Autor Thema: Wann ist ein Stunt zu mächtig?  (Gelesen 405 mal)

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Online Jiba

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Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« am: 24.09.2020 | 11:55 »
Da im Nachbarthread ganz klare Vorstellungen davon zu herrschen scheinen, wann ein Stunt zu mächtig oder nicht mächtig genug ist. Hier einfach mal die Frage:

Was ist bei Fate eigentlich "zu mächtig"?

Ich steig nicht so recht dahinter.
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Offline Isegrim

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #1 am: 24.09.2020 | 12:05 »
Wenn die anderen Spieler sich benachteiligt fühlen.

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Offline KhornedBeef

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #2 am: 24.09.2020 | 12:15 »
Balancing ist nicht so Fates Baustelle, aber das Beispiel im Nachbarthread zeigt ja ein mögliches Kriterium: must-have-Stunts. Macht das Spiel uninteressanter, weil der Slot für die Unterscheidung der Charaktere verloren geht.
Ähnlich liegt der Fall, wenn man durch einen Stunt zuviel Einfluss oder Spotlight hat. Z.b. wenn man bei einer urbanen Mission durch seine "Freunde bei der Polizei" jederzeit jeden verhaftet lassen, jeden Laden zumachen, in jeden Club reinkommen kann, ohne dass es Konsequenzen gibt.
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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #3 am: 24.09.2020 | 12:51 »
Für mich verrechne ich das in etwa so: ein Stunt kostet einen Punkt Erholungsrate, also ganz grob überschlagen einen Fate-Punkt pro Sitzung. Er ist aber gleichzeitig lange nicht so flexibel wie ein Fate-Punkt, mit dem ich ja einen x-beliebigen Aspekt einsetzen und noch ein paar Sachen mehr machen kann (natürlich nur eine davon einmal pro Punkt), sondern kann nur das, was eben in seiner Definition steht. Wenn er also den groben Gegenwert eines Aspekteinsatzes liefert (klassischerweise den +2-Bonus), dann sollte er das ruhig mehr als nur einmal pro "durchschnittliche" Sitzung leisten, bzw. wenn ich absehen kann, daß der Stunt nur einmal pro Sitzung oder seltener zum Einsatz kommen wird, dann darf er ruhig auch mehr können als bloß das.

Es sollte also nicht verwundern, wenn ich in vielen Fällen erst mal auf "Okay, wie sähe das aus, wenn ich statt dessen einfach einen +2-Situationsbonus in hinreichend beschränkten Umständen vergeben würde?" zurückgreife. ;) Das trägt dann, nebenbei bemerkt, auch gleich mit dazu bei, daß ich Fertigkeit-wechsel-dich-Stunts eher ablehnend gegenüberstehe; die sind nämlich gerade damit schlecht vergleichbar und können je nach konkreter Fertigkeitsverteilung des Charakters von "eigentlich komplett nutzlos" bis "effektiv Situationsbonus +4 und mehr" reichen, alles zum exakt selben Preis...

Offline La Cipolla

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #4 am: 25.09.2020 | 21:48 »
Zitat
Wenn die anderen Spieler sich benachteiligt fühlen.

Genau, und das heißt etwas pragmatischer, üblicherweise: Wenn er sich entscheidend wirksamer und/oder präsenter als die anderen verfügbaren Stunts anfühlt.

Dazu kommt nobody@homes Ergänzung mit den Fate-Punkten, zumindest WENN man die Regeln nutzt, dass man für Erholungsrate zusätzliche Stunts kaufen kann.

Man kann Stunts also auch megastark machen, aber dann sollten sie nicht mit deutlich schwächeren Stunts oder zusätzlichen Fate-Punkten konkurrieren. Das kann bspw. auch heißen, dass man genau einen megastarken Stunt gratis bekommt, solche Stunts sonst aber nicht wählen kann.
« Letzte Änderung: 25.09.2020 | 21:50 von La Cipolla »

Offline KhornedBeef

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #5 am: 26.09.2020 | 11:16 »
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Offline 1of3

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #6 am: 26.09.2020 | 13:42 »
Bei dem Artikel frage ich mich eher, warum der Säbel nicht einfach ein Aspekt ist. Gleiches für die anderen Beispiele. Natürlich kennt jemand, die die ganze Galaxie bereist hat überall Leute. Wozu das nochmal per Stunt sagen?

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #7 am: 26.09.2020 | 15:20 »
Bei dem Artikel frage ich mich eher, warum der Säbel nicht einfach ein Aspekt ist. Gleiches für die anderen Beispiele. Natürlich kennt jemand, die die ganze Galaxie bereist hat überall Leute. Wozu das nochmal per Stunt sagen?

Natürlich kennt so jemand 'ne Menge Leute, aber ohne den Stunt müßte er trotzdem immer noch einen passenden Wurf hinlegen oder einen Fate-Punkt bezahlen, um im richtigen Moment einen alten Freund zu "erschaffen". So kriegt er effektiv einmal pro Sitzung einen garantierten vollen Erfolg auf Vorteil erschaffen mit "Kontakte" (oder was immer die genaue Kampagne da verwendet).

Mit dem Säbel ist es ähnlich. Wenn ich mit dem regeltechnisch nur Dinge tun will, die mit einem Aspekt regulär schon gehen, dann brauche ich tatsächlich keinen Stunt; erst wenn ich darüber noch hinausgehen will, dann wird's Zeit für einen. (Gerade bei Ausrüstung würde ich mir außerdem ggf. noch überlegen, ob so ein Stunt unbedingt zum Charakter gehört oder nicht vielleicht doch eher zur Waffe selbst, die ihn dann als Quasi-NSC der Bronzeregel gemäß einfach ihrem jeweiligen Träger zur Verfügung stellt; in letzterem Fall würde ich als SL nicht unbedingt immer gleich das persönliche Stunt-Budget des Charakters an sich belasten wollen.)

Und natürlich kann's einem auch schon mal passieren, daß ein Stunt, anstatt zu mächtig zu sein, aus Versehen oder übertriebener Vorsicht zu schwach ausfällt. Das spricht der Artikel selbst ja schon an, und das eine oder andere Beispiel für solche Stunts findet sich mMn auch schon im Core-Regelwerk selbst (etwa "Bleifuß" auf S. 112 und "Ersatzwaffe" auf S. 116).

Offline 1of3

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #8 am: 26.09.2020 | 20:00 »
Ja, nun ist die Zielsetzung des Artikels aber, zu zeigen, dass Stunts nicht nur mechanische Spielerei sind, sondern irgendwas anderes.

Zitat
Aspects give you reasons to care about a character. Skills tell you their areas of expertise and competence. But stunts tend to come off as purely mechanical, rules-bending widgets, more concerned with making a character effective rather than interesting. Devising stunts that reverse this trend can often be a chore, and “chore” isn’t a word you really want to associate with a roleplaying game.

Und nachdem ich den Artikel nun gelesen habe, kann ich sagen: Ich seh es nicht. Und deine Antwort bestärkt mich ebenso in diesem Eindruck.

Offline Isegrim

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #9 am: 26.09.2020 | 20:03 »
Ich dachte, einer der Pluspunkte von Fate ist, dass man kompetente Charaktere spielt, weil das interessanter ist. Was ist an einer Mechanik falsch, die diese Kompetenz in bestimmten Punkt erhöht oder unterstreicht?
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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #10 am: 26.09.2020 | 20:32 »
Ich glaube das ist eine Frage der Philosophie. Meiner Erfahrung nach teilt sich die Fate-Community in zwei Gruppen: Die Reduzierer und die Mechanisten. Erstere wollen aus Fate alles rausstreichen bis am liebsten nur noch die Aspekte und maximal 8 verschiedene Fähigkeiten und keine Stressbalken mehr auf dem Bogen stehen. Erstere lehnen sich mehr in Richtung der klassischen Seite des Rollenspiels. Die haben auch Spaß an Zonenmaps und den taktischen Möglichkeiten, mit diesen zu interagieren. Und die mögen das mechanische Gefrickel, das in Stunts mit drin ist.

Beide Seiten stehen sich ziemlich unversöhnlich gegenüber, habe ich manchmal das Gefühl. Weil beide behaupten, die eigentliche Fate-Spielphilosophie zu bedienen.
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Offline KhornedBeef

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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #11 am: 26.09.2020 | 20:32 »
Ich dachte, einer der Pluspunkte von Fate ist, dass man kompetente Charaktere spielt, weil das interessanter ist. Was ist an einer Mechanik falsch, die diese Kompetenz in bestimmten Punkt erhöht oder unterstreicht?
Fatecharaktere sind grundsätzlich kompetent. Aus Sicht des Autors gibt es keine Notwendigkeit zum minmaxing, indem  man Stunts nach maximaler Effektivität wählt. Da Stunts aber erhebliche Vorteile in bestimmten Situationen bedeuten, kann man natürlich diese anpeilen.
Dann hat Indiana Jones eben als Stunt nicht mehr "+2 um mit Athletik zu überwinden, wenn er die Peitsche um einen Ast wickeln kann" sondern irgendeinen kampagnenspezifischen no-brainer. +1 gegen Nazis oder so.
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Re: Wann ist ein Stunt zu mächtig?
« Antwort #12 am: 26.09.2020 | 20:33 »
Ja, nun ist die Zielsetzung des Artikels aber, zu zeigen, dass Stunts nicht nur mechanische Spielerei sind, sondern irgendwas anderes.

Und nachdem ich den Artikel nun gelesen habe, kann ich sagen: Ich seh es nicht. Und deine Antwort bestärkt mich ebenso in diesem Eindruck.

Fertigkeiten hat prinzipiell meist jeder dieselben, nur unterschiedlich stark ausgeprägt, und bei Aspekten hört man ja von diversen Kritikern öfter mal den Vorwurf der "Beliebigkeit", der zumindest insoweit seine Berechtigung hat, als auch ein noch so ungewöhnlich formulierter Aspekt normalerweise immer nur dieselben "Standardaspekteffekte" hat (Einsetzen, Reizen, Fakten etablieren). Stunts sind unter den mechanischen Fate-Charakterelementen die eine Kategorie, in der man sich noch am ehesten etwas wirklich Individuelles zurechtbasteln kann, das so potentiell zumindest so schnell niemand anderes hat -- mit anderen Worten, potentielle Alleinstellungsmerkmale. Für mich reicht das eigentlich schon völlig, aber ich weiß ja nicht, wie es um deine Ansprüche so bestellt ist. ;)