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Eskapismus-Debatte und der Stand von Fantasy in Deutschland
Pyromancer:
Fantasyromane gehören nicht zur Hochliteratur, aus dem gleichen Grund, aus dem Arztromane und Landser-Heftchen nicht zur Hochliteratur gehören.
Edit: D.h. man kann natürlich ein anspruchsvolles, "gutes" Werk schreiben, das den Krieg oder die Erlebnisse von Soldaten zum Inhalt hat - aber dann ist es kein Landser-Heftchen nicht. Und man kann ein anspruchsvolles, "gutes" Werk mit phantastischen Elementen schreiben, aber dann ist es kein Fantasyroman nicht.
Infernal Teddy:
--- Zitat von: Kowalski am 27.11.2016 | 22:13 ---Allerdings ist es schwer in F&SF etwas zu finden das über Generationen hinweg Bedeutung hat. Und es kann aus seiner Natur heraus kein Dokument der Zeitgeschichte sein.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: Pyromancer am 27.11.2016 | 22:30 ---Fantasyromane gehören nicht zur Hochliteratur, aus dem gleichen Grund, aus dem Arztromane und Landser-Heftchen nicht zur Hochliteratur gehören.
Edit: D.h. man kann natürlich ein anspruchsvolles, "gutes" Werk schreiben, das den Krieg oder die Erlebnisse von Soldaten zum Inhalt hat - aber dann ist es kein Landser-Heftchen nicht. Und man kann ein anspruchsvolles, "gutes" Werk mit phantastischen Elementen schreiben, aber dann ist es kein Fantasyroman nicht.
--- Ende Zitat ---
Unsinn.
Pyromancer:
--- Zitat von: Infernal Teddy am 27.11.2016 | 22:37 ---Unsinn.
--- Ende Zitat ---
Was ist Unsinn?
Es gibt etliche hochliterarische, von Kritikern gelobte Bücher mit phantastischen Elementen. Da hat keiner ein Problem damit. Nur nennt man so ein Werk halt nicht "Fantasyroman". Genausowenig, wie man ein qualitativ hochwertiges Buch, das vor dem Hintergrund eines Krankenhauses spielt, "Arztroman" nennt.
scrandy:
@Kowalski
Ich antworte jetzt nicht auf jede Zeile. Das ist zu anstrengend und führt zu keiner flüssigen diskussion.
--- Zitat von: Kowalski am 27.11.2016 | 22:13 ---Jein. Wie bei klassischer Musik gibt es gewisse Merkmale an der man Hochliteratur festmachen kann. Das kannst Du sogar unabhängig von den Experten machen. Man muß nur genug vielfältiges Lesen um Spreu und Weizen trennen zu können.
--- Ende Zitat ---
Es ist zwar sicherlich richtig, dass es gewisse Merkmale gibt, die Hochliteratur haben muss. Das heißt aber nicht, dass alles was diese Merkmale besitzt auch als solche einsortiert wird. Das Problem ist erstens, dass die Menschen, die Kritiken schreiben und somit für eine erste Einstufung und später für eine Canonisierung sorgen ersteinmal auf das Werk aufmerksam gemacht werden müssen. Wenn aber ein hochwertiges Fantasywerk erst garnicht veröffentlicht wird weil es nicht ins Bild der Genre passt, dann später von den Kritikern nicht gelesen wird, weil Fantasy ja als Schund eingestuft wird, dann kann dieses Genre auch nie Hochliteratur hervorbringen.
Man darf bei aller vordergründigkeit von Qualitätskriterien nicht vergessen das Hochkultur letztendlich nur die Kultur der Oberschicht ist, die um die Massenkultur ergänzt wurde als ende des 19. Jahrhunderts sich eine Massengesellschaft gebildet hat in der jeder auf einmal Kultur konsumierte. Heute haben wir aber das seltsame Phänomen, dass es Werke aus diese Massenkultur gibt, die objektiv betrachtet auch gewisse Qualitäten haben und plötzlich gewertschätzt werden. So wird Graffiti plötzlich zu Streetart, im Schundmedium Film findet man plötzlich Autorenfilme und Qualitätsserien und auch bei Fantasybüchern gibt es einzlene Werke, denen gewisse Qualitäten zugeschrieben werden.
Im englischsprachigen Raum gilt schon lange sowas wie Dracula und Frankenstein als Hochliteratur. Auch the Monk und the Castle of Otranto sind Hochliteratur und werden von Kritikern behandelt und in der Uni gelesen obwohl aktuelle Werke viel besser sind und diesen Status noch nicht haben. Im deutschen tun sich die Kritiker aber viel schweren damit diese Genre überhaupt anzufassen.
--- Zitat ---Einiges an Literatur wird ja als eben das genommen. Als Dokument der Zeitgeistes einer Epoche.
--- Ende Zitat ---
Das ist richtig, aber es wird auch einiges aufgenommen, dass die Kritiker schlicht grandios fanden und das zum Teil deutlich später. Zum Beispiel wurde Moby Dick zu seiner Zeit fast garnicht gelesen und erst 100 Jahre später von Kritikern entdeckt und jetzt tun die Kritiker so als hätte er Autor den Menschen damals aus der Seele geredet.
--- Zitat ---1984, Schöne neue Welt, Clockwork Orange, Fahrenheit 451 sind ja Beispiele für Literatur im Bereich F&SF die als "klassisch" gilt.
--- Ende Zitat ---
Richtig. Ich lese gerade mit meinen Schülern Fahrenheit 451 und bin froh über die reichhaltige Auswahl in diesem Bereich. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es so niemanden gibt der auf deutsch Science Fiction in verwendbarer Qualität schreibt, so dass das Genre im Deutschunterricht quasi nicht existiert. Man stelle sich vor das Scifi und Fantasy eines der meistgelesenen Genres in Deutschland ist und die Wertschätzung der Kritiker ist quasi nicht existent. Das kann eigentlich nicht alles Schund sein.
--- Zitat von: Pyromancer am 27.11.2016 | 22:42 ---Es gibt etliche hochliterarische, von Kritikern gelobte Bücher mit phantastischen Elementen. Da hat keiner ein Problem damit. Nur nennt man so ein Werk halt nicht "Fantasyroman".
--- Ende Zitat ---
Warum eigentlich nicht? Ich nenne Dracula ja auch "Gothic Horror" und es ist Hochliteratur. Wo ist also das Problem mit Fantasy?
Pyromancer:
--- Zitat von: scrandy am 27.11.2016 | 22:52 ---Warum eigentlich nicht? Ich nenne Dracula ja auch "Gothic Horror" und es ist Hochliteratur. Wo ist also das Problem mit Fantasy?
--- Ende Zitat ---
Weil "Fantasyroman", genau wie "Arztroman" und "Landserheft" historisch gewachsen nicht nur das Genre bezeichnet, sondern auch die Qualität. Warum hat noch kein Landserheft den Literaturnobelpreis gewonnen?
( Und ob Dracula Hochliteratur ist, darüber würde ich streiten, wenn das hier in diesem Rahmen sinnvoll wäre. ;) )
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