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Star Wars: Episode VIII - The Last Jedi
Ein Dämon auf Abwegen:
--- Zitat von: Uebelator am 3.01.2019 | 14:14 ---Kylo Ren ist nachwievor für mich einer der interessantesten Charaktere im Star Wars Universum und mit ihm passiert ja in TLJ auch so einiges.
--- Ende Zitat ---
Für mich nicht. Als Hauptbösewicht taugt der nichts und eine wirkliche Motivation warum er sich der Dunklen Seite zugewendet hat, haben sie meiner Meinung bisher auch nicht geliefert.
--- Zitat von: Uebelator am 3.01.2019 | 14:14 ---Finn und Rose waren... suboptimal in die Handlung integriert und ihr gesamter Plot fühlte sich für mich vollkommen irrelevant an.
--- Ende Zitat ---
Finn ist mMn so ziemlich der Character wo man am meisten merkt, das sie die Trilogie nicht wirklich durch geplant haben.
In TFA war er neben Rey der Zentrale Character, in TLJ hatte man den Eindruck das die Schreiber keine Ahnung haben was sie mit ihm machen sollten.
Wobei ich mit Finn auch generell das Problem hab, dass er laut Hintergrund quasi wie ein Klon Soldat erzogen wurde, sich aber er so wirkt wie jemand den man einfach in eine Sturmtruppenrüstung gestopft und einen Blaster in die Hand gedrückt hat. Und seine genaue Motivation von der Ersten Ordnung abzuhauen, ist auch nie so wirklich klar geworden.
6:
--- Zitat von: YY am 3.01.2019 | 22:35 ---Was das handwerkliche angeht:
In einzelnen Aspekten wie z.B. der Tricktechnik - ja, da punktet er.
Woanders bietet er logische Widersprüche und Szenen, die man als reine Symbolik und formelhafte Darstellung betrachten muss, damit sie funktionieren.
--- Ende Zitat ---
Genau diese Funktionalität wirkt ziemlich direkt auf den Zuschauer. Wie ich ja schon ein paarmal schrieb, hat die Enttäuschung als funktionales Mittel für das übergreifendes Thema "The greatest teacher, failure is" super funktioniert. Im Prinzip hat er ziemlich durch den Film die Emotionsknöpfe gedrückt, die er drücken wollte. Klar verstehe ich, wenn Dich logischen Widersprüche total abturnen (btw schau Dir besser keine Spielbergfilme an. Könnte extrem ernüchternd in Bezug auf Logiklöchern werden. Ich hatte da vor kurzem übrigens einen interessanten Podcast, in dem der Moderator ET als einen der schlimmsten Filme überhaupt ansieht, weil beim Film ziemlich deutlich und erkennbar die Emotionsknöpfe gedrückt werden. Quasi ein Markenzeichen für Spielberg-Filme). Aber wenn Du Dir mal den Thread nochmal durchliest, wirst Du viele User lesen, die genau diese Enttäuschung an den Stellen empfunden haben, als es vom Regisseur angwendet hatte. Als Beispiel gerne mal Holdos erster Auftritt.
Wir können jetzt gerne drüber diskutieren, ob es eine gute Idee war, die Emotion "Enttäuschung" einzusetzen. Ich würde da sagen, dass das ein hohes Risiko war. Aber ja. Das war der Punkt, wieso ich auf den Dämon eher zugestimmt hatte. Das kann man als schlechte Idee bezeichnen. Enttäuschte Zuschauer fangen an, das Umfeld zu durchsuchen, um zu verstehen wieso man enttäuscht ist. Einige (vielleicht auch viele?) verliert man dabei, weil sie dem Regisseur die Destruktion der eigenen Wünsche als Triebfeder unterstellen.
--- Zitat ---Wenn man aber das betrachtet, was da tatsächlich gezeigt wird, ist es schlicht schlecht geschrieben (wie etwa das Stein-Schere-Papier-Raumgefecht am Anfang, die Meuterei gegen Holdo und ihre Selbstbefreiung und der ganze Themenkomplex mit der "Festung" am Ende) und findet ganz oft keine atmosphärische Linie.
--- Ende Zitat ---
Ich finde es übrigens interessant, wie Du Dich immer wieder alleine auf das Skript beziehst und alle weitere cineastischen Techniken, wie die Schnitttechnik, Musiknutzung, Lichtnutzung, Rahmensetzung usw aussen vorlässt.
Kein Vorwurf. Jeder soll den Film so beurteilen, wie er möchte. Nur sowas gehört halt auch zum Handwerk.
--- Zitat ---Und zuletzt: der Kampf im Thronsaal ist choreographisch und handwerklich einfach mal abgrundtief scheiße. Natürlich gefällt der einem Teil der Zuschauer trotzdem, aber das ändert nichts daran.
--- Ende Zitat ---
Siehst Du. Da gehe ich überhaupt nicht konform. Die Szene erzählt eine Geschichte. Ich weiss immer wo die Hauptprotagonisten sich zueinander befinden. Die Farbenwahl fand ich dazu passend. Aus meiner Sicht daher handwerklich alles richtig gemacht.
Ach ja. Nur dass wir uns richtig verstehen: Ich selber finde den Film toll, und verstehe, was er da macht und kann durchaus die verschiedenen Blickwinkel verstehen, aus denen man den Film scheisse finden kann.
Ich verstehe nur nicht, wieso ein Film, den man scheisse findet, gleich automatisch "kompletter handwerklicher Schrott" sein muss. Reicht es nicht einen Film einfach nur scheisse zu finden und fertig?
6:
--- Zitat von: Ein Dämon auf Abwegen am 3.01.2019 | 23:15 ---Wobei ich mit Finn auch generell das Problem hab, dass er laut Hintergrund quasi wie ein Klon Soldat erzogen wurde, sich aber er so wirkt wie jemand den man einfach in eine Sturmtruppenrüstung gestopft und einen Blaster in die Hand gedrückt hat. Und seine genaue Motivation von der Ersten Ordnung abzuhauen, ist auch nie so wirklich klar geworden.
--- Ende Zitat ---
Dem kann ich in Bezug auf TFA zustimmen. Ich persönlich hatte da immer Problem, dass seine Motivation immer an die aktuelle Situation "optimiert" wurde. Also dass er sich so verhält, wie es die Situation gerade am besten brauch und nicht dass sein Handeln dort aus einer möglichen vorher aufgebauten Motivation entstand.
Bei TLJ hatte ich das Problem nicht. Da hat sich für mich Finn ziemlich deutlich von der Anfangssituation zum Ende durchgehend entwickelt.
YY:
--- Zitat von: 6 am 3.01.2019 | 23:23 ---Ich finde es übrigens interessant, wie Du Dich immer wieder alleine auf das Skript beziehst und alle weitere cineastischen Techniken, wie die Schnitttechnik, Musiknutzung, Lichtnutzung, Rahmensetzung usw aussen vorlässt.
--- Ende Zitat ---
Ich sagte ja: Die Tricktechnik ist z.B. durchgehend gelungen.
Wenn du noch mehr willst: Die Bildkomposition der Vogelperspektive auf dem Salzplaneten, beim "Duell" Luke vs. Kylo oder den Hyperraum-Rammangriff finde ich ebenfalls hervorragend.
Das sind aber jeweils kurze Momente, die mir meist durch den Kontext, in dem sie stehen, direkt wieder vermiest werden.
--- Zitat von: 6 am 3.01.2019 | 23:23 ---Ich verstehe nur nicht, wieso ein Film, den man scheisse findet, gleich automatisch "kompletter handwerklicher Schrott" sein muss. Reicht es nicht einen Film einfach nur scheisse zu finden und fertig?
--- Ende Zitat ---
"Reichen" ist das falsche Wort.
Bei anderen Filmen kann ich oft genug nicht so präzise formulieren, warum ich sie schlecht oder scheiße finde. Da komme ich über eine pauschale Aussage nicht hinaus. Oder ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und lasse es deswegen bleiben wie z.B. beim letzten Predator-Film.
Hier kann ich aber den Finger auf relativ kleine Elemente legen und sagen: Wenn das und das und das in genau dieser und jener Form anders wäre, würde mir diese Szene gefallen.
Und um beim Thronsaalkampf zu bleiben, kann ich mir da beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand sagt: "Für meinen Genuss dieser Szene ist es wichtig, dass Waffen verschwinden und durch andere Waffen durch "glitchen", dass sinnlos ins Leere geschlagen wird, dass klar erkennbar überchoreographiert ist, dass logische Brüche drin sind, dass Rey sich stellenweise bewegt wie eine falsch verschraubte Schaufensterpuppe...das muss alles so bleiben, sonst funktioniert die Szene für mich nicht."
Nein, das sind Sachen, die man in der Produktion sieht und entweder korrigiert oder sagt: Ach komm, wird schon keiner merken und wichtig ist ja die Gesamtkomposition. Das ist schlampige Arbeit, sprich handwerklich schlecht. Es wäre nämlich sehr wohl ohne diese Dinge gegangen und die Gesamtkomposition hätte immer noch gestanden, ja sogar davon profitiert.
Diese Dinge wären anders aufgezogen einem Teil der Leute immer noch egal gewesen und einem anderen Teil hätten sie besser gefallen - man hätte also nur gewinnen können.
Ich will nicht behaupten, dass ich nicht auch an einigen zentralen, großen Plotentscheidungen etwas ändern würde. Aber mit Masse speist sich mein Unmut gegenüber TLJ aus vielen kleinen Sachen, bei denen ein funktionierendes Filmteam gesagt hätte: So zündet das nicht/das stört, das machen wir lieber anders (und das sind mehrheitlich Dinge, an denen sich andere Kritiker nicht nur auch gestört haben, sondern auch mit sehr ähnlichen Alternativen um die Ecke kommen; damit bin ich also mindestens kein kompletter Exot).
Ob RJ da quasi den Prequel-Lucas gemacht hat (was ich zumindest vermute) oder woran es sonst lag, dass das nicht passiert ist, kann ich nicht sagen.
Es gilt aber in recht ähnlicher Weise für die anderen Disney-Star Wars-Filme, nur das Ausmaß ist ein anderes.
6:
--- Zitat von: YY am 4.01.2019 | 00:34 ---Ich sagte ja: Die Tricktechnik ist z.B. durchgehend gelungen.
Wenn du noch mehr willst: Die Bildkomposition der Vogelperspektive auf dem Salzplaneten, beim "Duell" Luke vs. Kylo oder den Hyperraum-Rammangriff finde ich ebenfalls hervorragend.
--- Ende Zitat ---
Sind Dir die Transitionen zwischen den Schauplaetzen aufgefallen? Also wie toll häufig die Uebergaenge von einem Set Piece zum anderen Set Piece gelungen sind? Als Beispiel "Wo ist Rey?" / Schnitt zu Reys Situation. Oder der direkte Uebergang von der Bomberszene als Kontrast dann zu Leias Reaktion als Poe zurück kommt.
Ich fand auch die kurze und klare Anfangsdarstellung der Hauptcharaktere toll gemacht. Ich wusste als Zuschauer sofort wie die Hauptprotagonisten gestrickt sind und welche Fehler Sie haben (z.B. Poe, draufgängerisches Fliegerass, dass alle Kosten in Kauf nimmt, um seinen Abschuss zu bekommen). Nach dem Motivationsdurcheinander von TFA war das extrem notwendig.
BB8 und der Gluecksspielgnom war zwei Setup-Reminder-Payoffs gleichzeitig, die ich sofort erkannt habe.
Ich kann da gerne noch weiter machen. Rose Ticos Arc ist auch klasse mit der Spiegelung zwischen Anfang und Ende.
Ich glaube es gibt auch ein CinemaWin-Video zu TLJ. Kannste Dir ja mal anschauen. So als Kontrast zu den anderen TLJ-Video, die Du gesehen hast.
--- Zitat ---Und um beim Thronsaalkampf zu bleiben, kann ich mir da beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand sagt: "Für meinen Genuss dieser Szene ist es wichtig, dass Waffen verschwinden und durch andere Waffen durch "glitchen", dass sinnlos ins Leere geschlagen wird, dass klar erkennbar überchoreographiert ist, dass logische Brüche drin sind, dass Rey sich stellenweise bewegt wie eine falsch verschraubte Schaufensterpuppe...das muss alles so bleiben, sonst funktioniert die Szene für mich nicht."
--- Ende Zitat ---
Ist mir nicht aufgefallen. Die Szene habe ich trotzdem sofort verstanden und wurde nicht durch die Fehler, die Du aufgezählt hast verwirrt oder sowas.
Hatte man die Choreographie besser machen können? Sicherlich. Kommt halt drauf an wie viel Stellenwert man der genauen Choreografie zumisst. Bei den Prequels ging mir z.B. Bei den Kämpfen Doppsjoda auf den Keks. Die Probleme waren da eher die langweilige Darstellung des Plots gewesen. Und natürlich die Darstellung der Charaktere selber. Wenn ich das dann mit TLJ vergleiche, verstehe ich sofort wieder, wieso ich Lucas als Regisseur nicht warm werde.
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