Pen & Paper - Spielsysteme > D&D5E
5e - Änderungen/Neue Optionen an/für Ability Score Zuweisung angekündigt
La Cipolla:
Ich würde auch nicht unterschätze: Das böse, korrumpierte "Spiegelbild" einer erhabenen weißen Rasse, also alles, was der Name "Dunkelelfen" impliziert.
Was bei sowas halt immer ganz wichtig ist: Natürlich ist im Detail komplexer, und die Vergleiche hinken hier und dort, aber im Kern geht es sicherlich um ... eben diesen Kern. Das simple Gesamtbild und die offensichtlichen Ursprünge, die man mit noch so viel Erklärung, Differenzierung und Drumherumreden nie so ganz rauskriegen wird.
Rhylthar:
--- Zitat von: dreisam am 28.06.2020 | 09:53 ---Schwarze Hautfarbe mit böse Gesinnung.
--- Ende Zitat ---
Gut, provokativ gefragt: Ein böser Wer-Panther ist dann auch ein Problem?
Hat sich eigentlich irgendjemand (der diese massiv kritisiert) mal wirklich mit den Drow intensiver befasst oder wird einfach pauschal die Formel "Dunkle Hautfarbe + Böse = Nicht gut..." verwendet?
Mal ein Exkurs:
Drow sind Elfen. Man könnte, wenn man wollte, Elfen in Richtung "Faerie" rücken, wenn man ein wenig ihren Ursprung erforschen wollte (und nicht nur Richtung Tolkiens Elben schielt). Wenn man dies tut, dann wird man evtl. auf Dinge wie den "Seelie Court" und den "Unseele Court" stoßen...oder besser noch: Auf die nordische Mythology mit Ljosalfar (Light Elves) und Dokkalfar (Dark Elves):
--- Zitat ---In Norse mythology there are two kinds of elves: light and dark, the Ljosalfar and the Dokkalfar. In Prose Edda, the Ljosalfar are said to be “fairer than the sun to look at” and live in Alfheimr (elf world), while the Dokkalfar are “blacker than pitch” and live underground.
--- Ende Zitat ---
Quelle: *KLICK*
Oder man nimmt einfach die Geschichte, die D&D selbst ihnen zuschreibt, mit der Verbannung durch Corellon und wie Drow quasi ein "Negativ" der anderen Elfen darstellt: Dunkle Haut mit weissen Haaren.
Weitere äußere Merkmale, die irgendwie stereotyp/rassistsich auf PoC hinweisen könnten? Imho Fehlanzeige.
Weitere gesellschaftliche Merkmale, die man sonst stereotyp/rassistisch PoC zuschreibt? Ebenfalls Fehlanzeige.
Von den "großen" D&D-Settings (abgesehen von Eberron) behandeln nur 2 von Anfang an überhaupt Drow prominent: Die Forgotten Realms und Greyhawk, Ravenloft kennt sie als Sklaven von Mindflayern, in Dragonlance und Dark Sun kommen sie nicht vor.
Drow traten schon relativ früh in Greyhawk auf, waren in frühen Abenteuern auch prominent vertreten, wobei sich das später sehr zu anderen Dingen (Iuz, etc.) verschoben hat. Auch die greyhawkschen Drow bekamen in 3E das Alignment "Usually Neutral Evil", weg vom Absolutismus des "Chaotic Evil" früherer Editionen.
Aber gucken wir mal auf die Forgotten Realms:
Der erste Drizzt Roman "The Halflings Gem" kam 1990 heraus. Mit einem guten Drow. 1991 brachte Ed Greenwood "The Drow of the Underdark" heraus und brachte Elistraee in die Realms, um 1995 mit "The Seven Sisters" und Qilué Veladorn einen weiteren prominenten NSC einzuführen. Elaine Cunningham stellte 1996 mit Liriel Baenre einen weiteren Charakter vor, der die Wandlung vom "bösen Drow" zum "guten Drow" vollzog.
Seit fast 30 Jahren ist es also möglich, gute Drow gerade in den Forgotten Realms ohne zu große Ingame-Probleme zu spielen (wertemäßig war es noch etwas schwieriger). Aktuelle NSC wie etwa Jarlaxle Baenre oder andere Mitglieder der Bregan D´aerthe zeigen doch, dass es geht.
Zusammenfassung:
Nein, die Formel "Drow + dunkle Hautfarbe + böse = Muss dringend geändert werden!" ist für mich viel zu platt.
Thandbar:
Aber platt ist doch genau das, was D&D macht. Die Gesinnung steht ja auch so im Monsterhandbuch.
Zur Problematik von In-Universe-Erklärungen fand ich dieses Video seinerzeit ganz gut und hat mich auch zum Nachdenken gebracht:
The Thermian Argument
Die Begründung, man könnte ja auch gute Drow spielen, bestätigt für mich eigentlich eher Gegenthese, weil sie ja als Ausnahmen gegenüber einer eindeutig moralisch bösen Regel rüberkommen; und ich würde mal vermuten, dass die sich dann recht oft mit "Vorurteilen, die aber halt objektiv stimmen" in Bezug auf ihre Herkunft in-game auseinandersetzen müssen.
nobody@home:
--- Zitat von: Rhylthar am 28.06.2020 | 10:36 ---Gut, provokativ gefragt: Ein böser Wer-Panther ist dann auch ein Problem?
--- Ende Zitat ---
Einer sicher nicht. Aber so was wie eine ganze Kultur von bösen Werpanthern, die im fantasyafrikanischen Dschungel leben und fleißig dem Kannibalismus an Mitgliedern der "guten" Völker frönen? Ja, spätestens an dem Punkt würde es wohl problematisch.
La Cipolla:
--- Zitat ---Gut, provokativ gefragt: Ein böser Wer-Panther ist dann auch ein Problem?
Hat sich eigentlich irgendjemand (der diese massiv kritisiert) mal wirklich mit den Drow intensiver befasst oder wird einfach pauschal die Formel "Dunkle Hautfarbe + Böse = Nicht gut..." verwendet?
--- Ende Zitat ---
Also, mal davon abgesehen, dass "Werkreaturen" in Medien tatsächlich einen ganzen Batzen interessantes kulturelles Baggage mitbringen (ich sage nur "Wer verwandelt sich tendenziell in welches Tier?" oder "zusammengewachsene Augenbrauen -> UPS, WERWOLF!"), das man sich genauer angucken könnte ... geht es hier denk ich nicht um das intensive Befassen. Es geht um diesen ganz platten Gesamteindruck, der nun mal eine Menge zählt, gerade für die gesellschaftlichen Bilder in unserem Kopf. Man kann alles irgendwie erklären, aber es ändert nichts daran, dass der Kern, den dreisam und ich zusammengefasst haben – zumindest in meinen Augen – ziemlich offensichtlich und ziemlich eindeutig rassistisch ist. Und um einen rassistisch Kern herum kann man zwar eine Menge erklären und eine Menge aufbauen und verkomplizieren ... aber der Kern bleibt. Er kommt ja schließlich auch irgendwo her, und das spürt man auch. Und es ist durchaus schwierig, ihn als Autor oder Rollenspieler nicht immer wieder durch die komplexe Bearbeitung brechen zu lassen. Oder doof gesagt: Je genauer man sich die Komplexitäten der Drow in verschiedenen Settings anguckt, desto öfter wird man auch hier und dort kleine Rassismen finden. Einfach weil die Grundidee nun mal eine rassistische ist.
... was übrigens auch der Grund ist, aus dem heraus diese Maßnahmen immer nur Pflaster sein können, zumindest in meinen Augen. Ich würde daher eher bei der Empfehlung bleiben, das Ganze direkt in den Büchern zu reflektieren als es halbgar zu verändern.
--- Zitat ---Die Begründung, man könnte ja auch gute Drow spielen, bestätigt für mich eigentlich eher Gegenthese, weil sie ja als Ausnahmen gegenüber einer eindeutig moralisch bösen Regel rüberkommen; und ich würde mal vermuten, dass die sich dann recht oft mit "Vorurteilen, die aber halt objektiv stimmen" in Bezug auf ihre Herkunft in-game auseinandersetzen müssen.
--- Ende Zitat ---
Das ist auch ein guter und wichtiger Punkt, der oft untergeht: Wir werden ja tendenziell sehr individualistisch auf Eigenverantwortung hin erzogen und befassen uns daher gerne mit der Frage "Was kann ich bzw. was kann der einzelne theoretisch tun?" an – rein numerisch viel bedeutender ist aber eigentlich die Frage "Was passiert den meisten tatsächlich?", denn das ja ist die echte Gesellschaft, die real existiert. (Beispiele: Natürlich KÖNNTE ich im Lotto gewinnen! Ist aber sehr unwahrscheinlich. Natürlich KANN eine Frau CEO werden! Passiert aber eher selten. Usw.)
Ich meine, seien wir mal ehrlich: In den 3 grundlegenden Drizzt-Büchern geht es nicht darum, wie viele tolle Drow es doch auch gibt, sondern es geht darum, wie Drizzt entgegen GEWALTIGEN Widerständen von allen Seiten durch die Zwänge seiner Gesellschaft bricht! Es ist praktische eine Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. ;D
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