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Was gehört alles in ein gutes Sword&Sorcery-Setting?
Moonmoth:
--- Zitat von: Crimson King am 10.10.2017 | 15:43 ---Mit den beiden Gegenpolen des Genres Conan und Elric deckst du doch schon eine Unmenge völlig unterschiedlicher Themen ab. Darüber hinaus solltest du glaube ich nicht mehr so furchtbar viel erwarten.
--- Ende Zitat ---
Da will ich doch mal respektvoll ein „that‘s just like, your opinion, man!“ heraus stottern und kurz reagieren, ohne eine große „mein Genre ist besser als deins!“ Diskussion zu starten.
Du bringst da Conan und Elric, der ursprünglich als Anti-Conan konzipiert wurde - mit stark parodistischen Zügen, übrigens: Conan ist selbst ohne sein Schwert ein gefährlicher Gegner, Elric braucht seines irgendwann, um nicht von Medikamenten abhängig zu sein. Conan hat schwarze Haare, Elric ist ein Albino… und so weiter, und so weiter. Diese Elemente kann man gerade in den ersten Büchern noch ganz deutlich finden, trotz aller Tragik. Wenn du bei diesen beiden bleibst, ist das Bild des Genres tatsächlich bei aller Qualität der beiden „Sagas“ ziemlich limitiert. (Wie andere schon sagten, ist die „Brit-Fantasy“ von Moorcock stark an Elementen der S&S orientiert, aber… das ist schon ein eigenes Ding.)
Es gibt meiner Ansicht kein Fantasy-Subgenre, dass sich so zentral mit der Persönlichkeit der Helden beschäftigt wie die S&S und da ist noch viel, viel interessanter Stoff unterwegs. Fahrd und der Mausling sind ziemlich ausdiffenzierte und tatsächlich sehr liebenswerte Charaktere, trotz ihrer massiven persönlichen Fehler. Denken wir an Kane, den Verfluchten - eigentlich immer der Schurke seiner eigenen Geschichten, der am Ende meist an seinem eigenen merkwürdigen Moralkodex scheitert. Jirel von Joiry, eine ganz eigene Frauengestalt. Croaker (ein Arzt!) oder die Lady aus den Chroniken der Black Company. Natürlich sind die Figuren überlebensgroß, aber das macht sie nicht weniger interessant oder komplex.
Man gerät in der S&S tatsächlich schnell an das „Schwerter, Muskeln und BHs aus Ketten“- Klischee und die vielen Abziehbilder des in seinen besten Geschichten durchaus interessanten Conan und das wird zumindest mir schnell langweilig.
S&S muss übrigens auch überhaupt nicht grimdark sein, wenn ich schon mal dabei bin.
Crimson King:
--- Zitat von: Moonmoth am 10.10.2017 | 18:24 ---Da will ich doch mal respektvoll ein „that‘s just like, your opinion, man!“ heraus stottern und kurz reagieren, ohne eine große „mein Genre ist besser als deins!“ Diskussion zu starten.
Du bringst da Conan und Elric, der ursprünglich als Anti-Conan konzipiert wurde - mit stark parodistischen Zügen, übrigens: Conan ist selbst ohne sein Schwert ein gefährlicher Gegner, Elric braucht seines irgendwann, um nicht von Medikamenten abhängig zu sein. Conan hat schwarze Haare, Elric ist ein Albino… und so weiter, und so weiter. Diese Elemente kann man gerade in den ersten Büchern noch ganz deutlich finden, trotz aller Tragik. Wenn du bei diesen beiden bleibst, ist das Bild des Genres tatsächlich bei aller Qualität der beiden „Sagas“ ziemlich limitiert. (Wie andere schon sagten, ist die „Brit-Fantasy“ von Moorcock stark an Elementen der S&S orientiert, aber… das ist schon ein eigenes Ding.)
Es gibt meiner Ansicht kein Fantasy-Subgenre, dass sich so zentral mit der Persönlichkeit der Helden beschäftigt wie die S&S und da ist noch viel, viel interessanter Stoff unterwegs. Fahrd und der Mausling sind ziemlich ausdiffenzierte und tatsächlich sehr liebenswerte Charaktere, trotz ihrer massiven persönlichen Fehler. Denken wir an Kane, den Verfluchten - eigentlich immer der Schurke seiner eigenen Geschichten, der am Ende meist an seinem eigenen merkwürdigen Moralkodex scheitert. Jirel von Joiry, eine ganz eigene Frauengestalt. Croaker (ein Arzt!) oder die Lady aus den Chroniken der Black Company. Natürlich sind die Figuren überlebensgroß, aber das macht sie nicht weniger interessant oder komplex.
Man gerät in der S&S tatsächlich schnell an das „Schwerter, Muskeln und BHs aus Ketten“- Klischee und die vielen Abziehbilder des in seinen besten Geschichten durchaus interessanten Conan und das wird zumindest mir schnell langweilig.
S&S muss übrigens auch überhaupt nicht grimdark sein, wenn ich schon mal dabei bin.
--- Ende Zitat ---
Worum ging's dir jetzt? Schwanzvergleich? Meinetwegen ist deiner länger als meiner. Mit Blick auf die Threadfrage ist aber erkennbar, dass zwischen Conan und Elric Welten (literally) liegen, dass also Sword and Sorcery in Bezug auf die Tapeten im Hintergrund nur schwer einzuschränken und jenseits der Grenzen, die Conan, der sich immer in einem örtlich wie zeitlich begrenzen Rahmen bewegt und in einer durch Klischees definierten Welt lokalen, privaten Problemen entgegen tritt, und Elric, der Teil eines kosmischen Krieges ist, der Welten und Zeiten überspannt, sich in einem Multiversum bewegt, das Raum für auch die abgedrehteste Idee lässt, nicht mehr viel zu erwarten ist.
nobody@home:
Generell würde ich sagen, der Unterschied zwischen Sword & Sorcery und "Standard"-Tabletopfantasy ist so groß einfach nicht und die Übergänge entsprechend fließend. Das liegt einfach daran, daß erstere letztere schon seit den Uraltversionen von D&D tatkräftig mit beeinflußt hat.
Der Unterschied zwischen Sword & Sorcery und speziell der "epischen High Fantasy" andererseits liegt dagegen mMn mindestens teilweise im Format: der High Fantasy-Erzähler hat eine große zusammenhängende Geschichte, die er ans Publikum bringen will, während Sword & Sorcery (zum Teil einfach dem ollen Pulpmagazinformat geschuldet) mehr episodenhaft daherkommt und eher locker verbundene Einzelabenteuer des- oder derselben wiederkehrenden Protagonisten abhandelt. Oder um's mit der klassischen Mythologie zu sagen: die Argonautensage ist High Fantasy, die Geschichten um Herakles eher S&S. :)
Was sagt mir das fürs konkrete Setting? Eigentlich nur, daß ich eine Welt brauche, in der einigermaßen klar als solche erkennbare "Abenteurer" an möglichst oft exotischen Schauplätzen eben diverse Abenteuer erleben (und hoffentlich überleben >;D) können, ohne daß ihnen dabei ein kleinteiliger Settingkanon, superwichtiger Metaplot oder ähnliches nur im Weg herumstehen und den Spaß verderben. Diese Welt muß nicht mal unbedingt mehr als nur oberflächlichen Sinn ergeben (Conans Hintergrund beispielsweise ist ja weitestgehend auch nur einfach aus diversen aus unserer eigenen Realität geklauten Klischees plus einem gelegentlichen Schuß schwarzer Magie zusammengestoppelt), Hauptsache, sie bietet ausreichend Unterhaltungsmöglichkeiten.
In diesem Sinne könnte man die Frage eigentlich auch andersherum stellen: was gibt's eigentlich überhaupt so an brauchbaren ausgesprochenen "High Fantasy"-Rollenspielen? Die S&S ist ja anscheinend schon gut bedient... ;)
D. M_Athair:
--- Zitat von: Der Narr am 9.10.2017 | 22:51 ---Nichtmenschen sind fast nie edler als der Mensch, in der Sword & Sorcery ist eigentlich immer der Mensch der Zenit der Schöpfung, alles Verdorbene kommt von Außerhalb und aus vergangenen Zeiten - oder aus Verrat, weil man den Versuchungen erlegen ist. Der Mensch in der Sword & Sorcery wird ständig von Versuchungen bedroht. Und er ist empfänglich für solche Versuchungen, darum gibt es ja die bösen Hexer.
--- Ende Zitat ---
Naja. Die Zivilisation ist so gut wie immer eine Brutstätte des Unheils. Das liegt an "zivilisatorischen Errungenschaften", Normen, etc. ... sie machen das Individuum schwach, krank, verdreht. Aus dem Grund sind die "Helden" der Geschichten auch Außenzeiter Außenseiter. Auf Elric trifft sogar beides zu. Teilweise kommen tribes besser weg, da sich in ihnen weniger zivilisatorische Korruption bilden konnte.
Andererseits können die auch komplett als "schändliche Wilde" oder "bösartige Kultisten" auftauchen. Wobei das Fremdheitsmotiv da auch eine Rolle spielt.
@ Rassismus/Sexismus: In der Sword & Sorcery würde ich "rassische" und geschlechtsspezifische Unterschiede nicht per se eliminieren. Ich würde allerdings darauf achten im "Metasetting" keine Hierarchisierung und Wertungungen vorzunehmen. Man kann dann die "Angst vor dem Fremden" thematisieren oder den "Primat der kognitiven Intelligenz" verschrotten.
Lord Verminaard:
Rassismus und Sexismus in S&S ist doch historisch bedingt, das ist doch kein definierendes Element und sicherlich spannend, das Genre ohne zu denken.
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