Pen & Paper - Spielsysteme > D&D5E
5e - Änderungen/Neue Optionen an/für Ability Score Zuweisung angekündigt
menemen:
--- Zitat von: Orlock am 28.06.2020 | 12:52 ---
Ist wahnsinnig übertrieben und natürlich völliger Mist. In den USA ist das aber noch sehr tief in Teilen der (weißen) Gesellschaft drin.
--- Ende Zitat ---
Da musst du nicht in die USA schauen. Ist hier auch so. Jeder, der aus einer der unbeliebten Gruppen stammt kennt den Satz "Du bist ja anders." nur allzu gut...
Luxferre:
--- Zitat von: menemen am 28.06.2020 | 13:13 ---Da musst du nicht in die USA schauen. Ist hier auch so. Jeder, der aus einer der unbeliebten Gruppen stammt kennt den Satz "Du bist ja anders." nur allzu gut...
--- Ende Zitat ---
Danke, dass Du Dich hier meldest, menemen. Du schriebst demletzt, dass Du türkischstämmig bist, korrekt? Mich würde mal Deine Meinung zu Rassismus, Rassebegriff und Drow in D&D interessieren :d
Meine ghanaische Exfreundin hatte so gar keinen Bezug zu Rollenspielen, weswegen wir das Thema in diesem Kontext leider nie erörtert haben. Ich könnte jetzt den Alltagsrassismus in Worte kleiden, den wir gemeinsam erlebt haben, aber das ist nur bedingt förderlich.
YY:
--- Zitat von: nobody@home am 28.06.2020 | 13:10 ---Also genau etwas, mit dem die Menschheit schon immer ihre Probleme gehabt hat.
--- Ende Zitat ---
Wie gesagt: Killerspieldebatte. Da waren auch einige schwer davon überzeugt, dass das so wäre.
Und das hätte wegen direkter Interaktion usw. theoretisch noch mehr "Zug" gehabt als passiv rezipierte Märchen, war aber selbst da schon eine Luftnummer.
La Cipolla:
--- Zitat ---Das dürfte zum allergrößten Teil tatsächlich auf die Verschiebungen im Mainstream zurückgehen. Wenn Rollenspiel nicht mehr gar so sehr obskurer Nerdkram ist, entfällt eben das einzige wirklich greifbare "Gate", das potentielle Spieler flächendeckend abgehalten hat: Die soziale Hürde, nicht mit den komischen Nerds abzuhängen.
Ich kenne meine Runden von Anfang an nur divers. Das wird anderen da anders gegangen sein, wo die sozialen Zirkel einfach anders strukturiert waren - dann sehen natürlich auch die Runden so aus.
--- Ende Zitat ---
Kann gut sein! Ich würde einfach empfehlen: Weiter mit unterschiedlichen (gerade auch fremden) Leuten drüber reden, das ist oftmals sinnvoller als Statistik, aber in diesem Fall definitiv, weil wir nur sehr selten vernünftige Statistik kriegen. Ich habe bspw. auf dem Convention-Zyklus von einer Menge Leuten gehört, die dem Hobby jahrelang ferngeblieben sind, weil es sich nicht so angefühlt hätte, als wäre es für sie. Oft ging es dann bspw. auch um Indie-Spiele oder P&P online, wo die Leute einen Zugang gefunden haben.
Am Ende ist die Frage halt auch: Geht irgendwas kaputt, wenn man es auf gut Glück versucht? Sicher greifen Firmen da manchmal ins Klo, aber dann kriegen sie ja auch auf die Mütze, und tendenziell sehe ich halt echt lieber einen misslungenen Versuch als ein Festhalten an altem.
--- Zitat von: Luxferre am 28.06.2020 | 12:31 ---Ergo ist die Prämisse: losgelöst vom Hintergrund sollen/dürfen böse Völker nicht andershäutig, als weiß sein, damit das Thema nicht rassistisch ist?
Erkläre mal bitte den logischen und nicht-rassistischen Umkehrschluss Deiner Meinung, Zwiebel. Danke :d ... ich stehe da nämlich etwas auf dem Schlauch.
--- Ende Zitat ---
Okay, das ist eine interessante Frage! Und ich sollte an der Stelle vielleicht einmal erwähnen, dass ich natürlich nur von meiner (sehr, SEHR weißen) Perspektive aus plappere. ;D
Ich würde erstmal eine Ebene tiefer gehen und sagen, dass das Grundproblem nicht die Hauptfarbe, sondern die Idee eines "bösen Volks" ist. Du hast ja bspw. auch viele Fantasy-Medien wie The Witcher, die auf sowas verzichten und die echten "Monster" zumindest teeeeendenziell als bestialische Tiere, individuelle Untote etc. gestalten. Das heißt NICHT, dass die Völker da nicht rassistisch sind, und man kann sich durchaus fragen, ob bspw. die Elfen nicht auch problematische Assoziationen hervorrufen, aber du hast auf einen Schlag eine ganze Ebene an Problematik aus dem Spiel genommen, weil du nicht immer die Grundannahme im Rücken hast, dass der Großteil dieses Volkes BÖSE ist und entsprechend negative Charaktereigenschaften braucht.
Ich denke aber mal, deine Frage geht eher von der Grundannahme aus, dass wir böse Völker haben wollen, weil ... D&D eben. :D Das Grundproblem oben schleicht sich imho aber trotzdem immer mal wieder mit rein, selbst wenn wir die Grundannahme ändern.
Okay, ich schau mir mal an, wie man Hautfarbe und "Bösartigkeit" zusammenbringen kann. Ich denke, entscheidend ist immer der Kontext.
Option #1: Eine komplett neue Fantasy-Welt, ohne D&D-Historie
Hier wäre das Ganze wahrscheinlich einfacher. Da müsste man vor allem vermeiden, a) realweltliche Vorurteile heraufzubeschwören und b) den eigenen Rassismus durch pure Statistik einfließen zu lassen – die beiden Punkte gehören aber zusammen. Also müsste man bspw. darauf achten, nicht den absoluten Großteil der "bösen Völker" dunkelhäutig zu machen und Gegenpole zu haben. Man würde auch darauf achten, die "Gründe" der Bösartigkeit von realen Vorurteilen zu trennen. Bspw. könnte ja mal ein dunkelhäutiges "böses Volk" die Rolle der ausbeuterischen Kapitalisten einnehmen, für das Fantasy-Autoren sonst lieber die Judenklischees aus dem Sack holen, nicht immer nur die Wilden, Unzivilisierten. Oder dass halt nicht die MEISTEN dunkelhäutigen Völker in irgendeiner Form "unzivilisiert" sind. Und zuletzt, c) muss man gucken, wie genau man vereinfacht. Was trifft auf ALLE zu, was ist nur, kA, eine bestimmte gesellschaftliche Schicht? Ist das Volk überhaupt größtenteils dunkelhäutig oder gibt es verschiedene Gruppen? Hier kommt aber ganz extrem das grundlegende Problem oben ins Spiel, denn die Realität hat nun mal keine "bösen Völker"! Man muss also vereinfachen.
Also ja, imho "darf" man böse dunkelhäutige Völker haben, aber wenn man es wirklich ernst nehmen will, ist es hart. Wir haben nun mal eine MENGE an Rassismus und Vorurteilen. :D
Option #2: Im Kontext von D&D
Hier wird es schwieriger, und frustrierend, denn D&D bringt nun mal seine eigene Vergangenheit und seine eigene Statistik mit. Nur ein Beispiel: Wann immer ich ein böses dunkelhäutiges Volk in D&D will, sollte mir bewusst sein, dass die Monsterbücher schon immer voll von diesen Völkern waren, und dass die "guten" Standardspielervölker lange als hellhäutig dargestellt wurden. Ich baue also zwangsweise auf einem rassistischen Fundament, und dadurch gibt es eine Menge (statistischer) Fallstricke, zumal D&D-Spieler natürlich prinzipiell erwarten, dass sie mindestens mal ihre Standardvölker spielen und Goblins bekämpfen dürfen. Dasselbe gilt für die Historie: Wenn ich irgendwas mit den Drow mache, muss mir bewusst sein, dass sowohl der Fantasy-Mainstream, aber auch die D&D-Spieler ein Bild der Drow im Hinterkopf haben. Und EGAL was ich daraus mache? Dieses Bild wird auch ein Teil der neuen Drow sein, wenn ich nicht gerade mit Gewalt dafür sorge, dass das alte Bild nicht mehr passt. (Und dann stellt sich die Frage: Warum nehme ich überhaupt die Drow? Und wenn ich sie nicht nehme: Ist das noch D&D?)
Also ja, dunkle Hautfarbe & Bösartigkeit im Kontext von D&D gehen sicher auch, dürften aber FUCKING schwierig sein. :D
Deshalb sehe ich in den Maßnahmen der Wizards (wie auf Seite 1 gesagt) auch eher ein nettes kleines Pflaster für eine eiternde Wunde. Rassismus ist nun mal sehr tief in der Gesellschaft verankert, und damit natürlich auch in den Medien, gerade den älteren. Das lässt sich definitiv nicht durch ein paar kleine Maßnahmen ändern. Heißt das, dass man wahlweise "kein D&D mehr spielen darf" oder sowieso nichts dran ändern kann? Nee, mein ganzer Schrank ist ja voll davon, und ich gehe gerne mal Goblins schlachten. Aber ich denke persönlich, es ist eine gute Gelegenheit, um das Ganze zu reflektieren und offen für Veränderungen zu bleiben. Rhyltar hat ja auch schon ausgiebig beschrieben, wie sich die Drow über die Zeit geändert haben, und heute sieht D&D faktisch anders aus als vor dreißig Jahren. In dreißig Jahren wird es wieder anders aussehen, u.a. durch die Diskussionen und Maßnahmen, die wir hier besprechen. Sonst hätte schließlich niemand das Bedürfnis, darüber zu diskutieren.
Also ja, von mir aus sollen sie die dunkelhäutigen "bösen Völker" lieber drin lassen und stattdessen einen dicken Kasten ins Buch setzen, der das Ganze kontextualisiert. Darum geht es schließlich: Kontext. (Jemand hatte auch richtig angemerkt, dass die Neuerungen jetzt "nur" eine alternative Regel ist – Richtig, aber vielleicht sieht es bei der nächsten Edition anders aus.) Das Spiel verändert sich also mit dem Kontext, und der Kontext mit dem Spiel.
nobody@home:
--- Zitat von: YY am 28.06.2020 | 13:37 ---Wie gesagt: Killerspieldebatte. Da waren auch einige schwer davon überzeugt, dass das so wäre.
Und das hätte wegen direkter Interaktion usw. theoretisch noch mehr "Zug" gehabt als passiv rezipierte Märchen, war aber selbst da schon eine Luftnummer.
--- Ende Zitat ---
Das Problem mit der Trennung zwischen "Realität" und "Märchen" ist aus meiner Sicht einfach, daß die überwältigende Mehrheit der Informationen, die mensch so über erstere zu haben meint, aus genau derselben Quelle stammt wie letztere -- von anderen Menschen nämlich. Ich war beispielsweise selber nie in den USA, aber es gibt genügend Leute (und von Leuten produzierte Medien"belege"), die behaupten, daß sie existieren würden, daß ich ihnen einfach mal einen kleinen Vertrauensvorschuß gebe und davon ausgehe, daß dem tatsächlich so ist. Mehr als das habe ich de fakto nämlich nicht...und wollte ich alles, was mir die Leute so von der Welt erzählen, selbst und eigenhändig vor Ort auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen, dann käme ich mein Leben lang zu nichts anderem mehr und wäre trotzdem noch längst nicht fertig.
Also soll mir bitte keiner erzählen (:P), die Trennlinie zwischen Realität und Fiktion wäre so supereinfach und sauber zu ziehen, daß letztere mein Verhalten im Umgang mit ersterer niiiieeemals nicht auch nur ein Fitzelchen beeinflussen könnte(*). Das ist aus meiner Sicht nämlich schlichtes Wunschdenken.
(*) Zumal der klassische Sinn gerade von Märchen ja mit darin bestehen soll, Kinder auf die Realität vorzubereiten, indem sie ihnen "nützliche" Lektionen vermitteln. "Weich nicht vom rechten Weg ab, sonst frißt dich der Wolf." "Sei brav und fleißig, sonst geht's dir wie der faulen Tochter bei Frau Holle." Die Leute, die ihren Sprößlingen diese Geschichten vor dem Einschlafen erzählt haben, würden dir wahrscheinlich auch einen Vogel zeigen, wenn du denen mit "ist ja gar nicht real, kann also nix bringen" kämst.
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