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Sind Dungeon Crawls per Defition reine "Metzelabenteuer"?
nobody@home:
--- Zitat von: D. Athair am 12.07.2019 | 17:11 ---Ich glaube, dass die Gleichung Dungeon Crawls = reine "Metzelabenteuer" letztlich v.a. auf Wahrnehmungsfehlern beruht.
1) Schnetzel-Abenteuer sind überzufällig häufig Abenteuer in Dungeons - für Gruppen, die genau so was wollen.
2) Es gibt Spieler.innen, die diese Art des Rollenspiels zutiefst verachten und als Feindbild aufgebaut haben.
3) In der Generalisierung und unter Beibehaltung von Wahrnehmungsfehlern wird dann die ambiguitätsintolerante Aussage hinausposaunt: "Dungeons sind hirnlose Klopper oder bestenfalls was für Freunde von combat as sport". Die
Realität schaut aber deutlich diverser aus. Die Mehrzahl der Dungeons sind mAn keine "Metzelabenteuer". (Spieler.innen, die "Metzelabenteuer" nicht mögen, machen sie aber - falscher Annahmen wegen - auch gern zu solchen. Zwecks Confirmation Bias.)
--- Ende Zitat ---
Es gibt eventuell noch einen Punkt 4, denke ich: viele "klassische" Dungeonabenteuer, insbesondere die, in denen das Dungeon auch hinreichend beeindruckend groß sein soll, sind in Sachen Bewohnerbeschreibung eher kurz angebunden. "Raum 7a enthält acht Orks (Liste der einzelnen Trefferpunkte folgt), die insgesamt sechzig Goldstücke und einen Heiltrank haben." Daraus geht nach urklassischer D&D-Tradition (wir erinnern uns: Reaktions- und Moralwürfe und Spieler, die eigentlich motiviert sein sollten, bedacht vorzugehen) längst nicht zwangsläufig hervor, daß diese Orks absolut keine Persönlichkeit und keinen Selbsterhaltungstrieb haben und deshalb automatisch geschnetzelt und ihre Leichen geplündert gehören...aber wenn jetzt jemand daherkommt, der von dieser Tradition umständehalber völlig unbeleckt ist (dafür aber vielleicht einen CRPG-Hintergrund hat, in dem alles, was nicht ausdrücklich als friedlich markiert ist, bei Erstkontakt auf einen losgeht), dann wird der exakt selbe karge Vermerk bei ihm natürlich womöglich komplett anders ankommen.
tartex:
--- Zitat von: D. Athair am 12.07.2019 | 17:11 ---
2) Es gibt Spieler.innen, die diese Art des Rollenspiels zutiefst verachten und als Feindbild aufgebaut haben.
3) In der Generalisierung und unter Beibehaltung von Wahrnehmungsfehlern wird dann die ambiguitätsintolerante Aussage hinausposaunt: "Dungeons sind hirnlose Klopper oder bestenfalls was für Freunde von combat as sport".
--- Ende Zitat ---
Vor allem versuchen solche Leute dann regelmäßig ihren Standpunkt zu beweisen, wenn sie Dungeons spielen, indem sie wie hirnlose Schlachter vorgehen, was sie sonst kaum tun. Und wenn es dann eventuell zum TPK kommt, weil der Dungeon eben ein gewöhnliches Environment mit Konsequenzen ist, heißt es dann erst recht "Ich mag halt Charakterspiel, nicht so hirnloses Schlachten, wo man nur ein Spielstein ist."
Rorschachhamster:
Jo. Wenn man den Eingangspost liest, weiß man schon warum man auf die Idee kommen könnte. Ersetze "Opfer und Sklaven" mit "Opfer, Sklaven und potentielle Verbündete" und das spielt sich schon ganz anders... :)
@nobody: +1
Greifenklaue:
--- Zitat von: nobody@home am 12.07.2019 | 17:24 ---Es gibt eventuell noch einen Punkt 4, denke ich: viele "klassische" Dungeonabenteuer, insbesondere die, in denen das Dungeon auch hinreichend beeindruckend groß sein soll, sind in Sachen Bewohnerbeschreibung eher kurz angebunden. "Raum 7a enthält acht Orks (Liste der einzelnen Trefferpunkte folgt), die insgesamt sechzig Goldstücke und einen Heiltrank haben." Daraus geht nach urklassischer D&D-Tradition (wir erinnern uns: Reaktions- und Moralwürfe und Spieler, die eigentlich motiviert sein sollten, bedacht vorzugehen) längst nicht zwangsläufig hervor, daß diese Orks absolut keine Persönlichkeit und keinen Selbsterhaltungstrieb haben und deshalb automatisch geschnetzelt und ihre Leichen geplündert gehören...aber wenn jetzt jemand daherkommt, der von dieser Tradition umständehalber völlig unbeleckt ist (dafür aber vielleicht einen CRPG-Hintergrund hat, in dem alles, was nicht ausdrücklich als friedlich markiert ist, bei Erstkontakt auf einen losgeht), dann wird der exakt selbe karge Vermerk bei ihm natürlich womöglich komplett anders ankommen.
--- Ende Zitat ---
Genau und ganz wichtig! Dungeons schreiben eigentlich nie Handlungsweisen vor.
Little Indian #5:
--- Zitat von: Greifenklaue am 12.07.2019 | 19:09 ---Genau und ganz wichtig! Dungeons schreiben eigentlich nie Handlungsweisen vor.
--- Ende Zitat ---
Nur sehr sehr wenige Abenteuer schreiben doch Handlungsweisen vor.
Aber selbst wenn eine Handlungsweise nicht vorgeschrieben ist, sind durch die Natur des Abenteuers, die Umgebung und die auftretenden NSCs bestimme Handlungsoptionen u.U. naheliegender als andere.
Die Bewohner des Dungeons werden oft - wie bereits ausgeführt wurde - nur sehr knapp beschrieben (meist eben nur mit den für einen Kampf relevanten Werten). Ihr Auftauchen in einem isolierten Bereich, der oft auch nicht logisch aufgebaut ist, macht es für den Spielleiter auch schwer zu erkennen, wie sie selbst mit ihrer Umwelt interagieren und in diese eingebunden sind. Da auch die SCs im Dungeon oft nicht die Möglichkeit haben, Recherchen anzustellen oder Verstärkung oder helfende Ressourcen kurzfristig zu erlangen, ist eine gewaltsames Überwinden der im Dungeon angetroffenen Gegner eine Vorgehensweise, die durch die Art des Abenteuers besonders nahegelegt wird.
Auch sind viele Dungeon-Abenteuer als Suche nach einem bestimmten McGuffin (einer Person oder einem Gegenstand) konzipiert, anders als Überland- oder vor allem Stadtabenteuer, bei denen Diplomatie oft das naheliegendste und manchmal einzige Ziel ist, um Konflikte zu lösen. Auch dies legt es nahe, Dungeon-Bewohner, die sich als Hindernisse auf dem Weg zum Ziel präsentieren, möglichst schnell zu überwinden. Und das bedeutet, wenn man sie nicht umgehen kann, dann doch meist den Einsatz von Gewalt.
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