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Originär deutsche 5e-Produkte - Wo bleiben sie?
Wisdom-of-Wombats:
--- Zitat von: La Cipolla am 18.01.2019 | 13:33 ---Ich möchte lieber auf diesen Punkt eingehen: Wollen wir 1. Selbstgemachtes überhaupt haben und 2. es selbst machen?
--- Ende Zitat ---
Offensichtlich, sonst gäbe es die ganzen Abenteuerwettbewerbe aus und in der Community nicht.
--- Zitat von: La Cipolla am 18.01.2019 | 13:33 ---Mein Eindruck war immer, dass Deutsche eher [eigenen Kram für ihre eigenen Gruppen] basteln, und zwar im Bestfall für [das Standard-Setting des jeweiligen Spiels]. Selbst komplette Eigenentwicklungen verlassen selten die Haustür. "Wir" haben eine Menge Heartbreaker und Hausregeln und epische selbstgeschriebene Abenteuer mit 116 laminierten Handouts, aber wenige Leute haben Interesse, das in die Community zu tragen. Oft aus objektiv guten Gründen, aber hauptsächlich wahrscheinlich, weil Rollenspiel in Deutschland eine Gruppensache ist, nicht eine Community-Sache.
--- Ende Zitat ---
Ich glaube eher, wir haben es hier mit anderen Punkten zu tun:
- Man weiß nicht, wie und wo man mit dem Veröffentlichen anfangen soll.
- Etwas für Veröffentlichung fertig zu machen ist deutlich mehr Arbeit als es für den Hausgebrauch aufzubereiten. Da ist das selbstgeschriebene Abenteuer/System/Welt etc. bestenfalls der erste Entwurf. Um das rund zu machen, braucht es mindestens eine Reihe Spieltests (auch solche ohne Autor am Tisch), eine Überarbeitung, ein Lektorat, ein Korrektorat, eine Druckerei, einen Weg das zu finanzieren, einen Vertriebsweg etc. Von professionellen Illus gar nicht zu reden.
Ich glaube das scheitert nicht am Wollen, sondern am Know-How
Die Creator Programme, die in Deutschland doch eher unbekannt sind, nehmen einem sehr viel Arbeit ab. Aber auch dann muss Material noch aufbereitet werden. Ich habe über die Jahre jede Menge Zeug für Vampire in die Schublade gelegt. Das ist teilweise schon fertig für den Buchdruck oder gar als Kleinstauflage zum Privatgebrauch gedruckt worden. Aber um es z.B. in die Storytellers Vault zu bringen, müsste ich noch mal mindestens 40h nacharbeiten. Dann hätte ich was fertiges Deutsches. Nur das lohnt den Aufwand nicht. Um es auf englisch zu verkaufen, muss ich es übersetzen - sind nochmal 40h. Nur im speziellen Fall ist der Return on Investment zu niedrig. Die Storytellers Vault produziert derzeit nur Silver Seller als Maximum.
Ganz anders bei D&D: hier gibt es sogar Admantine Seller, die nicht von WotC kommen. Mein PWYW-Produkt ist häufiger runtergeladen worden in einem Monat als meine beiden SV-Produkte in über einem Jahr. Klar, kein guter Vergleich. Aber demnächst gibt es halt ein Produkt, dass was kostet, und dann habe ich den Vergleich.
Beim Scriptorium Aventuris sind die Fan-Sachen, die auf Copper kommen, alles PWYW-Sachen.
Zeigt: der deutsche Rollenspieler macht den Schritt zum professionellen Fan nicht mit. Gratis-Mentalität herrscht vor. Damit ist es nicht wirtschaftlich, meine Freizeit in deutsche Produkte im Creator Programm zu setzen.
Daher: Muss wohl ein Verlag in die Lücke springen. Nur welcher? Ulisses und Uhrwerk haben die Teller voll, System Matters setzt auf die Vorgänger der D&D 5e, Pegasus pickt sich genau raus, welche Reihen es nimmt, Mantikor hat andere Schwerpunkte. Was bleibt da noch? Das muss quasi aus den Reihen der halbprofessionellen Fans kommen.
Wisdom-of-Wombats:
--- Zitat von: La Cipolla am 18.01.2019 | 14:12 ---– Der Anreiz für deutsche Material ist deutlich niedriger, weil die potenziellen Adressaten (Deutschsprachige) sehr viel weniger sind.
– Überhaupt ist der Gedanke, etwas "zu veröffentlichen" in Deutschland sehr viel weniger verbreitet, durch eine stärkere Durchformatierung des Buchmarkts; die meisten Rollenspieler außerhalb der Foren, die ich kenne, finden den Gedanken, etwas für ein Rollenspiel zu veröffentlichten, ziemlich wild, egal in welcher Form.
--- Ende Zitat ---
Da glaube ich sogar, dass Du richtig liegst. Die wenigsten wissen, dass die Publikationshürden in den letzten Jahren dank Amazon und ePubli deutlich gesunken sind. Damit muss man sich schon beschäftigen, um es zu wissen. Nur dann bleibt die Mikroauflage. Egal, was ich mache, ich glaube nicht, dass sich mehr als 100 Bücher verkaufen ließen im deutschen Sprachraum. Das ist mir vom Potential her zu wenig. Dann lieber auf englisch arbeiten und den deutschen Sprachraum ignorieren. Nachdem Motto: da steckt kein Geld drin.
Antariuk:
--- Zitat von: La Cipolla am 18.01.2019 | 13:33 ---Mein Eindruck war immer, dass Deutsche eher [eigenen Kram für ihre eigenen Gruppen] basteln, und zwar im Bestfall für [das Standard-Setting des jeweiligen Spiels]. Selbst komplette Eigenentwicklungen verlassen selten die Haustür. "Wir" haben eine Menge Heartbreaker und Hausregeln und epische selbstgeschriebene Abenteuer mit 116 laminierten Handouts, aber wenige Leute haben Interesse, das in die Community zu tragen. Oft aus objektiv guten Gründen, aber hauptsächlich wahrscheinlich, weil Rollenspiel in Deutschland eine Gruppensache ist, nicht eine Community-Sache. Selbst, wenn es um Universalrollenspiele geht, verlässt man sich eher auf "offiziell" veröffentlichte Regeln oder offizielle "Core-Settings", oder man greift ganz ohne Erweiterungsprodukte auf bekannte Lizenz-Settings und Genres zurück. (Gibt es ein relevantes Universalrollenspiel ohne DSA-Konvertierung ...?)
--- Ende Zitat ---
Genau das ist auch mein Eindruck. So oft schon habe ich um drei Ecken von Rollenspielgruppen gehört, die quasi im Verborgenen spielen, ohne Kontakt zu anderen Runden, zu entsprechenden Foren, Facebook-Gruppen oder sonstwas. Wenn man das nicht zufällig erzählt bekommt, erfährt man das nicht. Wer selber 24/7 online unterwegs ist kann sowas kaum glauben, aber das gibt es. Und dass Spielleiter dann ihre gebastelten Materialien nicht online teilen, ist dann auch nicht mehr erstaunlich.
--- Zitat von: La Cipolla am 18.01.2019 | 13:33 ---Und nur schnell am Rande: Ich halte es für schwierig, eine gesamte nationale Community als "faul und unkreativ" zu bezeichnen. So funktioniert mein Menschenbild nicht mal ansatzweise. Oô Man sollte lieber genauer hinschauen und herausfinden, wohin die Arbeit und die Kreativität fließen. (Meine Theorie wäre, wie gesagt, in die eigene Gruppe.)
--- Ende Zitat ---
Den Vorwurf, dass "die Deutschen" faul und unkreativ seien, weil es wenige deutsche Materialien in den OBS Shops gibt, ist absolut hanebüchen.
Deine Erklärungsversuche finde ich deutlich produktiver :d Wobei das Know-how in den heutigen Zeiten immer weniger ein Faktor sein wird, da man mit 30 Sekunden Recherche mit Möglichkeiten zum Desktop-Publishing zugeschmissen wird. Und wer nicht in der Lage ist, Dinge im Netz zu recherchieren, der gehört mMn auch nicht zu der Gruppe von Leuten, die vielleicht unter Umständen mal was veröffentlicht hätte, wenn sie denn nur gewusst hätten, wie.
Greifenklaue:
Eins darf man auch nicht vergessen: Einige Deutsche schreiben ihren Kram schlicht auf Englisch in der DM Guild.
Und ich erinnere mich gerade an jemanden, der auf OBS deutschsprachigen PF-Kram gemacht hat, aber vermutlich kennt den kaum jemand, weil er sich einfach nicht vermarktet hat, weas eben die andere Seite ist, wenn man will, dass jemand seinen Kram liest.
Wisdom-of-Wombats:
--- Zitat von: Antariuk am 19.01.2019 | 00:39 ---Wobei das Know-how in den heutigen Zeiten immer weniger ein Faktor sein wird, da man mit 30 Sekunden Recherche mit Möglichkeiten zum Desktop-Publishing zugeschmissen wird.
--- Ende Zitat ---
Du brauchst aber mehr als 30 Sekunden, die Infos zu verarbeiten und dann zu bestimmen, welches die richtige Methode für Dich ist. Geschweige denn, diese dann auch umzusetzen. Siehe oben. Der Schritt von: ich hab was auf Festplatte bis zu: ich kann auf den Knopf drüken und die Veröffentlichung einleiten, sind mindestens 20-40 weitere Stunden arbeiten. Die muss man auch erstmal investieren können und wollen.
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