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Braucht ein RPG-Eigenbau (zur VÖ) eigentlich ein eigenständiges Regelwerk?
Maarzan:
--- Zitat von: 1of3 am 10.07.2021 | 11:31 ---Ich würde sogar sagen: Setting sind Regeln. Denn was ist eine Regel? Sie sagt uns, was wir im Spiel tun oder nicht tun sollen. Und wenn also Elfen doofe Ohren haben, darf ich nicht sagen, dass Elfen keine doofen Ohren haben. Ebenso darf ich auf Mittelerde keine Spaßmarines spielen, denn die gibts da nicht. Usw.
Zudem ist das ja häufig gar nicht zu trennen. Wenn jetzt also da steht, dass Zwerge geheime Türen finden können mit x%, was ist denn das? Oder wenn da nur Zufallstabellen sind, oder eine Anleitung den Handlungsort selbst zu generieren? Ist das dann Setting oder nicht?
--- Ende Zitat ---
Wenn Elfen doofe Ohren haben oder Zwerge geheime Türen finden können, dann steht das typischerweise in der Rassenbeschreibung in den Regeln drin oder als Teil eines Baukastens, wo man sich solche Rassen dann zusammenbauen kann.
iXus ist der 13. Köng vom Plemplemium und 37 Jahre alt ist keine Regel - wenigstens nicht in der sinnvollen sprachlich differenzierenden Verwendung.
Wenn das in einem Settingband drin steht, dann ergänzt der zusätzlich zu seiner eigentlichen Funktion die bestehenden Regeln, auf welchen so ein Settingband dann in dem Fall auch üblicherweise aufbaut: die Ohren geben -3 auf den sozialen Reaktionswurf für alle Nichtwaldrassen, sozialer Reaktionswurf siehe Grundregelwerk Seite 463 ... .
Die wesentliche Frage ist da doch: was kann ich mit dem, was mir da von einem Autor angeboten wird dann selbstständig spielen (Das ging lange Jahre auch ohne explizites Setting, aber eben mit den Regeln).
Und wenn zusätzlich nach "eigenständig" gefragt wird, dann erscheint eine effektiv 1:1 Kopie der Regeln - insbesondere, wenn nur Randbereiche ergänzt werden, wenn überhaupt - von woanders auch schief in der Hinsicht.
Weltengeist:
--- Zitat von: Doc-Byte am 9.07.2021 | 22:14 ---Braucht ein RPG-Eigenbau (zur VÖ) eigentlich ein eigenständiges Regelwerk?
--- Ende Zitat ---
Wenn man sicherstellen will, dass es kaum jemand liest oder benutzt: Unbedingt! ~;D
Nein, im Ernst: Wenn der Fokus des Eigenbaus eher das Setting ist und man kein richtiger Verlag, sondern nur ein kleiner Bastler ist, würde ich immer dazu raten, sich an ein existierendes und möglichst bekanntes Regelwerk "dranzuhängen". Dadurch steigt einfach die Chance, dass der eine oder andere D&D-/SaWo-/GURPS-/whatever-Fan einen Blick darauf wirft. Die Zahl der Leute, die sich nur um ein Indie auszuprobieren mal eben in ein neues Regelwerk einarbeiten, ist (zumindest außerhalb des Tanelorn) doch sehr überschaubar.
Außerdem schreibst du ja ganz richtig: Funktionierende Regeln zu schreiben ist richtig aufwändig, und das Ergebnis sollte auch ausgiebig spielgetestet werden (nicht "3 Proberunden mit meiner Tischgruppe", sondern von hunderten Runden auf verschiedenen Stufen und mit verschiedenen Spielvorlieben. Ein einzelner Entwickler kann das für gewöhnlich gar nicht leisten, das Resultat ist daher oft nur begrenzt konkurrenzfähig...
flaschengeist:
--- Zitat von: Weltengeist am 10.07.2021 | 12:00 ---Außerdem schreibst du ja ganz richtig: Funktionierende Regeln zu schreiben ist richtig aufwändig, und das Ergebnis sollte auch ausgiebig spielgetestet werden (nicht "3 Proberunden mit meiner Tischgruppe", sondern von hunderten Runden auf verschiedenen Stufen und mit verschiedenen Spielvorlieben. Ein einzelner Entwickler kann das für gewöhnlich gar nicht leisten, das Resultat ist daher oft nur begrenzt konkurrenzfähig...
--- Ende Zitat ---
Da hast du im Prinzip recht, die Latte ist aber bissel hoch gehängt. Vanguard z.B. wird intensiver seit 2015 in insgesamt vier verschiedenen Gruppen getest (wovon ich in drei Gruppen mal als SL und mal als Spieler beteiligt bin). Viele der Tester sind sehr erfahrene RPGler (kennen also verschiedenste Systeme gut) und haben bereits vor Jahren das Feedback gegeben, dass wir in Sachen Regelqualität und Konsistenz bereits über dem Standard der meisten publizierten Systeme sind. Wir haben z.B. kürzlich (in einer anderen Runde) eine längere Arcane Codex 3 Kampagne beendet. Da gibt es an zahllosen Stellen im Regelwerk Unklarheiten, Widersprüche und vor allem eine Reihe von Balance Problemen speziell zwischen den Kampfschulen (eine Art "Charakterklasse"), die beim Spielen niemand, der sich nicht beide Augen zuhält, übersehen kann. Ja, ich weiß dass Nackter Stahl ein eher kleiner Verlag ist. Es handelt sich aber dennoch um ein System in der dritten Auflage, dass über die Zeit von hunderten wenn nicht tausenden Spielern gespielt wurde. Außerdem war es nur ein Beispiel, sogar bei D&D 5 könnte ich bissel was aufzählen (natürlich lange nicht so gravierend, dieses System ist schon verdammt gut designt und getestet).
Edit: Will heißen, wenn du kritikfähig bist, schlaue und erfahrene Tester hast und noch über statistische Expertise verfügst bzw. zur Verfügung hast, so dass bei bestimmten Balancing-Aspekten nicht nur auf Erfahrungswissen sondern auch die Ergebnisse mathematischer Analysen zurückgegriffen werden kann, sind funktionierende Regeln kein Hexenwerk.
YY:
Wenn man sich anschaut, wie nicht nur die Erstlinge, sondern auch spätere kommerziell erfolgreiche Systeme entstanden sind, stellt man fest: So schwer und aufwändig ist das anscheinend doch nicht.
Oder man sagt andersrum: Die sind vielleicht erfolgreich (gewesen), aber funktioniert haben deren Regeln nie ;)
Da würde ich zumindest in einigen Einzelfällen sogar mitgehen...
Holothuroid:
--- Zitat von: Maarzan am 10.07.2021 | 11:49 ---iXus ist der 13. Köng vom Plemplemium und 37 Jahre alt ist keine Regel - wenigstens nicht in der sinnvollen sprachlich differenzierenden Verwendung.
--- Ende Zitat ---
Doch. Wenn jetzt nämlich zum Beispiel ein Charakter etwas sagt, was damit nicht zusammen passt, darf ich davon ausgehen, dass die Sache fischig. Ich darf halt darauf vertrauen, dass alle diese Setzung achten.
Oder wir ignorieren es alle zusammen. Dann ist das wie Traglast ignorieren. Tatsächlich ist dieses spezielle Beispiel mit dem König wahrscheinlich ziemlich traglastig, also eine schlechte Regel, weil wahrscheinlich ignoriert. Deshalb sollte man Setting als Regeln betrachten, denn dann können wir die gleichen Maßsttäbe anlegen: Verständlich, wirksam und sinvoll mit den übrigen Regeln zusammen.
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