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[Film] Die Odyssee - Christopher Nolan

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Prisma:
Wagemutige Thesen, ohne Kenntnis:
Jain, ich denke mir ja keine Dinge aus, sondern beziehe mich auf das was in Rewievs rauf und runter diskutiert wurde.

Stimme des Zyklops/Circe/Hades:
Das meine ich ja mit technisch beeindruckenden Prisen. Die Stimme und Circe sollen das Beste an dem Film sein, da sind sich viele - sogar die härtesten - Kritiker einig. Der Hades wird durchmischter gesehen. Der Soundtrack wird auch durchmischt gesehen.

Emily Wilsons Kritik:
Habe ich auch schon gesehen. Da stimme ich dir zu.

First Orko:

--- Zitat von: Zed am 27.07.2026 | 23:46 ---Der Zyklop, und insbesondere seine "Stimme", die ekelhaftest eindrucksvollste Tranformationsmagie der Circe, die seit "American Werwolf" auf der Leinwand lief, und ein eindrucksvoller Hades waren durchaus mythisch. Und der Soundtrack ist auch nicht von dieser Welt. Das Ganze ist nicht grau-blau-dunkel-slow-motion-überzeichnet wie Zack Snyder es immer macht, aber trotzdem mythisch.

--- Ende Zitat ---

Na also so ganz fürchterlich daneben liegt Prisma aber nicht, wenn er Nolan an der Stelle einen Hang zur Entmystifizierung (wie zum Beispiel auch bei Batman) unterstellt, finde ich. Diese Odyssee kann man zumindest auch als Heimfahrt eines traumatisierten Soldaten deuten und damit als quasi-realistische Umdeutung der Figur mit der Überlegung "Wie könnte die Figur von Odysseus gewesen sein, damit sich so ein Mythos drum entspinnt?". Der Begriff Mythos ist halt zum Einen geisteswissenschaftlich ausführlich definiert, wird dann aber in der Breitenwahrnehmung ziemlich vage und auf sehr viel unterschiedliche Arten benutzt. Des Einen Mythos kann durchaus des Anderen Dekonstruktion sein. So finde ich zum Beispiel gerade die "trostlos und meh"-Ästhetik der Umgebungen sehr passend für die angestrebte Stimmung und der Soundkulisse... mich hatte das an die stellenweise entrückt-surrealen Kulissen des 2015er Macbeth erinnert.
Auf sowas muss man aber auch Lust haben. Wer da mit der Erwartung einer bildgewaltigen, pompös ausgestatteten Heldenerzählung reingeht wird bitterlich enttäuscht werden. Diese gab es schon und Nolan hatte offensichtlich keine Lust, sich dieser Tradition hinzugeben - und das muss ein legitimer Ansatz für einen Filmschaffenden sein, denn es trägt zur Vielfalt bei, zu unterschiedlichen Blickwinkeln, zu Gesprächen über die eigenen Vorstellungen usw. Wie langweilig, trostlos und meh wären unsere Medien, wenn man mit einem alten Stoff nicht auf komplett unterschiedliche Arten spielen könnte/dürfe und dieselbe Geschichte immer wieder auf neue Art erzählen?

Gefallen muss nicht jede Variante allen - aber dass dies so ist, ist keinerlei Qualitätskriterium für irgendwas.

Ich persönlich fand den Film zumindest angemessen episch in seiner Bild- und Tongewalt und auch erzählerisch auf ein gewisse Art "vage" gehalten, als dass er zu Interpretation und Diskussion einlädt. Und das sind für mich alles Eigenschaften, die einen GUTEN Film ausmachen. Zum Mythos hatte ich bisher bis auf gewissen popkulturelle Klischeevorstellungen ansonsten keinen Zugang, habe jetzt aber Lust bekommen, mich mit dem Text genauer zu befassen - und das ist ja auch mal eine positive Wirkung, würde ich meinen  8)

Crimson King:
Zak Synders Verfilmung einer maximal toxischen Glorifizierung von Gewalt als Mythisierung von irgendetwas zu bezeichnen, hat auch was. Das mythisiert vor allem Sachen, die meines Erachtens eher geächtet werden sollten.

Jiba:
Vorsicht, CK. Keine Politik im Thread. Sonst fühlen sich Leute wieder angesprochen.  8]

Runenstahl:
Drüber geschlafen (und davon geträumt). Die Odyssey ist ein gewaltiger Film. Einer der nicht in das Schema meines geliebten Popkorn-Kinos pass, ein Film der mich auch danach noch beschäftigt hat.

Ich habe auch Wilsons Kritik gelesen (danke für den Link Zed) und muss ihr in weiten Teilen beipflichten, komme aber zu einem anderen Schluss. Die Odyssey ist wie alle Geschichten nur eine mögliche Interpretation des Stoffes. Und so oberflächlich ist sie nicht. Odysseus ist ein gespaltener "komplizierter" Mann zwischen Pflicht, Verantwortung, Liebe und Stolz. Das bringt der Film sehr gut rüber. Ich bin mir auch nicht sicher ob die Odyssey an sich wirklich so eine tiefgründige Geschichte ist. Letztlich ist es eine klassische Heldenreise mit dem "Twist" das hier Odysseus und seine Mannschaft für ihre Fehler bezahlen müssen. Auf jeder Station lassen ein paar seiner Männer ihr Leben und am Ende bekommen die Freier ihre Strafe.

Es gibt im Film mMn ein paar kleinere Ungereimtheiten, aber der Gesamteindruck bleibt für mich sehr gut. Als jemand der Popkornkino bevorzugt und um Filme mit bedeutungsschwangeren Botschaften lieber einen Bogen macht, gebe ich ihm 7 von 10 heilige Kühe. Wer Interstellar und Inception richtig gut fand wird den Film vermutlich deutlich besser bewerten.

Ich freue mich jedenfalls das es der toxischen Meute nicht gelungen ist den Film runterzuziehen. Das mag daran liegen das der Stoff hier universeller ist und auch nicht-Nerds ins Kino zieht, während bei anderen Projekten die Zielgruppe deutlich kleiner und damit leichter zu beeinflussen ist. Wie schon bei anderen Filmen und Serien waren viele der Behauptungen die im Vorwege getroffen wurden einfach falsh oder letztlich bedeutungslos für dem Film. Das Kino bei uns war jedenfalls recht gut besetzt.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)- Ist es wirklich relevant ob man korrekte Schiffe und Rüstungen verwendet oder reicht es wenn die Ausstattung den Erwartungen vom antiken Griechenland entspricht ? Immerhin stellt quasi die gesamte griechische Kunst alle Helden Trojas auf eine Art und Weise dar die eher an 300 erinnert als an historisch korrekte Gestalten.

- Die ganzen Rage-Memes darum das Elliot Page die totale Fehlbesetzung für Achilles ist, waren ein Griffs in Klo weil er eben nicht Achilles spielt.

- Die moderne Sprache macht Sinn. Da muss ich Wilson beipflichten. Was will man denn ? Authentisches Altgriechisch mit Untertiteln ? Kann man machen, aber nicht bei einem Film seine Produktionskosten irgendwie wieder einspielen muss. Gestelzte Pseude-Mittelalter Sprache ala DSA ? Sorry, das wäre auch nicht Authentisch. Nein, die Entscheidung hier so zu sprechen wie es den Charakteren vorgekommen wäre (nämlich "Modern") macht Sinn. Der Film will vielleicht nicht historisch korrekt sein, aber will glaubwürdig sein und die Charaktere authentisch rüber bringen. Da passt es.

- Das Casting passt ebenfalls. Bei Griechen, als ein seefahrendes Volk zwischen drei Kontinenten gelegen ist das für mich völlig plausibel. Jedenfalls nicht unplausibler als alle anderen Verfilmungen bei den die Rollen weitestgehend von Engländern und Amerikanern besetzt wurden, beides Länder die deutlicher weiter weg sind als Afrika. Hier war wichtiger das die Schauspieler ihren Job gut machen können und das tun sie.

Trägt kaum zu meiner Wertung bei, aber der Vollständigkeit halber noch ein paar Kleinigkeiten über die ich mich beim Sehen und Nachdenken gewundert habe:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)- Der Film erzählt uns das die Krieger im Pferd tagelang in ihren eigenen Exkrementen gesessen haben. Dieses Detail mag für die Atmosphäre wichtig sein, wirft für mich aber die Frage auf warum die Trojaner eine derart stinkende Gabe zu ihrem Tempel bringen wollen. Müsste man da nicht Angst haben das es gar kein Geschenk ist, sondern etwas das die Götter kränken soll weil es vielleicht mit Mist gefüllt ist ?

- Bei einem der ersten Stops spricht man mit einem Bewohner der nicht geflohen ist. Dabei kommt im Gespräch die Frage auf warum die Leute denn geflohen sind, man wollte doch nur Vorräte kaufen oder tauschen. Ich gucke da als Zuschauer auf die Hütten die im Hintergrund brennen. Sind die denn nicht von der Mannschaft angezündet worden ? Warum überhaupt ? Einfach so zum Spaß ? Und warum wundert ihr euch dann ernsthaft das die Leute vor euch geflohen sind ?

- Die "Dienerin" (eigentlich Sklavin) die mit Antinoos kooperiert hat wird am Ende in den Raum mit den Freiern geworfen. Doch was passiert dann mit ihr ? Man kann ja nachlesen was eigentlich mir ihr passieren soll, aber das ist nicht im Film drin. Damit ist die Szene bei der Penelope sie in den Raum stößt irgendwie bedeutungslos und wirft mehr Fragen auf als zur Story beizutragen.

- Das die Krieger bei Zirke (oder Kirke ?) sich nach minimalem Zögern darauf einlassen ihre Waffen abzulegen kam mir plausibel vor. Aber spätestens wenn ich beim Ablegen bemerke das hinter dieser Hütte im Nirgendwo eine ganzes Sammelsorium von Waffen und Rüstungen liegt sollte doch ein gewisses Misstrauen aufkommen.

- Die Männer von Odysseus geben ihr Bestes um die Rinder nicht zu essen und verjagen diese sogar um nicht in Versuchung zu kommen (wieder eines dieser Details die ich liebe). Leider müssen sie jedoch auf den Insel bleiben weil die Winde ungünstig sind. Da stellen sich mir gleich mehrere Fragen: Warum hängen die Rinder lieber am Strand rum anstatt auf den Wiesen im Inland ? Die fressen doch keinen Sand. Und warum sticht man nicht in See ? Das Schiff hat Ruder (ja, auch noch nach der Begegnung in der Meerenge die viele Ruder zerstörte). Vor allem weil danach noch erklärt wurde das der Wind gerade lange genug nachließ um die Insel zu verlassen... ja, dann hätte man auch rudern können bis man von der Insel weg war.

- Wenn bei jedem Halt irgendeine Gefahr lauert und man überstürzt abreisen muss während man von irgendwelchen Monstern verfolgt wird, dann würde ich irgendwann auf die Idee kommen das Schiff nicht jedesmal den Strand hochzuziehen sondern es aufbruchbereit ein Stück vor der Küste zurücklassen und Notfalls die letzten Meter schwimmen / waten.

- Nach der Zerstörung der Begleitschiffe hat das Hauptschiffe auf einmal Beiboote ? Zumindest hatte ich die vorher nicht bemerkt und auch wenn mir die Rüstungen und Schiffstypen schnurz sind, war das etwas was ich für die Zeit für unpassend halte.

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