Pen & Paper - Spielsysteme > Weitere Pen & Paper Systeme
[Degnesis Rebirth Edition] Erfahrungen und Neuerscheinungen
Viral:
Degenesis "balanced" sich über die Verfügbarkeit von Schusswaffen, Munition und Ausrüstung. Ein Hellvetiker rockt halt nur bis zur letzten Patrone. Der Wegbereiter eines Hellvetikers ist ohne Munition auch nur ein relativ unhandlicher Knüppel.
Entsprechend ist eine Begnung mit Schusswaffenträgern auch tödlich, wenn die Spielfiguren schlecht ausgerüstet sind.
Mich stört an Degenesis eigentlich dieses Konzept des Traumaschadens. Damit wird eine Spielfigur unter Umständen relativ lange aus dem Spiel genommen. Ehrlicher wäre es da, den gleich sterben zu lassen und eine neue Spielfigur zu nehmen. Die Lösung ist dann einfach. Man mache sich dann eben eine neue Spielfigur und spielt weiter.
Das Regelsystem ist ok, keine Offenbarung ... aber auch kein totaler Schuss in den Ofen.
YY:
--- Zitat von: Netheliel am 10.03.2019 | 16:09 ---Da stellt sich dann auch ein wenig die Frage, wieso ein Anfangscharakter direkt in eine Situation kommt, in der er einem Kämpfer-NPC gegenüber gestellt wird (Geissler), der zudem ziemlich gut ausgerüstet ist(Schusswaffe - sollten eigentlich sehr rar gesät sein) und dann noch einen Schwierigkeitsgrad von 4 bewältigen muss, was einer schwierigen Probe entspricht, zu Beginn einer Kampagne also a.e. von einem Charakter mit einer Spezialisierung in diesem Feld gelöst werden sollte.
Wenn ich die Geschichte höre "Ein Schrotter versucht sich an einem Geissler vorbeizuschleichen, wird entdeckt und beinahe getötet" muss ich erstmal sagen, dass das für mich nach einem vollkommen plausiblem Szenario klingt, was die unterschiedlichen Konzepte und Fähigkeiten der Kulte und Charaktere betrifft - so wie es eben wahrscheinlich auch von den Machern beabsichtigt war.
--- Ende Zitat ---
Das beißt sich für mich:
Ich kann doch nicht einerseits darauf verweisen, dass Setting und Regelwerk explizit "unfair" sind, d.h. letzteres nicht gebalanced ist und gleichzeitig fragen, wieso ein Anfangscharakter einem "dicken" Kämpfer begegnet bzw. erzählen, wie in der eigenen Runde die Gegner schön angepasst wurden. Das ist doch eine deutliche Balancingmaßnahme, wenn auch nicht durch das Regelwerk.
Caranthir:
--- Zitat von: YY am 10.03.2019 | 19:16 ---Das beißt sich für mich:
Ich kann doch nicht einerseits darauf verweisen, dass Setting und Regelwerk explizit "unfair" sind, d.h. letzteres nicht gebalanced ist und gleichzeitig fragen, wieso ein Anfangscharakter einem "dicken" Kämpfer begegnet bzw. erzählen, wie in der eigenen Runde die Gegner schön angepasst wurden. Das ist doch eine deutliche Balancingmaßnahme, wenn auch nicht durch das Regelwerk.
--- Ende Zitat ---
Man kann sich als Gruppe schon raussuchen, ob man den gefährlichen "Finde den Ansumo"-Auftrag annimmt oder sagt, "Okay, lasst uns den Gerüchten nach diesem Bunker in der Wildnis nachgehen". Beim ersten Auftrag ist die wahrscheinlichkeit relativ groß, dass man draufgeht, beim zweiten, dass man einer Horde Sipllingen über den Weg läuft.
Feuerwaffen sollen selten sein und nicht jeder, der eine besitzt, setzt die auch immer gleich ein. Ich finde tatsächlich, dass Balance nicht zu Degenesis passt, es soll ja gerade dreckig und tödlich. Wobei dieses Spielgefühlt für mich in der alten Edition besser transportiert wird, als in der neuen.
Netheliel:
--- Zitat von: YY am 10.03.2019 | 19:16 ---Das beißt sich für mich:
Ich kann doch nicht einerseits darauf verweisen, dass Setting und Regelwerk explizit "unfair" sind, d.h. letzteres nicht gebalanced ist und gleichzeitig fragen, wieso ein Anfangscharakter einem "dicken" Kämpfer begegnet bzw. erzählen, wie in der eigenen Runde die Gegner schön angepasst wurden. Das ist doch eine deutliche Balancingmaßnahme, wenn auch nicht durch das Regelwerk.
--- Ende Zitat ---
Öhm, das kann ich wiederum nicht nachvollziehen. Um es mal ganz einfach und übertrieben darzustellen: Bei D&D wird einer Startgruppe in der Regel ja auch kein Drache als Gegner vor die Nase gesetzt - ist das eine Balancingmaßnahme? Für mich ist das eher eine Gegebenheit, die sich aus der Spielwelt ergibt aber auch aus den Vorgaben der Entwickler.
Die Gegner wurden in unserer Runde nicht in dem Sinne "angepasst" (ja, der SL hat keinen Hellvetiker-Trupp als Gegner ausgesucht, sondern eben Clanner, weil das angemessene Gegner für Anfangscharaktere sind, aber s.o. Beispiel mit dem Drachen), sondern eben auch von den Charakteren ausgesucht. Den pöbelnden Wiedertäufer in der Kneipe haben wir nicht versucht, niederzuknüppeln, sondern ihn mit Worten beschwichtigt. Die Richter-Protektoren wurden geschmiert und nicht mit Waffengewalt "überzeugt". Beides einfach aus dem Grund heraus, dass eine gewalttätige Vorgehensweise vermutlich mit schweren Verwundungen oder Tod der eigenen Charaktere geendet hätte.
Als Balancingmaßnahme würde ich das aber ganz sicher nicht bezeichnen (darunter fällt für mich, Veränderungen am System vorzunehmen, z.B. jeder Charakter würfelt mit +1 Würfel auf Angriffe, o.ä.), sondern als an die Welt angepasstes Rollenspiel.
Um zum Beispiel von Kampfpudding zurückzukommen: Einen Nicht-Kämpfer Charakter in direkten Konflikt mit einem Kämpfer-Charakter zu setzen, halte ich für den Einstieg einfach als recht happig, würde das aber nicht dem Regelsystem anlasten, wenn der Kämpfer-Char dabei als Sieger hervorgeht.
Stattdessen würde so eine Situation in meinen Augen eine andere Vorgehensweise des Charakters notwendig machen. Wenn der Schrotter eben nicht schleichen kann, kann er versuchen, den Buggy des Geißlers zu sabotieren? Kann er ihn zu einem Wetttrinken überreden und ihn unter den Tisch saufen? Oder ihm Reparaturen an seiner Ausrüstung anbieten, um so zu seinem Ziel zu kommen?
Degenesis verlangt von den Spielern, dass sie sich auf die Stärken ihrer Charaktere konzentrieren und von den wenigsten ist das eben die Auseinandersetzung mit Waffengewalt. Das ermöglicht aber in meinen Augen umso mehr, dass man versucht sich in diese Spielwelt einzufinden und auf andere aber evtl. sogar stimmigere Lösungsansätze kommt, die zu einem kohärenten Narrativ und einer spannenden Story führen.
YY:
--- Zitat von: Netheliel am 11.03.2019 | 17:42 ---Bei D&D wird einer Startgruppe in der Regel ja auch kein Drache als Gegner vor die Nase gesetzt - ist das eine Balancingmaßnahme?
--- Ende Zitat ---
Natürlich ist es das.
Genau wie den Spielern regelmäßig (lies: fast immer) alternative Wege offen zu lassen, um die Stärken ihrer Figuren nutzen zu können. Das wirkt für mich sehr früh unplausibel, ähnlich wie die Haltung "Wenn die SCs meistens keine tödliche Gewalt anwenden, macht es die Welt genau so - und umgekehrt". Oft wird mir das zu weit getrieben und wirkt dann nicht mehr stimmig.
Das soll nicht heißen, dass ich das alles rundheraus ablehne oder vollständig zu vermeiden suche (sonst bricht das Spiel schnell zusammen), aber man sollte sich schon bewusst sein, dass das teils ziemlich radikale Balancingmaßnahmen sind, obwohl sie sich nirgends in greifbaren Zahlen niederschlagen.
Damit wird aus einem "unfairen" Gesamtsystem (also Setting und Regelwerk) schnell etwas, das zwar auf den ersten Blick unfair wirkt, es aber letztlich nicht ist (und ehrlich betrachtet auch nicht radikal unfair sein kann, ohne das Spiel zu kippen).
Vielmehr muss man sich da fragen, ob die SCs durch das Regelwerk systematisch benachteiligt werden - weil z.B. viele Probleme für NSCs strukturell nicht oder nicht in gleicher Weise zum Tragen kommen (wie etwa elend lange Heilungszeiten und große Wundabzüge). Die eigentlichen Regeln sind da wohlgemerkt symmetrisch, aber ihre Auswirkungen sind es ziemlich zwingend nicht. Da wäre zu klären, worin hier der spielerische Mehrwert besteht oder ob das nicht einfach eine schlechte Designentscheidung ist, deren Anpassung das Spielerlebnis wesentlich voranbringt, obwohl man damit den gefühlten atmosphärischen Pluspunkt des "dreckigen" Systems entwertet.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln