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Vergleich aktueller und alter Filme
Scurlock:
--- Zitat von: YY am 12.09.2018 | 19:50 ---Und ich weiß immer noch nicht, ob Konsistenz der richtige Begriff ist.
Jedenfalls: Damals konnte ein blöder Actionfilm sorglos ein blöder Actionfilm sein und sich einfach auf das Wesentliche konzentrieren, wo man heute entweder vor Selbstironie triefen "muss" oder irgendein beklopptes Feigenblatt hinlegt, das entgegen seiner Zweckbestimmung überhaupt erst klar macht, wie bescheuert das Ganze ist*. Oder man geht direkt her und sagt: ist ja eh alles egal, Hauptsache fette Action - was auch wieder nur in wenigen Ausnahmefällen wirklich funktioniert.
Das machen nur noch die wenigsten modernen Actionfilme richtig, indem sie es einfach nicht thematisieren und die stellen dann auch mit Masse die neuen Actionfilme, die mir richtig gut gefallen - auch wenn da natürlich noch ein bisschen was anderes stimmen muss.
--- Ende Zitat ---
Ich weiß, was Du meinst. Ich glaube das Problem ist tatsächlich in vielen Genrefilmen der letzten Jahre zu finden. Gerade wenn man das Alien-Franchise betrachtet oder auch die Star Wars Reihe, war es die Entzauberung der Mythen, die viel von der ursprünglichen Faszination kaputt gemacht haben. Das Toterklären von etwas, was man eher nicht erklären sollte.
Und ja, mittlerweile scheint aber auch ein Umdenken stattzufinden. Denn ich kann zumindest eine Handvoll Filme benennen, die eben die erzählerische Einfachheit (wieder-)entdecken und sich auf die Action konzentrieren. "John Wick" und "Raid" wurden ja bereits genannt. Persönlich würde ich noch "Dredd", "The Purge: Anarchy", mit Abstrichen "Atomic Blonde" und gerade aktuell "Upgrade" nennen. MMn alles gelungene Genrefilme der letzten Zeit und in der Summe deutlich mehr als die Actionproduktionen der vorangegangenen Jahre. Für mich ist das ein Indiz, dass sich im Genrekino doch einiges bewegt und das positiv.
--- Zitat von: YY am 12.09.2018 | 19:50 ---*Aktuelles Beispiel: Predator.
Da hat der alte einfach ein menschenjagendes Alien postuliert und fertig.
Der jetzt gerade anlaufende Film "muss" dagegen eine Evolutionsbiologin beinhalten ::)
--- Ende Zitat ---
Soweit ich gelesen habe, ist das Problem vom neuen Predator aber hier viel eher, dass er nicht düster genug inszeniert ist und sich zu wenig ernst nimmt. Die Bedrohung der Predators wird so bagatellisiert. Persönlich habe ich "Predators", also den vorletzten der Reihe, als durchaus gelungen empfunden. Eben weil es an Erklärung fehlte und der Film mittendrin einsetzt.
Crimson King:
--- Zitat von: YY am 12.09.2018 | 19:50 ---Die Bond-Reihe hatte mMn als einzigen Vorteil auf ihrer Seite, dass es anfangs gar keine richtige Konkurrenz gab.
Ab den 80ern konnte man im Actionsektor über die Reihe nur noch schmunzeln
--- Ende Zitat ---
Du solltest deine eigenen Qualitätsvorstellungen nicht verallgemeinern. Goldeneye und Die Welt ist nicht genug finde ich z.B sehr gelungen. Generell ist Brosnan aus meiner Sicht eine sehr gute Wahl als Bond-Darsteller und nach meinem Empfinden waren die Filme bei aller Selbstironie ernster und mehr down to earth als die Moore-Bonds und auch mehr down to earth als die Connery-Bonds ab Goldfinger.
Am Ende läuft es eben auf persönlichen Geschmack hinaus. Ein Actionfilm kann handwerklich noch so perfekt gemacht sein, er ist immer noch ein Unterhaltungsmedium. Und diese Funktion übe n beispielsweise die Marvel-Streifen bei mir sehr gut aus.
YY:
Mehr als "mMn" dranschreiben kann ich doch nicht wtf?
Die Brosnan-Bonds plus der neue Casino Royale sind übrigens die einzigen, die ich mir freiwillig angucke (von denen ist der erste von 1995, also nach oder zum Ende der Hochphase der "klassischen" Actionfilme der 80er und 90er).
Und ja, gerade das ist mein Problem mit der Bond-Reihe: Erst die "moderne" Selbstironie der Brosnan-Bonds funktioniert einigermaßen, alles vorher ist mir im negativen Sinne viel zu "campy".
Die ganze Bond-Reihe hatte so gesehen gar keine richtig "normale" Phase wie das restliche Actiongenre, in der sie sich selbst in irgendeiner Form ernst genommen hat - Teile von Casino Royale (2006) ausgenommen, der mir gerade deswegen gefallen hat.
Das wäre übrigens die Entwicklung gewesen, welche viele Kritiker über die ganze Brosnan-Phase hinweg gefordert haben - damals möglicherweise noch nicht ganz berechtigt, weil das eben entgegen aller Unkenrufe funktioniert hat, obwohl es mMn schon ziemlich aus der Zeit gefallen war. Lässt man halt durchgehen, weil es Bond ist (obwohl das bei Licht betrachtet für gar nichts irgendeine Begründung ist...aber ich kann mich dem trotzdem nicht ganz entziehen).
Alles nach Casino Royale geht aber noch weiter in die für mich falsche Richtung nach dem Motto "ich bin ein Bond, ich darf das" und wirft dabei nicht nur jede Bodenhaftung über Bord, sondern auch die Selbstironie, welche die Brosnan-Filme gerettet hat.
--- Zitat von: Crimson King am 13.09.2018 | 16:37 ---Ein Actionfilm kann handwerklich noch so perfekt gemacht sein, er ist immer noch ein Unterhaltungsmedium. Und diese Funktion übe n beispielsweise die Marvel-Streifen bei mir sehr gut aus.
--- Ende Zitat ---
Viele Marvel-Filme machen es auch genau so, wie man es heute als "normaler" Hollywood-Actionfilm anscheinend kaum noch kann:
Die ziehen ihre völlig bescheuerten Prämissen gnadenlos und ohne eine Miene zu verziehen durch.
Klar haben die Humor, aber sie nehmen sich selbst ernst.
Und "handwerklich perfekt gemacht" ist doch dazu gerade kein Widerspruch. Je besser ein Actionfilm gemacht ist, um so eher zieht er den Zuschauer auf seine Seite bzw. umgekehrt: je mehr er bei der Umsetzung schlampt, um so eher verliert er den Zuschauer.
In der Hinsicht kann man den Marvel-Filmen ja überhaupt nichts vorwerfen.
Eisenmeile:
Ich denke nicht, dass ältere Filme prinzipiell einfacher waren. Gerade "Predator" oder auch "Stirb Langsam" hatten einen ganzen Haufen zusätzlicher Erzählebenen, was den Hintergrund und die Beziehungen der Charaktere untereinander angeht. Sogar noch mehr, als bei modernen Filmen. Gut, eindimensionale Figuren gab es auch früher, aber diese Filme wurden auch damals (zu Recht) belächelt. Dass cineastische Infantilität & Einfallslosigkeit (wie z.B. bei "Die Bourne Identität" oder den "Mission Impossible"-Filmen ab Teil 2) gefeiert wird gab es damals imo noch nicht.
Hinzu kommt, dass moderne Filme immer länger werden müssen, was den Filmen nicht immer gut tut (habe vor kurzem das Remake von "Die glorreichen Sieben" gesehen: guter Film, bis auf das Finale, welches ohne Not auf eine dreiviertel Stunde(!) aufgeblasen wurde).
Exar:
--- Zitat von: Eisenmeile am 14.09.2018 | 17:48 ---Hinzu kommt, dass moderne Filme immer länger werden müssen, was den Filmen nicht immer gut tut (habe vor kurzem das Remake von "Die glorreichen Sieben" gesehen: guter Film, bis auf das Finale, welches ohne Not auf eine dreiviertel Stunde(!) aufgeblasen wurde).
--- Ende Zitat ---
Das Original ist 3,5 Stunden lang. ;)
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