Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
[Rant] Schlechte Regelwerke
D. M_Athair:
--- Zitat von: Thaddeus am 16.12.2019 | 08:42 ---Über eine Armee kann ich statistische Aussagen treffen, über ein Individuum nicht. Und hier liegt meiner Meinung nach das Problem.
--- Ende Zitat ---
An Ähnlichem scheitern übrigens unsere Realitätsvorstellungen übrigens auch. In beide Richtungen. An unseren eigenen Perspektiven und Erfahrungen, die wir als Menschen wie selbstverständlich generalisieren. Das UND statistische Mittelaussagen konstituieren unsere Vorstellung von der Welt. Dabei ist die Wirklichkeit extrem viel vielfältiger. (Es braucht z.B. entsprechend einiges, bis Menschen fachlich fundiertes und praktisch hilfreiches soziales Handeln zuverlässig hinbekommen. Pädagogik und Psycholgie sind da - gerade in Kombination - von unseren Alltagsvorstellungen verdammt weit weg und ziemlich contra-intuitiv.) Natürlich kann man trotzdem gute Modelle bauen. Dafür braucht es aber richtig viel - Fachwissen. Vor allem, wenn man so viele Bereiche abzudecken hat, wie im Rollenspiel.
--- Zitat von: Weltengeist am 16.12.2019 | 08:24 ---Und ja, Rumpel hat Recht - an den extremen Rändern (reines Taktiker-Spiel, reines Erzähl-Spiel,...) gelingt das scheinbar besser als im "Mittelfeld" dessen, was die Mehrzahl der Szene unter Rollenspiel verseht.
--- Ende Zitat ---
Das ist mMn völlig "natürlich". Warum? Weil die Schreibenden genau wissen, was sie wollen und wen sie abholen wollen und wen nicht.
Die Inkonsistenzen enstehen mMn vor allem dort, wo verschiedene Typen von Spielenden abgeholt werden sollen. Wo multible Präferenzen bedient werden sollen. Weil es da dann auch Segmente gibt, in denen sich die Regelautor.inn.en entweder nicht auskennen oder kein Interesse daran haben UND gleichzeitig trotzdem keine Lücke an der Stelle im System sein darf. Da schleichen sich dann besonders gern Fehler ein.
--- Zitat von: Der Narr am 14.12.2019 | 09:42 ---Tausch dich mal mit Falcon aus, der kann ja von all dem ein Liedchen singen und hat ja auch sein eigenes Regelwerk u.a. aus diesen Gründen geschrieben. Auch wenn die Lösung letzten Endes für ihn OSR zu sein scheint, was ich wiederum absolut absurd finde ~;D.
--- Ende Zitat ---
Ich hab da - meine ich - mal reingeschaut. Auch in Knights of the Black Lily von Alexander Kalinowski. Fand ich beides nicht berauschend, aber warum Falcon mittlerweile richtung OSR weitergezogen ist, finde ich absolut einleuchtend. Meine Suspension of Disbelief ist dagegen bei KotBL schon bei den sozialen Basis-Setzungen des Spiels in 10.000 Teile zersprungen.
--- Zitat von: Weltengeist am 16.12.2019 | 08:47 ---Siehst du, aber auch das ist ja ein Designziel für ein Rollenspiel: Stelle ein Framework zur Verfügung, innerhalb dessen der Spielleiter seine Rulings machen kann. Wenn das System das so will und dann auch umgesetzt kriegt, wäre das gutes Design im Sinne dessen, was ich hier meine.
--- Ende Zitat ---
Das ist auch, was neuere OSR-Spiele mittlerweile oft gut hinbekommen. Deswegen wundert es mich auch nicht, dass sie - auch unter Designern - recht beliebt sind. Starres und stabiles Gerüst/Rückgrad und der Rest ist Ableitung/Rulings und Freiform.
--- Zitat von: Weltengeist am 14.12.2019 | 09:22 ---Oder dass mir (einer meiner All-Time-Favorites) immer wieder Fähigkeiten als Talente / Feats / Meisterschaften / whatever verkauft werden, die im wirklichen Leben jeder kann, der die zugehörige Fertigkeit besitzt. Sowas wie "du kannst zwar kämpfen, aber du brauchst eine Sonderfertigkeit, jemanden zurückzudrängen, zu entwaffnen, zwischen die Beine zu treten oder schlicht: um dich zu verteidigen oder nach einem Sturz wieder aufzustehen". Was für ein Bullshit! Das kann JEDER, der wirklich kämpfen gelernt hat! So etwas ist doch keine Sonderfertigkeit - es ist eine Selbstverständlichkeit, die man allen weggenommen hat und jetzt einigen wenigen für teure XP zurückgibt!
--- Ende Zitat ---
Selbstverständlichkeiten? Puh! Einige dieser Manöver sind tatsächlich keine Selbstverständlichkeiten.
nobody@home:
--- Zitat von: D. Athair am 16.12.2019 | 22:59 --- Selbstverständlichkeiten? Puh! Einige dieser Manöver sind tatsächlich keine Selbstverständlichkeiten.
--- Ende Zitat ---
Das mag dann seinerseits wieder vom schlichten Können des Betreffenden abhängen und damit zu einer Art von Henne-und-Ei-Problem werden: was war zuerst da, die Tricks und Techniken oder die hohen Nahkampf-"Basis"spielwerte? Einen wie guten (beispielsweise) Schwertkämpfer mit den dazugehörigen Angriffs-, Verteidigungs-, und eventuellen sonstigen Zahlen darf sich mein Charakter überhaupt schimpfen, wenn die Regeln Schwertkämpfer-Spezialfeats für Sachen wie Entwaffnen, Halbschwertfechten, und Mordhau vorsehen und er die aber alle nicht hat?
Alexandro:
Naja, es gibt auch Schwertkämpfer die kämpfen ohne irgendwelche Schnörkel und haben trotzdem soviel Kraft und Schnelligkeit drauf, dass sie damit Erfolg haben (mehr sagt ein hoher Fertigkeitswert ja nicht aus).
Ob man zwischen genereller Kompentenz und Manövern differenziert oder davon ausgeht, dass das letztere mit ersterem automatisch folgt, ist letztlich nur eine Geschmacksfrage. Kann jeder so handhaben, wie er/sie mag.
nobody@home:
--- Zitat von: Alexandro am 16.12.2019 | 23:35 ---Naja, es gibt auch Schwertkämpfer die kämpfen ohne irgendwelche Schnörkel und haben trotzdem soviel Kraft und Schnelligkeit drauf, dass sie damit Erfolg haben (mehr sagt ein hoher Fertigkeitswert ja nicht aus).
--- Ende Zitat ---
Das Problem ist halt einfach: streicht man gar zu viele "Schnörkel", dann bleibt am Ende von der Fertigkeit selbst eigentlich nichts mehr übrig. Das hat dann so ein bißchen was von "hat nie eine Sprache gelernt (nicht mal die eigene!), ist aber weltbekannter Linguist". ;)
Natürlich ist die Verteilung der Charakterbeschreibung und -definition auf die verschiedenen dazu im System vorgesehenen Elemente auch Geschmacksfrage. Aber man kann's eben auch ganz objektiv übertreiben.
Alexandro:
Das was im o.g. übrigbleibt ist halt "mit Schmackes draufhauen". Kann man so machen, siehe der Mountain in GoT - hat dann zwar nicht die schicken Kampfmanöver eines Oberyn Martell, aber die sind halt nicht alles. ;D
--- Zitat ---"hat nie eine Sprache gelernt (nicht mal die eigene!), ist aber weltbekannter Linguist"
--- Ende Zitat ---
Das Konzept könnte ich mir (aus Erfahrung mit einem ganz bestimmten Dozenten im Studium) auch vorstellen: Unmengen an theoretischem Wissen, wie Sprachen funktionieren (Semantik, Syntax, Morphologie, Phonologie...), aber kaum Vokabelwissen in irgendeiner Fremdsprache, außerdem in der eigenen Sprache komplett unfähig seine Gedanken zu vermitteln (fängt Sätze an, die nirgendwo hin führen; wechselt unvermittelt das Thema, ohne das dem Zuhörer kenntlich zu machen; etc.). Solche Leute gibt es. ;D
Ist allerdings wieder eine Frage des Fokus des Systems, ob man diesen Detailgrad wirklich braucht, für das Setting, welches man spielen will.
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