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[Knights of the Black Lily] Small Talk und mehr ...

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BBB:
Gibt es irgendetwas, weiß nicht, eine Serie oder Buchreihe oder einen Film, den man nennen könnte, um eine genauere Vorstellung zu bekommen?
Fiebere schon dem Schnellstarter entgegen, finde alles, was ich bisher gesehen habe, klasse, und trotzdem merke ich, dass ich so gar keine konkrete vorstellung habe 😉

Bildpunkt:
Kein Twitteraccount!  :(

Obwohl das mit den gewaehlten sozialen Netzwerken ganz konform mit der Spielwelt geht  ;)

Alexander Kalinowski:
Das man keine konkrete Vorstellung hat, liegt auch ein bisschen daran, dass das Setting selbst ja noch im Aufbau begriffen ist. Ich muss es vorerst wie GRRM beim Schreiben von Game of Thrones machen und ein bisschen eine vollständige Welt vortäuschen. Das heisst nicht, dass ich keine gute Vorstellung von der Welt habe - im Gegenteil, ich habe eine Grundvision und eine Fülle von Vorstellungen hier und da. Aber ein Teil der Fertigstellung eines vollständigen Grundregelwerks wird eben auch sein, diese Puzzleteile zusammenzubauen und zu einem vollständigen Bild zu ergänzen. Ich glaube auch, dass da mehr Illustrationen helfen werden.

Welche Welt kommt dem am nächsten? Schwer zu sagen. Game of Thrones goes Gothic? Nee, GoT hat kein HEDO, die Guten (Jon Snow?) haben die Hoffnung, dass am Ende das Gute gewinnt. Das mit der Tragik passt aber schon und das mit den Kriegswirren auch. Aber es ist eben auch in mancherlei Hinsicht zu sehr Spätmittelalter, fast schon Renaissance. Vikings/Last Kingdom goes Gothic? Nicht wirklich, auch wenn die mystischen Elemente in beiden Serien schon inspirierend sind. Shadowrun goes Classical Fantasy? Das vielleicht sogar am Ehesten, aber auch mit 4 Sternchen für weitere Anmerkungen dran.

Was die Charaktere machen (gut, neutral/egoistisch, böse) hängt alleine von den Spielern ab. Mein persönliches Ideal wäre eine gemischte Party, aber da braucht es spezielle Mechanismen um zu verhindern, dass das eskaliert. Und das Problem an "gut" ist natürlich, dass es keine Hoffnung auf einen globalen Sieg über das "Böse" gibt. Wenn's darum geht wie sie überleben: sie müssen Jobs annehmen von Leuten, die verzweifelt oder mächtig genug sind, sich mit Unberührbaren einzulassen. Da man ganz unten ist, wird ein wesentlicher Teil des Kampagnenspiels ein Stück in Richtung Picaresque gehen.

Und sind nicht ALLE sozialen Netzwerke ein Werk der dunklen Götter? :D

Alexander Kalinowski:
Ach ja, zur Magie.

Also das Spiel macht einige Dinge anders. Nicht alles, aber ein paar Dinge schon. Zum Beispiel kann in einer Überzahlsituation nicht notwendigerweise jeder Angreifer in jeder Runde angreifen. Es ist absehbar, dass dies manchem sauer aufstoßen wird, aber es orientiert sich halt knallhart an choreographierten Filmkämpfen. Und auch bei der Magie ist absehbar, dass das ein oder andere nicht jedem gefallen wird:

Magie geht vom... Teufel aus. Ich weiß schon, ich weiß schon... Satanic Panic and all that.  Da es keinen christlichen Gott gibt (überhaupt keine guten Götter), ist es natürlich auch NICHT der christliche Teufel. Satan ist einfach einer der dunklen Götter (und damit auch nicht positiv besetzt um mal dieser Besorgnis entgegenzutreten) - einer von Vielen. Warum überhaupt ausgerechnet den Teufel ins Spiel bringen? Satan in KotBL ist ein wenig an den Teufel aus mittelalterlichen Geschichten angelehnt. Und genau den will ich mal in einer Fantasywelt sehen. Er ist hier einer der wenigen dunklen Götter, der sich in (vielfältigen) Erscheinungen physisch manifestiert. Nicht gerade als Gehörnter, sondern als eine oder mehrere Personen, die man trifft oder vielleicht gar kennt. Jemand mit dem man verhandeln oder den man gar reinlegen kann. Das will ich im Rollenspiel sehen. Um die Existenz der anderen dunklen Götter weiß man hingegen nur, weil sie die Gebete mancher ihrer Priester erhören. Manchmal. Den Teufel kann man treffen - und man kann mit ihm einen faustischen Pakt eingehen um die Gabe der Zauberei zu erhalten.

Was die Mechanik angeht, ist die auf das allgemeine Traitssystem (Vor-/Nachteile) mit seinen Powerpoints (s.u.) aufgebaut. Der Kern der Magie (aber das ist nicht alles) ist auf Sprüchen aufgebaut, die wiederum einer Spruchfamilie angehört. Die Spruchfamilie 'Feuerball' zB gibt dem SPIELLEITER an in welchen Wertebereich die verschiedenen Feuerball-Varianten, die es geben mag, generell operieren.  Wenn ein Spieler einen Feuerballspruch besitzt, dann hat sein Spruch konkrete Werte aus diesem Bereich. Wie gut der Spieler (und Charakter) diese Werte jeweils kennt, ist offengelassen. Das mag auch variieren.

Wie bereits angedeutet, wird da auch noch mehr hinzukommen, um Magie insgesamt ein Stück weniger berechenbar und ein Stück mehr mystisch werden zu lassen.

Ansonsten würfelt man normalerweise nicht, ob ein Zauber klappt - ganz einfach weil's im Film auch immer klappt, es sei denn besondere Umstände kommen zum tragen (gestörte Konzentration, unerfahrener Magier, neuer Spruch, etc). Man zahlt in Power Points. Power Points sind keine Astralpunkte, sie messen Screentime, sozusagen. Die Frage dahinter: wie oft kann ein Charakter eine Sonderfähigkeit pro Episode/Film/Comicbuch/Buchkapitel einsetzen bevor es überhand nimmt? Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass dies der wahre Grund ist, warum Gandalf nicht mehr gezaubert hat - er hat seine Screentime mit den Zaubern, die er gemacht hat verbraucht. Ich nenne das Prinzip dahinter "Narrative Kosten". Ein bisschen an die Skills in GUMSHOE angelehnt, aber ich bin der Überzeugung, dass dies bei GUMSHOE der falsche Ansatz ist. Fertigkeiten sollten unendlich oft einsetzbar sein, SPEZIALfähigkeiten hingegen sollten limitiert sein.

Ein weiterer Aspekt der narrativen Kosten? Wiederholung kostet extra. Nicht unbedingt bei Spezialfertigkeiten, obwohl's da auf die individuelle Fähigkeit/den Zauberspruch ankommt. Ganz einfach weil's langweilig ist. Wenn der Mountain in Game of Thrones einem beide Augen ausdrückt, dann macht er das beim nächsten Mal nicht wieder. Einfach weil's für den Leser langweilig und uncool wäre.

Kurz gesagt: Regelmäßig ist das Spiel vielleicht der radikalste Versuch das Genre zu simulieren.

BBB:
Danke für die Einordnung, ich glaube das hilft mir weiter. Illus und Hintergrund finde ich tatsächlich sehr spannend, werde ich definitiv weiter verfolgen...


--- Zitat von: Alexander Kalinowski am 28.01.2019 | 18:48 ---Also das Spiel macht einige Dinge anders. Nicht alles, aber ein paar Dinge schon. Zum Beispiel kann in einer Überzahlsituation nicht notwendigerweise jeder Angreifer in jeder Runde angreifen. Es ist absehbar, dass dies manchem sauer aufstoßen wird, aber es orientiert sich halt knallhart an choreographierten Filmkämpfen.

--- Ende Zitat ---

Frage hierzu: Würdest du das angestrebte Spielgefühl als cinematisch bezeichnen (was auch immer dieser Begriff im Detail aussagen soll :-))?
Klingt für mich ein bisschen so, als wenn du versuchst Filme/Serien als Spielgefühl abzubilden, kann mich da aber auch täuschen und den obigen Satz überinterpretieren...

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