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Railroading-Debatte, war: Angst vor Railroading?
Namo:
--- Zitat von: Greifenklause am 13.07.2017 | 07:45 ---Das Wichtigste für den SL ist eh "Nachkorrektur". Das hilft zwar im laufenden oder gar gelaufenen Abenteuer nichts mehr.
Aber für das nächste ist das Gold wert, wenn man Dinge, die im letzten Abenteuer nicht funktioniert haben, ändert oder sein lässt.
Das kann durchaus ein Hinundher sein, bis man sich irgendwo eingependelt hat.
-- Die Spieler wissen nicht weiter, ZACK liefer ihnen Informationen, setz sie notfalls auf die Schiene.
-- Die Spieler beschweren sich, dass ihnen alles vorgekaut wird, zack nächstesmal in kleineren Dosen und weniger Schiene
Mein Standarddesign von Abenteuern liefert einen anfänglichen Hauptbahnhof ("Ihr seid hier in der Hafenstadt Salza, weil Geschichteerzähl"), der sich in einem Sandkasten befindet ("Wo wollt ihr hin?").
Am Ende des Sandkastens ist Rom vage bis gut zu erkennen ("Ihr solltet die Zombieverschwörung aufdecken. Zombies sind böse. Irgendwie steckt der Stadtrat dahinter. Und die einfache Bevölkerung zahlt am meisten Blutzoll")
Im Sandkasten befinden sich kleine Bahnhöfe, die Schienen zu anderen kleinen Bahnhöfen haben ("Der eitle Geck, offensichtlich ein Spion aus dem Süden und in den magischen Künsten nicht unbewandert, bittet euch um Details. Im Austausch bietet er euch Spezialwissen" ODER "Schlachter Bluthorst bittet euch um Hilfe, sein Schlachthaus zurück zu gewinnen. Angeblich sei sein Vater, lebend oder untot, gesichtet worden, was nicht sein kann, den hat er einst verwurstet." FÜHRT ZU -> "Im Umfeld des Schlachthauses findet ihr erstaunliche Infos zu der Zombieverschwörung. Ihr habt die Wahl zwischen: BANDENKRIEG (und in den Scherben nach Spuren suchen), BANDENVERBRÜDERUNG (in drei verschiedenen Varianten; anspruchsvoll, aber mehr Infos) und alternativ DAS ALTE SPUKHAUS (gefährlich, aber unabhängig vom Bandenplot)"
Sobald die Gruppe ins Straucheln kommt, setze ich Schienen und/oder Hinweisschilder.
Ist die Gruppe in der Selbstbespaßung, nehme ich die Inspiration auf und versuche, daraus neue Sandkästen, Bahnhöfe und Miniplots zu entwickeln, die man dann nutzen kann oder halt eben nicht.
--- Ende Zitat ---
Das gute alte Thema Railroading. Ich bin ja etwas aus der Zeit gefallen und arbeite Themen nach, die ich mangels Abwesenheit vom Hobby nicht mitbekommen habe. Bin eher zufällig auf den Thread gestoßen - fand die Beschreibung oben aber toll. Eigentlich entspricht das auch meinen Überlegungen.
Allerdings: Ich hab bei unserer letzten Runde wiedermal festgestellt bzw. die Vermutung bekommen, dass das nicht das ist, was meine Spieler mögen. Wir hatten genauso eine Situation wie die zitierte Ausgangsbasis. Ankunft im neuen Hauptbahnhof (=zu erkundende Stadt mit besonderer Situation). Ich hatte die Wesen der Stadt, besondere Ortschaften und NSC bzw. Bewohner ausgearbeitet. Je nachdem was die Spieler in Erfahrung bringen möchten und wie sie sich der Situation hingeben wollen. Vielleicht möchten sie die Stadt ja auch richtig erforschen mit allen Möglichkeiten die sie haben? Allerdings habe ich zur "Sicherheit" auch eine gedankliche "Stadtbahn" eingebaut. Also die Möglichkeit einem linearen Strang zu folgen.
Und wie wir es schonmal vor einem Jahr hatten, hatte ich das Gefühl, dass die Spieler eher dankbar für das Finden dieses linearen Strangs waren. Davor irrten sie eher ziellos durch die Situation und Umgebung. Als sie einen "Wegweiser" gefunden hatten, durch den sie sogar einen Stadtplan erhielten, und dieser ihnen noch eine Ortschaft nannte, an der sie vielleicht die benötigten Informationen bekamen, war alles andere egal. Da wäre ja durchaus mal die Möglichkeit da gewesen noch mehr über die Stadt erfahren zu wollen oder andere eingezeichnete Ortschaften. Fand ich etwas komisch und für mich auch wiedermal das Gefühl - viel zu viel Hintergrund und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet zu haben. Etwa ähnliches hatte ich ja erlebt, als ich mal einen Hexcrawl designt hatte. Zunächst Reinfall. Als ich diesem aber eine durchgängige Handlung verpasste kam Stimmung auf. Der Hintergrund der Region konnte bestehen bleiben und genutzt werden - wäre in der Tiefe aber überhaupt nicht notwendig gewesen.
Also mögen scheinbar einige Spielgruppen die absolute Freiheit überhaupt nicht wirklich. Ich frage mich nun aber auch eher, ob viele Spieler vielleicht den Gedanken an eine Sandbox mögen "wir spielen frei und kreativ in einer Sandbox" - aber dann im Endeffekt aber lieber vor einer Sandboxtapete ein lineares Abenteuer spielen wollen. "Wir könnten wenn wir wollten! Aber lieber folgen wir einer chronologischen Handlungsabfolge!"
Maarzan:
--- Zitat von: Namo am 20.12.2025 | 09:42 ---Das gute alte Thema Railroading. Ich bin ja etwas aus der Zeit gefallen und arbeite Themen nach, die ich mangels Abwesenheit vom Hobby nicht mitbekommen habe. Bin eher zufällig auf den Thread gestoßen - fand die Beschreibung oben aber toll. Eigentlich entspricht das auch meinen Überlegungen.
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Also mögen scheinbar einige Spielgruppen die absolute Freiheit überhaupt nicht wirklich. Ich frage mich nun aber auch eher, ob viele Spieler vielleicht den Gedanken an eine Sandbox mögen "wir spielen frei und kreativ in einer Sandbox" - aber dann im Endeffekt aber lieber vor einer Sandboxtapete ein lineares Abenteuer spielen wollen. "Wir könnten wenn wir wollten! Aber lieber folgen wir einer chronologischen Handlungsabfolge!"
--- Ende Zitat ---
Wenn die Spieler tatsächlich einen vorstrukturierten Abenteuerpfad haben wollen ist es kein railroading sondern was anderes, dessen konkreter Begriff mir gerade nicht einfällt (trailblazing ggf?) und dann ein völlig legitimer Spielstil.
Das railroading bezieht sich genau auf die unangemessene Einschränkung der Spieleraktivitäten und ist deshalb generell negativ belegt.
Wobei es zu einer guten Sandbox neben der Freiheit halt auch noch ein paar weitere Zutaten braucht, damit das gut wird.
ghoul:
--- Zitat von: Maarzan am 20.12.2025 | 09:55 ---Wobei es zu einer guten Sandbox neben der Freiheit halt auch noch ein paar weitere Zutaten braucht, damit das gut wird.
--- Ende Zitat ---
Allerdings.
Einfach Freiheit, aber in langweilig, bringt ja auch nichts.
Die Spieler müssen Ziele haben oder sich Ziele setzen können. Es muss Angebote an Plotfäden geben.
Boba Fett:
--- Zitat von: ghoul am 20.12.2025 | 10:11 ---Einfach Freiheit, aber in langweilig, bringt ja auch nichts.
Die Spieler müssen Ziele haben oder sich Ziele setzen können. Es muss Angebote an Plotfäden geben.
--- Ende Zitat ---
Ich stimme zu.
Ich nenne das "uninspiriert sein". Und gemeint sind die Spieler.
Und der Spielleitung (also diejenigen, die die Sandbox kennen) dürfen nicht überinspiriert sein - also meinen, dass sie wüssten, was "das beste" ist. Weil dann entwickelt es sich zur "Einschienenbahn".
Aber wenn es Angebote und vor allem Wahlmöglichkeiten gibt, die die Leute inspirieren und dahin bewegen, dass sie bestimmte Inhalte bespielen wollen, dann läuft es gut...
Tudor the Traveller:
Kausalketten, denen man folgt, sind doch kein Railroading, sondern einfach normale Abfolge einer Entwicklung. Damit B passieren kann, muss vorher A passiert sein.
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