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Settings in der Bronzezeit

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Corsair:
Ich habe schon länger den Eindruck, die Bronzezeit wäre eine viel bessere Blaupause für viele Fantasysettings als das Mittelalter. Das Mittelalter verbinde ich vor allem mit Feudalismus und Monotheismus, was für mich beides irgendwie nicht so recht zu vielen Vorstellungen von Fantasywelten passen mag.

Zur Bronzezeit fällt mir noch ein*:
Stadtstaaten. Möglicherweise kontrollieren die auch das Umland, eventuell sogar erhebliche Territorien, aber letztlich ist da draußen nicht die friedliche Provinz sondern die unbekannte Wildnis, bevölkert von Wilden und gefährlichen Ungeheuern.
Städte werden üblicherweise um zentrale (und monumentale) Tempel errichtet. MWn fingen erst die Griechen damit an, ihre Siedlungen um Handelsplätze herum zu errichten. Jede Stadt hat ihren lokalen Stadtgott, der womöglich nur dort verehrt wird. Wenn man woanders ist, können Religion aber auch Gebräuche und Lebensweisen ganz anders sein. Könige hatten nicht nur weltliche, sondern auch sehr wichtige sakrale Aufgaben.

Außerhalb der Städte leben Barbaren, also Jäger und Sammler oder (Halb-)Nomaden. Deren Beziehung zu den zivilisierten Staaten ist ambivalent. Sie sind Plünderer und wichtige Handelspartner. Ihre Lebensweise ist durch die Ausbreitung der Zivilisation bedroht, aber sie profitieren von der Existenz der Städte. Zu dem Thema kann ich James C. Scott, Against the Grain. A Deep History of the Earliest States empfehlen.

Es ist die Aufgabe von Königen und Helden, gegen die Naturgewalten zu kämpfen, sei es in Form von wilden Bestien (Herakles, Gilgamesch…) oder Naturkatastrophen (Yu der Große). Es gibt auch zahlreiche Reliefs, die Könige bei der Löwenjagd zeigen.

Es haben sich bereits Schriftsysteme entwickelt, die Schrift ist aber einer Elite vorbehalten. Sie wird zunächst hauptsächlich für Steuern, Inventar und ähnliches verwendet, erst später entwickelt sich eine niedergeschriebene Literatur. Religiöses und magisches Wissen wurde lange eher oral weitergegeben. In frühen literarischen Werken kann man sehen, dass sie auch immer wieder in längere Aufzählungen von Inventaren zurückfallen (Gilgamesch, Ilias)

* Das sind zum Teil reine Vorstellungen von mir, wie ich die Bronzezeit sehe. Ein kleines Bisschen weiß ich, aber ich bin weiß Gott kein Experte. Wenn ich also hier Quatsch schreibe, weist mich bitte darauf hin, ich lerne gern dazu und das Thema interessiert mich.

@KWÜTEG GRÄÜWÖLF: Connolly ist ein toller Tipp, danke! Ich habe hier Greece and Rome at War, aber da fehlte mir immer die mykenische Zeit. Ich werde mal schauen, ob man das Buch noch kriegt  :d

Dr. Beckenstein:
Mir fallen da - neben diversen Gurps Sachen - vor allem zwei Bücher ein:

-  Geoffrey Bibby:  Zu Abrahams Zeiten. Mensch und Kultur vor 4000 Jahren - gut, das Buch ist jetzt 60 Jahre alt, liest sich aber gut und ist alles andere als staubtrockene Fachliteratur

- Eric H. Cline: 1177 v. Chr. Der erste Untergang der Zivilisation - neueren Datums, und liefert Ideen für eine "bronze-dystopische" Kampagne

Ansonsten lohnt sich ein Besuch am Glauberg. So als Inspiration für Nicht-Mediterane Sachen.

Chaos:

--- Zitat von: Corsair am 29.03.2023 | 20:35 ---Ich habe schon länger den Eindruck, die Bronzezeit wäre eine viel bessere Blaupause für viele Fantasysettings als das Mittelalter. Das Mittelalter verbinde ich vor allem mit Feudalismus und Monotheismus, was für mich beides irgendwie nicht so recht zu vielen Vorstellungen von Fantasywelten passen mag.
--- Ende Zitat ---

Eben.

Es ist vor allem alles ziemlich organisiert - kein Platz für abenteuerlustige Außenseiter wie die typische Party.


--- Zitat ---Zur Bronzezeit fällt mir noch ein*:
Stadtstaaten. Möglicherweise kontrollieren die auch das Umland, eventuell sogar erhebliche Territorien, aber letztlich ist da draußen nicht die friedliche Provinz sondern die unbekannte Wildnis, bevölkert von Wilden und gefährlichen Ungeheuern.
--- Ende Zitat ---

Ich stelle mir das so vor, dass jeder Stadtstaat einen gewissen Umkreis, vielleicht so eine Tagesreise (also 10-20 Meilen je nach Gelände) einigermaßen kontrolliert; entlang Flüssen ist man schneller unterwegs, deshalb ist da (wie historisch in Ägypten oder Mesopotamien) die Kontrollreichweite auch größer. Solange die Kontrollbereiche der Städte einander überlappen, hast du einen (potentiellen) Flächenstaat.


--- Zitat ---Es haben sich bereits Schriftsysteme entwickelt, die Schrift ist aber einer Elite vorbehalten. Sie wird zunächst hauptsächlich für Steuern, Inventar und ähnliches verwendet, erst später entwickelt sich eine niedergeschriebene Literatur. Religiöses und magisches Wissen wurde lange eher oral weitergegeben. In frühen literarischen Werken kann man sehen, dass sie auch immer wieder in längere Aufzählungen von Inventaren zurückfallen (Gilgamesch, Ilias)
--- Ende Zitat ---

Diese Elite ist dabei dann aber weniger der Adel als zum Einen die Priesterschaft, zum Anderen die Verwaltungsbeamten - wenn die Priester nicht auch gleichzeitig die Verwaltung übernehmen.

In einem Fantasy-Setting kämen dann noch Magie-Anwender aller Art dazu - magisches Wissen will detailgetreu aufgezeichnet werden, weil es auch bei kleinen Detailfehler gerne bestenfalls nutzlos ist, und einem schlimmstenfalls um die Ohren fliegt. Historisch wurde solches Wissen, wie du sagst, lange oral weitergegeben - was aber auch stark daran lag, dass das in der Regel eh nicht funktioniert hat, weshalb Übertragungsfehler nicht weiter gefährlich waren.

Wobei natürlich, anders als in der stereotypischen Mittelalter-Fantasy mit der Kirche als Feind der Magie, oft auch Priester die Hauptanwender von Magie aller Art sind.

AlucartDante:
Das erinnert mich an meine damalige epische Ugaritkampagne im 14. Jahrhunder v. Chr. Als Teil des kleinen Ugarit war es immer wieder an den Spielern zu verhindern, dass Hethiter, Ägyper, Mittani oder Assyrer die Kontrolle über Ugarit übernehmen konnten. Aber auch die Mykener wollten bei Laune gehalten werden. Plötzlich kam die alphabetische Keilschrift auf und ermöglichte ganz neue Dinge. Ein Glück, dass es damals gelang, dass in Ugarit zu machen. Das spektakuläre Finale war dann der Kampf gegen Echnaton. Ganz knapp konnte im letzten Augenblick der Siegeszug des Monotheismus verhindert werden. Aber allen war klar, dass irgendwann der fiese Monotheismus wieder auftauchen könnte. Es war eine meiner drei Lieblingskampagnen, die ich bisher geleitet habe. Gespielt haben wir eine eigene altgriechische Ars Magicka Version, wobei unser Orden des Thot der Vorläufer des Orden des Hermes war.

In der Bronzezeit ist Runequest für mich auch immer zuhause. Ich war mal am Überlegen, das Hercules & Xena Roleplaying Game zu kaufen, aber dann habe ich gedacht, dafür kann man ja auch einfach Runequest nehmen...

Lyonesse:
   
Vielleicht wäre das auch noch was: Rollenspiel im Zweistromland.

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