Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Gibt es zu viele neue Systeme? Oder: Wer soll das alles spielen? (rant-ish)
Archoangel:
Sorry - dann bin ich eben ignorant: ich sehe immer noch keinen wesentlichen Fortschritt nach V:tM. Nur eben neuer Farbanstrich. Ob ich Würfel oder Karten verwende ... who cares? Ein System um Konflikte jenseits des Kampfes zu lösen ... Konfliktlösung als Spielmechanismus ist eben die Neuerung gewesen, alles weitere sind halt nur Varianten in anderen bereichen. Spiel ohne Zufallsmechanismen: sieh Amber. War eben schon lange da. Spiel ohne Spielleiter: soll das ein Witz sein? Funktioniert seit Generationen auf jedem Kinderspielplatz. Im Vorfeld abgesprochene Handlung? Machen meine Mädels mit MLP/Monster High seit Jahren ohne zu wissen was Fate/Fudge sein soll.
Andererseits: was soll auch wirklich Neues kommen? D&D war eben etwas völlig Neues. Danach wurden nur noch Settings abgegrast und Mechaniken verfeinert. Das "Neue" am Rollenspiel war letztlich das gemeinsame Erleben abenteuerlicher Geschichten, wie man sie sonst nur als Buch/Film/Erzählung/Stück kannte. Wie ich diese Geschichte mechanisch abhandle, ist zunächst einmal nur begrenzt relevant. Was für mich Vampire neu einbrachte war tatsächlich der persönliche Horror, also die eigene Degeneration. Auch wenn fast alle "Superheroes with Fangs" spielten war das für mich der wesentliche Aspekt: die moralische Komponente, die in Regeln gepresst wurde. Und mechanisch natürlich die Kombinierbarkeit von Attributen und Fertigkeiten, aber das ist Nebensache. Für Player-Empowerment und Spiel-ohne-Spielleiter (auch wenn die Begriffe damals noch nicht feststanden) brauchte man noch nie ein extra System - das machte jede Gruppe nach eigenem Bedarf. Ich hatte schon Ende der 80er eine Gruppe in der es uso war dem Spielleiter vor dem Spiel einen zettel zu geben auf dem draufstand was den anderen Spielern passieren könnte - was dann auch miteingearbeitet wurde; und jüngst durfte ich mit einer eingefleischten Pathfindergruppe spielen, die über WoW zum Rollenspiel kamen, außer dem deutschen PF nichts kannten, keine Foren kennen - und sich als Gruppe gemeinsam ihre Spielwelt entwickelt haben. Auch die Rahmenhandlung wird regelmäßig abgesprochen. Die brauchen da auch kein Fate&Trallala dafür.
So jetzt hab`ich den Thread aber genügend entführt, ich denke jedem dürfte mein Standpunkt klar sein und jetzt dürft ich mich gerne einen ignoranten Ketzer schimpfen oder was-auch-immer.
Weltengeist:
Ich fänd's auch nett, wenn wir wieder aufs Thema zurückkämen *nick*
Teylen:
Eigentlich gibt es ja schon keine Innovationen hinsichtlich Kommunikation und Spielen mehr seit der erste Mensch einen Laut ausgestossen hat.
Alles was danach geschah war alles uninspirierte Variationen.
Viral:
einerseits finde ich es ja gut, dass man die Wahl hat, aber es hat auch seine Nachteile:
- Nicht nur, dass es für jedes Genre ein spezialisiertes System (z. b. kompetetives Rollenspiel mit OSR/D&D, Storytelling mit WoD, cineastisches/narratives Spiel mit PbtA, ultradetaillierte Settings mit Railroading Aspketen - DSA, Horror mit CoC)
- nein es gibt auch noch unterschiedliche Edition CoC 7, DSA 5, D&D 5 etc.
Und das ist schon ein krasses Überangebot ich muss mich nicht nur auf das System festlegen, nein ich muss unter Umständen auch noch die entsprechende Edition finden.
Und doch geht es mir so, dass ich zwar wohl "mein Setting" vor Jahren schon gefunden hab, aber leider nicht die richtige Spielmechanik dazu ... insofern suche ich immernoch.
Dabei hab ich das Gefühl, dass man neue Editionen oft nur rausbringt, um einfach wieder mehr zu verkaufen. Die ganzen kleineren Systeme enstehen dann, weil die großen, dann doch wieder nur ihren ausgetretenen Pfaden mit einem Hauch Neuerung folgen. Aber diese extreme Menge an Material sorgt dafür, dass es für die großen Verlage immer weniger rentabel wird neue Produkte rauszubringen und das Ganze oft mehr auf semikommerziellen Niveau läuft.
Ob diese Entwicklung nun gut oder schlecht ist, weiss ich nicht. Aber irgendwie ist es bei diesem extremen Angebot einfach wahnsinnig schwer sich noch zurecht zufinden. Zudem ist es oft so, dass sich die Gruppe schwer auf ein System einigen kann, da jeder on einen anderen Specialfeature eines anderen Systems angesprochen wird ... wohl doch eher Fluch
Megavolt:
In meinen Augen ist vor allem das Rezensionswesen mangelhaft. Ich denke nicht, dass es zu viele Sachen gibt, der Überblick ist nur immer zu schlecht.
Was die Rollenspiele angeht, sollte das Tanelorn vorangehen und aufschlussreiche Rezensionen nach Möglichkeit noch stärker forcieren und fördern, denn davon gibts immer viel zu wenige.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken) Nebenfrage: Wer von euch kriegt ebenfalls Wallungen, wenn er einen der beiden Amazon-Rezensionsklassiker liest:
a) eine knallharte und ausufernde Nacherzählung des Inhalts, die die Lektüre schlicht zerstört
b) "Das Buch wurde wirklich schnell geliefert und es war einwandfrei verpackt." ~;D
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