Als Nolan Fan war ich gestern in der Premiere und bin mit sehr gemischten Gefühlen rausgekommen.
Zum einen hat mich der Film nur sehr selten emotional erreicht - das ist für mich bei Nolan oft eine Schwäche die aber oft durch einen komplexen, raffinierten Plot mit philosophischen Unterbau ausgeglichen wird (Prestige, Memento, Inception), was seine Stärke ist.
Leider kommt sie hier nicht zum tragen, und so wirkt es auf mich blutleer.
Odysseus verschiedene Stationen kamen bei mir auch unterschiedlich gut an - manche waren sehr gut, andere machten eher den Eindruck eines Lückenfüllers. Manche Sachen wurden verändert, simplifiziert, am märchenhaften wurde gespart - das fand ich schade.
Das Ende hat mich leider auch enttäuscht, da wird etwas aufgebaut und dann völlig plump aufgelöst.
Achtung, großer Spoiler:
Da stielt er sich unerkannt an seinem Hof zurück, stets bedacht unerkannt zu bleiben und sich nicht einmal den engsten Vertrauten offenbarend, um nicht das gleiche Schicksal wie Agamemnon zu erleiden - und am Ende greift er doch im Alleingang mehr oder weniger frontal alle Widersacher an.
Für mich leider auch nicht gut gelungen:
Actionszenen waren für mich oft zu verwackelt und so geschnitten, dass ich immer wieder das Gefühl hatte: "Hey, hier fehlen doch 2 Sekunden": Ich hatte schon in früheren Filmen das Gefühl, dass bei Nolan zu früh geschnitten wird, aber hier wurde es mir zu viel.
Denn das sorgt zwar für Tempo, aber Übersicht darüber, was gerade passiert, bleibt auf der Strecke. Es wirkt eher als würde nur eine Szenerie präsentiert, aber für Spannung sorgt das nicht.
Die Set-Pieces und Ausstattung (ob anachronistisch oder nicht) haben mich hingegen absolut überzeugt, fand ich toll.
CGI Einsatz auf das nötigste Reduziert, eigentlich nur in 2 Szenen erkennbar.
Auch das Casting hat für mich absolut gepasst, Matt Damon eigentlich perfekt, die im Vorfeld dazu geschürten Ängste waren im Film völlig unproblematisch.
Leichter Spoiler bzgl. Elliot Paige als Achilles:
Er spielt nicht Achilles.
Die innere Heldenreise von Odysseus nimmt erst am Schluss Fahrt auf (davor wird es einmal angedeutet), das fand ich bei der Verfilmung von DER Heldenreise schlechthin mager. Den Arc selber finde ich jedoch wieder sehr gut und passt auch gut in die heutige Zeit.
Bin gerade etwas erschüttert, weil ich doch merke, dass ich vieles habe, das mich stört (obgleich auch immer wieder starke Szenen drin sind).
So ist mein das Fazit, und das sage ich wirklich ungern: Es ist für mich kein großer Wurf und man muss ihn nicht im Kino gesehen haben.
Ich hoffe Nolan hat sein Pulver noch nicht verschossen, an seine früheren Werke kommt er mit der Odyssee jedenfalls nicht heran.