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Founding Edom!

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KhornedBeef:

--- Zitat von: Chiarina am  7.04.2017 | 13:57 ---Ich bin noch ganz am Anfang.
Wendepunkte sind völlig in Ordnung.
Was Thriller Chases mit anderem Inhalt angeht könnte man mal in Double Tap hineinsehen. Da gibt´s doch solche Sachen, nicht wahr?

--- Ende Zitat ---
Stimmt, in Double Tap gibt es "Hollywood hacking" und Infiltration und so als Chases, jeweils mit Interpretionshilfen für die Manöver und Beispielen, genau wie für die Verfolgungsjagden.
Zu deiner Frage: Größere Hindernisse können bestehende Behörden sein, also in diesem Fall vor allem bestehende Aufklärungsdienste und Segmente des Militärs, die um ihren Teil vom Kuchen fürchten oder angesichts der Zeit vielleicht auch einfach einen gewissen Chauvinismus gegenüber allem pflegen, was nicht auf eine lange Geschichte zurückblicken kann ("Mein Großvater hat mit Nelson gedient und jetzt sollen wir auf diese... Gespenstersucher auf einem ihrer albernen Ausflüge vor mistgabelschwingenden Slawen schützen???")
Edit: ein weiteres spannendes Feld gerade für NBA ist das Verhältnis zum Okkultismus und diverseren esoterischen Gesellschaften, die gerade aufkamen. "Die entschleierte Isis " kam ein paar Jahre zuvor heraus, "the Hermetic Order of the Golden Dawn" wurde einige Jahre später gegründet. Und der neue Dienst braucht "Experten" von irgendwoher, eine Infiltration durch Esoteriker ist also gerade zu wahrscheinlich.

Scimi:
Was 1882 gegründet wird, ist das "Foreign Intelligence Commitee", also erstmal ein Ausschuss von Entscheidungsträgern und Fachleuten, denen irgendwelche Kompetenzen, Aufgaben und Mittel zugeteilt werden.

Das NID als tatsächliche Behörde wird erst 1887 gegründet mit Captain Hall als erstem Direktor. Es ist anfänglich aber nur eine Abteilung der Admiralität, die sich vor allem um Flottenlogistik und Auslandsinformationen kümmert. Durchaus schon ein echter Informationsdienst, aber ich stelle mir da noch keinen typischen Geheimdienst mit Attentaten, Exfiltrationen und Geheimagenten vor, sondern eher so etwas wie eine viktorianische NSA, die täglich alle Zeitungen der Welt durchsieht und katalogisiert, Berichte von Militärs, Regierungsangestellten und "Freunden des Empire" anfordert und vielleicht mal einen "guten Mann" bei irgendwelchen Verhandlungen oder Expeditionen mitschickt.

Mit der Zeit (ab 1900 offiziell) rückt aber immer mehr die Kriegsplanung in den Vordergrund, anscheinend auch, weil der Marine zu der Zeit eine moderne zentrale Planung fehlt, wo alle Informationen zusammenlaufen und damit alle Eventualitäten durchgeplant werden können. Im 1. Weltkrieg hat die Behörde auch schon eine hochmoderne Kryptoanalyse- und SIGINT-Abteilung ("Room 40").

Der Marinenachrichtendienst ist aber nur die früheste formelle Behörde, der direkte Vorläufer der heutigen Geheimdienste sind eher das Secret Service Bureau von 1909, das anscheinend sehr viel mehr im Bereich Infiltration und Spionageabwehr involviert war und der "Metropolitan Police Special Branch", der sich weniger um militärische als um zivile Sicherheit kümmern musste und seit 1883 das Empire vor irischen und indischen Terroristen schützt.


Dass diese ganzen Dienste erst relativ spät gegründet wurden heißt aber nicht, dass es vorher keine Spionage gab. Die lag halt nur in der Hand einzelner Personen, Unternehmen oder Abteilungen. Als Ende des 19. Jh. dann diese ganzen Behörden aus dem Boden gestampft werden, können die also sofort auf entsprechende Kompetenzen zurückgreifen, während die bisherigen Mover und Shaker in dem Bereich sicherlich nicht sofort all ihre Ressourcen irgendeiner Verwaltung übergeben.

Ich stelle mir das vorher ein wenig vor wie der Charakter Varys bei Game of Thrones/Song of Ice and Fire: Ein Typ, zu dem die "Regierung" geht, wenn sie Infos braucht oder etwas unter der Hand erledigt haben will, der aber an sich ohne Kontrolle nach eigenem Gutdünken mit eigener Finanzierung und eigenen Leuten und Netzwerken arbeitet. Und bloß, weil es plötzlich Nachrichtendienste gibt, verschwinden diese Leute nicht. Generell ist das auch nicht wirklich die Zeit, wo wichtige Personen irgendeiner Kontrolle unterstellt sind und in Ämter gewählt werden. Teilweise sind das Männer, die ihren Stuhl und ihre Informationen über den Vater und Großvater vom Urgroßvater geerbt haben und denen man nicht in die Karten schaut, solange sie loyal und effektiv sind.

Darum habe ich mir Edom immer eher als eine Art Verschwörung vorgestellt, so ein Kreis von schnauzbärtigen Männern mit Zylinder und Gehstock, die alle bescheid wissen, sich im Gentlemen's Club oder in der Freimaurerloge treffen und zum Wohle des Empire arbeiten. Ein paar von ihnen sitzen bestimmt auch zeitgleich in den ganzen wichtigen Gremien und Abteilungen, aber zu der Zeit sehe ich für sie keinen Vorteil darin, sich von der Regierung offiziell gründen zu lassen - wenn etwas getan werden muss, dann tun sie es schon selbst. Erst mit der Zeit, als die Geheimdienste wirklich effektiv werden, die Dimensionen so groß sind, dass staatliche Mittel gebraucht werden (die Edom-Verschwörer sind zwar reich, aber das Vermögen steckt in Landbesitz und Unternehmen, da liegt kein Bargeld herum, um einen modernen Geheimdienst unter der Hand zu betreiben) und als die ursprünglichen Leute vielleicht auch älter geworden sind und sich überlegen müssen, wie das ganze in Zukunft organisiert werden soll, wird Edom bei den ganzen Umorganisationen zum 1. WK irgendwie in die bestehenden Dienste eingeflochten oder (was ich denke), innerhalb der bestehenden Dienste werden geheime Abteilungen gegründet, die die Verschwörung mit Ressourcen und Personal versorgen.

Die Frage, mit der ich selbst ganz sicher anfangen würde, ist: Wer ist Peter Hawkins? Das ist der Name, der anscheinend hinter allen Dracula-Ereignissen von "Untedacted" steht. Wer ist der Typ, für wen oder was arbeitet der und wie hängt der mit den Agenten aus "Stoker: First Blood" zusammen?

Mr. Ohnesorge:
Super spannendes Thema! Abo!  :d

KhornedBeef:
@Scimi: Absolutes Gold!
Das ist genau die Art von Schreibe, die für NBA Pate stand: Eine Vermengung historischer Fakten und fiktiver Ereignisse, die die Lücken füllen. Im weitesten Sinne eine Metapher für die Geschichte der Geheimdienste, und auf einer anderen Ebene ihrer tatsächlichen Arbeit. Toll.

Die letzte Idee macht tatsächlich irsinnig viel Sinn: Es ist die Zeit dieses Umbruchs, und dass die ganzen alten Verschwörungen untrennbar mit der Geburt dieser neuen Behörden verbunden sind, ist fast zwangsläufig.

Oh, btw, ich bin gerade mit "Declare" von Tim Powers durch. Genau der gleiche Vibe, und auch da tauchen Verbindungen bis ins zaristische Russland auf, obwohl das ganze zwischen den 1930ern und 1960ern spielt. Tolles Buch, nicht nur zu Inspiration, wenn du mal zum Lesen kommst. Kenneth Hite führt ihn unter den essentiellen Romanen zur Recherche für NBA-Spiele auf ;)

Scimi:
 :d

Für den "alten Stil" empfehle ich "Der Friedhof in Prag" von Umberto Eco, was zwar nicht direkt Geheimdienste zum Thema hat, aber so 1860-1900 im Spionage/Geheimpolitik/Verschwörungs-Milieu zwischen Deutschem Reich, Russland und Frankreich angesiedelt ist.

Einfach um zu sehen, was für Typen da unterwegs sind: Irgendwelche zwielichtigen politischen Berater, Aristokraten und Geschäftsleute, allesamt von Bond-Schurken-Kaliber, die gemeinsam mit irgendwelchen alten Kriegskameraden und superreichen Gleichgesinnten nach Belieben in der Weltgeschichte rumrühren und dabei die eigene Nation mal unterstützen und mal benutzen. Menschenrechte und Gesetze sind diesen Machiavellisten völlig egal, dafür verfolgen sie verbissen irgendwelche politischen Ideale, wobei man den Eindruck bekommt, dass ihr Patriotismus eher Intoleranz gegenüber Ausländern, Armen Leuten und vergleichbaren "Feindbildern" ist - und dass sie sich nie zu schade sind, nebenbei in die eigene Tasche zu wirtschaften.

Generell finde ich die ganze Zeit aus Rollenspielsicht sehr spannend: Aus unserer Sicht ist das die ereignislose Zeit zwischen Deutsch-Französischem Krieg und Erstem Weltkrieg, der dann die entstandenen Grenzen und Allianzen für einige Zeit festzurrt.
Aber die Leute damals hatten ja keine Ahnung, dass es so ausgehen würde, weswegen Europa mangels offener Kriege ein monströses Schachspiel zwischen allerlei Nationen und Parteien war, bei dem jeder versuchte, für den unausweichlich drohenden Konflikt die entscheidenden Bündnisse und Vorteile zu holen. Im Prinzip so eine Art Fin-de-Siècle-Cold-War, nur eben nicht zwischen zwei, sondern vier oder sechs oder acht (je nachdem, wie man zählen will) Großmächten.

Und Staaten, die größtenteils keine modernen Demokratien mit Volksvertretern, Amtsenthebungsverfahren und freier Presse sind, sondern von traditionslistischen Old-Boy-Camarillas gesteuert werden, die nebenbei im eigenen Land einen harten Kampf gegen Abscheulichkeiten wie Sozialismus, Frauenwahlrecht, Volksbildung und andere Formen von Gleichstellung und sozialer Gerechtigkeit führen.



Für die Erschaffung von Edom passt das eigentlich sehr gut. In einem heutigen System wäre das wahrscheinlich eine reine Übung in Politik und Bürokratie (nicht ganz unspannend, aber vielleicht eher etwas für Hillfolk/Drama System). Aber damals muss man die richtigen Leute persönlich überzeugen (wenn man zur selben gesellschaftlchen Klasse gehört) oder korrumpieren (in jedem anderen Fall, Erpressung und Bestechung sind das Naheliegendste). Daraus lässt sich eine "Ermittlung" bauen: Zusammenhänge erkennen, Zielpersonen ausfindig machen, Gruppen infiltrieren, Gelegenheiten schaffen, Unterlagen entwenden oder austauschen, Leichen im Keller aufdecken - und die ganze Zeit kann eine Gegenseite das verhindern wollen. Klingt nach einer guten Operation.  8)

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