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Railroading-Debatte, war: Angst vor Railroading?

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Der Nârr:
Ich finde es echt schade. Jetzt werden wieder genau diese Ansichten verbreitet, dass es schon Railroading ist, wenn man auch nur daran denkt einen NPC etwas tun zu lassen was nicht vorher auf einer Zufallstabelle ausgewürfelt wurde. Dann liest man woanders, dass Railroading schlecht ist und schon hat man den Salat.

Hört doch mal auf, jede Form des Spielleitens, die nicht totale Zen-Spielleitung ist, gleich als Railroading zu bezeichnen.

Stellt euch vor, ich würde jede Form des Spielleitens, die nicht totales Railroading ist, gleich als Zen-Spielleitung bezeichnen.

Was man für Railroading hält, hat effektiv auch sehr viel mit eigener Erfahrung zu tun. Man muss es erlebt haben. Ich fand da diesen Absatz von Wellentänzer aus einem anderen Thread sehr schön, Hervorhebung von mir:


--- Zitat von: Wellentänzer am  4.04.2017 | 16:25 ---Ich hatte mich in der Vergangenheit bei sehr vielen Gelegenheiten schon mal darüber gewundert, was für traumatische Erfahrungen viele Rollenspieler offenbar mit autoritäten Railroadern in der Spielleitung gemacht haben müssen. Vielleicht bin ich damit sogar ein paar Leuten hier im Forum auf die Nerven gegangen (hi Boba, schöne Grüße, falls Du das hier liest!). Seit Samstag kann ich aber verstehen, warum so viele Leute so sensibel bei dem Thema sind. Ich hätte jedenfalls ein derartig beinhartes und vor allem hilfloses Railroading, wie es am Samstag durchgezogen wurde, von einem erfahrenen SL nicht erwartet - gepaart mit ebenso hartem Spieler-Kleinhalten und einer fast schon beängstigend autoritären Haltung. Die Runde war insofern natürlich total lehrreich, weil ich nun endlich ebenfalls beurteilen kann, was denn die Leute mit hartem Railroading meinen und wieso sie das scheiße bis traumatisierend finden. In Zukunft werde ich nicht mehr behaupten, ich würde railroaden. Die dramaturgisch motivierten Lenkungen, die ich sehr selten vornehme, spielen sich tatsächlich in vollkommen anderen Galaxien der Einflussnahme ab als am Samstag. Das wäre insofern irreführend.
--- Ende Zitat ---

Ich glaube gerade die mangelnde Erfahrung mit den extremen Formen des Railroadings kann dazu führen, dass man schon kleine Eingriffe als Railroading wahrnimmt. Das von Wellentänzer beschriebene RR habe ich über die Jahre bei verschiedenen SL erlebt, ich selbst habe genau so angefangen. Wenn ich meinen Spielstil von heute mit dem vergleiche von früher und mir jetzt jemand sagt, dass ich Railroading mache, dann käme ich mir echt beleidigt vor. Ich bezeichne daher gar nichts anderes als die extremen Formen des Railroadings überhaupt als Railroading. Weil Railroading für mich eben eine extreme Form des Spielleitens ist. Und darum sehe ich bei Edwins Post auch eben nicht, dass er Angst haben muss, weil in seinem Post nicht einmal auch nur *ansatzweise* Railroading (im Sinne einer extremen Form des Spielleitens) vorhanden ist.

Wenn man jetzt natürlich hergeht und sagt, alles was nicht super extrem freies sandboxiges Spielleiten ist Railroading, weil man da ja auch mal dramaturgisch nen Eingriff macht, vielleicht eine Begegnung mit einem NPC festlegt um mal was in Gang zu bringen etc., oder weil man sich auf das Spiel gar nur vorbereitet, da verwässert man das eben und dann ist Railroading nicht mehr nur eine extreme Form des Spielleitens, sondern man bezeichnet mit Railroading auf einmal einen Haufen Techniken die logisch schon vorkommen müssen, wenn der SL auch nur den Mund aufmacht.

Ich verstehe nicht, was der Nutzen davon ist, einfach jede Form des Spielleitens die nicht mega-extremes mystisch verklärtes Freeform-Sandboxing-Zen-Spielleiten ist als Railroading zu bezeichnen.

Pyromancer:
Konstruktives zum Thema Sandbox:
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,99289.0.html

An sonsten noch viel Spaß hier im Thread.  :gasmaskerly:

Rhylthar:
@ viral:
Um formal korrekt zu bleiben:
Nein, das sagte er nicht (nur). Nicht die halbe Aussage weglassen.

@ Narr:
Eben, dieses Zerpflücken und Verdammen jedweden Eingriffes in ein Abenteuer als Railroading sind wahrscheinlich genau das, was Edwin zu diesem Post verleitet hat.
Auf die Nuancen, vom Kiesowschen Diktat bis zu gelegentlichen Eingreifen des SL, wird kaum/gar nicht eingegangen und vor allem kommt hinzu, dass es immer/häufig nur von außen/oben herab betrachtet wird, selten auf die konkrete Spielgruppe bezogen.

Edit:
Das Sandbox eigentlich hier kaum was zu suchen hat als Begriff, wurde in den letzten Jahren schon mehrfach durchdiskutiert.

Viral:
@Rhylthar
der Vollständigkeit halber:

--- Zitat von: Settembrini am 13.05.2017 | 19:55 ---Spieler, die echtes RR in Ordnung finden, sind so ne Langweiler, dass es nicht auffällt, wenn sie nicht dabei sind. :q

Deutschland ist voll von Langweilern.

--- Ende Zitat ---

Ändert aber nichts an meiner Kritik, dass hier niemand persönlich angegriffen bzw. als Langweiler betitelt wurde (auch nicht du) ... sondern erst du das Ganze auf die persönliche Ebene gebracht hast ...

BTT:
Sandbox ist auch nur ein Werkzeug, das RR stark entgegenwirkt. Ist aber kein Allheilmittel und sorgt noch lange nicht dafür, dass ein Gutes Spiel TM dabei rauskommt, was auch immer jemand unter einem "Guten Spiel" verstehen mag.

Man kann auch gut ausformulierte NSCs nutzen (mit Werten und Interessen/Zielen), entsprechende Beziehungen im Szenario zwischen NSCs/Ressourcen definieren und darüber das Szenario modellieren. Ist ein wenig wie UML-Diagramm malen ... Aus dem Konflikt zwischen den NSC. Natürlich lässt sich bei der Methode wieder leicher RR.

Effektiv sollte man als SL seinen eigenen (geilen) Plot nicht über die Handlungen der Spieler stellen ... z. B. der NSC kann jetzt nicht sterben, weil der ist später noch wichtig. Oder ein defintiv besiegter Gegner steht den Spielercharakteren plötzlich wieder gegenüber ... sowas langweilt mich einfach und dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Alleine schon, wenn man sich selbst kritisch hinterfrägt, ob man jetzt nicht gerailroaded hat, macht man schon einiges, um RR zu verhindern. Und als Guter SL TM wird man auch nicht geboren (was auch immer ein "Guter SL" ist), da gehört auch viel Übung dazu - ähnlich wie beim Vorträge halten oder Klavierspielen.

Problematisch ist es, wenn man der Auffassung ist, dass man einfach genial gut ist und sich nicht mehr weiterentwickeln/verbessern will oder braucht.

Pyromancer:
Der Knackpunkt ist nicht das WAS, also der fiktionale Inhalt.
Der Knackpunkt ist das WARUM, die Motivation der Spielteilnehmer, und damit letztlich die Frage, was für ein Spiel gespielt wird.

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