Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Rauben uns aktuelle Rollenspiele die kreativität?
Flamebeard:
Wobei gerade Lord Verminaards Beispiel zeigt:
Auch (und gerade) ein doch recht restriktives System fordert doch gerade dazu auf, kreativ mit dem vorgegebenen Material umzugehen, um das Ziel (fertiger Stufe 1-Charakter, den ich spielen möchte) zu erstellen. Da erfordert es teils ordentlich Hirnschmalz und puzzeln, um aus den Versatzstücken, die einem Rasse, Klasse und Hintergrund/Erbe bieten, eine Story zu stricken bzw. abzubilden, die dem entspricht, was mir liegt. Das wäre für mich dann schon eine kreative Leistung.
Blizzard:
--- Zitat von: Grubentroll am 16.12.2019 | 10:49 ---Dann verstehe ich aber immer noch nicht worauf du hinauswillst.
--- Ende Zitat ---
Ich auch nicht.
Geht es jetzt um Charakterkonzepte , die sich aber so wie vom Spieler (aus)gedacht nicht 1:1 mit den Charakter-Erschaffungsregeln des Systems, das man spielen will, umsetzen lassen? Oder geht es um Regelwerke, die einen Metaplot haben, und dadurch vorgaukeln, dass Spieler nur einen Charakter bauen können, der zwingend mit dem Metaplot verbunden sein muss?
Weil das sind imho zwei Paar Schuhe.
Das mit dem (vom Spieler) ausgedachten Charakterkonzept, das sich nicht mit den Regeln umsetzen lässt, kann problematisch werden, ja. Weil es zu Frust beim Spieler oder dazu führen kann, dass er einen Charakter spielen muss, den er aber so eigentlich nicht spielen wollte. Da muss man dann eben nach Kompromissen suchen oder als SL auch mal zwei Augen zudrücken und sagen " Eigentlich geht das so nach den Regeln nicht, aber..."
Die Sache mit dem Metaplot sehe ich weniger problematisch. Wenn ich das Gefühl habe, dass mich der Metaplot zu sehr einengt oder zu viel Einfluss auf die Charaktere nimmt, dann ignoriere ich ihn einfach getrost. Ich habe es zudem bislang noch nicht erlebt, dass ein Metaplot auch nur irgendeine Rolle für das Erstellen von Spielercharakteren gespielt hätte.
Tsuyoshi Hamato:
Gegenthese: Nur gut ausgebaute Welten ermöglichen kreative Tiefe.
In wenig ausgebauten Welten bleibt aus meiner Sicht das kreative Spiel meist flach und auf wenige oder oberflächliche Themen begrenzt. Erst in einer komplexen Welt kommt befriedigende, ebenfalls komplexe Kreativität auf. Aus diesem Grund beschäftigen sich mWn alle der erfolgreichen und kreativen Künstler mit Studien entweder heutiger interessanter Personen / Orte / Dinge / Verhältnisse / Beziehungen / Sachverhalte oder vergangener, denn das verschafft Tiefe.
Lässt man Kreativität eine ganze Weile lang spielen und sich vertiefen, kommen immer komplexere Welten dabei heraus - die sich aber immer noch weiter kreativ bearbeiten lassen.
Lord Verminaard:
Die Diskussion um "creative constraints" gibt es ja in sehr ähnlicher Weise auch bei den Story Games, die ja erzählerische System sind, aber trotzdem sehr stark auf Vorgaben / Einschränkungen setzen. Das ist eben die Frage, was man vom Spiel erwartet. Wenn man selber erst mal mit leerem Kopf rangeht und guckt, was vom System her schon da ist, und dann damit arbeitet und nach Spannungsfeldern sucht, die die eigene Kreativität in Schwung bringen, dann empfindet man das nicht als einschränkend, ggf. sogar als befreiend.
Wenn man aber immer nur solche Systeme spielt, dann wird man nie herausfinden, was passiert, wenn man sich mit einem weißen Blatt Papier und guten Mitspielern hinsetzt, ggf. mit einem Setting / Kanon, das alle feiern, und dann der Kreativität wirklich mal freien Lauf lässt. Dafür braucht man ein System, das nicht im Weg steht, und solche Systeme gibt es zum Glück einige, in unterschiedlichen Ausrichtungen und Granulierungen.
takti der blonde?:
--- Zitat von: Selganor [n/a] am 16.12.2019 | 11:00 ---Kannst du den Hintergrund dieses Charakter vielleicht mal im 5e-Board posten. So was in der Art: "Wie baue ich diesen Charakter?"
Ich vermute, dass du den zwar nicht auf Stufe 1 aber vielleicht auf hoeheren Stufen, mit Multiclassing oder auch "Homebrew"-Klasse doch hinkriegen koenntest. (Oder zumindest etwas das dem nahe kommt)
--- Ende Zitat ---
Gerade 5e ist ein wunderbares System, um mechanische Elemente spielweltlich umzuinterpretieren.
Mein liebstes Beispiel ist dafür die "Rage" des Barbaren: Die reicht in meiner Vorstellung von DBZ-mäßigen "Wutverwandlungen" über die zerstörische Wut eines nordisch-inspirierten Berserkers bis hin zu einer vulkanischen Battle Trance.
Allgemein zur Ursprungsfrage: Ich fühle mich kein µ meiner Kreativität beraubt. Und von D&D schon gar nicht.
Grüße
Hasran
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