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Eskapismus-Debatte und der Stand von Fantasy in Deutschland
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Fantasy hat da auch den Vorteil, dass sie legitim mit solchen was-wäre-wenn-Ansätzen spielen kann. Ist mir gerade auch in meinem Midgard-Thread aufgefallen.
Oft klammern sich Autoren aber an heroischer-Auserwählter-muss-die-Welt-retten-Plots. Das ist an für sich ja auch ein legitimer Erzählstrang, aber manchmal hab ich den Eindruck, dass manche Fantasy kaum anders denken können.
Dabei gibt es unter anderem auch sowas Grandioses wie Naomi Mitchisons "Eine Reise durch die Zeit", wo es Walküren, Odin, Drachen und das byzantinische Reich gibt, aber es nicht wirklich um Reiche oder Macht geht.
Wenn sowas eskapistisch sein soll, dann ist es Buddenbrooks auch. :)
Isegrim:
--- Zitat von: Dolge am 21.11.2016 | 20:55 ---Ich vermute, darauf wollte er hinaus :) Der Schock dürfte ähnlich ausgefallen sein wie bei "Watership Down"...
--- Ende Zitat ---
Hab ich mit dem Kindergarten? der Vorschule? der ersten Klasse? im Kino gesehen. KA, ob die Pädagogen das intendiert hatten, hat mir aber nicht geschadt. Ist noch heute ein Film, den ich gerne sehe.
Mit meinem Vater war ich im Bakshi-Film, als ich neun oder so war, aber wir kannten beide das Buch. Nur die suboptimale Umsetzung war etwas enttäuschend. Anders bei Die Ritter der Kokosnuss. Da ging Papa davon aus, dass sei ein Ritter-Film wie Ivanhoe, was sich als... nicht ganz korrekt herausstellte... ;D
Crimson King:
Mich würde da schon auch interessieren, ob der Verfasser solchen Unsinns auch mal Diana Gabaldon, Tanith Lee, Terence Hanbury White und Ursula Le Guin gelesen hat oder ob Terry Goodkind bei ihm durchgeht, weil der sich ja explizit auf Ayn Rand bezieht. Auch Andzrej Sapkowski spricht in den Witcher-Stories sehr konkret realweltliche Probleme an, und George R.R. Martins Epos ist sicher nicht weniger welthaltig, als diverse Familienepen in Breitwandromanform, die uns als Hochliteratur verkauft werden.
Auf der anderen Seite finde ich es immer wieder interessant, zu sehen, wie Phantastik-Autoren in Deutschland direkt der Science Fiction zugerechnet werden, sobald sie nicht die gängigen Klischees erfüllen. China Miéville lässt grüßen. Matt Ruff wäre noch so ein Kandidat.
El God:
Diese Denkweise ist aber offenbar sehr verbreitet: Beispiel aus einem Literaturforum - ist das einfach pseudointellektuelle Selbstdarstellerei oder glaubt der Typ wirklich, StarWars hätte eine politische Agenda? Volksverdummung wird ja generell gern angeführt, wenn es um Medienkritik geht, aber können Bücher oder Filme Menschen wirklich verblöden? Sehen wir den zahlenmäßigen Fakten mal ins Auge: Bei einem IQ-Durchschnitt von 100 liegt genau die Hälfte UNTER 100 - und was wird aus denen? Wenn sich ihnen "höhere" oder "komplexere" oder "bessere" Inhalte einfach nicht erschließen? Ich will beileibe nicht behaupten, StarWars oder Standard-Fantasy sei Unterhaltung für Dumme, aber diese Denkweise ist ohnehin schon klassistisch und kann doch gar keiner anderen Agenda dienen, als die eigene Seite als überlegen qua Intellekt darzustellen. Oder?
(Oder ist das einen ganz neuen Thread wert? Nähert sich ja auch gefährlich SC-Gebiet)
ErikErikson:
Zunächst würde ich festhalten, das die meisten Fantasyromane tatsächlich übelster Schund sind. Ich weiss das, denn ich habe sie gelesen. Die ganzen Warhammer/DSA/Shadowrun Serien kann man in einen Sack stecken, die sind alle aus literarischer Sicht Mist. SciFi ist nicht besser, ich sage nur Honor Harrington oder Perry Rhodan.
Ob man die Herzlosigkeit der Echsenmenschen aus Lustria mit der Unmenschlichtkeit von Tierexperimenten verbinden kann, wage ich nicht zu beantworten. Ich behaupte mal, das Zeug ist rein zur Unterhaltung geschrieben.
Die einzige andere Literaturgattung, die ich regelmäßig lese, ist Krimis, hier sieht es nun nicht besser aus. Man mag dem Gedanken anheimfallen, das 99% aller angebotenen Literatur Schund ist. Das würde ich auch so unterstützen.
Beim Rest hat die Fantasy ja durchaus ihre Bücher rausgebracht, die sich sehen lassen können, man bedenke GRR Martin wird überall gelobt und die Serie ist unglaublich erfolgreich bei Kritikern und Publikum.
Wenn man nun zu Hochliteratur kommt merkt man schnell ,das ist alles altes Zeug. Fantasy gibts aber noch nicht so lang. Goethes Faust, Poes Stories oder Dunsaney kann man aber problemlos als Fantasy oder Fantasyvorgänger betrachten, damit hat man dann mehr als genug Hochliteratur in dem Genre. Wenn man dazu noch die ganzen Mythen nimmt, Gilgamesch, Ilias usw. dann ist Fantasy Hochliteratur pur.
IMO wird hier der Fehler gemacht zu übersehen, das der ganze Liebesroman Sektor, die Kochbücher, die Humorecke, die Western, Seefahrts und Kriegsromane-also das was neben dem Fantasyregal steht, auch als Schund betrachtet wird.
Als literarisch wertvoll wird nur relativ wenig betrachtet, damit füllt man in einem üblichen Buchgeschäft keinen Korb.
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