leser, die eben gewisse Eigenschaften von Hochliteratur erwarten. Dabei bestimmen letztendlich diese sozialen Gruppen was als Hochliteratur eingestuft werden kann. Im englischsprachigen Raum waren sich diese Gruppen schon immer einig, dass auch Fantasy und SciFi dazugehören konnte. Einfach aus dem Grund, weil im englischsprachigen Raum sich Qualität und Unterhaltungswert nicht ausschließen. In Deutschland ist aufgrund der Entstehungsgeschichte der entsprechenden Gruppen dies so ohne weiteres nicht möglich. In Deutschland muss Hochliteratur Bildungscharakter haben und Bildung hat ja bekanntermaßen nichts mit Spaß zu tun.
Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass alles Fantastische, alles Kreative möglichst in die Kinder und Jugendecke gesteckt wird. Denn Kindern gönnt man das fantasieren, das Rumspinnen und das Spielen in fremden Welten. Deshalb landete Star Trek im Kinderprogramm vom ZDF und Fantasybücher sind wenn es denn irgendwie geht Jugendbücher. Ja ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass ein komplexer deutschsprachiger Fantasyroman, der eigentlich die Kritiker erfreuen müsste, es nicht durch die Torwächter der Verlage schafft, da literarischer Anspruch und Fantasy zusammen angeblich keine Zielgruppe hat. Im Bestfall würde solch ein Meilenstein dann bei einem Kleinstverlag versauern und kaum bekannt werden.
Ich merke das auch bei der Literaturauswahl in der Schule: Während ich im Englischunterricht einen Großteil der Lektüren auch selbst lesen würde, wirken die Lektüren im Deutschunterricht zum Teil künstlich und aufgesetzt.
Aber zum Glück wandeln sich ja die Zeiten: In einer Zeit in der viele Fernsehserien literaturcharakter bekommen und es sogar interpretationsfähige Computerpsiele gibt, wird sich die künstliche Abgrenzung zwischen Anspruch und Unterhaltung nicht mehr lange aufrechterhalten lassen. Auch nicht in Deutschland.
El God:
--- Zitat von: Chiarina am 27.11.2016 | 19:58 ---Inhalte.
Ich will darüber reden, was ein Buch mir sagt, was es mit mir anstellt, was ich für mich persönlich wichtig finde und aufgrund welcher Qualitäten ich es weiterempfehle.
Ob das Buch zur Hochliteratur gehört oder nicht, ist doch völlig unerheblich! Ob das Buch für mich wichtig ist, und ob es für dich möglicherweise auch wichtig sein kann, darum geht´s! Oder?
--- Ende Zitat ---
Wenn ein Buch so etwas zu bieten hat, dann ist ein enormer Schritt zur Hochliteratur ja schon getan. Aber ich will mich hier gar nicht auf die Seite derer stellen, die diese Unterscheidung analfixiert durchpeitschen. Ich denke auch, dass die meisten Leser vor allem in zwei Dimensionen denken: Gute Bücher vs. schlechte Bücher und Bücher, die mich gut unterhalten vs. Bücher die mich nicht unterhalten. Diese Dimensionen überschneiden und beeinflussen sich natürlich gegenseitig. Und sie hängen beide vom Geschmack des Lesers ab.
Ich kann zum Beispiel sagen, dass die Romantiker nach ihren Maßstäben durchaus gute Bücher geschrieben haben - die mich aber eben absolut nicht unterhalten. Und auch im deutschen Realismus wird es einen Haufen Schund gegeben haben, der sich aber gar nicht bis zu uns gehalten hat. Den haben schmachtende Damen garantiert genauso verschlungen wie bei uns ein großes Publikum den hundertsten Spitzohren-retten-die-Welt - Roman. Und genauso wie Erikson sagt, er hat viel Mist gelesen, es aber trotzdem gemocht, kann ich sagen: Von 10 Büchern, die ich gelesen habe, ist vielleicht bei einem oder zweien etwas hängen geblieben, dass über Plot und Hauptcharakter hinaus geht.
Kowalski:
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 ---Das Problem an Hochliteratur ist, dass es immer einen gewissen Elitären Kreis gibt, die Literatur zu Hochliteratur erheben: Das fängt mit den Kritikern an geht über Hochschulprofessoren und Feulliton-Journalisten bis hin zur eigentlichen Zielgruppe der Leser, die eben gewisse Eigenschaften von Hochliteratur erwarten. Dabei bestimmen letztendlich diese sozialen Gruppen was als Hochliteratur eingestuft werden kann.
--- Ende Zitat ---
Jein. Wie bei klassischer Musik gibt es gewisse Merkmale an der man Hochliteratur festmachen kann. Das kannst Du sogar unabhängig von den Experten machen. Man muß nur genug vielfältiges Lesen um Spreu und Weizen trennen zu können.
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 --- Im englischsprachigen Raum waren sich diese Gruppen schon immer einig, dass auch Fantasy und SciFi dazugehören konnte.
--- Ende Zitat ---
Auch in D wird das ja nicht am Genre sondern am jeweiligen Werk festgemacht. Aber finde mal etwas was anspruchsvoll im Bereich F & SF ist. Finde ich ziemlich schwierig.
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 ---Einfach aus dem Grund, weil im englischsprachigen Raum sich Qualität und Unterhaltungswert nicht ausschließen. In Deutschland ist aufgrund der Entstehungsgeschichte der entsprechenden Gruppen dies so ohne weiteres nicht möglich. In Deutschland muss Hochliteratur Bildungscharakter haben und Bildung hat ja bekanntermaßen nichts mit Spaß zu tun.
--- Ende Zitat ---
Jein. Wenn Du z.B. ein Werk das sich mit K.I. und der Problematik auseinandersetzt, auf intelligente Weise, dann kannst DU auch ein Werk schaffen das Hochliteratur schafft.
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 ---Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass alles Fantastische, alles Kreative möglichst in die Kinder und Jugendecke gesteckt wird.
--- Ende Zitat ---
Das stimmt so nicht. Bei Unendliche Geschichte und Momo ist die Problematik das die Protagonisten Kinder sind. Deswegen auch der Rant von Michael Ende. Aber ich finde nicht das beide eine hohe Schöpfungstiefe haben.
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 --- Denn Kindern gönnt man das fantasieren, das Rumspinnen und das Spielen in fremden Welten. Deshalb landete Star Trek im Kinderprogramm vom ZDF und Fantasybücher sind wenn es denn irgendwie geht Jugendbücher.
--- Ende Zitat ---
Paßt doch. Warum später als 1700 senden und mit Tatort und Krimis konkurrieren?
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 --- Ja ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass ein komplexer deutschsprachiger Fantasyroman, der eigentlich die Kritiker erfreuen müsste, es nicht durch die Torwächter der Verlage schafft, da literarischer Anspruch und Fantasy zusammen angeblich keine Zielgruppe hat. Im Bestfall würde solch ein Meilenstein dann bei einem Kleinstverlag versauern und kaum bekannt werden.
--- Ende Zitat ---
Auch das stimmt nicht. Das Problem ist vielmehr die Qualität, oder der Mangel hiervon bei den entsprechenden deutschen Werken.
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 ---Ich merke das auch bei der Literaturauswahl in der Schule: Während ich im Englischunterricht einen Großteil der Lektüren auch selbst lesen würde, wirken die Lektüren im Deutschunterricht zum Teil künstlich und aufgesetzt.
--- Ende Zitat ---
Nö. Eine Schnulze klingt in English halt weniger schmalzig als in Deutsch.
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 18:01 ---Aber zum Glück wandeln sich ja die Zeiten: In einer Zeit in der viele Fernsehserien literaturcharakter bekommen und es sogar interpretationsfähige Computerpsiele gibt, wird sich die künstliche Abgrenzung zwischen Anspruch und Unterhaltung nicht mehr lange aufrechterhalten lassen. Auch nicht in Deutschland.
--- Ende Zitat ---
Die gibt es so nicht. Allerdings ist es schwer in F&SF etwas zu finden das über Generationen hinweg Bedeutung hat. Und es kann aus seiner Natur heraus kein Dokument der Zeitgeschichte sein. Einiges an Literatur wird ja als eben das genommen. Als Dokument der Zeitgeistes einer Epoche.
1984, Schöne neue Welt, Clockwork Orange, Fahrenheit 451 sind ja Beispiele für Literatur im Bereich F&SF die als "klassisch" gilt.
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