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Gibt es für euch rationale Regelwerks-Abtörner?

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Eulenspiegel:
@Ucalegon
Wieso sind das zweifelhafte Zwecke? Was sind für dich weniger zweifelhafte Zwecke?

Ucalegon:

--- Zitat von: Eulenspiegel am 17.12.2017 | 13:57 ---@Ucalegon
Wieso sind das zweifelhafte Zwecke? Was sind für dich weniger zweifelhafte Zwecke?

--- Ende Zitat ---

Herausforderung finde ich zweifelhaft, weil die SL in den meisten Systemen ja gerade als das Gegenteil umgesetzt ist, d.h. Urteile frei und nicht auf der Grundlage fester Spielregeln fällen soll. Herausforderungsorientiert sind vielleicht am ehesten noch alte Turniermodule, nur nicht wegen, sondern trotz der SL.

"Immersion" spielt für mich in einer Rollenspielrunde an einem Spieltisch mit abstrakten Regeln schlicht keine Rolle. Das gibt es nicht und schon gar nicht ist es dafür nötig, dass die Spielerinnen ausschließlich ihre Figuren steuern und eine SL alles andere macht. Die Welten und Figuren, die Geschichte, müssen sich authentisch anfühlen und das werden sie in einem guten Rollenspiel auch, sei es mit oder ohne SL.

Ob das, was am Spieltisch passiert, die Geschichte, die wir erspielen, packend, originell und gut ist, hängt normalerweise davon ab, wie gut das Regelwerk gemacht ist, dass wir verwenden, sei es mit oder ohne SL. Die Annahme, man bräuchte für eine gute Geschichte die lenkende oder moderierende Hand einer SL geht also fehl.

Die drei genannten Zwecke sind folglich keine, zu denen ich ein System mit SL schreiben oder wählen würde. Es mag gute Gründe geben, das zu tun, diese sind es nicht.

alexandro:
- zu geringe Varianz der möglichen Ergebnisse (Stickworte: "Glockenkurve", Wn+Bonus im Bereich [1;2;3;...;n] ): realistisch wird das Spiel (wie man am Beispiel GURPS sehen kann) dadurch ohnehin nicht, alles was es macht ist eine Schein-Beschränkung aufzubauen, die Spielern und SL suggeriert sie müssten Würfelergebnisse nicht mehr interpretieren, sondern würden durch diese immer nachvollziehbare Ergebnisse bekommen. Nebenbei wird die Abwechslung in der Spielsitzung reduziert, was bei Runden die ohnehin selten spielen (und auch nicht 1000mal pro Spielsitzung würfeln) zu recht langweiligen Kampagnen führt.
- Systeme mit detaillierten Würfelprozeduren, welche dann noch Schicksalspunkte einführen (DSA5, Splittermond)
-Settings die im wesentlichen irdische Geographie haben (Norden kalt/Süden heiß), ohne dass es einen Grund dafür gibt
-Systeme mit automatischer Fehlschlagschance (unabhängig von Charakterkompetenz) >5%
-Systeme, die ihre vorgebliche Aussage durch ungünstig gewählten Fokus aushöhlen (Dog eat Dog, The Shadow of Yesterday, Vampire:the Masquerade, Changeling: the Dreaming/the Lost)

Caranthir:
Das Charakterblatt - hatte ich jetzt schon öfters mal, dass mich ein Regelwerk zwar interessiert, aber dann durch ein zu aufgeblasenes und schlecht strukturiertes Charakterblatt voll abgeturnt hat.

Eulenspiegel:

--- Zitat von: Ucalegon am 17.12.2017 | 17:14 ---Herausforderung finde ich zweifelhaft, weil die SL in den meisten Systemen ja gerade als das Gegenteil umgesetzt ist, d.h. Urteile frei und nicht auf der Grundlage fester Spielregeln fällen soll. Herausforderungsorientiert sind vielleicht am ehesten noch alte Turniermodule, nur nicht wegen, sondern trotz der SL.
--- Ende Zitat ---
Hier kritisierst du aber nicht den Zweck, sondern die Umsetzung des Zweckes.

Es gibt einen Unterschied zwischen:
- Der Zweck ist zweifelhaft.
- Der Zweck ist sinnvoll, aber die Umsetzung ist schlecht.


--- Zitat ---"Immersion" spielt für mich in einer Rollenspielrunde an einem Spieltisch mit abstrakten Regeln schlicht keine Rolle. Das gibt es nicht und schon gar nicht ist es dafür nötig, dass die Spielerinnen ausschließlich ihre Figuren steuern und eine SL alles andere macht. Die Welten und Figuren, die Geschichte, müssen sich authentisch anfühlen und das werden sie in einem guten Rollenspiel auch, sei es mit oder ohne SL.
--- Ende Zitat ---
Das klingt für mich nach:
Fortbewegung spielt für mich bei Auto fahren schlich keine Rolle. Fortbewegung ist ein zweifelhafter Zweck, weil ich das ohne Auto ebenfalls schaffe: Zu Fuß oder mit Fahrrad.

Ja, Fortbewegung ist auch ohne Auto möglich. Das macht aber den Zweck des Autos als Fortbewegungsmittel nicht zweifelhaft.
Genau so ist Immersion ohne SL evtl. möglich. (Bezweifel ich zwar, aber gehen wir mal davon aus, du hättest Recht.) Aber nur, weil Immersion ohne SL möglich ist, ist der Zweck des SLs als Immersionshilfe nicht zweifelhaft.


--- Zitat ---Ob das, was am Spieltisch passiert, die Geschichte, die wir erspielen, packend, originell und gut ist, hängt normalerweise davon ab, wie gut das Regelwerk gemacht ist, dass wir verwenden, sei es mit oder ohne SL. Die Annahme, man bräuchte für eine gute Geschichte die lenkende oder moderierende Hand einer SL geht also fehl.
--- Ende Zitat ---
Natürlich hängt eine packende Geschichte auch vom Regelwerk ab. Niemand behauptet, dass der SL der einzige Einflussfaktor ist.
Und natürlich kannst du auch ohne SL eine packende Geschichte erzählen. Aber wenn du einen SL hast, kann dieser helfen, die Geschichte vorwärts zu bringen bzw. eine Geschichte zu vermitteln.

Das ist ähnlich wie bei einem Buch: Der Zweck eines Autoren ist es, dass er eine gute Geschichte liefert. Daran ändert auch nichts, dass wir auf den Autoren verzichten könnten und die Leser sich die Geschichten selber ausdenken. Kommt im Bereich Fanfiction auch häufig vor.

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