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[Film] Captain Marvel

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takti der blonde?:

--- Zitat von: Teylen am 11.04.2019 | 12:58 ---Mein intersektionaler feministischer Stammtisch (aka #FemFreq) hat bei Captain Marvel durchaus genug gefunden, um damit eine Folge zu füllen. Ebenso wie mein interektionaler, größtenteils feministischer, Freundeskreis auf fB. ^^

--- Ende Zitat ---

Inwieweit Captain Marvel als weiße, vermutlich heterosexuelle Frau im Militär als "marginalized" verstanden werden kann, erschließt sich mir jedoch immer noch nicht...bzw. will sagen, solange der Film sich nicht mit systematischer Unterdrückung etc. beschäftigt, ist es ebnein banaler, wenig-sagender Popcorn-Film.

Grüße

Hasran

Teylen:
Ich würde nicht behaupten das Captain Marvel eine negative Erfahrung war. Es war für mich halt nur ein solides "Okay".
Was jetzt deutlich weniger war als erwartet, allerdings kein "es war schlecht" oder "Ich bin eingeratzt" ist.

WW habe ich 3x gesehen (iirc) und bin nicht einmal eingeratzt ^^

@hasran
Es gibt einerseits Diskussionen in wie weit Carol Denvers vielleicht lesbisch ist.
Das heißt, wäre Marie Rambeau ein Marc Rambeau hätte man von der Erzählweise angenommen, dass die Charaktere zusammen sind.
Es gibt dahingehend ein Video von Rowan Ellis, wo soweit alle Punkte aufgeführt werden: definitive proof captain marvel is gay (spoilers)
Wobei ich empfehle, das Video nicht anzuschauen, sondern auf den Ton zu hören. Da ich von der schwenkenden Kamera doch quasi so "motion sickness" bekam. Das einzige was in dem Rahmen merkwürdig ist, ist das sie zum Schluß einfach so wegfliegt.
Dahingehend galt wohl auch im Militär, gerade in den 80ern bzw. 90ern, wohl das Credo das man homosexuell bzw. lesbisch sein durfte, wenn man es so rein gar nicht öffentlich macht.

Es gibt andererseits kleinere Diskussionen das Carol Denvers beim Militär war sowie wie sie auf normale 90er Sexismus reagiert.
Das heißt, der Film spricht direkt an das Carol keine Kampfjets in Einsätzen fliegen durfte, weil sie halt eine Frau war, und es damals nicht drin war.  Ebenso wie Gespräche darum wie der Film mit Szenen wie jene in der der zur Zeitunglesenden Marvel meint "Lächel mal" mit Alltagssexismus umgeht. Inklusive eines Interview wo jemand gegenüber Brie sinngemäß meinte "Das ist aber interessant das ihr das so reingebaut/erfunden habt" und Brie dann sowas sagt wie "Huh, eigentlich ist das sowas was man ganz normal als Frau erfährt, so tag ein tag aus".

Es gibt letztlich eine größere Diskussion bezüglich des Umstand das Captain Marvel thematisiert wie Carol von Anfang an konstant von der Gesellschaft klein gehalten wird (durch den surpresser), aufgefordert sich klein zu machen (im Konflikt mit Jude Laws Char wo er meint "nutze nicht deine Energiefäuste!") und anschließend über diesen Ansatz des Kleinmachen, des runter ziehen und der toxischen Maskulinität mit dem "Leck Mich du Arsch"-Schlag drüber steht.

Neben so Diskussionen wie das bspw. die Interaktion zwischen Fury und Marvel gefiel, weil ersterer ihr einfach auf Augenhöhe begegnet ist.

Nun under die Betrachtung von Reaktionen wo Leute heulen das Fury ja quasi entmannt wurde und Mar-Vell doch bitte eigentlich ein Kerl ist was den Film total ruiniert - und so halt.

Nun, und kleineren Dingen wie das das Film gleich mehrere weibliche Figuren drin hat, deren Namen man sich merkt, und die jetzt nicht über Beziehungen reden. Was jetzt weder Wonder Woman noch Alita so richtig gut hinbekommen hat.

takti der blonde?:

--- Zitat von: Teylen am 11.04.2019 | 14:50 ---Dahingehend galt wohl auch im Militär, gerade in den 80ern bzw. 90ern, wohl das Credo das man homosexuell bzw. lesbisch sein durfte, wenn man es so rein gar nicht öffentlich macht.
--- Ende Zitat ---

"Don't ask, don't tell" hieß das, meine ich.

Fandest du denn , dass Captain Marvel ernsthaft gesellschaftskritisch war und intersektionelle Kritik aufgenommen hat?

Wenn der "surpressor" stellvertretend für "systemische Unterdrückung" stehen sollte, dann ist nämlich die Botschaft ("Du schaffst das schon! Ganz alleine aus eigener Kraft heraus!") eher ...schlecht und nichts weiter als der amerikanische Mythos der "self made person" mit Energieblitzen.

Ich bin soweit bereit mitzugehen, dass der Film auf jeden Fall Themen der intersektionellen Kritik aufgreift, diese aber weder besonders schlau noch besonderes gut aufbereitet. Auch nicht schlecht. Eher mittelmäßig. Dahingehend fand ich Black Panther deutlich interessanter.

Grüße

Hasran

Teylen:
Ich finde ihn dahin gehend persönlich nicht besonders spannend und finde das es auch einer der Punkte ist die WW und Alita für mich besser hinbekommen haben (wenn auch jetzt nicht so brilliant das es mehr wäre als Popcorn Kino).
Ich sehe allerdings durchaus die Diskussionen und finde es schön das andere da Wert für sich aus dem Film ziehen können.

In Bezug auf die Unterdrückung bzw. das Kleinhalten.
Dahingehend wird aufgezeigt das es ein bedeutender Teil von Carols Ausgangssituation ist und ein Teil in dem sie quasi wächst bzw. eine Entwicklung durch macht. In dem sie erkennt das sie kleiner gemacht wurde als sie ist, und wo sie sich am Ende hin gegen das System stellt.
Hierbei wird weniger die "Aufstehen"-Montage gefeiert, als das sie auf Yon-Rogg's Aufforderung "Begib dich auf mein Niveau runter, mach dich kleiner, benutze nur deine Fäuste und wenn du mich damit besiegst bekommst du meine Anerkennung ansonsten nicht" mit dem Energie-Schlag reagiert. Das heißt, sich weigert sich runter zu begeben, kleiner zu machen, und sich die (toxisch männliche) Bestätigung/Anerkennung abzuholen.

Das beinhaltet zwar ein "Du schaffst es schon! Aus deiner eigenen Kraft heraus!" allerdings ist es nicht so, dass der Film einen glauben machen will, dass man aus eigener Kraft raus Superheldenkräfte kriegt. Es ist in dem Rahmen mehr so ein "Stell dein Licht nicht unter den Scheffel" respektive ein "Lass dich nicht auf Aufforderungen zum Beweis ein die dich klein machen und bewusst deine Stärken ignorieren".

takti der blonde?:

--- Zitat von: Teylen am 11.04.2019 | 15:12 ---Das beinhaltet zwar ein "Du schaffst es schon! Aus deiner eigenen Kraft heraus!" allerdings ist es nicht so, dass der Film einen glauben machen will, dass man aus eigener Kraft raus Superheldenkräfte kriegt. Es ist in dem Rahmen mehr so ein "Stell dein Licht nicht unter den Scheffel" respektive ein "Lass dich nicht auf Aufforderungen zum Beweis ein die dich klein machen und bewusst deine Stärken ignorieren".

--- Ende Zitat ---

Nein, aber wenn der "surpressor" für systemische Unterdrückung steht, dann finde ich die Auflösung des Konflikts oder viel eher die Art und Weise, wie sie diese Unterdrückung ablegt wortwörtlich "an den Haaren herbeigezogen". Aber wie gesagt, das ist wahrscheinlich Kritik an Inhalten, die so gar nicht von den Autoren reflektiert wurden bzw. zeigt eben die impliziten puritanischen-calvinistischen Denkmuster ("Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!").

Sei es d'rum, gibt auf jeden Fall genug andere, interessante weibliche Charaktere im MCU. Mich wunder nur ernsthaft die Polarisierung zu der dieser mittelmäßige Film in den USA geführt hat. Culture warriors will be culture-warring, I guess.

Grüße

Hasran



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