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Eskapismus-Debatte und der Stand von Fantasy in Deutschland

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--- Zitat von: Huhn am 22.11.2016 | 09:45 ---Naja und dass der Reich-Ranicki sich gern selbst klug vorkam, wussten wir ja auch alle vorher schon. Ich kenne aber auch persönlich Leute, die gern die Ansicht verbreiten, Lesen müsse irgendwie schmerzhaft und elend sein, sonst wärs kein gutes Buch gewesen. Ich muss da immer an Oma Slättberg aus den Wilden Hühnern denken: "Das Leben muss hart und freudlos sein und wenn es doch einmal Spaß macht, hast du etwas falsch gemacht." Oder so ähnlich.  ;D

--- Ende Zitat ---
Jo. Aber genau das hat der Ranicki garnicht geschrieben. Hätte ich so argumentieren wollen, dann hätte ich Elke Heidenreich zitiert ( "Ich hasse es, wenn Menschen mit Pelzohren Wunderdinge tun." ) Interessanterweise war damals in seinem literarischen Quartett seine häufigste Kritik, dass ihn das rezensierte Buch bis bis ins Unerträgliche langweilen und das der Autor prätentiös schreiben würde. Also nichts mit Lesen muss schmerzhaft sein oder so. Seine Argumentation ist bei dem Zitat sogar relativ tolerant. Er sieht ja durchaus Vorteile in der SciFi-Literatur. Nur er findet für ihn nichts Interessantes darin.
Stell Dir einfach mal vor ich würde ne Lanze für die Schlagermusik brechen und Dich fragen, ob Du Julianne Werding auch hörst. Ich wette Deine Antwort würde da ähnlich lauten wie seine gegenüber SciFi-Literatur.

Crimson King:
ich halte es allerdings trotzdem für vermessen, Fantasy und SciFi pauschal das Kunstsein abzusprechen. Selbst unter engeren Kunstdefinitionen trifft das nicht zu.

Timberwere:
Vergesst als im Forum ansässige Autoren unseren Grey nicht. :)

El God:
Ich wundere mich ja schon, dass er selbst hier noch nicht aufgeschlagen ist. Aber natürlich - Grey / Markus Gerwinski darf nicht vergessen werden. Low Fantasy kommt schließlich per se ohne Pelzohren aus.

Celestine:
Wenn man sich den Platonismus anschaut, ging es da auch um Eskapismus und zwar um die Flucht aus der Höhle des Vergänglichen in die Gegenwart der Sonne des Ewigen. Seit Descartes ging die Tendenz immer mehr in die Richtung selbst das was in der Höhle erkannt wird zu relativieren. So erscheint die Welt immer dunkler und bedeutungsloser um einen her. Ich stecke da nicht genug drin um zu entscheiden, welche Philosophie die besseren Argumente hat. Auf jeden Fall entspricht diese wissenschaftlich analytische und technologisch erobernde Weltanschauung unserem Zeitgeist  seit der Industrialisierung. Dieser Versuch Kontrolle über die natürliche Welt zu erringen, ist auf jeden Fall leichter zu erreichen, wenn die Leute ihre Träume vergessen, wie es der Gmork bei Michael Ende ausdrückt. So lässt sich der Mensch für Brot und Spiel instrumentalisieren. Natürlich schämt sich dann der Erwachsene für seinen als irrational gebrandmarkten Eskapismus, weil er das Gefühl gegeben bekommt sich lediglich vor seinen erwachsenen Pflichten drücken zu wollen. Diese Variante wird es auch genug geben, was aber wenn es auch eine Variante gebe die eher mit der Flucht eines Häftlings aus einem Gefängnis zu vergleichen wäre? So erklärt das z.B. Tolkien seinem Freund C.S. Lewis.

https://www.youtube.com/watch?v=NzBT39gx-TE

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