Medien & Phantastik > Sehen
Ist Arrival sehenswert?
Ucalegon:
Ted Chiang, der Autor, ist da ganz relaxed. Hier ein altes Interview (2002).
Wandler:
Naja mir gings jetzt nicht darum ob der Autor davon überzeugt ist ob das möglich ist, sondern einfach, dass ich finde, dass es halt schwach geschrieben ist. Seine Alternativen "Drogen/Meditation" zeigen ja nur wie wenig wert er darauf gelegt hat. Dabei ist das ein zentrales Element der Geschichte und sollte daher auch mit viel Überlegung gewählt werden und nicht einfach nur wie offensichtlich von ihm "naja, klingt ganz lustig, das nehm ich halt."
Der Film versucht in meinen Augen ja auch nicht jetzt irgendwelche sprachwissenschaftlichen Theorien wirklich auszubauen oder das ganze als streng wissenschaftlich zu verkaufen. Er soll unterhalten und das tut er, und tut es gut. Mir gefiel dieser Teil der Geschichte aus genannten Gründen halt einfach nicht. Was mir dafür richtig gut gefiel waren gewisse Auflösungen der Geschichte:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ihre Entscheidung das Kind zu bekommen, obwohl sie weiß, dass ihr Kind sehr krank werden wird. Das gefiel mir deswegen so gut weil es nicht folgenlos bleibt. Es ist kein erhobener Zeigefinger "Alles Leben ist heilig" (auch zukünftiges, mögliches, noch nicht empfangenes wie in ihrem Fall) sondern sie lebt mit den schönen Seiten der Geschichte wie auch den negativen, inkl. dem Resultat, dass er sie verlässt als er erfährt, dass sie von Anfang an wusste was sie durchlaufen werden. Das fand ich grandios!
Außerdem kann ich Jeeremy Renner normal wenig ab, einfach weil er in fast allen Filmen halt wie so manch ein Schauspieler den viele mögen und mit dem ich mir schwer tu immer den selben oder einen ähnlichen Charakter in unterschiedlichen Geschichten spielt und nicht viel Potential für mich zeigt. Allerdings gefiel er mir hier gut. Er war aber auch nur eine Nebenrolle mit nicht ganz soooo Screentime, aber insgesamt könnte ich ihn mir gut öfter in solchen Rollen vorstellen.
Ich weiß nicht warum, aber ich hatte mich megamäßig in der ersten Hälfte darauf versteift, dass ihr Ehe und ihr Kind Vergangenheit sind und sie nun durch Rückblicke die Lösung für ihre aktuellen Probleme erhält und das hat mich dermaßen angezipft. Als die Auflösung kam war ich echt überrascht, erleichtert und muss sagen, hatte ich so nicht kommen sehen. Ich hatte nach der ersten Hälfte "Liebe überdauert alles - Version 2" erwartet und wurde eines besseren belehrt, dass ich mir meine Meinung erst am Ende eines Films bilden sollte. Leider schaffen das nur wenige Filme. Kudos!
Die Darstellung der Aliens war grandios. Das man sie bis zum Ende nicht sieht ist ein wenig arg gekünstelt und kommt im Film ein wenig seltsam rüber, weil die Charaktere durchaus alles sehen dürften, nur eben der Zuseher nicht weil die Kamera so weit hinter ihnen ist.
Das Rendering als sie "drinnen-drinnen" ist, war mies. Dann lieber auf die Szene verzichten. Da hat man gemerkt, dass für die Szene zu wenig Budget vorhanden war. Bin da aber auch überkritisch in diesem Feld.
Wenn es hard sci fi soll, dann wünsche ich mir, dass das mit mehr Liebe ausgearbeitet wird (The Martian) oder wenn es halt einfach sci fi sein soll, dann darf gerne alles mögliche möglich sein (Endymion). Dazwischen tu ich mir mit Filmen/Büchern oft schwer, weil ich das Gefühl habe, der Autor war sich selbst nicht sicher was er jetzt genau wollte.
Issi:
Was mir an der ganzen Auflösung als Message nicht gefällt, ist Folgendes:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Wenn ich in der Gegenwart bereits meine Zukunft sehe, so wie es geschehen wird, dann macht mich das zu einer Marionette des Schicksals.
Klar hätte sie sich auch gegen das Kind entscheiden können, aber so wie der Film aufgebaut war, ging er davon aus, dass ihre Entscheidung bereits vorher bestimmt und unveränderbar war.
Sonst hätte sie eine andere Zukunft gesehen oder zumindest andere Optionen.- Das war aber nicht der Fall.
Diese Botschaft des unveränderbaren Schicksals, als etwas Positives, was die Aliens den Menschen als Geschenk überbringen wollen, finde ich etwas fragwürdig.
Und wenig erstrebenswert, und sogar sinnlos, ehrlich gesagt. Es erscheint mir daher auch als eine wenig durchdachte Filmidee -Die leider nur auf den ersten und oberflächlichen Blick und für einen kurzen Aha!- Moment taugt.
Bad Horse:
Issi: Habe ich nicht so empfunden.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Es ist extrem schwer nachzuvollziehen, wie jemand eine Entscheidung trifft, wenn er in allen Zeitebenen gleichzeitig exisitiert, aber ich gehe davon aus, dass er / sie die Entscheidung treffen wird, die ihm richtig bzw. optimal erscheint. Wir haben nur die Zukunft gesehen, für die sie sich entschieden hat, aber ich finde nicht, dass ganz klar gesagt wird, dass sie keine andere Entscheidung hätte treffen können.
Aber da wir nicht wissen, wie es ist, an mehr als einem Zeitpunkt gleichzeitig zu existieren, kann der Film das auch nicht zeigen. Er kann uns nur dazu bringen, darüber nachzudenken - das hat geschafft, zumindest bei mir.
Wandler:
Genau sowas finde ich an Filmen wie Arrival toll. Es bleibt halt offen, was es nun wirklich ist. Mir persönlich macht es immer einen heidenspaß darüber zu diskutieren was es denn nun genau war.
Bin aber eher bei Bad Horse 8 Ansicht was das angeht.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln