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Blade Runner 2049
TheOzz:
@Kowalski: Ohne jetzt auch alles mögliche zu zitieren.
Wo ist der Mehrwert des Films? Was will er uns rein emotional weiter erzählen? Haben Replikanten Gefühle die menschlich sind? Wo ist der Unterschied zwischen Replikanten und Maschinen, dann? Was macht uns überhaupt menschlich? Reicht es Geboren worden zu sein? Reicht es "echte" Träume und Erinnerungen zu haben? Wird aus einem künstlich nicht etwas lebendes, wenn es anhand seiner Erfahrungen eigenverantwortlich denkt und handelt?
Hätte sich herausgestellt das Deckard ein Replikant ist, wäre der gesamte Film obsolet, denn dann hätten wir schon alles soweit gehabt. Bis auf die Geburt. Die so ungeklärt ist, das ich da saß und dachte, blöder MacGuffin.
Und wo bitte versteh ich K nicht, mein zweiter Post spricht doch genau das Thema an? Ich glaube eher, du hast meinen Vergleich mit Roy Batty nicht verstanden. Batty war ein Kriegsreplikant, gebaut und designt zu töten. Was tut er aber in der Szene, als er den Mörder seiner Familie und Freunde hat? Richtig, er lässt ihn leben, da er ihm dadurch beweist, das er keine Maschine ist, die nur programmiert wurde. Der Mord an seinen Vater überhöht er sein Dasein und wird endgültig Mensch. Warum er nun den anderen Typen getötet hat... Vermutlich um raus zu kommen, war aber leider ein Offscreen-Tod, was unbefriedigend ist.
Jetzt im Vergleich mit K, der ein Blade Runner ist. Als die Chance besteht, das er das geborene Kind ist, bricht er aus seiner Rolle und rebelliert. Zugegeben Joi sagt ihm schon vorher es sei Besonders und gibt ihm einen Namen Joe (Anm. von mir Joe Average), aber sie bleibt in ihrer Programmierung. K ist allein und einsam und wird gehasst und angefeindet, hatte ich oben schon erwähnt. Sein Weg raus, ist Joi. Das ist seine Ablenkung, um ein wenig Normalität wie Nähe zu haben, das er nun emotional daran hängt, okay... das ist menschlich, unabhängig von der Rolle die Joi einnimmt, also als Ks Freundin.
Stell dir vor, jetzt mal ganz platt, er hätte sich eine/n Hund/Katze geleistet. Vom verschwendeten Potential einen künstlichen Partners mal abgesehen, hätte es einen ähnlichen Effekt. Wir haben hier einen der emotional nieder gemacht wird, Tag um Tag und sich deswegen eine Ablenkung kauft, die ihn aufbaut und motiviert. Menschlicher als ein Mensch.
Jupp, hatten wir im erster Teil, als Rachel hört, das sie ein Replikant ist, ist sie weg gelaufen, zu dem Typen, dem sie beweisen will, ein Mensch zu sein. Und als ihr dann der Boden unter den Füßen weggezogen wird, das sie sich nicht auf ihre Träume, oder Erinnerungen verlassen kann, das alles nur ein Konstrukt ist, um sie gefügig zu halten, verhält sie sich auch irrational menschlich und hat ab, wohl wissend, was mit abtrünnigen Replikanten passiert.
Es ist meckern auf hohem Niveau, die Bilder waren cool, der Cast gut, aber mir fielen zu viele konstruierte Dinge auf. Vorfall im LAPD Hauptquartier, das Deckard aus der Zentrale von Walace überführt wird, die vielen sehr alten Replikanten, die Kinderreplikanten, der Kampf zwischen Kay und Sapper, genauso wie der Kampf zwischen Kay und Luv(würgen? ertränken?)
Um noch einmal genauer zu sagen, was mein Standpunkt ist. Es braucht den Film nicht, hätte man den Finalcut als erstes im Kino gehabt, wo Deckard eindeutig ein Replikant ist und ferner bin ich der Meinung, das ohne diese Festlegung der Film nicht funktioniert.
Turning Wheel:
Bladerunner ist auf meiner Top-Filmliste (solange ich sie habe) schon immer auf Platz 1 gewesen.
Jetzt habe ich mich, als ich aus Bladerunner 2049 rausgekommen bin, sagen hören, dass ich ihn besser fand als den alten Film.
Ich bin verwirrt. Wurde Platz 1 meiner Liste seit ihrem Bestehen tatsächlich jetzt zum ersten Mal abgelöst?!
Ich hatte schon Zeit zum Nachdenken, aber ich glaube das wars. Fällt jemand ein Grund ein, warum das nicht so sein sollte?
Ich bin auf sehr vielen Ebenen ganz schön beeindruckt von diesem Film!
Der einzige Punkt, den ich halb negativ bewerte, ist die im Film gezeigte Werbung.
Als inzwischen alteingesessener Werber, der tagtäglich Werbung beurteilt, würde ich sagen, dass die gesamte im Film gezeigte Werbung
von recht hoher Qualität ist und (zumindest bei mir) als außerordentlich realistisch durchgeht. So ein Film hat natürlich nicht den Etat von mehreren
großen Konzernen, die sich ihren Auftritt eine ganze Menge kosten lassen, aber der Film hält in diesem Punkt ziemlich gut mit.
Mir fällt im Augenblick kein anderer SF-Film ein, in dem Werbung so eine zentrale Rolle spielt und so gut umgesetzt wurde. Nicht mal in Children of Men.
Was mich allerdings gestört hat, war die nahezu ausschließliche Ausrichtung der gezeigten Werbung auf eine männliche Zielgruppe.
Das ist für mich, im Hinblick auf eine zunehmend sexuell gleichberechtigte Gesellschaft, nicht so richtig nachvollziehbar.
Aber ich gehe einfach mal davon aus, dass diese Entscheidung vor allem wegen vom Film anvisierten männlichen Zielgruppe getroffen wurde.
Eine nachvollziehbare Meta-Entscheidung. Was denkt ihr darüber?
alexandro:
--- Zitat von: TheOzz am 19.10.2017 | 22:39 ---Es braucht den Film nicht, hätte man den Finalcut als erstes im Kino gehabt, wo Deckard eindeutig ein Replikant ist und ferner bin ich der Meinung, das ohne diese Festlegung der Film nicht funktioniert.
--- Ende Zitat ---
Der erste Film hat wunderbar ohne diese Festlegung funktioniert. Final Cut ist nett, aber nicht die beste Fassung.
Und der einzige Unterschied für 2049 wäre der, dass nicht Mensch+Replikant ein Kind hatten, sondern Replikant+Replikant. Wo ist der Unterschied?
Blizzard:
Ich war vorhin mit einem sehr guten Freund im Kino. Wir sind beide Fans des ersten Teils (ich als Rollenspieler sowieso). Nach den ganzen ultra positiven Kritiken, Reviews und Rezensionen, die wir im Vorfeld dazu mitbekommen hatten, gingen wir in den Film mit der Fragestellung, ob der Film diesen Vorschusslorbeeren gerecht wird.
Extrem gut gefallen haben uns das Setting bzw. die Effekte-einfach nur cool! Und der Soundtrack dazu ist super, ich glaube, den hole ich mir auf CD und nutze ihn für meine Endzeit&Near Future-Runden. Im Kino war mir der Sound allerdings zu laut (eingestellt), an einigen Stellen fand ich ihn einfach nur aufdringlich. Und die Charaktere fanden wir auch ziemlich gut gelungen.
Was uns beiden negativ aufgefallen ist: Der Film ist zu lang(atmig) bzw. hat einfach zu viele langatmige Szenen. Nichts gegen eine längere Szene, um den Aspekt der Emotionalität stärker zu betonen. Aber Blade Runner 2049 hat einfach zu viele davon. Wie sagte mein Freund angesichts der Rettungsaktion von Deckard: " An einigen Stellen plätschert der Film so vor sich hin". Mir persönlich hat zudem ein bisschen die Action gefehlt, mir waren zu wenig Kämpfe drin. Da hätte man lieber ein paar Szenen etwas kürzen und dafür noch mit etwas anderem, spannenden füttern sollen.
In der Summe-da waren wir uns einig-ist Blade Runner 2049 eine insgesamt würdige Fortsetzung. Absolut sehenswert und auch das Eintrittsgeld wert. Und wir würden ihn wohl auch nochmal anschauen im Kino, wenn andere fragen würden, ob wir den Film mit ihnen anschauen wollen. Er konnte allerdings die Erwartungen, die wir an den Film hatten, nicht oder zumindest nicht ganz erfüllen. Es ist -keine Frage- ein guter Film. Aber kein " Film des Jahrhunderts" oder die "beste Fortsetzung aller Zeiten", wie er schon zuvor von mancher Seite betitelt worden war.
Eine Sache noch zum Schluss: Lieber Blade Runner 2049, du hast ein soooo cooles Setting! 8) Du hast es nicht nötig, dass jede zweite Leuchtreklame in der Stadt aus (halb)nackten Frauen besteht. Mehr Titten machen aus dir keinen besseren Film. Im Gegenteil.
6:
--- Zitat von: TheOzz am 19.10.2017 | 22:39 ---Jetzt im Vergleich mit K, der ein Blade Runner ist. Als die Chance besteht, das er das geborene Kind ist, bricht er aus seiner Rolle und rebelliert. Zugegeben Joi sagt ihm schon vorher es sei Besonders und gibt ihm einen Namen Joe (Anm. von mir Joe Average),
--- Ende Zitat ---
Nicht eher "Josef K"?
Mein ja nur... die Namenskombination ist sicher nicht zufällig. :)
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