Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Martial Arts, die sich unterschiedlich anfühlen
trendyhanky:
--- Zitat ---Der Balanceakt zwischen handgewedelter Oberflächlichkeit auf der einen Seite und Schneckentempo bei der regeltechnischen oder sonstwie "mechanischen" Abwicklung auf der anderen ist nun mal kein ganz trivialer.
--- Ende Zitat ---
Deshalb war Fate bei uns ne Offenbarung
Bzgl Martial Arts, wir hatten so einen Exalted/Wuxia-Selfmade-Crossover gezockt:
Statt Unterschiede zu machen zwischen Bewaffnet/Unbewaffnet haben alle die Fertigkeit "Kämpfen"
Egal ob das jetzt Waffenkampf mit Klinge is oder Fantasy-Kung Fu
Im vorigen Spiel sah der Spieler immer bescheiden aus, weil er ohne Rüstung und nur mit seinem Körper prinzipiell schlechter dastand als seine Gefährten in Platte und fetter Waffe
Bei Fate ist es egal ob ich mit "Kämpfen" mit der Klinge zuballer oder halt mit Kicks und Punches den Gegner weghämmer. Nur eine Frage der Beschreibung
Hat für alle Beteiligten Kämpfe spannender gemacht und alle konnten was spielen, was sie grundsätzlich gerne spielen wollten, was aber von Systemseite eher suboptimal is (weil "realistischer")
Solche Vereinfachungen wirken zwar auf den ersten Blick kontraproduktiv ("wie, alle haben dieselbe Fertigkeit? Wo isn da die Diversität?"), am Spieltisch aber genau das Gegenteil
Wofür man bei anderen Systemen zig Feats brauch oder Meisterschaften (SpliMo) kann der Spieler einfach frei Schnauze beschreiben
Und es ist...schnell ^^
Runenstahl:
--- Zitat von: Pyromancer am 17.01.2018 | 18:26 ---Ich rate von Feng Shui 1 generell ab. Nicht weil es schlecht ist - ich hab das damals lange und gerne geleitet - sondern weil Feng Shui 2 so viel besser ist.
--- Ende Zitat ---
Da bin ich voll bei dir. Aber als Inspiration für ein System mit unterschiedlichen Fu-Kräften ist 1 mMn dennoch ein besserer Steinbruch als der 2. Teil.
Eulenspiegel:
--- Zitat von: hanky-panky am 17.01.2018 | 19:23 ---Wofür man bei anderen Systemen zig Feats brauch oder Meisterschaften (SpliMo) kann der Spieler einfach frei Schnauze beschreiben
--- Ende Zitat ---
Gerade dadurch fühlt es sich aber beliebig an.
Ob ich nun sage "Ich zerhacke ihn mit meiner Axt!" oder "Ich trete ihm mit einem Roundhouse-Kick!", wo ist da der Unterschied? Unterschiedliche Beschreibung, aber es fühlt sich nicht unterschiedlich an, weil es letztendlich das gleiche ist.
Oberflächlich mag das die Diversität fördern: Der eine greift mit der Axt an, der andere tritt mit seinem Fuß. Wenn man jedoch genauer hinschaut, ist das nur scheinbare Diversität, weil das, was oberflächlich divers ist, sich bei näherer Betrachtung nicht unterscheidet.
Ich hatte mal auf einer Con einen Oneshot gespielt, wo der SL Kampflehrer war und als Haussystem ein RPG mit unterschiedlichen Kampftechniken geschrieben hatte. Als vorgefertigte Charaktere gab es einen Judoka, einen Karate-Kämpfer, einen Sumu-Ringer und einen Kendo-Krieger. Und die Charaktere haben sich auch tatsächlich unterschiedlich angefühlt.
Es war nicht nur:
- Judoka: "Ich mache einen Wurf und anschließend einen Griff."
- Karate-Kämpfer: "Ich mache einen Tritt."
Sondern es hat sich durch die Regeln auch tatsächlich unterschiedlich angefühlt. Der Judoka hatte ganz andere Möglichkeiten und Effekte als der Karate-Kämpfer. (Keiner von beiden war besser oder schlechter. Aber sie waren dennoch anders.)
SeldomFound:
Mir sind bislang Martial Arts in RPG in folgenden Formen vorgekommen:
1. Unknown Armies: Keine Betonung von unterschiedlichen Mechanismen, die Kampfsport/Kampfkunst wird als ein Skill definiert, auf dem gewürfelt werden kann. So weit ich weiß, gibt es dabei keine spezifischen Sonderregeln.
2. DSA 4.1: Kampfkünste sind hier ein Paket von auch einzelnd erwerbbaren Sonderfertigkeiten, welche die Regeln im Kampf verändern. Zusätzlich geben die Kampfkünsten auch einen Bonus auf Raufen und/oder Ringen und einen zusätzlichen Effekt wie zum Beispiel, dass man mit dem Kampfstil "Hammerschlag" Gegenstände mit bloßer Faust zerschlagen darf.
3. Splittermond: Die Kampfkünste im Zhoujiang-Band entstehen durch eine Kombination von bestimmten Meisterschaften und Magieschulen. Dabei gibt es zwei Achsen, mit denen man Kampfkünste einordnen kann, Gebend und Empfangend, weich und hart. Regeltechnisch scheinen diese Achsen sich in Meisterschaften niederzuschlagen, wobei es bislang aber nur Meisterschaften für den "weichen" und "harten" Aspekt der Kampfstile gibt
Beispielsweise wird bei "Der Sprung der Fangschrecke" angegeben, dass...
- dies ein empfangender und harter Kampfstil ist
- hier mit Handgemenge, Sicheln und anderen handliche Waffen trainiert wird, häufig auch in Paaren.
- in einer defensiven Grundhaltung der Gegner zuerst mit Kampfmanöver sowie Bann- und Beherrschungsmagie geschwächt wird, bevor man über ihn herfällt.
Regeltechnisch kann nun der Spieler, der den Fangschreckenstil benutzen will, sich nun seinen Charakter mit entsprechenden Meisterschaften und Magieschulen zusammenbauen. Zum Beispiel:
--- Zitat ---HG 1:
Handgemenge 6: Umreißen, harter Kampfstil, (Block)
Bannmagie 6: Grad 0: Zauberer behindern; Grad 1: Magie erschöpfen; Grad 2: Schutz aufheben
Beherrschungsmagie 6: Grad 0: Einstellung verbessern; Grad 1: Furcht; Grad 2: Schlaf
HG 2:
Handgemenge 9: I: Umreißen, harter Kampfstil, Kampf mit zwei Waffen II: Beidhändige Abwehr, beidhändiger Angriff
Bannmagie 9: Grad 0: Zauberer behindern; Grad 1: Magie erschöpfen; Grad 2: Schutz aufheben; Grad 3: Zauber unterdrücken
Beherrschungsmagie 9: Grad 0: Einstellung verbessern; Grad 1: Furcht; Grad 2: Schlaf; Grad 3: Lähmung
--- Ende Zitat ---
Ergo, es gibt in Splittermond keinen Nischenschutz der verschiedenen Kampfstile in dem Sinne, dass man zum Beispiel nur mit Karateschlägen (TM) Holzbretter zerstören kann.
4. Anima - Beyond Fantasy: Hier gibt es eine reiche Auswahl an waffenlosen Kampfkünsten, die man mit Development Points erwerben kann. Kampfkünste geben alle ihren eigenen Bonus, zum Beispiel:
- Aikido: Grundschaden 10 + Stärke Bonus; Doppelter Stärke-Bonus des Gegners auf den Schaden bei Konterattacken, kein Abzug auf das "Trapping"-Manöver bei Konterattacke, +10 auf Ausweichen oder Blocken (Unbewaffnet)
- Kempo: Grundschaden 20 + Stärke-Bonus; Zusätzlicher Angriff ist nur um 10 Punkte, nicht um 25 Punkte erschwert
- Muay Thai: Grundschaden 20 + 3*Stärke-Bonus
- Shotokan (Karate): Grundschaden 30 + Stärke-Bonus, +10 auf Attacke (Unbewaffnet)
- Seraphite (Erfundene Dämonenjäger-Kampfkunst, Fortführung von Shotokan oder Kempo): + 10 Schaden auf den grundlegenden Kampfstil (Shotokan oder Kempo); +20 Attacke (Unbewaffnet); kann Attacke zusätzlich um 20 Punkte verbessern, nimmt dafür aber einen Abzug von 30 Punkten auf Verteidigung,
Selganor [n/a]:
--- Zitat von: Eulenspiegel am 17.01.2018 | 22:39 ---Ich hatte mal auf einer Con einen Oneshot gespielt, wo der SL Kampflehrer war und als Haussystem ein RPG mit unterschiedlichen Kampftechniken geschrieben hatte. Als vorgefertigte Charaktere gab es einen Judoka, einen Karate-Kämpfer, einen Sumu-Ringer und einen Kendo-Krieger. Und die Charaktere haben sich auch tatsächlich unterschiedlich angefühlt.
Es war nicht nur:
- Judoka: "Ich mache einen Wurf und anschließend einen Griff."
- Karate-Kämpfer: "Ich mache einen Tritt."
Sondern es hat sich durch die Regeln auch tatsächlich unterschiedlich angefühlt. Der Judoka hatte ganz andere Möglichkeiten und Effekte als der Karate-Kämpfer. (Keiner von beiden war besser oder schlechter. Aber sie waren dennoch anders.)
--- Ende Zitat ---
Wie aufwaendig waren die Modifikatoren die diese Manoever anstelle eines "normalen" Angriffs hatten?
Ich hab' eben mit einem Google-Fu uebrigens ein Review auf RPG-Net (inklusive noch funktionierendem Download) von "Final Stand" gefunden.
23 Seiten mit supergrottigem Layout aber mit 1-2 guten selbstgemachten Cheat-Sheets evtl. doch zu gebrauchen sein koennte.
In Action habe ich es aber noch nicht gesehen.
Wenn Interesse besteht kann ich mir ja auch nochmal die "Kampfsportler" in Witchcraft (oder "Enter the Zombie" in AFMBE) anschauen, die neben dem Chi-Kram ja auch noch "normale" Kampfmanoever hatten und Unisystem war mir nicht als allzu komplex in Erinnerung
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