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[Film] Die Odyssee - Christopher Nolan

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KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Ich war jetzt auch drin, und war angenehm überrascht, wie respektvoll Nolan mit der Vorlage umgegangen ist. Da wurde nix auf-Teufel-komm-raus umgebaut und vergewaltigt, sondern Nolan hat die Story sehr ernst genommen, und weitergesponnen, was die Handlung mit den Leuten macht, die in dieser Situation drinstecken.

Zendayas Rolle als Athene (und die Andeutungen, wie das zustande kommt, dass Odysseus mit ihr spricht) fand ich klasse, der Auftritt von Menelaos und Helena war passenderweise zutiefst verstörend, Kirke und der Zyklop ebenso, der Tod von Argo war genauso herzzerreißend, wie es mir beim Lesen von Homer immer rüberkam...
Und wenn Odysseus am Schluß den Bogen spannt und singen lässt, das war schon episch.

Okay, Ausstattung und Bauten sind wie üblich eher symbolisch, was ich persönlich immer schade finde, authentische mykenische Klamotten und Gebäude hätten dem Gesamtbild nicht geschadet - aber solange die Story und die Schauspieler gut sind, ist das marginal.

Insgesamt muss ich sagen: sehr gute Verfilmung der Odysee, was der Nolan da abgeliefert hat. Hat mich sehr gefreut.

Zed:
Eine kleine Argumentationshilfe für alle, die sich nicht länger vorwerfen lassen möchten, dass sie ""Originaltreue" nur als Vorwand benutzen, um die Besetzung rassistisch oder queerfeindlich zu kritisieren".

Die Lösung ist: Du musst noch weitere originaluntreue Faktoren aus dem Film dazu nennen, um zu beweisen, dass es Dir wirklich  n u r  um die Originaltreue geht. Hier einige hilfreiche Sätze für Dich:

• "Diese Dialoge - die Leute sprechen nicht einmal in daktylischen Hexametern wie im Original. Pff."
• "Wir können ja davon ausgehen, dass die Figuren der Odyssee alle griechisch waren, richtig? Aber war im Cast auch nur ein einziger griechischer Mensch dabei? Wie soll wer aus den USA einen Griechen spielen können? "
• "Die haben irgendwelche Drehorte auf Island(!) genommen, anstatt direkt am Hades zu drehen. Island liegt nun wirklich nicht im Mittelmeerraum."
• „Und dieser Sinon, den gibt es im Original gar nicht! Den haben Arktinos von Milet, Apollodor und Virgil (der war sogar nur Römer!) hinzuerfunden, aber Nolan musste den auch noch als Figur nutzen…“
• "Die haben im Film nicht mal Altgriechisch gesprochen, die Figuren. Sogar die Untertitelungen waren  n i c h t  in einem epichorischen Alphabet geschrieben, kannste das glauben?"

-> "Das alles zusammen macht mir die Vorstellung total kaputt, die ich vom Original hatte.  :-[ "

gilborn:
Hab mich noch viel mit dem Film beschäftigt (an meinem Grundsätzlichen Urteil hat sich leider nichts geändert), etwas auf das ich in diesem Zusammenhang gestoßen bin:

--- Zitat von: gilborn am 17.07.2026 | 09:59 ---Ich hatte schon in früheren Filmen das Gefühl, dass bei Nolan zu früh geschnitten wird, aber hier wurde es mir zu viel.

--- Ende Zitat ---
Da Nolan in IMAX dreht, ist er mit den Kameras an diversen Ecken relativ limitiert. Eine davon ist wohl, dass man nur so etwa 3 Minuten am Stück drehen kann bevor sie zu heiß werden - ein Zeitrahmen der vermutlich so gut wie nichts ist bei einer professionellen Filmproduktion.
Ich frage mich, ob diese oben beschriebene Schnitt-Thematik daher rührt...  :think:

Jiba:

--- Zitat von: Megavolt am 22.05.2026 | 16:56 ---Da bist du offenbar nicht alleine, eine kurze und oberflächliche Recherche meinerseits hat ergeben, dass der Film wahrnehmbare Schwierigkeiten hat, zum Gang ins Kino zu motivieren.

--- Ende Zitat ---

https://www.theguardian.com/film/2026/jul/20/the-odyssey-box-office


Woah, krass, wie gut du das vorhergesagt hast.  ;)

KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Hat mich auch schon gewundert, dass da wieder von schwachen Zuschauerzahlen geredet wird - der Film ist aktuell überall Thema, jede Menge darauf bezogene Artikel in allen möglichen Online- und Totholzpublikationen, und alle bisher veröffentlichten Zahlen gehen auch eher in Richtung des Guardian-Artikels. Als ich selber Samstags drin war, war der Kinosaal auch so voll wie schon lange nicht mehr.

Was mich insgesamt sehr freut, weil es halt auch ein Schlag ins Gesicht von Dummbrottrollen á la Musk ist, die glauben, was von Antike zu wissen, aber tatsächlich nicht einmal ein Halbwissen kultiviert haben.

Übrigens hab ich nach dem Oh-Gott-Helena-wird-von-einer-schwarzen-Frau-gespielt-Shitstorm schmerzlich den Warum-zum-Hades-spielt-Nolans-Odysee-fast-nur-in-nordeuropäisch-anmutenden-Landschaften-und-nicht-in-Mediterraner-Umgebung-Shitstorm vermisst... irgendwie wird da komisch gewichtet.  8]

Ich hab jetzt auch den Ralph-Fiennes-Odysseus geschaut - da es darin nur um den Teil mit der Rückkehr von Oddy nach Ithaka geht, braucht der auch nur anderthalb Stunden.
Aber der bietet fürs kleine Geld auch ordentlich was:
- ordentliche mediterrane Landschaft? Check.
- sehr gute schauspielerische Leistungen? Check.
- halbwegs passabel nach archaischer Antike aussehende Klamotten und Ausstattung? Check.
- Betonung der grimmigen Aspekte der Story? Check.
- Man kriegt nen Hass auf die Freier? Aber Hallo! Check.
- Tränentreibende Schnuffiwuffi-Sterbe-Szene mit Argos? Schnüff! Check.
- Sehr coole Penelope (hier durch Juliette Binoche)? Check.

Hat mir genauso gut gefallen wie Nolans Odyssee. Finde ich sehr befriedigend, dass die immer noch tolle Story Homers jetzt in knapp den letzten zwei Jahren gleich zwei sehr ordentliche Verfilmungen bekommen hat. Bitte in diese Richtung weiter, Lichtspielindustrie!  ^-^

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