Autor Thema: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"  (Gelesen 2441 mal)

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Offline Morf2

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #50 am: 12.01.2026 | 14:27 »
Ich hätte es toll gefunden, wenn Pegasus das Spiel nochmal neu aufgeladen hätte.

Da liegt doch die eigentliche Chance von Lizenzwechsel und Reset.

Midgard auf den Kern runtergeschliffen, gerne auch als EDO, aber eben komplett "auf Anfang gesetzt" (keine tausende Seiten Historie und politischer Reigen).

Mit vollem Fokus auf Exploration und Abenteuer. Barrierefreies Entdecken. Dafür braucht es keine voll beschriebene (neue) Welt. Die wird statt dessen mit Sense of Wonder sukzessive entdeckt. Portale für kurze Ausflüge auf andere Welten usw.

Vielleicht auch Brettspielablegern, Kartenspiel/Trading Card Games, Merch-Koops whatever. Starke Optionen halt, die Pegasus mitbringt.

Offline Eleazar

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #51 am: 12.01.2026 | 14:29 »
Noch mal zum Stichwort "Kontinuität" als USP:

Allein, dass das älteste deutsche Rollenspiel noch da ist und von M2-M5 eine große Kontinuität hatte, ist für mich ein Wert an sich. Ich hatte bei Midgard bis vor kurzem nicht die Sorge, dass es eingeht oder dass es kein Material mehr dafür gäbe. Altes Quellenmaterial oder alte Abenteuer sind problemlos nutzbar.

Ich habe keinen Bock auf Systeme, die nach 5 Jahren wieder in der Versenkung verschwinden oder die sich so sehr ändern, dass ich altes Material getrost in die Tonne treten kann.

Midgard stand lange dafür, dass es Midgard auch noch lange geben würde. Das hat überhaupt nichts mit einer Abwehr von neuem zu tun. Ich schmeiße nur nicht gern Geld aus dem Fenster.

Offline koschkosch

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #52 am: 12.01.2026 | 18:01 »
Ich hätte es toll gefunden, wenn Pegasus das Spiel nochmal neu aufgeladen hätte.

Da liegt doch die eigentliche Chance von Lizenzwechsel und Reset.

Midgard auf den Kern runtergeschliffen, gerne auch als EDO, aber eben komplett "auf Anfang gesetzt" (keine tausende Seiten Historie und politischer Reigen).

Mit vollem Fokus auf Exploration und Abenteuer. Barrierefreies Entdecken. Dafür braucht es keine voll beschriebene (neue) Welt. Die wird statt dessen mit Sense of Wonder sukzessive entdeckt. Portale für kurze Ausflüge auf andere Welten usw.

Vielleicht auch Brettspielablegern, Kartenspiel/Trading Card Games, Merch-Koops whatever. Starke Optionen halt, die Pegasus mitbringt.


Ich glaube, ein stückweit machen sie genau das...

Offline Boba Fett

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #53 am: 12.01.2026 | 18:09 »
Ich glaube, ein stückweit machen sie genau das...

Klar, wenn ein Spieleverlag dahintersteht wird es auch eine physische Komponente an Schicksalsmützen geben.
...so wie DSA professional nur mit echten Runensteinen...

okay, das war jetzt unfair...

Was mich übrigens positiv triggert, ist die Menge an Wasser auf der Karte. Denn so gesehen braucht es da jede Menge Seefahrer und Seefahrten.
Und da stehe ich ja drauf, weil ich mich da auskenne und meine Leute dann mit nautischem Bullshitbingo vollquatschen kann.
Naja, und weils mal was anderes ist.
Ich befürchte nur, dass Midgard 6 regeltechnisch dann wieder mit halbaren Seefahrtskram ankommt.
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Offline Morf2

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #54 am: 12.01.2026 | 18:26 »


Ich glaube, ein stückweit machen sie genau das...

Ah, okay, für mich steckte da jetzt kein auffällig großes Entdeckertum drin. Ich meinte aber auch kein stückweit, sondern quasi zu 100%.

Midgard wieder aus der Perspektive des reisenden Abenteurers. Vielleicht wie bei TOR. Regionaler Start, Karten/Reisen, Legacy-Karten a la Forbidden Lands, mit den Abenteuern schließt man neue Regionen auf (Abenteuer mit Quellenbuchanteil - nicht umgekehrt).

Das mit den Möglichkeiten eines Spielverlags aufzubohren finde ich gut. Wenn es gut gemacht ist und kein Billokram. Aber es müssen keine Schicksalsmünzen sein :-)
« Letzte Änderung: 12.01.2026 | 18:41 von Morf2 »

Offline nobody@home

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #55 am: 12.01.2026 | 18:36 »
Was mich übrigens positiv triggert, ist die Menge an Wasser auf der Karte. Denn so gesehen braucht es da jede Menge Seefahrer und Seefahrten.
Und da stehe ich ja drauf, weil ich mich da auskenne und meine Leute dann mit nautischem Bullshitbingo vollquatschen kann.
Naja, und weils mal was anderes ist.
Ich befürchte nur, dass Midgard 6 regeltechnisch dann wieder mit halbaren Seefahrtskram ankommt.

Wird man sehen müssen, denke ich. Zur "richtigen" Seefahrt über ein bißchen Küstenfischerei im kleinen Boot hinaus gehören dann ja (vorausgesetzt, wir reden über ein eigenes Schiff zum Selbstherumabenteuern und nicht bloß SC-als-Passagiere) praktisch zwangsläufig auch das Anheuern und der Umgang mit einer mehr oder weniger großen NSC-Mannschaft...wie M6 das dann verregelt, wenn überhaupt, könnte mich schon ein wenig interessieren.

Offline koschkosch

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #56 am: 12.01.2026 | 19:04 »
Ich bin auch ein großer Fan von Seefahrtsabenteuern und versuche entsprechend, die Pegasi ein bisschen in diese Richtung zu schieben.

Ich wollte mal wieder back to topic und auf die 11 Wahrheiten zu Damatu aus dem Umstürmten-Band hinweisen. Daraus kann man ganz gut ein paar Tendenzen ablesen, wie Damatu geplant ist.

z.B. "Ein Zeitalter neuer Errungenschaften" und "Damatu ist groß" und jeweils die Texte dazu.

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #57 am: 12.01.2026 | 23:14 »
Mal eine Frage: Wie lange und wie oft hast Du Midgard 5 gespielt?
2018 habe ich eine Kampagne mit Midgard 5 geleitet. 15 Sitzungen in etwa. Ich gebe aber gerne zu, dass meine Sicht auf Midgard 5 vielleicht in der Retrospektive negativer ist, als sie beim Spielen war. Gefühlt fand ich das System immer noch sehr von Nichtkönnen getrieben, außer in den zwei, drei Dingen, in denen man mal etwas ordentlich kann.

Die Frage, die sich stellt: macht Damatu das anders? In meinen Augen, Ja. Erstmal ist selbst bei schlechten Fertigkeiten (mit +5 oder so) durch die Vorteilsmechanik und Schicksalsmünzen, ein bisschen mehr möglich. Zweitens, gibt es einfach viel, viel weniger Fertigkeiten, d.h. man kann beim Charakterbau sehr viel besser vorhersehen, welche Lücken man haben will. Es gibt nicht nur ein paar isolierte Inseln, die man beherrscht.

Offline Boba Fett

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #58 am: Gestern um 12:42 »
Mir ist gerade noch was in Damatu aufgefallen.
Die mitgelieferten Charaktere sind ja eigentlich alle Grad drei.
Schaut man sich deren Fertigkeiten an, so sind Midgard 5 Charaktere um einiges kompetenter.
Etliche Fertigkeiten starten bei M5 mit +12, andere mit +8. Kampffertigkeiten starten mit +5, Abwehr mit +11 (plus Schild).
In Grad 3 waren die Charaktere bei uns way beyond, dem, was die Damatu-Charaktere können...
Ist das so gewollt?
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Offline Eleazar

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #59 am: Gestern um 13:47 »
Mir ist gerade noch was in Damatu aufgefallen.
Die mitgelieferten Charaktere sind ja eigentlich alle Grad drei.
Schaut man sich deren Fertigkeiten an, so sind Midgard 5 Charaktere um einiges kompetenter.
Etliche Fertigkeiten starten bei M5 mit +12, andere mit +8. Kampffertigkeiten starten mit +5, Abwehr mit +11 (plus Schild).
In Grad 3 waren die Charaktere bei uns way beyond, dem, was die Damatu-Charaktere können...
Ist das so gewollt?

Ich will mal präszisieren: Alle Kämpferfiguren haben eine Spezialwaffe mit +2 zusätzlich, der Krieger hat sogar drei Waffen mit +2.
Hinzu kommt, dass bei einer Geschicklichkeit ab 81 / 96% noch einmal +1 / +2 dazu kommen. Bei sehr hoher Geschicklichkeit kann bei M5 eine Grad 1 Figur, die noch nichts gelernt hat, maximal mit +9 starten! ... und nach dem ersten Spielabend locker noch mal +1 oder +2 drauflegen. (Hohe Intelligenz begünstig Wissensfertigkeiten, persönliche Ausstrahung soziale Fertigkeiten...)

Boni aufgrund für Geschicklichkeit oder Gewandtheit gelten zudem auch für zahlreiche weitere Fertigkeiten.

Offline koschkosch

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #60 am: Gestern um 17:01 »
Darauf habe ich auch schon mal hingewiesen, aber der Vergleich ist nicht so ganz 100%ig, weil in M5 ja Boni und (häufiger) Mali auf den EW kommen, bei M6 aber nicht, dort gibt es ja das Vorteil/Nachteil Modell (das ich persönlich nicht so mag).

Zudem gibt es die Möglichkeit, einen Misserfolg zu einem kleinen Erfolg zu wandeln, bei M5 kannst du nur den Wurf wiederholen bzw. dir im Vorfeld Boni geben durch den Verbrauch eines Punkts Schicksalsgunst.

Ich finde diese Vorteil/Nachteil Regel auch deswegen blöd (aber viele mögen gerade die), weil sie die Figuren von M6 stark von M5 unterscheidet bzw. die Erfahrung aus M5 nicht für M6 eingesetzt werden kann.

Aber Neuspieler haben dieses Problem schätzungsweise nicht.

Mir ist gerade noch was in Damatu aufgefallen.
Die mitgelieferten Charaktere sind ja eigentlich alle Grad drei.
Schaut man sich deren Fertigkeiten an, so sind Midgard 5 Charaktere um einiges kompetenter.
Etliche Fertigkeiten starten bei M5 mit +12, andere mit +8. Kampffertigkeiten starten mit +5, Abwehr mit +11 (plus Schild).
In Grad 3 waren die Charaktere bei uns way beyond, dem, was die Damatu-Charaktere können...
Ist das so gewollt?

Offline Boba Fett

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #61 am: Gestern um 18:32 »
Schaut man sich deren Fertigkeiten an, so sind Midgard 5 Charaktere um einiges kompetenter.
Inzwischen konnte ich mir die Playtestregeln ansehen (immer das blöde arbeiten im Job…) und da wurde klar, wo die Ursache liegt.
M6 Charaktere bekommen eine Wertematrix an Fertigkeitenboni, [+11 +10 +9 +8 +8 ...] und können die willkürlich verteilen.
M5 Charaktere bekommen ein Punktekonto ("Lerneinheiten") für Fertigkeitsklassen und können dann einkaufen. Und wenn man eine Fertigkeit einkauft, bekommt man deren fixen Startwert. Der ist Charakterklassen-Unabhängig.
Bei M5 bekamen alle Charaktere, die Nahkampf(Schwerter) lernten ein +5. Bei M6 kauft der Magier natürlich erstmal Zaubern +11 und der Kämpfer Nahkampf +11.
Und beide können dann in der jeweils anderen Fertigkeit nicht mehr das gleiche kaufen.
Dazu kommt, das Zauberfähige Charaktere schlechtere Fertigkeiten-Matritzen haben als Nicht-Zauberer und dafür dann aber Startzauber erlernen dürfen.
Wobei die Zauberkundigen in der ersten Option ein mininal schlechteres Fertigkeiten-Angebot bekommen, dann aber auch nur 2 Zauber Stufe 1 und 2 kleine Zauber/Salze.

Insofern ist meine Aussage nur teilrichtig: Die M6 Charaktere sind spezialisierter. Sie können in einem Bereich auch besser sein (In M5 fing niemand mit +11 auf Nahkampf an...) Aber eben auch schwächer, wenn man eine Fertigkeit auf Max legt, die M5 als Startwert auf +12 hatte...

Hmmmmm.... ich weiss nicht ob ich das so gut finden soll.
Der Minmaxer in mir schreit: Dann nimm doch immer den Zauberkundigen Fertigkeiten 1, leg Zaubern als Fertigkeit erst mal niedrig und hol dir zwei Zauber.
Mit "Macht über Unbelebtes" (aka "Telekinese") kann man schon ganz viel Zeugs anstellen, "Wunden verursachen" macht so viel Schaden, wie ein Langschwert, nur dass Rüstung nicht abgezogen wird. Nahkampf legst Du dafür hoch an.
Dann spielste erst mal als Kämpfer oder Schurke und wenn die Kampffähigkeit teuer werden, fängst Du an, Zauber zu lernen... und zwar die guten...
Darf ich sagen, dass mir das wenig gefällt...? Da waren die Midgard 5 Regeln ausgewogener.

Bei M5 hat mir die geschickte Trennung von Waffenfertigkeiten und anderen gut gefallen. Denn eigentlich waren sie gar nicht getrennt, aber dadurch, dass der Startwert fix war, reduzierte sich das Min-Max Potential erheblich.

Ebensowenig gut finde ich, dass Wahrnehmung wieder ein zu steigender Wert ist. Midgard 5 hatte einen Wert +6 und dann konnte man eventuell noch einen +2 Bonus für gut gut sehen/hören&usw bekommen. Wir haben das immer auf +10 angepasst, das war dann immer eine 50:50 Chance für Wahrnehmung. Dafür haben wir dann auch die Wahrnehmungsbedingungen berücksichtigt. 30% auf "was sehen" fanden wir etwas schlecht.
Jetzt haben wir die blinden,tauben,geruchlosen und die, die das können. Wobei niemand einen Wert von +10 auf Wahrnehmung verschwenden wird, ausser er will Sherlock spielen. Also haben wir nur taubenblinde Geruchlose... und Sherlock.
Schade, denn das hat mir bei Midgard 5 sehr gut gefallen, dass es einfach ein statischer Wert plus eventueller Begabungsbonus war.
« Letzte Änderung: Gestern um 21:13 von Boba Fett »
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Offline Boba Fett

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #62 am: Gestern um 21:58 »
Ich möchte nicht nur rummeckern: Die Regelungen um den Verzicht von Eigenschaftswerten und Vorteile/Nachteile (ja, Gunst und Makel - das muss irgend so ein deutsches Fantasy Ding sein, dass man die Dinge nicht einfach bei einem klaren Namen benennen kann, sondern immer einen stimmungsvollen Bezeichner einbauen muss. Wie ist den der Plural von Gunst? Wenn ich zwei davon will? Der Spieler besitzt am Anfang drei Gunst.. Und das klingt jetzt stimmungsvoll? Ich melde Zweifel an… Zumal „Gunst“ in seiner Wortbedeutung immer von einer Person ausgeht. Es wird von jemandem eine Gunst erwiesen, man steht in jemandes Gunst. „Zu Gunsten“ ist auch immer von jemandem erteilt. Der Vorteil eines Charakters ist in der Regel aber nicht von einer Person ausgehend… Und „Makel“ finde ich auch nicht so passend. Ist es ein Makel, wenn jemand „behütet“ aufgewachsen ist?)
Zurück zum Thema: Ich wollte sagen, das haben sie regeltechnisch gut gemacht! Ich würde noch ein paar andere Vorteile hinzubauen oder einen Guide, wie man Vorteile selber schaffen kann. Und die Bezeichnungen ändern, weil ich für klare und eindeutige Begriffe bin.

Ein Makel fällt mir besonders in den Blick und das ist Analphabet. Den Begriff finde ich sehr ungünstig gewählt, denn die Beschreibung des Makels ist eigentlich eindeutig eine äußerst schwere Form von Legasthenie. Denn die Person kann nicht nur aktuell nicht lesen und schreiben sondern wird laut Regeln nie schreiben und lesen lernen können.
Mit Rücksicht auf Menschen, die solche Handycaps haben, sollte man umsichtig formulieren und da finde ich es schwierig, hier den falschen Begriff anzuwenden. Soll damit ausgesagt werden, dass alle Analphabeten nicht in der Lage sind, Lesen und Schreiben zu lernen? (Mit Sicherheit natürlich nicht!) Das ist nämlich eindeutig falsch und auch ein Stück weit diskriminierend. Und vor allem alles andere als ermutigend, mit dem Erlernen zu beginnen. Es qualifiziert Menschan ab, die es eh schon schwer im Leben haben. Und ich glaube, das möchte niemand. Bitte an die Midard 6 Redaktion weiterleiten, wenn jemand dahin Beziehungen hat…

Die andere Frage, die mir da in den Sinn kommt: Wenn Legasthenie / nicht lesen (lernen) können ein Makel ist, dann bedeutet es, dass der Normalzustand der (erwachsenen) Bevölkerung ist, dass sie lesen und schreiben können? Also gibt es ein Schulsystem? Oder wer bringt es den Menschen bei? Und was ist mit Rechnen? Nicht mißverstehen: Es ist Definitionssache und ich finde diesen Status Quo nicht falsch, sondern eher gut!
Aber er hat Auswirkung auf die Weltenbeschreibung. Wenn es einen Mond gibt, gibt es Ebbe & Flut. Wenn (fast) alle Menschen Schreiben und lesen können, hat es ihnen jemand beigebracht - auch den Kindern in der Unterschicht, auch den Armen, vielleicht sogar den Sklaven (denn unfrei ist ein Makel und da steht nichts von Analphabet).
Und um einen Vorschlag zu machen: Menschen könnten das in den Tempeln ihrer Götter im „Sonntagsunterricht“ gelernt haben. Die Kinder lernen lesen und schreiben, die Erwachsenen vielleicht etwas anderes (gemäß der Charakteristika der jeweiligen Götter… „Schatz ich geh heute zum Gottesdienst in den Mars-Tempel…“ - „Du willst Dich ja nur wieder prügel!“ - „…ertappt….“)
Und vor den Göttern sind alle Menschen gleich, deswegen lernen dort auch die Unfreien. Nur dass die Unfreien eher in den Erlösertempel gehen und nicht in den Nobel-Tempel, wo die Reichen und Adligen verkehren und wo entsprechend teure Opfergaben erwartet werden - es sind wirklich alle vor den Göttern gleich. Und jetzt geh in deinen Tempel… ;)
« Letzte Änderung: Gestern um 22:47 von Boba Fett »
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Offline Eleazar

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Re: Eindrücke vom Midgard 6 Schnellstarter "Die Umstürmten"
« Antwort #63 am: Gestern um 23:51 »
Und wie ist das in einer primitiven, schriftlosen Kultur? Können die dann alle nie Lesen und Schreiben lernen?

Offline sma

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Vorteile/Nachteile  (ja, Gunst und Makel [...]
Diese Begriffe sind doch schon durch die Würfelmechanik belegt.

Lern doch einfach die Begriffe als Vokabeln. Hätte auch Grubu (plural Grubuti) und Badox (Badoxa) sein können. Kein Unterschied, sobald man sich einmal daran gewöhnt hat.

Zitat
Ein Makel fällt mir besonders in den Blick und das ist Analphabet. [...]
Wenn deine Spielfigur dann doch lesen lernen möchte, tauscht du einfach den Markel aus. Z.B. schlechte Augen, weil so lange bei Kerzenlicht das Lesen geübt, dass es jetzt Nachteil im Fernkampf gibt oder ähnliches. Da kann man doch beliebig kreativ sein.

Zitat
Soll damit ausgesagt werden, dass alle Analphabeten nicht in der Lage sind, Lesen und Schreiben zu lernen? (Mit Sicherheit natürlich nicht!) Das ist nämlich eindeutig falsch und auch ein Stück weit diskriminierend.
Aber du sagst es doch selbst, es soll nicht ausgesagt werden. Also musst du es schon explizit falsch verstehen, um sich dann im Anschluss darüber aufregen zu können. Und wenn der Begriff in einer Spielgruppe Probleme bereitet, dann meidet man ihn eben in dieser Gruppe und schreibt "kann weder lesen noch schreiben und wird es auch nicht können" in das kleine Feld.

Zitat
Bitte an die Midard 6 Redaktion weiterleiten, wenn jemand dahin Beziehungen hat…
Füll doch einfach den Playtest-Report aus und gib das am Schluss im Freitext als zusätzliches Feedback an.

Zitat
Die andere Frage, die mir da in den Sinn kommt: Wenn Legasthenie / nicht lesen (lernen) können ein Makel ist, dann bedeutet es, dass der Normalzustand der (erwachsenen) Bevölkerung ist, dass sie lesen und schreiben können? Also gibt es ein Schulsystem? Oder wer bringt es den Menschen bei?
Das ist IMHO die viel spannendere Frage bzw. eine, die wir uns beim Spielen auch gestellt haben. Die logische Konsequenz aus dem Markel wäre es – passt aber IMHO nicht so gut zu einer frühgeschichtlichen Welt, außer man ist wieder bei der "wir laufen in Kostüm mit der aufgeklärten Moralvorstellung des 21. Jahrhunderts in einer modernen Großstadt herum, die mit Kulissen vollgestellt ist." wie es aktuelles D&D vormacht.

Zitat
Wenn es einen Mond gibt, gibt es Ebbe & Flut.
Nope, nicht wenn der magisch ist. Oder wenn du wie bei Glorantha z.B. eine Welt hat die eben wirklich eine Scheibe ist, die die Oberkante eines Würfels bildet, worüber sich ein Gestirn gewölbt, in/an dem wirklich Götter langlaufen. Und auch bei Damatu ist der Mond ja in so fern magisch, dass er jedem anders erscheint und dann kann alles oder nix gelten. Naturgesetze sind ein unverbindliches Angebot.

Zitat
Und um einen Vorschlag zu machen: Menschen könnten das in den Tempeln ihrer Götter im „Sonntagsunterricht“ gelernt haben.
Das ist eine gute Idee.

Die sich daran anschließende Frage ist natürlich: Was machen die Leute denn mit dieser Fähigkeit? Briefe schreiben? Gibt es Papier? Bücher lesen? Gibt es Buchdruck? Auch schon mit bewegten Lettern? Lehmtäfelchen bestanzen? In einer Art Buchstabenkeilschrift? Verbreiten diese Schriften Ideen? Bildung? Gibt es zumindest schriftliche Verträge? Eine gut organisierte funktionierende Verwaltung? Eine Zeit der Aufklärung? Und wie beschleunigt das den Austausch von Wissen? Erfindungen? Technologie? Kann ich endlich meinen Artikel veröffentlichen, wie ich eine Fantasywelt durch die Einführung von Computern erschüttere? Für den einfachen Weg brauche ich nur NAND-Dämonen, die sich an Händen und Schwänzen halten können. Aber für den langweilig technischen Weg brauche ich minimal Storm und Relais und bessere wären Röhren.

Ich finde aber deine Beobachtung, dass dieser eine Markel eine gravierende Auswirkung auf die Spielwelt haben könnte, echt gut.

Offline nobody@home

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Und wie ist das in einer primitiven, schriftlosen Kultur? Können die dann alle nie Lesen und Schreiben lernen?

Grundsätzlich würde ich mal davon ausgehen, daß einer, der Lesen und Schreiben kann, es anderen zumindest dann wenigstens in den Grundzügen beibringen kann, wenn sie dieselbe Sprache sprechen und beide Seiten das auch wollen.

Wieviel Bedarf daran in einer Kultur besteht, die Schreibmaterial nicht gerade als Massenware produziert, mag noch mal eine andere Frage sein. Generell neige ich allerdings zu der Ansicht, daß die heutige Geschichtswissenschaft den Anteil der Analphabeten in der Vergangenheit (speziell im Mittelalter) möglicherweise aus schlichtem Mangel an überlieferten Indizien ein gutes Stück weit überschätzt -- daß primär Schriftstücke "wichtiger" Leute die Jahrhunderte überdauert haben, kann ja auch einfach mit daran liegen, daß die sorgfältiger verwahrt und öfter bewußt mehrfach kopiert worden sind als das hypothetische Tagebuch einer Bauernfrau, das nur sie selbst und vielleicht noch ein paar andere Familienmitglieder interessiert hat und halt irgendwann verlorenging.

Nebenbei: erfunden wurde die Schrift ja schon im Altertum, und da wohl zunächst mal zu Verwaltungs- und bürokratischen Zwecken, weil's da natürlich nützlich war, wenn man das rein persönliche Gedächtnis noch durch entsprechende Notizen und Dokumente stützen konnte. Dafür hat aber prinzipiell jeder Verwendung, der auch nur einen eigenen Haushalt o.ä. führen muß.

Offline sir_paul

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Nur kurz, ich weiss viele mögen den Ansatz nicht. Aber die Regeln zur Charaktererschaffung sollen die Helden eures Abenteuers abbilden und sind nicht dafür gedacht 08/15 Bewohner der Welt zu modelieren.

So kann es meiner Meinung nach durchaus sein das 99% der Bevölkerung nicht lesen können. Trotzdem stellt Analphabet für die meisten Spielercharaktere einen Nachteil da, viele Hinweise sind in Briefen, Schriftrollen, Büchern, etc. versteckt.

Will heissen, aus den Vor/Nachteilen für SCs würde ich keine weitreichenden Auswirkungen auf den Rest der Welt herleiten.

Offline Mr. Ohnesorge

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Grundsätzlich würde ich mal davon ausgehen, daß einer, der Lesen und Schreiben kann, es anderen zumindest dann wenigstens in den Grundzügen beibringen kann, wenn sie dieselbe Sprache sprechen und beide Seiten das auch wollen.

Dem ist nicht so - Alphabetisierung ist nicht trivial und das Ganze mit der Zielgruppe Erwachsener noch schwieriger.
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Offline Boba Fett

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Und wie ist das in einer primitiven, schriftlosen Kultur? Können die dann alle nie Lesen und Schreiben lernen?

Ich bin kein Sprachexperte. Ich vermute (!), dass in einer schriftlosen und einfach strukturierten Kultur einem Menschen das Erlernen von Schriftsprache eher schwer fällt, es aber nicht unmöglich ist.
Wenn das auf Damatu eine Rolle spielt, dann sollte man (Autoren) sich damit beschäftigen. Wenn es für die Spielercharaktere eine Rolle spielt, sollte bei Bedarf in Regeln gefasst werden.
Ist es nicht in Regeln gefasst und auch nicht beschrieben, werde ich von den Eigenschaften der Charaktere auf die Hintergrundswelt schlußfolgern, denn andere Informationen gibt es nicht.
Wenn der Grundsatz gilt, dass man davon nicht ausgehen kann, ist das Spiel nicht spielbar, denn den Spielenden fehlen Informationen über die Beschaffenheit der Hintergrundswelt.

Nur kurz, ich weiss viele mögen den Ansatz nicht. Aber die Regeln zur Charaktererschaffung sollen die Helden eures Abenteuers abbilden und sind nicht dafür gedacht 08/15 Bewohner der Welt zu modelieren.

Ich kann mit dem Ansatz leben. Dann sollte er aber formuliert sein. Dann sollte auch irgendwo stehen, dass Charaktere in der Hintergrundswelt über dem Durchschnitt stehen.
Bei Earthdawn und Exalted ist das der Fall und ganz klar. Bei D&D auch, immerhin gab es da NSC Stats von der Klasse "Commoner" und sowas.
Midgard war für mich bisher ein bodenständiges Rollenspiel und kein heroisches. D.h. ein Charakter war eine Person in der Gesellschaft. Eine Stadtwache, ein Gildenmagier oder ein Bandit ebenso, mit vergleichbaren Werten. Exaltiertheit kam durch das Ansteigen in Graden und steigern, war aber nicht von vornherein gesetzt.
Bei Midgard 5 hat man Attribute gewürfelt und bekam leicht verbesserte Werte, 2x würfeln und den besseren oder die besten 6 aus 9 Würfen nehmen. Das war etwas besser als Durchschnitt, aber kein Hinweis darauf, dass sich SC maßgeblich von NSC unterschieden.
Und eigentlich reicht da eine Klarstellung, dass von den Erschaffungsregeln nicht auf die Beschaffenheit der Bevolkerung geschlossen werden kann, und es wäre erledigt. Naja, zur Hälfte, denn dann braucht es anderswo Informationen, damit der Spielleiter auf die Beschaffenheit der Bevölkerung in der Spielwelt schlussfolgern kann - und der Spieler auch, denn der soll seinen Charakter ja durch die Spielwelt führen, als wäre er ein Bewohner dieser. Und plötzlich erfahren, dass eigentlich alle (auch im gehobenen Stand) Leute nicht lesen können, während sein (möglicherweise aus der Schicht 'unfrei' stammender) Charakter es natürlich kann, ist etwas, dass zumindest ich schon bemerkenswert finde. Ich würde mich dann fragen was noch so alles "seltsam" ist und in welchen Situationen man aufpassen muss. Vertrautheit mit dem Setting erlaubt das dann jedenfalls nicht mehr.
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