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[Eigenes Setting]Für und wider

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Noir:
Oh, ich wollte dich nicht angreifen. Das war tatsächlich eine ernstgemeinte interessierte Frage.

Ich kann deine Argumentation nachvollziehen - und genau hier hätte meine zweite Frage ansetzen sollen: Was genau müsste ein "Selbstmacher" mitbringen, um dich zu überzeugen? Und was macht für dich Tiefe und Breite aus? Was davon merkt man überhaupt während des Spiels?

Anro:
Ich habe und bespiele seit einiger Zeit eine selbst erstellte Welt.
Ich wollte die Magie (und ein paar Dinge) anders haben.
(Keine Meta-Rassen, keine untergegangene Kultur, der man hinterherjagt, sehr unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen.)

Ich habe viele Probleme damit.

Es reicht locker zum Spielen und die unterschiedlichen Regionen fühlen sich alle großteils solide an.

Dennoch kommt es mir oft so vor, dass ich keine Ahnung von Allem habe.
Kleinigkeiten, die ich wahrscheinlich in festen Settings auch nicht hätte, sowas wie "gibt es hier eher Ziegen- oder Schafsragout?
Wie sind die gängigen Lieder?
Was sind alchemistischen Zutaten, die man in der Region finden kann.
Wie offen, höflich, zuvorkommend, sind die einfachen Menschen in DIESER Region?

Im Sumpfgebiet war es einfacher, da gab es Aal; die Musik war etwas "Banjo und Didgeridoo"artig geprägt, da ist die Stimmung recht klar und gut.
Ein Regionalband gibt einem da Sicherheit.

Wie häufig ich Handwedelentscheidungen getroffen habe, die ich nicht gut aufschrieb und beim nächsten Mal nicht mehr wirklich im Kopf hatte...

Wenn man gut darin ist, seine Entscheidungen aufzuschreiben oder direkt zu merken - dann ist das vielleicht eine andere Sache, aber diese Erfahrung habe ich nicht.
Ich werde wohl mal meine Spieler fragen, ob Sie die unterschiedlichen Regionen gut genug wahrnehmen, ob Sie realisieren, dass die dünnen Suppen im Kriegsgebiet, die fischhaltige Nahrung in Küstennähe usw. auffällt und wie Sie meine Welt eigentlich wahrnehmen, bisher beschwert sich keiner - loben aber auch nicht wirklich.


Der eine Vorteil, der aufgezählt wurde:
"Alle Informationen die die Spieler haben, kommen von Dir" (Paraphrasiert)
Das kann problematisch sein.
Wenn die Spieler mit anderen Gruppen dort gespielt haben, Romane gelesen haben, Settingsbücher auswendig kennen und vielleicht Filme und Computerspiele konsumiert haben, dann ist die Bindung erfahrungsgemäß größer.
Die Grußformeln sind bekannt.
Die bekannten Gefahren, die drohen sind klar. (Hat man Angst vor Drachen, oder sind sie mehr Verbündete, wilde Biester, oder alles?).
Teilweise sogar typische Geschichten oder Lieder ("Jungfrau und der Bär" oder "Tinker Tanner")
Eine erhöhte Kenntnis führt oft zu einer höheren Bindung und einem besseren Gefühl.

Ja, das entwickelt sich wahrscheinlich über die Jahre.
Aber ... Jahre...





Swafnir:
Ich sehe da auch ein sehr großes Ungleichgewicht an Spieler- und Spielleiterwissen. Ich lese mich als Spieler gerne in Settings ein. Das kann ich nicht machen, wenn der SL das Setting selbst gebastelt hat.


Noir:

--- Zitat von: Anro am 24.08.2018 | 11:00 ---
Eine erhöhte Kenntnis führt oft zu einer höheren Bindung und einem besseren Gefühl.


--- Ende Zitat ---

Das ist zwar richtig, für mich als Spieler hat das aber auch immer einen großen Teil des "Unbekannten" genommen. Wenn wir bspw. Warhammer gespielt haben und der Spielleiter uns nach Sylvania führte, da wusste ich - weil ich das Setting gut kenne - das es sehr wahrscheinlich um Untote gehen wird. Als Spieler wusste ich: Wenn ich hier Adlige treffe und diese mir Aufträge geben, ist es nicht unmöglich, dass ich gerade einem Vampir oder zumindest einem Helfershelfer eines Vampirs unter die Arme greife. Und ich muss meinen Charakter ausspielen, als wüsste er das nicht. Oder es kommt der ganz sicher gar nicht zu erwartende Twist: "Tadaaa! Es geht gar nicht um Untote!"

In einem Setting, das ich als Spieler wirklich gar nicht kenne, kann ich tatsächlich richtig überrascht werden. Und meine eigenen Erfahrungen abspeichern.

Das find ich gerade besonders reizvoll.

JS:
Marduk: Ich stehe nun mal auf Bücher mit gut gegliederten, inhaltlich ausreichend erschöpfenden Informationen, die mir sprachlich kompetent präsentiert werden. Dazu war bisher noch kein Selbstmacher in der Lage, vielmehr bewegte sich alles auf dem Arbeitsniveau "Ich würde dir die für dich relevanten Auszüge aus der Weltbibel (Sammllung von Dateien mit Ausarbeitungen zu Verschiedenen Themen) zur Verfügung stellen und sollten noch Sachen wichtig sein, die ich nicht bedacht habe, [...] würde ich es mit dir zusammen ausarbeiten."
Das reicht mir aber nicht.

Was genau müsste ein "Selbstmacher" mitbringen, um dich zu überzeugen?
Siehe oben.

Und was macht für dich Tiefe und Breite aus?
Dazu könnte ich jetzt viel schreiben, aber eigentlich versteht sich das von selbst. Das Setting müßte mir jedenfalls mehr bieten als ein paar Landstriche, zwei Götter, ein paar Völkerchen und oberflächlich hingekritzelte Notizen.

Was davon merkt man überhaupt während des Spiels?
Keine Ahnung, was "man" während des Spiels merkt, aber ich merke das schon.

Hier geht es ja nun offensichtlich um Geschmack und subjektive Wahrnehmung. Ich z.B. mag es überhaupt nicht, wenn mein SC, der X Jahre in einer Welt lebte, selbige nun erst rudimentär "entdecken" soll.

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