Autor Thema: [Cthulhu] Something For Christmas  (Gelesen 1125 mal)

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Offline Ham's the R

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[Cthulhu] Something For Christmas
« am: 23.12.2018 | 12:34 »
SOMETHING FOR CHRISTMAS

Die Protagonisten:

RED
Sein eigentlicher Name lautet Dr. GRAHAM GREEN
Brite; Red ist rothaarig.
"Feld-Arzt", Leutnant a.D.; z.Zt. Chirurg am King's College Hospital, Southwark, London.
Red ist leicht introvertiert. Ein besonnener Denker und Lenker, der mit einem Blick, einer Kopfbewegung oder einer Geste mehr mitteilt, als andere mit einem Monolog.

ARCHI
Vollständiger Name Sir ARCHIBALD KILMISTER
Brite; Archi hat Brandnarben am Rücken.
RFC Major a.D. - nach seinem Absturz im Krieg leidet er unter Flug- und Höhenangst.
Archi gründete die "Geheimpolizei-Agentur Kilmister & Co", kurz "Das Büro" genannt und erledigt seitdem Sonderaufträge aller Art. Er ist ein Mann der Tat, starker Raucher (Marke: Liggett & Myers Tobacco Company) und Mitglied in der "Viktorianischen Gesellschaft für Geschichte", im "London Cricket Club" und im "Gentlemen's Club Kensington".

NOLAN PHILLIPS
Brite; Nolan hat grau-meliertes Haar und trägt einen Schnauzer.
Buchhalter; Nolan ist der 'Dr. Watson' zu Archis 'Holmes'. Er ist Mitglied im "Gentlemen's Club Kensington" und im "British Automobile Racing Club".

NORTHAN BAMES
Ami; mental nicht ganz auf der Höhe.
http://s3-us-west-1.amazonaws.com/elcalce-images/wp-content/uploads/2016/02/giphy23.gif
Northan ist ein, von den US-Behörden steckbrieflich gesuchter, Psycho. Er arbeitet unter falschem Namen in London als Parapsychologe. Er ist Jazz-Musiker und trommelt mit seinen Drumsticks auf allem herum, um den "Widerhall der Schwingungen ätherischer Schemen" zu empfangen.


Die Weihnachtsgeschichte

Die Chars sind in der Nacht zum 25.12.1924, um 2400 zur Mitternacht Christmesse, in die St Pauls in London gegangen. Sie werden von Mitch begleitet. Mitch ist die Vorzimmerdame des "Büros" und heisst eigentlich Dorothy Mitchell. Nachdem Harry, Harriette Graham, ihre Arbeit nach einem Auftrag vor über drei Jahren hingeschmissen hatte, hält die Neue erstaunlich gut durch.
https://st.focusedcollection.com/3075785/i/650/focused_158011046-stock-photo-black-white-photo-london-pauls.jpg
Der Kirchgang ist ein Brauch, den zwei der Chars schon recht lange pflegen und der mittlerweile Tradition geworden ist. Gerne beziehen sie Freunde und Mitarbeiter in diese Tradition mit ein und nehmen sie mit.
Trotz der späten Stunde ist die Kathedrale gut besucht. Nicht zum Bersten gefüllt, wie es das Gotteshaus um 12 Uhr, 16 Uhr und 20 Uhr sein wird, aber der Herr hat bereits jetzt viele seiner Schäfchen versammelt.

Der Heilige Abend hat beschaulich begonnen. Am Nachmittag hat es angefangen zu schneien. Aber der Schnee ist mal wieder nicht liegen geblieben.

An der riesigen, hölzernen Doppeltür am Eingang hängt ein grosser Kranz aus immergrünen Zweigen, bestehend aus geflochtenen Zweigen von Mistel, Stechpalme, Efeu und Kirschlorbeer, umwickelt mit breiten, roten Bändern. Die Säulen im Innern sind ähnlich geschmückt, beleuchtet vom schwachen Schein vieler Kerzen. Die Luft ist leicht geschwängert vom harzigen Rauch einiger Tannenzweige, die in einem Kohlebecken vor dem Altar verbrannt werden. Hin und wieder sprüht dieses Funken und ab und an ist ein Knall zu hören.
Vor den Reihen der Bänke wurde ein stattlicher, geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt.
https://www.sntchurch.com/news-archive2?lightbox=image_1acj

Der Kinderchor singt abwechselnd "Silent Night" und "Hark! The Herald Angels Sing".

Obwohl es im Gotteshaus kaum wärmer als draussen ist, schafft es das Weihnachtsfest eine heimelige, warme Atmosphäre in die Herzen der Menschen zu zaubern.

Die Chars entdecken unter den Kirchgängern manch vertrautes Gesicht. Leute, die man lediglich vom Sehen her kennt und andere, bei denen man einkauft. Aber auch Leute, deren Dienste das Büro bereits in Anspruch nahm oder für welche es selbst gearbeitet hat.

Nachdem der Bischof seine Weihnachtspredigt gehalten und die Gemeinde einige Lieder gesungen hat, stimmt die Orgel "Angels We Have Heard On High" an.

Doch während des Liedes bemerken die Chars eine gewisse Unruhe unter den Gläubigen. Die Harmonie des Liedes gerät ins Schwanken, die Orgel setzt hin und wieder kurz aus. Worte des Bischofs verhallen im Gesang ungehört. Dann bricht das Lied ab. Einige Leute stehen auf und zeigen nach vorne und reden aufgeregt.

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Ein Spieler: "Oh Dorothy, ich hab so ein Gefühl, wir sind nicht mehr in Kansas."
Zum Glück hatte ich mir gerade am Glühwein den Mund verbrannt, sonst hätte ich die Brühe über den ganzen Tisch versprüht.
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Vorne, neben dem Chor, steht jemand, der definitiv nicht der Bischof ist. Die Person hat einen langen Mantel an und eine dunkle Aktentasche unter dem Arm.

Wenig können die Chars erkennen, nicht einmal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

Unruhe entsteht. Das Getuschel wird lauter.
Plötzlich ist die Stimme des Bischof zu hören. "Liebe Gemeinde... nehmt bitte wieder Platz. Der Gottesdienst wird gleich fortgesetzt."

Dann spricht er laut einen Namen aus. "Martin, mein Sohn. ... Mr. Dove! ... DOKTOR! ... Setz Dich wieder. Bitte, nimm Platz."

Dr. Dove ist ein Chemiker. Ein äusserst patenter Mann und vielseitig interessiert.

Doch irgendetwas hatte ihm vor Jahren, zum Ende des Krieges hin, 1917? 1918?, aus der Bahn geworfen und seinen Geist vernebelt, so dass er schliesslich in eine Heilanstalt eingewiesen wurde, auf Veranlassung seiner Frau. Die Geschichte ging damals durch alle Zeitungen. Ein Skandal. Es hiess die Deutschen hatten sich seiner bemächtigen wollen...
« Letzte Änderung: 23.12.2018 | 13:04 von Der Läuterer »
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Offline Ham's the R

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #1 am: 24.12.2018 | 15:31 »

Northan zu Archi: "Ähm. Chef. Ich schleiche mich mal an... kann ihn vielleicht von hinten erwischen." Und noch bevor er eine Antwort erhält, ist er auch schon in der Menge untergetaucht.

Der Bischof redet weiter auf Dr. Dove ein und versucht ihn dazu zu bringen, sich wieder hinzusetzen. Dieser greift jedoch in seine Manteltasche, als der Gottesmann beschwörend und beschwichtigend auf ihn zu kommt. Ein scharfer, lauter Knall ist zu hören und der Bischof sinkt auf seine Knie.

Dr. Dove ergreift das Wort und richtet sich an die Gemeinde, während in der Kirche ein Tumult ausbricht. Man hört das Schreien, Kreischen, Weinen und Stöhnen der Frauen.

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Ich hatte den Spielern gesagt, dass etwa 1200 - 1500 Personen den mitternächtlichen Gottesdienst besuchen würden.
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Die Stimme des Doktors ist klar und hallt gut vernehmbar bis in die hintersten Reihen. "Meine sehr verehrten Damen und Herren. Bitte entschuldigen Sie die entstandenen Unannehmlichkeiten. Bitte." Er macht eine höfliche, aber gebieterische Geste.

Und unglaublicherweise kommt Ruhe in die Menge und die meisten nehmen sogar wieder Platz. "Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis. Vielmals."

"Bitte entspannen Sie sich. Wir werden nun etwas Zeit zusammen verbringen." Verstörte Blicke under den Anwesenden machen die Runde.

Northan steht hinter einer Säule und gibt den anderen das OK Zeichen.

"Ich möchte, dass Sie mir aufmerksam zuhören. Ich werde Ihnen etwas vorlesen. Und ich werde Ihnen zur Feier des Tages ein Geschenk machen."

Der Bischof kniet noch immer am Boden. Wimmernd. Offensichtlich ist er verletzt.

Die Chars beratschlagen flüsternd, was nun zu tun sei, während Northan Handzeichen gibt, welche die anderen aber nicht verstehen. Aber Red nickt ihm zu.

Dr. Dove nimmt seine Aktentasche und holt ein kleines Buch heraus. Er wirft den Mantel zurück und entblösst seinen nackten Oberkörper, der über und über bemalt zu sein scheint. Auch hängen an seinem Körper vier Erlenmeyerkolben*. Zwei am Gürtel befestigt und zwei vor der Brust hängend, verbunden mit einer Schnur oder einem Gummischlauch, der hinter dem Genick von einer Seite zur anderen verläuft. Geschätzt haben die Kolben ein Gesamtvolumen von ca. 2 l und sind oben verschlossen; mit Kork, Wachs oder Gummi. In den Glaskörpern befindet sich jeweils eine klare Flüssigkeit. Eine Art Sirup.

*Ein Erlenmeyerkolben ist ein Becherglas, das sich nach oben hin verjüngt.

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Jetzt betreibe ich das Hobby schon so lange und ich mache noch immer grobe Schnitzer, über die ich mich hinterher ärgere, denn genau an dieser Stelle wurde mir klar, dass ich mir mit der Wahl des St Pauls keinen Gefallen getan hatte. Die Kathedrale ist ein riesiges Gebäude. Die Entfernungen sind viel zu gross, als dass man Einzelheiten erkennen könnte. Die Wege sind zu weitläufig und das Ganze ist viel zu unübersichtlich. Schlecht sowohl für die Chars als auch für den Täter.
Im Original ist die St. Patrick's Cathedral in Manhattan ähnlich riesig.
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Dr. Dove "Ich bitte um Ihre geschätzte Aufmerksamkeit. Diese Nacht wird Ihr Leben nachhaltig verändern."

"Um Ihre Motivation bei der Zusammenarbeit zu erhöhen, trage ich 4 Kolben mit je 500 ml Nitroglycerin am Körper. Sollten die Gefässe zerbrechen... dann gute Nacht Marie."

"Ich werde Euch den Schleier der Unwissenheit vom Gesicht reissen."

"Auch Ihr sollen erleuchtet werden."

"Ihr sollt in das wahre Antlitz Gottes blicken."

Unter den Chars macht sich so langsam Panik breit.
Was wird der Verrückte vorlesen? Wird er ein Tor öffnen, um eine Kreatur zu rufen? Oder wird er einen Zauber direkt auf die Menschen werfen?

Den Chars ist klar, dass Sie etwas unternehmen müssen. Sie haben nicht viel Zeit. Und wenn etwas schiefgeht, und einer der Kolben herunterfällt, dann wird von der Kathedrale kein Stein auf dem anderen bleiben. Ausserdem sind Menschenleben dem Doktor offenbar völlig gleichgültig.

Schusswaffen haben die Chars zum Gottesdienst nicht mitgebracht. Und würden sie mit Schusswaffen erwischt werden, kämen sie auf nicht absehbare Zeit in Dartmoor unter.

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Was nun passiert, ist sehr sonderbar.
Wie immer werden Pläne ersonnen und wieder verworfen. Nicht dass es derartige oder ähnliche Pläne und Überlegungen nicht schon zuvor zuhauf gegeben hätte. Nein, die Chars machen sich aber zum ersten Mal wirklich Gedanken über die möglichen Aussenwirkungen ihres Handelns. Es sind einfach zu viele Augenzeugen zugegen.
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Northan kommt zurück und berichtet, dass die zwei Türen mit Ketten und Vorhängeschlössern von Innen verschlossen wurden.

Eine Evakuierung ist somit hinfällig. Hätte eh nicht funktioniert. Hilfe zu holen kann man auch streichen. Ausserdem würde es viel zu lange dauern.

Es muss eine Ablenkung geben, so viel ist klar.
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Ich weiss, dass Sie glauben, Sie verstünden, was ich geschrieben habe; aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie begreifen, dass das, was Sie gelesen haben, nicht das ist, was ich meine.

Offline Ham's the R

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #2 am: 27.12.2018 | 10:12 »
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Das Szenario sieht vor, dass der Mann zwar verrückt ist, aber keinerlei Absichten hat, jemanden zu verletzen oder gar zu töten. Diese Ausgangsposition zwingt den SL in die Defensive.
Ich habe also erst einmal ein Zeichen gesetzt und die Spieler geschockt, um eine höhere Dramatik ins Spiel bringen zu können. Ausserdem zwinge ich die Spieler so zur Vorsicht.
Der Bischof ist aufgrund des Schusses vor Schreck nur ohnmächtig geworden (Platzpatronen) - und von Blut war in der Situation nie die Rede.
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Dr. Dove "Die Kirchenväter hatten einst beschlossen, dass das Böse nur die Abwesenheit des Guten sei und dass das Fleisch die Seele nur dann beschweren würde, wenn es verdorben wäre. Später haben sie beschlossen, dass Gott das Böse gut erschaffen habe, welches durch sich selbst erst später böse geworden sei."

"Ich habe es hinter meinen Augen gesehen, als ich über die Grenzen der Unendlichkeit hinaus geblickt habe. Ich habe die Schatten erspäht, die von einer Welt zur anderen schreiten, um Tod und Wahnsinn zu säen."

"IA MASS SSARATU
IA MASS SSARATU
IA MASS SSARATU ZI KIA KANPA
BARRGOLOMOLONETH KIA
SCHTAH
BARRA MASS SSARATU BARRA"

Einige Leute setzen sich daraufhin wieder, während andere noch immer stehen. Mittlerweile ist die Gemeinde in erstauntes, andächtiges Schweigen gefallen, als stünden die meisten von ihnen unter einem Bann, während sich die Chars indessen langsam und vorsichtig Reihe für Reihe nach vorne vorarbeiten.

"Der kosmische Horror. Die dunkle Seite des Mondes. Die Finsternis hinter den Sternen. Sie greifen die Psyche an und verfolgen die Menschen im Schlaf; bringen sie um den Verstand. Das Böse lebt in den unsichtbaren Räumen der Metaphysik und in den Dingen, welche die Wissenschaft nicht zu erklären vermag."

"In allen Religionen ist davon die Rede, dass die alten Götter wiederkehren werden. Dies wird die Stunde für das Ende der Welt, der Apokalypse, des Armageddon, des Ragnarök sein."

Der Doktor macht ein Zeichen, das in etwa an ein Kreuz erinnert, aber dennoch anders ist.
"Möge Euch ein Tod gewährt werden, ehe die Grossen Alten wieder auf der Erde wandeln."

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Wie die Gemeinde auf die 'Wahrheit' reagiert, darüber lässt der Autor den SL im Unklaren und schweigt sich aus. Deshalb habe ich hier improvisiert.
Zuvor habe ich jedoch einige Passagen Lovecrafts und Zitate recherchiert und etwas im Necronomicon geblättert, wobei mich Texte in Aklo interessiert haben.
Daraus ist die kleine Predigt geworden.
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"UTUG XUL
ALA XUL
GIDIM XUL
MULLA XUL
DINGIR XUL
MASQIM XUL
ZI ANNA KANPA"

Einige Zuhörer fangen an rhythmisch mit dem Kopf zu nicken oder wippen leicht mit dem Oberkörper hin und her.

"Obwohl die Grossen Alten unermesslich mächtig sind, entgehen sie zumeist der menschlichen Wahrnehmung, da sie auch unermesslich fremdartig sind und sich dadurch der menschlichen Wahrnehmung entziehen."

"Wir sehen die Dinge nur so, wie wir konstruiert sind, sie zu sehen und wir bekommen keine Vorstellung von ihrer absoluten Natur. Wenige spüren sie, wenn sie die tiefsten Urängste der Menschheit anrühren. Doch Wahrnehmung ist ein zweischneidiges Schwert. Viele werden krank an Geist und Seele."

Northan bleibt stehen, fängt an zu nicken und zu wippen. Er wird von Red durch ein paar Ohrfeigen in die Realität zurückgeholt.

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Zuerst hatte ich vor, die Gemeinde durchdrehen zu lassen, mit vielen speziellen Verrücktheiten. Ich hätte auch jene, die den Worten erliegen, gegen jene, die dies nicht tun, ins Feld führen und so heilloses Chaos stiftet können. Dergleichen erschien mir dann aber zu einfach und zu platt.
Ausserdem wollte ich das Prozedere nicht in indirekter Form vortragen, sondern direkt aus der Ich-Perspektive des Verrückten präsentieren. Das Ganze sollte für die Spieler plastischer und lebendiger wirken.
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"IA ATHZOTHTU
IA ANGAKU
IA ZI NEBO
MARZAS ZI FORNIAS KANPA
LAZHAKAS SCHIN TALSAS KANPA
NEBOS ATHANATOS KANPA
IA GAASCH
IA SAASCH
IA KAKOLOMANI YASCH
IAMAAKALLI"

Mehr und mehr Personen verfallen in eine Art Trance. Es wird von vielen mitgesummt. Einige haben den Mund geöffnet. Andere starren an die Decke der Kathedrale, als würden sie dort etwas suchen. Oder sie haben ekstatisch die Augen verdreht; bei einigen ist nur noch das Weisse zu sehen.

"Gott ist tot. Es hat ihn nie gegeben. Er war eine Kopfgeburt. Eine Hoffnung, eine Phantasie, eine Selbsttäuschung. Die Menschen haben ihn erfunden, um sich das Unerklärliche erklären zu können. Doch das Böse existiert."

"Die Grossen Alten existieren. Sie sind die ältesten Götter der Menschheit. Sie haben viele Formen und tragen viele Namen, doch sie stellen immer die Finsternis und das Chaos dar. Sicherheit und Freiheit, Vernunft und Fortschritt sind im Angesicht ihres Chaos irreal. Sie sind eine Illusion."

"Der Antrieb der Grossen Alten ist immer Hunger. Der Hunger nacht Macht. Und der Hunger nach Blut. Sie ernähren sich von der Angst der Menschen. Neue, zivilisiertere Götter aus Licht und Ordnung sind über die Jahrtausende an die Stelle der Grossen Alten getreten, als der Mensch sesshaft wurde, Ackerbau betrieb und Siedlungen gründete. Doch sie sind noch da. Die Grossen Alten waren schon immer da. Sie sind die einzige Konstante der Menschheit. Chaos als Konstanz."

"Die Grossen Alten nehmen jedoch nur wenig Notiz von uns. Ihr Interesse an der Menschheit ist in etwa so gross, wie unser Interesse an einer Ameise, die wir beiläufig zertreten."

"NGHA GHAA NAF LTHAGN"

"Gelingt eine Anrufung, dann dringt alles Vergessene und Verdrängte zurück in unseren Verstand, worauf sich dieser aufzulösen beginnt. Nur das Selbst übersteht diese Offenbarung. Ego, Glaube, Liebe und Namen lösen sich hingegen vollständig auf."
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Offline Ham's the R

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #3 am: 27.12.2018 | 18:19 »
Die Chars haben während der Ruhe, die der Predigt folgt, ein kurzes, seltsames Gefühl der inneren Unruhe. Erst läuft ihnen ein Frösteln über den Körper, dann verfallen sie in ein kurzes Zittern, das sich von der Wirbelsäule über den ganzen Körper der Chars ausbreitet. Danach ist wieder alles normal.

Der Doktor hat offensichtlich gesagt, was er zu sagen hatte, und seine Nachricht übermittelt. Als die Chars ihn erreichen, ist der Mann scheinbar ausgelaugt, leicht nach vorn gebeugt mit gesenktem Kopf.

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Eine kurze Absprache der Spieler und die Chars stürzen sich gleichzeitig auf den Doktor, jeder auf einen Erlenmeyerkolben fixiert, tackeln sie den Mann und bringen ihn rücklings zu Fall.
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Das Gesicht des Mannes ist starr und emotionslos. Keine Überraschung, kein Entsetzen, kein Zorn. Der Doktor, der zuvor noch lebhaft und voller Emotionen sprach und dessen Augen funkelten, trägt eine Maske. Eine Maske mit geschlossenen Augen und neutralem Mund.

Red betrachtet die Maske / das Gesicht näher und hebt sie schliesslich auf.
Archie und Nolan machen die Erlenmeyerkolben los und stellen diese beiseite.
Northan tritt dem am Boden Liegenden noch einmal kräftig in die Seite.

Red ist auf einmal vor der Gemeinde allein. Mit der Maske in der Hand.
Seine drei Kollegen sind fort. Ebenso der Körper des Doktors.
Die anderen Kirchgänger sitzen bewegungslos auf den Bänken. Ihre Gesichter sind Porzellan-Masken mit geschlossenen Augen und neutralem Mund.

Die drei anderen sehen, wie Red kreidebleich wird. Seinem leichenhaften Gesicht scheint  sämtliches Blut entzogen worden zu sein. Er steht vor der Gemeinde wie ein Schauspieler auf einer Bühne mit weit ausgebreiteten Armen und verneigt sich wieder und wieder.

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Ich habe lange darüber nachgedacht, was die Predigt bei den Menschen bewirken sollte. Es sollte zur Abwechslung positiv sein und dennoch einen Nachteil beinhalten. Deshalb habe ich die Chars 2d10 Mythos Wissen verlieren lassen und ihnen denselben Wert an geistiger Stabilität zurückgegeben. Immerhin war es unser Weihnachts-Special.
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Unter der vordersten Bank der Kirche entdecken die Chars einen Schuhkarton. Darauf stehen die vier Namen der Chars. Darin liegt eine Maske mit den Gesichtszügen des Doktors.


- - - ENDE - - -
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Ich weiss, dass Sie glauben, Sie verstünden, was ich geschrieben habe; aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie begreifen, dass das, was Sie gelesen haben, nicht das ist, was ich meine.

Offline Chiarina

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #4 am: 28.12.2018 | 12:39 »
Hallo, Läuterer!
Ich habe das hier gelesen und finde es ziemlich bemerkenswert.

Ich darf es ´mal ein bisschen überspitzt darstellen:
Du hast deinen Spielern einen Hook serviert ("Es ist Weihnachten. Ab in die Kirche!") und ihnen dann eine lange Predigt gehalten. Sie haben ohne mit der Wimper zu zucken bis zum Schluss zugehört.
Am Ende sahen sie sich einer schwierigen Situation ausgesetzt. Wahrscheinlich haben die Spieler ein Moment überlegt, wie sie reagieren sollen, dann haben sie relativ naheliegend gehandelt, es war gefährlich, eine Katastrophe konnte aber vermieden werden (warum die Glaskolben dem Prediger so ohne weiteres abgenommen werden konnten, habe ich nicht ganz verstanden).
Dann folgte noch ein bisschen mysteriöses Aftermath, auf das die Charaktere aber keinen Einfluss mehr hatten.
Ende des Abenteuers.

Mich interessiert die Statik der Angelegenheit: Das Abenteuer besteht aus genau einer schwierigen Situation. Das ist für meine Begriffe schon ziemlich stripped-down. Irgendwie durchaus ein cooles Konzept, über das ich noch ein wenig nachdenken werde.

Mich interessiert aber auch, wie sich die Spieler bei der Angelegenheit verhalten haben. Haben sie schon während der Predigt überlegt, was sie tun sollen? War ihnen bewusst, dass das Abenteuer schon vorbei ist, wenn sie den Prediger unschädlich gemacht haben? War ihnen klar, dass sie beim Betreten der Kirche bereits mitten im Showdown waren? Spielten Charakterhintergründe, Umgebung und der Inhalt der Predigt irgendeine Rolle für die Überlegungen der Spieler? Haben sie lang überlegt? Waren sie enttäuscht, als hinterher alles so schnell vorbei war? Und wie lang hat das Ganze eigentlich gedauert?
« Letzte Änderung: 28.12.2018 | 12:46 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

Offline CiNeMaNcEr

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #5 am: 28.12.2018 | 13:34 »
Den Fragen von Chiarina schliesse ich mich an.

Danke für den sehr detaillierten Spielbericht. Da hast du nochmal gut was rausgeholt aus einem Szenario was ich kaum als Szenario sondern eher Szene bezeichnen würde.
- Leitet: (Pausiert) Cthulhu-Western Kampange Shadows Over Stillwater, Oneshots (Unknown Armies, Cthulhu of Cthulhu/NEMESIS, Over The Edge).
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Offline Ham's the R

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #6 am: 28.12.2018 | 15:54 »
Ich habe tatsächlich ein echtes Faible für derartige Dinge. Es geht dabei um Kleinigkeiten, die sich entwickeln können, aber das nicht zwingend müssen.

Es hilft mir, wenn ich auch Ideen der Spieler aufgreifen und entwickeln kann, ohne mir diese Ideen selbst auszudenken. Das ist für mich ein dynamischer Plot. Alles kann; nichts muss.

Das war schon bei 'Cerulean Halo' so - aber auch bei 'The Dying Of St Margaret’s', 'The Lake Of Mist' 'Die Klinik des Herrn Doktor West' oder 'The Bosworth House'.

Und kürzere derartig ruhige Sequenzen baue ich in so gut wie jedes Szenario ein.

Das Ganze ist nicht so statisch-literarisch, wie man jetzt hineininterpretieren mag. Die Spieler der Gruppe wissen genau, worauf es mir dabei ankommt und haben sich das abgeschaut und angenommen.

Ich lese die Aklo Predigt ab, bzw. trage sie vor. Aber nicht als langer Monolog, sondern immer schön Häppchenweise.

Die Chars haben zwischendrin auch immer wieder Aktionen gestartet, die völlig unerheblich oder banal für die Geschichte waren. Auch haben sie recht oft die Köpfe zusammen gesteckt.

Meine Spieler übernehmen zuweilen auch Co-SL Rollen und spielen sich einander mit NSCs gegenseitig an. Das würde jetzt aber zu weit führen und auch zu sehr ins Detail gehen. Ausserdem haben diese Dinge mit dem Plot nichts zu tun, sondern sind einfach nur In-Char.

Alle haben daran mehr oder weniger ihren Spass.
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Offline Ham's the R

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Re: [Cthulhu] Something For Christmas
« Antwort #7 am: 28.12.2018 | 18:05 »
Mich interessiert aber auch, wie sich die Spieler bei der Angelegenheit verhalten haben. Haben sie schon während der Predigt überlegt, was sie tun sollen?
Da die Predigt häppchenweise kam, hatten sie immer wieder Zeit zum plotten.

War ihnen bewusst, dass das Abenteuer schon vorbei ist, wenn sie den Prediger unschädlich gemacht haben?
Nein. Wie auch? Darauf hat nichts hingewiesen.
Der Doktor hätte auch gar nicht unschädlich gemacht werden müssen. Pistole mit Platzpatronen (im Original ist es ein Schrotgewehr ohne Munition). Und die Kolben (Zusatz als Überdramatisierung) waren mit Glyzerin gefüllt, aber nicht mit Trisalpetersäureglycerinester = Nitroglyzerin. Das war ebenfalls eine Finte.

War ihnen klar, dass sie beim Betreten der Kirche bereits mitten im Showdown waren?
Nein.
Ursprünglich ist das ja ein Delta Green Szenario. Man hätte am Ende drastische Probleme das Ganze einzudämmen. Keine Ahnung, was man bei vielen Hundert Betroffenen so macht.

Spielten Charakterhintergründe, Umgebung und der Inhalt der Predigt irgendeine Rolle für die Überlegungen der Spieler? Haben sie lang überlegt?
Nein. Nein. Und ja. Die Spieler haben immer überlegt, was da jetzt kommen könnte. Im Original wird dazu ja mal überhaupt nichts geschrieben. Ich habe die Aklo Textstellen als Handout verteilt. Da wurde Zeug hineininterpretiert. Herrlich.

Waren sie enttäuscht, als hinterher alles so schnell vorbei war?
Etwas. Aber es hielt sich in Grenzen. Die Spieler waren von der Wirkung der Predigt überrascht, so wie ich sie mir überlegt hatte. DAS hatten sie definitiv nicht erwartet.

Und wie lang hat das Ganze eigentlich gedauert?
Wir hatten 5 Std. Spass und haben dann noch weitere 4 Std. darüber gesprochen und uns der Geselligkeit hingegeben.
« Letzte Änderung: 28.12.2018 | 18:07 von Der Läuterer »
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